Zu brave Positionierung oder warum sich viele Marken weit unter ihrem Potenzial verkaufen

Wenn man sich heute ansieht, wie viele Marken kommunizieren, dann dürfte es keinen Mitbewerb geben. Vielmehr dürfte man Kommunikation als eine Art „Einbahnstraße“ zwischen der eigenen Marke und den Kunden sehen. Aber nichts liegt ferner der Wahrheit. Kunden wählen in der Regel (wenn man von staatlichen Monopolen absieht) immer aus.

Zwei Arten von Marken

Und bei dieser Auswahl durch die Kunden gibt es zwei Arten von Marken. Marken, die die erste Wahl sind und Marken, die im Schatten der ersten Wahl stehen. Wenn man das Privileg besitzt, dass man die erste Wahl ist, dann sollte man für die Kategorie in Summe eintreten. Dann darf man generisch werben.

Wenn man aber heute nicht die erste Wahl ist, dann sollte man sich klar überlegen, wie man aus dem Schatten des Marktführers herauskommt. Dann kann man es sich auf Dauer nicht leisten, dass man so wirbt, als ob es keinen Mitbewerb geben würde.

Repositionieren und positionieren

Dann gilt es, dass man zuerst den dominanten Wettbewerb repositioniert, um dann die eigene Marke zu positionieren. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist und bleibt Dr. Best. Wo wäre Dr. Best heute, wenn man den Kunden nur erzählt hätte, dass es jetzt endlich eine nachgebende Zahnbürste gibt? Wahrscheinlich nirgendwo.

Das Geniale an der Markenstrategie war, dass man zuerst den dominanten Wettbewerb, also die starren Zahnbürsten als „starr und gefährlich“ repositionierte. Damit stellte man gleichzeitig auch einen echten Bezug zum Leben der Verbraucher her, die damals, wenn sie eine Handzahnbürste benutzten, zu 100 Prozent eine starre Zahnbürste im Einsatz hatten.

Heißt: Erst nachdem man mit dem Bild der Tomate die Konkurrenz repositioniert hatte, brachte man die eigene nachgebende Idee ins Spiel. Genau das sollte man tun. Man sollte zuerst den Wettbewerb mental repositionieren, um dann für die Kunden relevant die eigene Idee und damit Marke positionieren.

Sodastream und Gustavo Gusto

Wo wäre Sodastream heute, wenn man nur erzählt hätte, dass es jetzt einen genialen Wassersprudler gibt? Antwort: Wahrscheinlich nirgendwo! Für Sodastream war das schwere Kistenschleppen der ideale dominante Gegner. Der Slogan „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen!“ brachte diesen Ansatz nicht nur perfekt auf den Punkt, sondern positionierte Sodastream auch klar als den führenden Wassersprudler.

Bei Gustavo Gusto wiederum wählte man die direkte Konkurrenz im Supermarkt als den einen strategischen Feind. So hieß es etwa in einem typischen Werbespot der Marke: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“

Damit repositionierte man einmal den Mitbewerb subtil als weniger gut, bevor man dann die eigene Position als „Die Premium-Tiefkühlpizza“ etablierte. Wesentlich waren hier dann am Point of Sale drei Punkte, die das alles glaubwürdig machten: (1) Die großen Pizzaschachteln. (2) Die Botschaften auf den Pizzaschachteln wie „Eine echte Steinofenbarung“, „Wir nehmen nur Mozzarella, alles andere ist Käse“ oder „Die Salami ist vom Rind. Der Geschmack vom Feinsten“. (3) Der deutlich höhere Preis im Vergleich zum Mitbewerb.

Nichts für Markenamateure

Aber Vorsicht! Es geht nicht darum, dass man den Wettbewerb schlecht macht und schreit, dass die eigene Marke besser oder gar die beste sei. Es geht darum, dass man zuerst eine eigenständige Führungsposition für die eigene Marke findet, die man dann geschickt als Alternative zum dominanten Mitbewerb positionieren kann.

