Markennostalgie oder Vergangenheit mit oder ohne Zukunft

Markenvertrauen hat viel auch mit unseren, vor allem positiven Erinnerungen zu tun. Dazu kommt, dass wir uns speziell auch in Krisenzeiten, nach der „guten alten Zeit“, die wahrscheinlich niemals so gut war, zurücksehnen. So wird die Vergangenheit oft „verklärt“ und die Zukunft als ungewiss und unsicher wahrgenommen.

Die Vergangenheit retten

All das mag auch ein Grund sein, warum Unternehmer oder auch Manager immer wieder versuchen, alte Marken zu retten oder auch wiederzubeleben. Als gelungenes Beispiel dafür wird in Österreich etwa die Marke Niemetz Schwedenbomben gesehen.

Dazu hieß es am 4. Februar 2013 in der österreichischen Tageszeitung Kurier: „Rettungsaktion für Schwedenbombe: Schwedenbomben-Fans solidarisieren sich nach der Niemetz-Pleite auf Facebook. Hamsterkäufe sind die Folge.“ Im Juni 2013 kam es dann zur Übernahme und endgültigen Rettung durch das Schweizer Unternehmen Heidi Chocolat AG. Seitdem hat sich der Umsatz laut Medienberichten vervielfacht. Dazu hieß es etwa auf ORF Niederösterreich am 13. Juni 2019: „Schwedenbomben „gerettet“, Umsatz vervierfacht“.

Eine Frage der Investition

Wenn man sich die Geschichte oben ansieht, dann kann man das sehr wohl als echte Erfolgsgeschichte sehen. Das ist die eine Seite. Aber es gibt auch eine andere Seite oder diese Frage: „Wo würde man heute als Unternehmen national und international stehen, wenn man dieselben Mittel in eine neue Kategorie und Marke investiert hätte?“

Spannend in diesem Kontext ist jetzt eine ganz aktuelle Markenwiederbelebung. Dazu hieß es am 7. Februar in den Oberösterreichischen Nachrichten: „HMW: Ein Oberösterreicher erfindet eine alte Motorradmarke neu“. Damit stellen sich gleichzeitig aus Markensicht drei Fragen:

(1) Wer außer echten Hardcore-Motorradnostalgikern im Alpenraum kennt diese Marke überhaupt noch?

(2) Ist ein Markenname wie HMW, also eine Abkürzung überhaupt der ideale Name für die Zukunft?

(3) Mit welcher konkreten Idee – außer dem möglichen Hauch der Nostalgie – möchte man die Marke neu positionieren?

Speziell zur letzten Frage bleibt der Artikel relativ vage. So wird Geschäftsführer Michael Hofbauer so zitiert: „Wir nehmen die historischen Modelle als Inspiration, haben aber ansonsten die Marke vom Markt weg entwickelt. Das heißt, es geht darum, was die Kunden wollen.“ Das zukünftige Portfolio wird daher laut diesem Zeitungsbericht sowohl Kleinmotorräder mit Verbrennungsmotor als auch zwei Modelle mit E-Motor umfassen.

Den Zukunftsfokus definieren

Damit stellen sich aber aus Zukunftssicht noch zwei weitere Fragen:

(1) Warum nutzt man nicht die Chance, sich gleich voll auf E-Motor-Modelle zu fokussieren?“ Marken werden in der Regel stärker, wenn man deren Fokus auf die Zukunft verengt.

(2) Warum entwickelt man dann nicht dafür einen neuen Namen mit echtem nationalen und internationalen Zukunftspotenzial?

Natürlich gilt es im Einzelfall immer abzuwägen, wie viel Vergangenheit und Zukunft die beste Wahl für die spezifische Markenzukunft sind. Aber eines sollte man dabei immer bedenken, nämlich, dass „nostalgische Gefühle“ ein gefährlicher Markenratgeber sein können.

