Vor kurzem konnte man die folgende Headline im oberösterreichischen Führungskräftemagazin Chefinfo lesen: „Fokussiert fördern“. Im Artikel selbst ging es dann um die neue Industriestrategie der österreichischen Bundesregierung und natürlich um die neun Schlüsseltechnologien, die speziell gefördert werden sollten.
Neun gegen fünf
Als China seinen 14. Fünfjahresplan für 2021 bis 2025 präsentierte, ging es vor allem um fünf Technologien, nämlich Digitale Infrastruktur & IT, Hardware & Halbleiter, Grüne Energien, Hochleistungstechnologien (Luft- und Raumfahrt, Quanteninformatik und Robotik) und Gesundheit & BioTech.
Das dürfte den Verantwortlichen in der österreichischen Bundesregierung klar zu wenig gewesen sein. Hier setzt man gleich auf neun Schlüsseltechnologien, nämlich Künstliche Intelligenz & Dateninnovation; Chips, elektronische Komponenten & Systeme; fortschrittliche Produktionstechnologien & Robotik; Quantentechnologie & Photonik; Advanced Materials; Life Science & Biotechnologie; Grüne Technologien & Dekarbonisierung; Wasserstofftechnologien & – Infrastruktur und natürlich Kreislaufwirtschaft & Ressourceneffizienz.
Keine Wirtschaftsexpertise notwendig
Wie wahrscheinlich ist es, dass das doch im Verhältnis zu China etwas kleinere Österreich in all diesen Bereichen führend werden kann und vor allem wie wahrscheinlich ist es, dass die dafür notwendigen Fördermittel überhaupt vorhanden sind? Ich denke, dass man weder Wirtschafts- noch Finanzexperte sein muss, um zu erkennen, dass das zwar äußert ambitioniert, aber gleichzeitig ziemlich unrealistisch ist. „Zu wenig zum Leben, aber genug zum Überleben“, dürfte das dafür realistische Szenario dahinter sein.
Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, wenn sich die österreichische Bundesregierung einmal um die Basics kümmern würde, um Österreich durch Entbürokratisierung und steuerliche Entlastungen als Wirtschaftsstandort in Summe attraktiver zu machen. Und dann sollte man überlegen, welche und vor allem wie viele Technologien man ausreichend fördern will und vor allem auch kann.
Fokus als Schlüsselelement
Dazu kommt das Gesetz der globalen Fokussierung: „Je größer der potenzielle globale Markt ist und je kleiner die eigene Volkswirtschaft, desto mehr sollte man die eigenen Ziele und Mittel fokussieren.“ Für eine Volkswirtschaft wie China mögen fünf Kerntechnologien passend sein, für Österreich dürften neun auf alle Fälle um sechs zu viel sein. Hier wäre wahrscheinlich mehr fokussierte Strategie und weniger „Wir werden es wieder einmal allen ein wenig recht machen“-Wunschtraum gefragt.