Das funktioniert sogar für Einzelkämpfer. Nehmen Sie Mark Lauren! Mit seinem Buch „Fit ohne Geräte“ positionierte er sich nicht nur als Original im Bodyweight-Training, er repositionierte damit auch die Fitnessstudios mit all ihren Geräten. So heißt es auch auf einer seiner DVDs: „Vergeude kein Geld und keine Zeit mehr für Fitnessstudios, Gadgets und andere ineffiziente Trainingsmethoden. Sie sind keine Ersatz für das fortschrittlichste Fitnessgerät der Welt – deinen eigenen Körper!“

Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt. Der Großteil der Markenkommunikation heute versucht brav zu kommunizieren und vergisst leider gleichzeitig zu repositionieren und dann zu positionieren. Nur genauso steigt das Risiko enorm, dass man nicht nur wertvolle Markt- und Umsatzanteile einfach liegen lässt, sondern letztendlich sogar cleveren Konkurrenten überlässt.

Buchtipp dazu: Ries, Laura: The Strategic Enemy: How to build and position a brand worth fighting for, Wiley 2025

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WM-Nachspiel: FIFA, UEFA und die (mögliche) Rote Karte für Infantino

Wenn heute eine globale Sportmarke im medialen Krisenmodus ist, dann ist das mit Sicherheit die FIFA, also der Weltfußballverband. So jagt seit der Fußball-WM 2026 – vor allem wegen ihres Präsidenten Gianni Infantino – eine Negativschlagzeile die nächste. Für die FIFA selbst und auch für Infantino dürfte dies einmal generell nichts Neues sein.

So war man etwa auch vor vier Jahren, als die Fußball-WM im Wüstenstaat Katar stattfand, massiv in der medialen Kritik. Dazu hieß es damals etwa auf Sportschau.de: „Die FIFA und die gescheiterte Verantwortung“. Dabei ging es vor allem um Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und um fehlende und damit nicht ausbezahlte Entschädigungen.

Doppelt anderer Krisenmodus

Nur diesmal gab und gibt es zwei gravierende Unterschiede gegenüber bisherigen medialen FIFA-Krisen, wie etwa die vor vier Jahren in Katar. Mit dem damaligen Finale im Dezember 2022, das Argentinien gegen Frankreich im Elfmeterschießen gewann, war nicht nur die WM beendet, sondern auch die mediale Kritik an der FIFA verstummte nach und nach. (So wird die FIFA, egal wer diese wie führt, bei Großveranstaltungen immer auch Kritik ausgesetzt sein.)

Nur diesmal könnte es ganz anders kommen. Dafür sprechen zwei wesentliche Gründe:

(1) Die zurückgenommene Rote Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun aus dem Spiel USA gegen Bosnien und Herzegowina.

(2) Der interne Verbandsstreit ausgelöst durch die Investorenpläne der FIFA.

Um das Ganze aus Markensicht besser zu verstehen, sollten wir uns beide Punkte im Detail ansehen.

Ad 1 oder die Macht einer visuellen Krise

Je abstrakter und verbaler eine Krise in den Medien ist, desto größer ist die Chance, dass diese langfristig gesehen, keine echten Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlässt. Heißt aber auch: Je konkreter und vor allem visueller eine Krise in den Medien ist, desto größer die Gefahr, dass diese „ewig“ im Gedächtnis bleibt.

Viele Autokonzerne hatten in den letzten Jahren und Jahrzehnten teilweise massive Krisen, die sich über einen bestimmten Zeitraum in den Medien widerspiegelten, um dann wieder aus dem allgemeinen Interesse zu verschwinden. Eine Autokrise schaffte es aber, dass die Medien sogar ihr Jubiläum aufgriffen.

Natürlich geht es dabei um die Mercedes A-Klasse, die 1997 beim „Elchtest“ umkippte. Das Wort „Elchtest“ löst hier sofort das entscheidende Bild mit der kippenden A-Klasse aus. So wird es wahrscheinlich auch keine zweite Autokrise geben, die es immer und immer wieder in die Medien schafft:

Welt.de (2007): „10 Jahre Elchtest-Debakel: Mercedes und der Elch: Die perfekte Blamage“.

Spiegel.de (2017): „20 Jahre Elchtest: Der Crash, der die Autogeschichte veränderte“

Stern.de (2017): „A-KLASSE: 20 Jahre Elchtest: Der Tag, an dem Mercedes aus der Spur kippte“

Bild.de (2017): „20 Jahre Elch-Test: Dieser Unfall hat unsere Straßen sicherer gemacht“

Focus.de (2022): „25 Jahre nach A-Klassen-Blamage steht Mercedes vor „neuem Elchtest“.

