Wenn man sich heute ansieht, wie viele Marken kommunizieren, dann dürfte es keinen Mitbewerb geben. Vielmehr dürfte man Kommunikation als eine Art „Einbahnstraße“ zwischen der eigenen Marke und den Kunden sehen. Aber nichts liegt ferner der Wahrheit. Kunden wählen in der Regel (wenn man von staatlichen Monopolen absieht) immer aus.
Zwei Arten von Marken
Und bei dieser Auswahl durch die Kunden gibt es zwei Arten von Marken. Marken, die die erste Wahl sind und Marken, die im Schatten der ersten Wahl stehen. Wenn man das Privileg besitzt, dass man die erste Wahl ist, dann sollte man für die Kategorie in Summe eintreten. Dann darf man generisch werben.
Wenn man aber heute nicht die erste Wahl ist, dann sollte man sich klar überlegen, wie man aus dem Schatten des Marktführers herauskommt. Dann kann man es sich auf Dauer nicht leisten, dass man so wirbt, als ob es keinen Mitbewerb geben würde.
Repositionieren und positionieren
Dann gilt es, dass man zuerst den dominanten Wettbewerb repositioniert, um dann die eigene Marke zu positionieren. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist und bleibt Dr. Best. Wo wäre Dr. Best heute, wenn man den Kunden nur erzählt hätte, dass es jetzt endlich eine nachgebende Zahnbürste gibt? Wahrscheinlich nirgendwo.
Das Geniale an der Markenstrategie war, dass man zuerst den dominanten Wettbewerb, also die starren Zahnbürsten als „starr und gefährlich“ repositionierte. Damit stellte man gleichzeitig auch einen echten Bezug zum Leben der Verbraucher her, die damals, wenn sie eine Handzahnbürste benutzten, zu 100 Prozent eine starre Zahnbürste im Einsatz hatten.
Heißt: Erst nachdem man mit dem Bild der Tomate die Konkurrenz repositioniert hatte, brachte man die eigene nachgebende Idee ins Spiel. Genau das sollte man tun. Man sollte zuerst den Wettbewerb mental repositionieren, um dann für die Kunden relevant die eigene Idee und damit Marke positionieren.
Sodastream und Gustavo Gusto
Wo wäre Sodastream heute, wenn man nur erzählt hätte, dass es jetzt einen genialen Wassersprudler gibt? Antwort: Wahrscheinlich nirgendwo! Für Sodastream war das schwere Kistenschleppen der ideale dominante Gegner. Der Slogan „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen!“ brachte diesen Ansatz nicht nur perfekt auf den Punkt, sondern positionierte Sodastream auch klar als den führenden Wassersprudler.
Bei Gustavo Gusto wiederum wählte man die direkte Konkurrenz im Supermarkt als den einen strategischen Feind. So hieß es etwa in einem typischen Werbespot der Marke: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“
Damit repositionierte man einmal den Mitbewerb subtil als weniger gut, bevor man dann die eigene Position als „Die Premium-Tiefkühlpizza“ etablierte. Wesentlich waren hier dann am Point of Sale drei Punkte, die das alles glaubwürdig machten: (1) Die großen Pizzaschachteln. (2) Die Botschaften auf den Pizzaschachteln wie „Eine echte Steinofenbarung“, „Wir nehmen nur Mozzarella, alles andere ist Käse“ oder „Die Salami ist vom Rind. Der Geschmack vom Feinsten“. (3) Der deutlich höhere Preis im Vergleich zum Mitbewerb.
Nichts für Markenamateure
Aber Vorsicht! Es geht nicht darum, dass man den Wettbewerb schlecht macht und schreit, dass die eigene Marke besser oder gar die beste sei. Es geht darum, dass man zuerst eine eigenständige Führungsposition für die eigene Marke findet, die man dann geschickt als Alternative zum dominanten Mitbewerb positionieren kann.
Das funktioniert sogar für Einzelkämpfer. Nehmen Sie Mark Lauren! Mit seinem Buch „Fit ohne Geräte“ positionierte er sich nicht nur als Original im Bodyweight-Training, er repositionierte damit auch die Fitnessstudios mit all ihren Geräten. So heißt es auch auf einer seiner DVDs: „Vergeude kein Geld und keine Zeit mehr für Fitnessstudios, Gadgets und andere ineffiziente Trainingsmethoden. Sie sind keine Ersatz für das fortschrittlichste Fitnessgerät der Welt – deinen eigenen Körper!“
Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt. Der Großteil der Markenkommunikation heute versucht brav zu kommunizieren und vergisst leider gleichzeitig zu repositionieren und dann zu positionieren. Nur genauso steigt das Risiko enorm, dass man nicht nur wertvolle Markt- und Umsatzanteile einfach liegen lässt, sondern letztendlich sogar cleveren Konkurrenten überlässt.
Buchtipp dazu: Ries, Laura: The Strategic Enemy: How to build and position a brand worth fighting for, Wiley 2025