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Branding by Parov Stelar oder die Macht des First Minders

Am 30. Dezember 2020 konnte man folgende Zeilen auf Ö1 Online lesen: „Die Geschichte von Electro-Swing ist untrennbar mit dem Namen Parov Stelar verbunden. Die Linzer Band läutete eine Renaissance alter US-Tanzstile ein, die sich durch das Internet weiter verstärkte. Marcus Füreder – Kopf der Band – wurde mit Parov Stelar zu einem der größten Musik-Exportschlager aus Österreich. Er hat das Genre Electro-Swing zwar nicht erfunden, er hat es aber so weit popularisiert, dass viele das glauben.“

Parov Stelar und …

Immer noch stehen sich viele Unternehmer, Erfinder und Entscheidungsträger selbst im Weg, weil man den faktischen Markt als Entscheidungsgrundlage sieht. Das gilt speziell in jungen Märkten, die noch in Bewegung sind und in denen es noch keine klare Rang- oder Marktordnung in den Köpfen der Kunden gibt.

Dazu sollten wir uns aus dem obigen Zitat folgende Zeilen noch einmal im Detail ansehen: „Er hat das Genre Electro-Swing zwar nicht erfunden, er hat es aber so weit popularisiert, dass viele das glauben.“ Genau darauf kommt es aus Markensicht an. Es geht nicht um den berühmten First Mover-Advantage, es geht um den First Minder-Advantage.

… Elon Musk

Wenn Menschen heute an Elektroauto denken, denken diese immer noch in der Regel zuerst an Tesla und Elon Musk. Daran ändern auch zwei Umstände nach wie vor nichts:

(1) Über Jahre stand in den globalen Zulassungszahlen Tesla bei Elektroautomodellen klar im Schatten des Nissan Leaf. Nur Nissan schaffte es nie diese tatsächliche Marktführerschaft in eine mentale Marktführerschaft zu übersetzen. Genau damit machte man den Weg für Tesla frei.

(2) Aktuell ist der globale Weltmarktführer bei Elektroautos nicht mehr Tesla, sondern BYD. Dazu hieß es etwa auch am 2. Januar dieses Jahres auf BBC.com über die globalen Verkaufszahlen 2025: „China’s BYD overtakes Tesla as world’s top EV seller.”

Tesla war mit Sicherheit nicht der First Mover, aber dafür der First Minder. Und von dieser Position, speziell aufgebaut durch das Model S lebt man heute noch.

Kein mentales Ruhekissen für die Zukunft

Das heißt: Speziell das Beispiel Tesla zeigt, wie mächtig der First Minder-Advantage ist. Gleichzeitig aber ist er auch kein Ruhekissen. So sollte Elon Musk aktuell alles daran setzen, die noch vorhandene mentale Spitzenstellung zu verteidigen und auszubauen. Aber speziell mit der aktuellen Einstellung des Model S eröffnet er nämlich am oberen Ende des Marktes die Chance für einen cleveren Herausforderer die mentale Technologiemarktführerschaft in der Elektromobilität zu übernehmen. Und das könnte dann in Kombination mit der verlorenen tatsächlichen Marktführerschaft an BYD wirklich für die Zukunft von Tesla gefährlich werden.

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Ries und der „Zwang“ zur fokussierten Positionierung

Vor 30 Jahren wagte ich nicht nur den Sprung in die Selbstständigkeit als Markenberater, sondern es erschien auch ein Buch, von dem Al Ries immer wieder erklärte, dass es sein bestes und wichtigstes Buch sei. Die Rede ist dabei nicht von „Positioning: The Battle for Your Mind“, sondern von „Focus: The Future of Your Company Depends on It“.

Die Macht der fokussierten Übervereinfachung

Interessant dazu ist in diesem Kontext auch eine Aussage des australischen Markenexperten Mark Ritson, der kürzlich erklärte, dass Positionierung zu einem „komplexen Unsinn“ verkommen sei, weil der Marke zu viele Eigenschaften zugedacht werden. Das brachte er so auf den Punkt: „We totally fucked up positioning.“

Genau darum und um mehr ging es in dem Buch „Focus“, das leider damals, 1996 unter dem schwachen Titel „Die Strategie der Stärke“ auf Deutsch erschienen ist. Das wichtigste Kapitel in diesem Buch war mit Sicherheit Kapitel Nummer 8, nämlich „Finding your Word“. Oder wie es Al immer und immer wieder mit erhobenem Zeigefinger ausdrückte: „The most important concept in business today is owning a word in the mind.“

Mehr als nur ein Markenattribut

Dabei ging es Al aber nicht nur um Übervereinfachung, dass man eine Marke auf ein Attribut, auf eine Eigenschaft verdichtete, es ging ihm darum, dass die Marke oder das Unternehmen auch Richtung aufnahm. Das heißt: Die Marke oder das Unternehmen musste eine Idee, im Idealfall ein Wort finden, für das es sich zu kämpfen lohnte.