Dieses Potenzial hat auch die zurückgenommene Rote Karte, die zudem ganz stark bildhaft mit Gianni Infantino und dem US-Präsidenten Donald Trump verbunden wird, der laut Medienberichten und Eigenaussage persönlich bei Gianni intervenierte. Noch einmal verstärkend kommt hinzu, dass bisherige mediale Krisen vor allem mit dem Umfeld einer Fußball-WM, egal ob Vergabe, Menschenrechte oder Umwelt verbunden waren. Nur diesmal war es ein Eingriff in die Fußballwelt, also in das Sportgeschehen selbst, das weltweit, aber speziell in Europa für Empörung sorgte.

Dazu schrieb selbst der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter auf X: „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“ Und der neue deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp wurde in den Medien unter anderem so zitiert: „„Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“

Ad 2 oder der interne Verbandsstreit

Damit kommen wir zum zweiten Punkt. Während sportlich gesehen die WM 2026 am 19. Juli mit dem Sieg von Spanien gegen Argentinien zu Ende ging, entschied sich die FIFA, allen voran wahrscheinlich Infantino persönlich für eine Art „Krisenverlängerung“ oder auch „WM-Nachspiel“ auf Verbandsebene zu sorgen.

Stand die Fußball-WM 2026 generell unter dem negativen Gesamteindruck der extremen Kommerzialisierung des Sports, berichtete Reuters am 28. Juli dieses Jahres über  Investorenpläne der FIFA rund um eine neue Gesellschaft mit dem Namen FIFA Forward Enterprise (FFE). Potenzielle Investoren, allen voran  das Investmentunternehmen Thrive Eternal sollten sich so mit bis zu 4,2 Milliarden Dollar an dieser FFE beteiligen können.

Dies führte zu heftigen Reaktionen, allen voran durch den europäischen Fußballverband UEFA. Dieser wehrte sich klar gegen diesen „Ausverkauf des Sports“ und drohte zudem mit dem Boykott aller FIFA-Veranstaltungen. Und wahrscheinlich schneller als von der FIFA erwartet, schlossen sich auch andere internationale Verbände dieser Kritik an. Verstärkt wurde diese negativen Reaktionen noch dadurch, dass Thrive Eternal ein Teilunternehmen von Thrive Capital ist, hinter dem Joshua Kushner, der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump steht. All dies führte dann in Summe dazu, dass letztendlich die FIFA ihre Pläne abrupt am Wochenende zurückzog.

Rote Karte für Investitionspläne

Interessant dabei war, dass speziell in England und der Schweiz das Symbol der Roten Karte in den Medien eine beachtliche Rolle spielte. Es war eine Art „aufgelegter Elfmeter“ für ein perfektes Wortspiel:

„It’s time to show Infantino the red card“

„FIFA Tries to Sell the World Cup, UEFA Brings the Red Card“

„The Guardian view on selling off the World Cup: a red-card offence by Gianni Infantino“

„Der europäische Fussballverband Uefa zeigt dem Weltverband Fifa die rote Karte.“

„Auch Asien zeigt Infantinos WM-Plan die rote Karte“

Und auf Welt.de konnte man sogar folgende Zeilen rund um das Symbol der Roten Karte lesen: „Die Uefa wendet sich von ihm ab, die Verbände aus Nord- und Mittelamerika sowie Asien zeigen ihm die Rote Karte, die eigenen Mitarbeiter beim Weltverband ekeln sich vor der Amtsführung des machtbesessenen Fifa-Diktators derart, dass am vergangenen Freitag einer nach dem anderen Sturm gegen die Investoren-Pläne lief.“

So gesehen hätte das Bild der Roten Karte auch zum verbal-visuellen Kampfsymbol gegen die Investorenpläne der FIFA und damit vor allem gegen Gianni Infantino werden können.

Die Rote Karte als Chance für die FIFA

Aber wie es aktuell aussieht, ist die Krise für Infantino noch nicht zu Ende. So hat ihm die UEFA laut Medienberichten endgültig das Vertrauen entzogen und es kommen dazu immer mehr und immer lautere Rücktrittsaufforderungen außer- und auch innerhalb der FIFA. Gleichzeitig könnte so gerade jetzt die Rote Karte auch ein Symbol der Repositionierung, der Erneuerung und des Aufbruchs für die FIFA werden.

„Rote Karte für Infantino“, könnte nicht nur eine Headline in den Medien sein, sondern auch der verbal-visuelle Startschuss für eine komplette Neuausrichtung des Fußballweltverbands. Denn in Summe werden aus Sicht der Öffentlichkeit beide Krisen, die der Roten Karte und die der Investorenpläne sicher verbal und visuell noch viel mehr mit der Person Gianni Infantino als mit dem Verband und der Marke FIFA selbst verbunden. So war das Bild von Infantino, alleine oder auch gemeinsam mit Donald Trump der eine echte visuelle Krisenverstärker in den Medien. So gesehen könnte eine Rote Karte vom Krisen- zum Erneuerungssymbol werden.

Erschien im Original auf Horizont.net

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100 Jahre Al Ries und das Prinzip der Opferbereitschaft

Positionierung erfordert in vielen Fällen,  dass man einen Teil des Marktes „opfern“ muss, um dafür einen anderen Teil des Marktes zu gewinnen. So war für Al letztendlich jedes Marketing automatisch auch Nischenmarketing. Nur das die Nische des Marktführers meist sehr viel größer war als die Nischen der Verfolger. Das bedeutet aber auch, dass Positionierung richtig verstanden, viel mehr als nur „Werbe- oder Kommunikationskosmetik“ ist. Es geht um die strategische Ausrichtung von Marken und Unternehmen. Und dabei gibt es vier Dinge, die man opfern sollte, um sich klar zu positionieren:

Opfer 1: Die volle Produktlinie

Genau das machte Federal Express, heute Fedex sehr erfolgreich in den 1970er Jahren. Damals war Emery Air Freight die Nr. 1 im amerikanischen Luftfrachtzustellungsmarkt. Als Marktführer bot Emery den Kunden eine breite Palette an Dienstleistungen an, von der Übernachtzustellung bis hin zu Zwei- und Dreitageszustellung. Als Herausforderer setzte Federal Express zuerst auf die klassische „Besser und billiger“-Strategie. Man bot dieselben Leistungen wie Emery an, nur günstiger. Nur das funktionierte nicht. Nach drei Jahren Tätigkeit hatten sich die Verluste auf 29 Millionen US-Dollar angehäuft.

Dann veränderte Gründer Fred Smith seine grundlegende Strategie massiv. Er fokussierte Federal Express auf Übernachtzustellung, also auf wirklich dringende Sendungen. Damit wurde die Marke in den Köpfen der Kunden spezieller. Auf einmal war Fedex kein weiterer Luftfrachtzusteller mehr, sondern der Spezialist für Übernachtzustellungen und stieg damit dann zum Marktführer auf.

Nichts anderes machte Rügenwalder in Deutschland. Noch Mitte der 1990er Jahre war Rügenwalder ein weiterer breit-sortierter Anbieter von Wurstwaren aller Art. Dann fokussierte man die Marke total auf Teewurst. Im Jahr 2012 erklärte dazu Godo Röben, der frühere Marketing-Geschäftsführer bei Rügenwalder: „Über die Jahre haben wir unser Produktangebot von 400 Artikeln auf sechs reduziert und sind trotzdem kontinuierlich gewachsen.“ Aus Positioning-Sicht wäre besser gewesen, wenn er das Folgende gesagt hätte: „Über die Jahre haben wir unser Produktangebot von 400 Artikeln auf sechs reduziert und sind deswegen kontinuierlich gewachsen.“  Nur heute macht Rügenwalder mit seinen vegetarischen Fleischersatzprodukten genau das Gegenteil und ist mittlerweile ein Teil der Kölner Unternehmensgruppe Pfeifer & Langen.

Opfer 2: Jede Zielgruppe

Die meisten Fitnessstudios dieser Welt versuchen heute, jede Zielgruppe in so gut wie jeder Altersgruppe ab dem Teenageralter anzusprechen. Anders Curves! So fokussierte sich Curves frühzeitig in einer total männlichen Muckibuden-Welt als das Fitnessstudio nur für Frauen und stieg so zum weltweiten Marktführer auf.