Genau hier scheitern heute viele Marken und Unternehmen bei der eigenen strategischen Positionierung doppelt:

(1) Man denkt viel zu sehr an schöne Attribute und Bilder: Die meisten Markenstatements sehen wunderschön aus und sind in der Regel auch graphisch – oft von Design- oder Werbeagenturen – perfekt aufbereitet. Sie funktionieren perfekt auf dem „Papier“, aber leider meist nicht in den Köpfen der Kunden. Denn dort gewinnt die einfache Idee immer gegen das komplexe Statement.

(2) Man denkt viel zu sehr nur an Gegenwart: Viele Entscheider und auch deren Berater oder Agenturen denken dabei zu viel an die Gegenwart und dabei oft auch an die nächste Marketing- oder Werbekampagne. Nur das ist zu wenig. Und damit sind wir auch schon beim wahren Ziel des Marketings nach Al Ries.

„The real objective of marketing“

Für Al war Marketing viel mehr als nur „Vermarktung“ oder in seinen Worten aus dem Buch „Focus“: „The book [Focus] is devoted to the real objekctive of the marketing process, which is not just selling a product or service. It’s finding the future.“ Genau das treibt uns heute auch bei Ries an. Wenn wir mit Unternehmen, egal ob in Europa, den USA oder Asien mit Unternehmen an deren Positionierung arbeiten, geht es uns nicht nur um ein fokussiertes Statement, es geht um eine spezifische und fokussierte Richtung für die Zukunft der Marke oder des Unternehmens. Es geht darum, dass man einen Markt zuerst mental und dann tatsächlich dominiert.  Und damit möchte ich diesen Blog-Beitrag genauso wie das Buch „Focus“ enden lassen: „Focus: The Future of Your Company Depends on It.“

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30 Jahre Markenpositionierungs-Beratung und drei auslösende Faktoren

Vor 30 Jahren wagte ich als wahrscheinlich erster Positionierungsberater im deutschen Sprachraum den Sprung in die Selbstständigkeit. Ausgerüstet mit einem Auto, einem Mobiltelefon, einem Apple Computer mit Laserprinter und einem Telefon-Fax war ich bereit Unternehmen bei der Positionierung ihrer Marken, Produkte und Dienstleistungen zu helfen. Ausschlaggebend aber für diesen Sprung waren vor allem drei Faktoren:

Faktor 1: Meine erste Seminararbeit

Im Sommersemester 1990 wurde mir in einer Gruppenarbeit das Thema „Werbepositionierung im Tourismus“ zugeteilt. Ab der ersten Literaturrecherche wusste ich, dass genau das mein Thema ist. Ab diesem Augenblick war ich von Positionierung fasziniert.

Natürlich stieß ich bei dieser Literaturrecherche auch auf das damals fast noch aktuelle Buch „Positioning: Die neue Werbestrategie“ von Al Ries und Jack Trout, das 1986 zum ersten Mal erschienen war. Die Folge: Ich las natürlich auch „Marketing generalstabsmäßig“ (Marketing Warfare) und das damals ganz aktuelle „Marketing fängt beim Kunden an“ (Bottom Up-Marketing) der beiden Autoren.

Faktor 2: Meine erste Briefbekanntschaft mit Al Ries

1992 las ich in einem Zeitungsartikel, dass es in den USA ein neues Buch von Al Ries und Jack Trout mit dem Titel „Horse Sense“ gibt. In diesem Buch ging es um das damals heiße Thema „Selfmarketing“. Natürlich wollte ich dieses Buch haben und begab mich direkt in die Buchhandlung meines Vertrauens. Nur bekam ich hier die Auskunft, dass dieses Buch vielleicht in 4 Wochen, in 2 Monaten, in einem halben Jahr oder gar nicht komme.