Während Curves sich über die tatsächliche Zielgruppe positioniert, positionierte sich Pepsi-Cola in den 1970er und 1980er Jahren sehr erfolgreich über die Werbezielgruppe mit der Kampagne „The choice of a new generation“. Damit positionierte sich Pepsi in den USA als die jüngere Cola gegen die gute, alte „etwas „angestaubte“ Coca-Cola. Letztendlich war man so erfolgreich, dass man dachte, es wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, um Coca-Cola als Marktführer abzulösen.

Die logische Idee dazu: Man müsse neben der jüngeren Zielgruppe auch die ältere Zielgruppe ansprechen. Dazu erklärte ein Vertreter der Werbeagentur BBDO, die damals den Pepsi- Etat betreute: „Der einzige Haken an der früheren Pepsi-Werbung war, dass man sich zu sehr auf die Jugend konzentrierte. Wir wären imstande gewesen, größere Zuwächse zu erzielen, wenn wir unseren Horizont erweitert hätten, um ein größeres Netz auszuwerfen, um so mehr Leute an Land zu ziehen.“

Und so wurde die Pepsi- Generation durch das Kampagnenthema „Gotta have it“ abgelöst. Gleichzeitig setzte man auch zusätzlich auf ältere Testimonials wie Yogi Berri oder Regis Philbin. Doch statt damit die Zielgruppe zu erweitern, wurde man letztendlich dem Rivalen Coca-Cola ähnlicher. Man gab so (a) die jugendlichere Positionierung und Differenzierung auf, und b) übersah man, dass es nicht um das tatsächliche Alter ging, sondern um das gefühlte Alter. So tranken auch schon vorher ältere Menschen Pepsi, weil sie sich jünger fühlten oder jünger fühlen wollten. Pepsi-Cola hat sich in den USA aus Markensicht bis heute nicht von dieser Fehlentscheidung erholt.

Während Parship als Marktführer in der Online-Partnervermittlung breit positioniert ist, schaffte ElitePartner den Durchbruch mit der Fokussierung auf Akademiker und Singles mit Niveau. Strategisch gesehen könnte hier auch About You ansetzen, um sich von Zalando klarer abzuheben, um sich nur auf Frauenmode zu fokussieren.

Opfer 3: Jeden Vertriebsweg

In den frühen 1980er Jahren ging so gut wie jeder Computerexperte davon aus, dass der PC-Markt einmal von einem der großen Computerunternehmen allen voran IBM dominiert werden wird. So gut wie niemand hat damals Michael Dell auf dem Radarschirm. (Wie sollte auch ein kleines Start-up-Unternehmen gegen einen Giganten wie Big Blue punkten können?)

Die Antwort: Michael Dell opferte die klassischen Vertriebswege, um zuerst via Telefon und dann via Onlinehandel seine PCs und Workstations direkt zu vermarkten. „Direct from Dell“ wurde zur Erfolgsformel und ließ Dell zwischenzeitlich sogar zur weltweiten Nr. 1 bei PCs aufsteigen. (IBM wiederum verkaufte 2005 das eigene PC- und Notebookgeschäft an Lenovo.)

Die Fokussierung auf einen Vertriebsweg schafft so oft nicht nur ein eigenes Geschäftsmodell, sondern ist auch mit eine starke Positionierung. Nehmen Sie Netflix! Wie kann man in den USA gegen einen starken Marktführer wie Blockbuster Video im Verleih und Verkauf von Videofilmen antreten?

Antwort: Indem man den stationären Handelsweg meidet, um sich voll auf den Versand von Videofilmen zu fokussieren. Natürlich ging dann auch Netflix den entscheidenden Schritt weiter, um zur weltweiten Videostreamingplattform Nr. 1 zu werden.

War die Fokussierung auf einen Vertriebsweg als Positionierung früher eher in der analogen Ära auf Versandhandel, Multilevel-Marketing oder Tür zur Tür-Geschäft limitiert, hat man jetzt in der digitalen Ära mit dem Internet fast grenzenlose Chancen, egal ob man sich auf klassischen Onlinehandel, auf Streaming oder auch auf Social-Selling fokussiert.  

Aber auch hier sind die klaren Gewinner die, die den Onlinehandel als Fokus und nicht nur als Ergänzung haben. Manche denken jetzt vielleicht an Amazon, Zalando, Shein, Temu, Spotify oder auch an Check24 oder Shop Apotheke. Selbst Otto wird für viele von uns in der Wahrnehmung immer mehr Katalogversandhändler als echter Onlinehändler sein.

Opfer 4: Den ständigen Wandel

Eines sollte man aber auf alle Fälle opfern, nämlich den ständigen Wandel. Es gilt nicht nur eine freie Position in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden zu finden, es gilt diese auch dauerhaft zu besetzen.

Vergleichen Sie BMW mit Opel! BMW steht seit den 1960er Jahren für Fahrfreude. Das spiegelt sich nicht nur im Slogan „Freude am Fahren“ wider, sondern ist die durchgehende Marken- und Unternehmens-DNA. Ganz anders Opel! Hier hatte man alleine in den letzten Jahrzehnten eine wahre Flut an Slogans und Modellen ohne klaren roten Faden. Die Folge: Opel wird heute – wenn überhaupt – nur als eine weitere Automarke unter vielen wahrgenommen.

Speziell das sogenannte Performance-Marketing hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass viele Unternehmen die Markenführung vernachlässigt haben. Kurzfristig messbare Aktionen waren anscheinend wichtiger als eine klare Markenpositionierung und Markenführung. Mittlerweile hat wieder ein Umdenken eingesetzt. Diese Rückkehr zur Marke und zur starken Markenpositionierung wird durch die immer weitere Verbreitung der KI-Suche nicht nur gefördert, sondern zur absoluten Notwendigkeit.

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Markenpositionierung der Zukunft und warum Al Ries und Jack Trout die KI geliebt hätten

Vor 40 Jahren erschien der Klassiker „Positioning: The Battle for Your Mind“ erstmals in deutscher Sprache unter dem etwas irreführenden Titel: „Positioning: Die neue Werbestrategie“.  Nur Positioning – richtig verstanden – ist sehr viel mehr als nur eine Werbestrategie. Positioning – richtig verstanden – ist die Erfolgsbasis einer Marke in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden. So besitzen die stärksten Marken ihre Kategorie in den Köpfen der Kunden. Sie denken Energydrink. Sie denken Red Bull. Sie denken Brille. Sie denken Fielmann. Sie denken KI-Chatbot. Sie denken ChatGPT.

Von der mentalen Ordnung zur digitalen Ordnung

Positioning war so von Anfang an ein engpassorientiertes Konzept. Es war und ist die Antwort auf die überkommunizierte Gesellschaft, in der es aus Kundensicht von allem und jedem viel zu viel gibt. So haben wir – so gesehen – zu viele Produkte und Dienstleistungen, zu viele Marken und Unternehmen und viel zu viel Marketinglärm auf immer und immer mehr Kanälen.

Genau in einem solchen Umfeld sehnt sich unser Gehirn nach mentaler Ordnung. Damit kann man aus Markensicht auch zwei Arten von Marken unterscheiden:

(1) Marken mit einer klaren mentalen Position in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden.

(2) Marken, die entweder unbekannt sind oder sich im sogenannten unprofilierten Mittelfeld befinden.

Heißt aber auch: Je unübersichtlicher Märkte in Summe werden, desto wichtiger ist und wird es, dass die eigene Marke eine ureigene und relevante Spitzenstellung in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden besitzt.

Und genau das wird mit der KI-Suche noch wichtiger werden, da auch die KI-Suche die sogenannte unprofilierte Mitte gegenüber klar positionierten Marken einfach negieren wird. So liefert die KI-Suche, wenn man diese zur Unterstützung bei Kaufentscheidungen nutzt, nicht nur ein reduziertes Ranking an Anbietern oder Marken, sondern in der Regel immer auch eine Begründung für die jeweils ausgewählten Angebote oder Marken. Damit sorgt auch die KI-Suche digital für eine Ordnung in der großen Unordnung.

Emotionale Bilder und Texte zu wenig

Nur wenn man sich heute Werbung, egal ob analog oder online ansieht, dann dürfte es vor allem um Auffallen, Emotionen und Aktivierung gehen: Schöne Bilder, flauschige Werbetexte, aber wenig Konkretes und schon gar keine klare und relevante Positionierung. Das klassische Argument dahinter: Kunden entscheiden nicht rational, sondern emotional. Nur damit tappen viele in zwei klassische Denkfehler:

Der klassische Denkfehler Nr. 1 dahinter: Emotionale Werbung macht eine emotionale Marke.