Also wandte ich mich an den österreichischen Außenhandelsdelegierten in New York mit Bitte um die Adresse von Trout & Ries Marketing Strategists. Dann schrieb ich beiden Autoren einen Brief, ob und wie ich das Buch erhalten kann. Und bekam keine Antwort. Daraufhin schrieb ich einen zweiten Brief und erhielt das Buch ohne Begleitschreiben und ohne Widmung. Natürlich bedankte ich mich mit einem weiteren Schreiben.

Damit war einmal der erste Kontakt beendet. Im Herbst 1992 erschien dann ein Artikel über Burger King in der europäischen Ausgabe von BusinessWeek. In diesem Artikel wurde auch Al Ries als Marken- und Marketingexperte zitiert. Ich schnitt diesen Artikel aus und schickte ihn Al mit einem Brief, in dem ich mich noch einmal für das Buch bedankte.

Im Frühjahr 1993 erschien dann ein Artikel über „Flops“ in BusinessWeek. In diesem war Jack Trout als Experte zitiert. Diesmal schrieb ich bezugnehmen auf diesen Artikel einen Leserbrief an BusinessWeek. Dieser wurde auch in der europäischen Ausgabe dann veröffentlicht. Was ich nicht wusste, war, dass dieser auch in der U.S.-Ausgabe veröffentlich worden war. Nur diesen schnitt Al Ries aus und schickte ihn mir mit einem netten Begleitschreiben.

Ab diesem Augenblick standen wir in regelmäßigem Kontakt, zuerst via Brief, dann Fax und dann natürlich E-Mail. Als ich Al das erste Mal bereits 1993  bzgl. meiner möglichen Selbstständigkeit als Positioning-Consultant fragte, schrieb er mir folgende Zeilen retour: „The best advice I can give you is to “hang in there.“ It takes time to get accepted. If you have the courage of your convictions, you’ll break trough. Don’t give up.“

Faktor 3: Meine erste Berufserfahrung in einer Werbeagentur

Ab dem Augenblick, als ich Positioning für mich entdeckte, keimte der Wunsch in einer Werbeagentur zu arbeiten. Das war für mich als Student der einzig logische Weg. Und so startete ich meine berufliche Karriere 1994 bei Jeschke & Lampl Werbeagentur in Linz.

Nur schon bald musste ich bemerken, dass Positionierung in einer Werbeagentur auch eine Art „Störfaktor“ sein kann: Klienten wollten oft gerne einfach Werbung und keine Strategiediskussionen, schon gar nicht, wenn die eigene Positionierung noch einmal kritisch hinterfragt wird. Die Agentur selbst möchte oft auch die Ideen des Auftraggebers kreativ umsetzen statt strategisch zu diskutieren.

So hatte ich immer öfter den Eindruck, dass Positionierung – wirklich ernstgemeint – in einer Werbeagentur zu spät kommt. Also trennten wir uns 1995 wieder einvernehmlich, wobei ich weiterhin bei Projekten, wenn es strategisch passte, als Freelancer mitarbeitete. Und dieses Freelancertum für Jeschke & Lampl und dann auch für Success Marketing Unternehmensberatung war die logische Startrampe für die eigene Selbstständigkeit.

Positioning und die nächsten 30 Jahre

Speziell in unserer schnelllebigen Zeit kommen und gehen Begriffe und Buzzwords in der Welt des Managements, der Markenführung und des Marketings. Positioning ist anders. Der Grund dafür liegt darin, dass Positioning sich nicht in der sogenannten Realität, sondern in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden abspielt. So gesehen ist Positioning mindestens so alt wie der Homo Sapiens.

Positioning-Denken basiert darauf, wie unsere Wahrnehmung und unser Gedächtnis funktionieren. Es geht also darum, wie wir Produkten, Dienstleistungen, Unternehmen oder auch Personen als Marken abspeichern. Und genau hier macht es einen großen Unterschied, ob man die erste Wahl oder nur ein weiterer Anbieter unter vielen ist. Heißt aber auch: Noch immer unterschätzen viele die Macht der Positionierung und der Marke und verkaufen sich so klar Jahr für Jahr unter ihrem möglichen Potenzial und Wert. Das sollte nicht sein, weder 2026 noch in den nächsten 30 Jahren.

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Technologieoffenheit oder ein anderes Wort für „unfokussiert in die Zukunft“

Die europäische Autoindustrie hat ein neues Schlagwort, nämlich „Technologieoffenheit“. Das „Aus vom Verbrenner-Aus“ der EU sehen viele, wenn auch nicht alle, als positiv für den Standort Europa und die europäische Autoindustrie. Denn damit werden aus einer Zukunft ohne Verbrenner gleich mehrere potenzielle Zukünfte mit verschiedenen Technologien.

Der Fluch der Zukünfte

Nur wenn man zurückblickt, war es für die europäische Autoindustrie am schönsten, als man nur eine Zukunft, nämlich die des Verbrenners kannte. Total fokussiert auf Benzin und Diesel setzte man vor allem auch im Premiumsegment die Weltstandards.

Für die meisten Unternehmen ist die Welt dann in Ordnung, wenn es eine geradlinige Zukunft gibt, auf die man das Unternehmen in Summe mit einer oder auch mehreren Marken fokussieren kann. Strategische Probleme beginnen in der Regel dann, wenn man auf einmal vor mehreren potenziellen Zukünften steht.

Für Nokia war die Welt in Ordnung als man nur eine Zukunft hatte, nämlich das Mobiltelefon. So war Nokia nicht auf Telefone in Summe, sondern nur auf Mobiltelefone (ohne Festnetztelefonie) fokussiert. Als mit dem Smartphone dann eine zusätzliche mobile Zukunft auftauchte, stiegen nicht die Chancen, sondern begannen die Probleme.

Der Fluch der Lobby der Vergangenheit

Verstärkt wird das Problem in der Regel noch dadurch, dass die über Jahre und Jahrzehnte gewachsene alte Zukunft im Unternehmen, die dann auf einmal durch eine neue Zukunft bedroht wird, immer die stärkere Lobby hat. So macht die alte Zukunft in der Regel mehr Umsatz, mehr Gewinn und beschäftigt mehr Mitarbeiter. Zudem ist diese gewachsenes Geschäfts- und Denkmodell.

Diese Lobby der alten Zukunft hat sich so auch auf EU-Ebene durchgesetzt. Dabei hat man mit Technologieoffenheit ein schönes Ersatzwort für „Verteidigung der Vergangenheit“ gefunden. In der Theorie klingt „Offenheit“ perfekt, in der Praxis sieht das Ganze oft anders aus. Hier führt Technologieoffenheit dann zu Richtungs- und Strategielosigkeit.

Die perfekte Lösung aus Markensicht

Für speziell große Unternehmen gibt es aus Markensicht dazu eine optimale Lösung. Dazu sollten wir einen gedanklichen Ausflug in das Jahr 1994 machen. Damals empfahlen Al Ries und Jack Trout dem Unternehmen Kodak, dass man die Marke Kodak auf die alte Zukunft „analoge Fotografie“ fokussiert, um gleichzeitig eine neue Marke für die neue Zukunft „digitale Fotografie“ zu bauen.

Das heißt: Speziell Mehr-Marken-Systeme können die perfekte Lösung sein, wenn ein Unternehmen vor mehreren Zukünften steht. Die perfekte Ausgangsbasis dafür hätte  in Europa der VW Konzern gehabt. Nur dürfte auch hier die Technologieoffenheit über die mögliche neue Mehr-Markenstrategie gesiegt haben.

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Queen of Christmas oder was Coca-Cola und Co. von Mariah Carey lernen können

Platz 1 in den Billboard Hot 100, Platz 3 in den UK-Charts, Platz 2 in den deutschen Charts und Platz 2 in den Austria Top 40. Jahr für Jahr zu Weihnachten erobert  Mariah Carey mit ihrem Hit „All I want For Christmas Is You“ international die Charts.

Die Queen of Christmas

Nicht umsonst lautete etwa auch eine Headline in der Los Angeles Times am 11. Dezember dieses Jahres „Why is Mariah Carey the Queen of Christmas? Her Holiday Bar says it all“. Und in der New York Times hieß es am 1. November 2024: „It’s Time! Mariah Carey Reflects on 30 Years as Queen of Christmas“. Und auf der Website der Offiziellen Deutschen Charts hieß es am 5. Dezember dieses Jahres: „Die Weihnachts-Queen ist zurück auf dem Charts-Thron – und stellt gleich mal einen neuen Allzeit-Rekord auf: Mit 22 Nummer-eins-Wochen ist Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ nun alleinig das am häufigsten an der Spitze der Offiziellen Deutschen Charts, ermittelt von GfK Entertainment, platzierte Lied aller Zeiten.“

„Queen of Christmas“ ist so gesehen aus Markensicht mehr als nur eine Art Titel oder Slogan, es ist eine einzigartige Spitzenstellung in der Welt der Musik und damit auch der Öffentlichkeit. Unzählige Sänger, Sängerinnen und Bands haben in den letzten Jahrzehnten Weihnachtslieder aufgenommen, aber nur wenige haben sich damit a la Bing Crosby (White Christmas), Wham (Last Christmas) oder auch Shakin‘ Stevens (Merry Christmas Everyone) eine dauerhafte Spitzenstellung erarbeitet, die sich auch Jahr für Jahr in den Charts widerspiegelt.

Worauf Coca-Cola verzichtet …

Was „Queen of Christmas“ für Mariah Carey ist, könnte „The Real Thing“ für Coca-Cola sein. Das war und ist mit Sicherheit der stärkste und beste Slogan, den diese Marke jemals hatte. Denn genau dieser Slogan bringt die Marke perfekt auf den Punkt. Coca-Cola ist das Original-Cola und alles andere ist eine Kopie.

Nur statt auf diese eine starke Idee zu setzen, verlässt man sich bei Coca-Cola anscheinend viel zu sehr auf die allgemeine Bekanntheit und Markenstärke. So hat man in den letzten Jahren unzählige Slogans verbraucht, die sich kein Mensch merken kann und will. (Oder kennen Sie den aktuellen Slogan von Coca-Cola oder den Vorgänger-Slogan oder den Vor-Vorgänger-Slogan?)

… und was sich Coca-Cola (aktuell) leisten kann

Sie denken Cola. Sie denken Coca-Cola. Diese Position ist so stark, dass sich die Marke Coca-Cola diese „Slogan-Spielereien“ erlauben kann. Nur damit sollte man diese Marke nicht als Vorbild sehen, wenn man eine weniger starke Position hat. Anders ausgedrückt: Wenn Sie heute über Ihren Markenslogan für die Zukunft nachdenken, sollte Sie eher Mariah Carey und nicht Coca-Cola als Vorbild nehmen.

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Neuausrichtung der WKO oder mehr als nur ein Politikum und Zahlenspiel

„Nach Abgang von Mahrer werden Rufe nach Totalreform der Kammer lauter“, „Harald Mahrers Abgang ist noch keine Kammer-Reform“ „WKO drückt Pauseknopf bei Funktionärsgeld“, „Pflichtmitgliedschaft: WKO-Wirbel löst hitzige Debatte im Nationalrat aus“ oder „„Bonzentum“: Hitzige Debatte um WKO im Nationalrat“. Das waren nur einige Schlagzeilen rund um den Rücktritt von Harald Mahrer als Präsident der WKO und den Ruf nach Reformen dieser Organisation.

Im Wesentlichen ging es bei den Reformrufen um drei zentrale Themen, nämlich a) um die Verschlankung der Wirtschaftskammer, sprich vor allem um die Senkung von Kosten und Beiträgen, b) um die mögliche Auflösung von Rücklagen und dann c) um die Pflichtmitgliedschaft generell. So hieß es auch in der Tageszeitung Die Presse: „Doch sein Rücktritt ändert nichts an den Problemen der verpflichtenden Unternehmensvertretung. Sie ist zu teuer und zu intransparent.“

Der übersehene Punkt dabei

Wie es aber aussieht, bleibt ein Punkt in dieser „Reformdiskussion“ außen vor, nämlich Sinn und Zweck der Wirtschaftskammer und damit auch Umfang des Leistungsangebotes. Heißt: Bevor man heute lautstark nach Kostensenkungen, Beitragssenkungen, Auflösung von Rücklagen und Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft schreit, sollte man zuerst einmal über die generelle Ausrichtung und Strategie der WKO nachdenken.

Dazu sollte man dann auch das bestehende Leistungsangebot aus Sicht einer möglichen neuen Ausrichtung und Strategie adaptieren. So hat die WKO heute ein ziemlich breites und vor allem über Jahre und Jahrzehnte gewachsenes Angebotsspektrum, das unter anderem folgende Aufgaben umfasst:

  • Interessensvertretung der Mitglieder in Österreich
  • Interessensvertretung der Mitglieder in der EU
  • Unterstützung der Mitglieder international etwa auch durch die Außenhandelsstellen
  • Umfangreiche Serviceleistungen für Mitglieder und Unternehmensgründer
  • Umfangreiche Beratungsleistungen für Mitglieder und Unternehmensgründer
  • Diverse Förderprogramme für Mitglieder und Unternehmensgründer

Daneben hat man noch das WIFI als führendes Angebot in der beruflichen Erwachsenenbildung und zudem übernimmt man auch diverse gesetzliche Aufgaben.

Den gemeinsamen Nenner definieren

Alleine dieses umfassende Aufgabengebiet erschwert es, dass man den einen gemeinsamen Nenner für die WKO findet. Aber genau das sollte der zentrale Punkt sein, wenn man über eine Kammerreform nachdenkt. Man sollte zuerst festlegen, welche strategische Rolle die WKO heute und vor allem morgen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich, in Europa und weltweit einnehmen sollte. Basierend darauf sollte man überlegen, wie dazu das optimale Angebot und die optimale Organisations- und Kostenstruktur aussehen sollte.

Aktuell findet man zur strategischen Ausrichtung der WKO relativ wenig. So lässt sich die aktuelle Selbstdarstellung (wko.at) auf drei sehr allgemeine Punkte zusammenfassen:

„Wir vertreten die Interessen der österreichischen Unternehmen“

„Wir fördern durch vielfältige Serviceleistungen die Wirtschaft“

„Wir unterstützen mit unserem Know-how österreichische Unternehmen“

Was hier aus strategischer Sicht ganz klar fehlt, ist eine starke Idee mit Außen- und Innenwirkung, aus der sich alles andere ableiten lässt.

Die WKO auf den Punkt bringen

Zudem sollte die Wirtschaftskammer in einer zukünftigen Ausrichtung rein über die Unternehmen und die Wirtschaft hinausdenken, um klarzustellen, was man für Österreich heute und morgen in Summe tut. Eine mögliche Idee dazu wäre, dass sich die WKO als die „Standorthüterin Nr. 1“ in Österreich positioniert. Ein möglicher Slogan dazu wäre „Starker Standort. Starkes Österreich.“

Das wäre nicht nur eine klare Aufgabe in Österreich, das wäre auch eine klare Aufgabe innerhalb der EU und es wäre eine klare Aufgabe in der Weltwirtschaft. Damit würden sich dann in der Umsetzung auch drei zentrale Fragen ergeben oder ableiten lassen:

Was kann und sollte die WKO in Österreich tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Was kann und sollte die WKO in Europa, speziell in Brüssel tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Was kann und sollte die WKO global, speziell auch in den Handelsaußenstellen tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Denn eines sollte klar sein: Ohne attraktiven Wirtschaftsstandort und einer funktionierenden Wirtschaft wird es auch für den Staat Österreich und vor allem auch für den Sozialstaat Österreich in Summe immer schwieriger werden, die notwendigen Leistungen zu erbringen. Nur genau diese Herausforderung könnte für die WKO Chance und Auftrag sein, sich für die Zukunft neu auszurichten. Basierend darauf könnte man dann eine strukturelle Reform einläuten, um a) die WKO zu verschlanken und um b) vor allem unnötige 9- oder 10-fach-Gleisigkeiten abzuschaffen und das Ganze dann auch klar mit einem modernen Zahlenwerk statt der aktuellen Kammeralistik zu versehen. Natürlich sollte das Ganze dann neben einer Vereinfachung auch zu Kosten- und Beitragssenkungen führen.

Erschien im Original auf Diepresse.com

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