Der klassische Denkfehler Nr. 2 dahinter: Was große etablierte und klar positionierte Marken machen, sollten alle machen, die erfolgreich werden wollen.

Nur genauso verschwenden viele Marken nicht nur Tag für Tag enorme Ressourcen, sondern verschenken auch enormes Erfolgspotenzial.

Relevante Spitzenstellung

Emotion hängt immer mit Erfolg zusammen. Wurde Red Bull am Anfang belächelt, ist es heute eine enorm starke emotionale Marke. Der Hauptgrund dafür: Red Bull besitzt sowohl in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden als auch in der KI-Suche die Kategorie Energydrink.

Das heißt: Wenn Ihre Marke heute bereits eine für die Kunden relevante Spitzenstellung besitzt, sollten Sie diese sowohl mental als auch in der KI-Suche absichern und ausbauen. Wenn Ihre Marke heute im Schatten stärkerer Mitbewerber steht, sollten Sie unbedingt sowohl aus mentaler Sicht und als auch aus KI-Sicht die Positionierung Ihrer Marke überdenken und überarbeiten. Das klare Ziel dabei: eine eigene relevante Spitzenstellung sowohl in den Köpfen der Kunden als auch in der KI-Suche. So gesehen macht die KI-Suche Positioning im Sinne von Al und Jack noch wichtiger und relvanter.

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Porsche in der Konvergenz-Falle oder warum Märkte divergieren und in der Regel nicht konvergieren

In den 1980er Jahren war der große Traum, dass Fernseher, PC, Videorekorder und Musikstation zu einem Multimedia-Abspiel- und Aufnahmegerät konvergieren. Obwohl wahrscheinlich Milliarden investiert wurden, passierte es nie. Man muss nur einen Blick auf die damalige potenzielle Kombination aus klassischem Fernseher und klassischem PC werfen. Statt zu einem Gerät zusammenzuwachsen, wurde der klassische PC mehr und mehr zum mobilen Notebook oder gar Tablet, während der Fernseher immer größer und größer und gleichzeitig flacher und flacher wurde. Divergenz statt Konvergenz bei der Arbeit.

Das „Mega-Patent“ von Porsche

Auch Porsche dürfte aktuell den Traum zur Konvergenz verfolgen. Dazu konnte man kürzlich folgende Zeilen auf MSN.com lesen: „Porsche hat Details zu einem neuartigen Antriebskonzept veröffentlicht, das beim Deutschen Patent- und Markenamt nun öffentlich einsehbar ist. Das schon im Dezember 2024 angemeldete Patent beschreibt einen flexiblen Antrieb, der die Grenzen zwischen Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsmotoren aufhebt.“

Und weiter: „Das System ermöglicht es dem Fahrer, zwischen vier verschiedenen Betriebsmodi zu wählen. Im rein elektrischen Modus wird der Verbrennungsmotor mechanisch entkoppelt, sodass das Fahrzeug nur über die Batterie mit Strom und E-Motor fährt. Im Hybrid-Modus treibt der Verbrennungsmotor das Fahrwerk direkt an und erhält Unterstützung durch eine Elektromaschine. Ein weiterer Modus fungiert als sogenannter Range Extender, wobei der Verbrennungsmotor über einen Generator elektrische Energie für das Akkupaket und den Antrieb erzeugt. Eine Verbindung vom Verbrenner zu den Rädern besteht im Range-Extender-Modus nicht. Im reinen Verbrennermodus wird dagegen die elektrische Komponente nicht für den Vortrieb genutzt.“

Die Faktoren Wettbewerb und Zeit

Das Kernproblem dabei ist mit Sicherheit nicht die Technologie alleine. Vielmehr sprechen die Faktoren Zeit und Wettbewerb dagegen. Denn während viele Unternehmen an Konvergenzkonzepten basteln, entwickeln spezialisierte Wettbewerber jeweils die Einzelkomponenten weiter.

Dazu kommt noch einmal erschwerend, dass der klassische Verbrennungsmotor so ziemlich am Ende seiner Entwicklung steht, während der Elektromotor am Anfang seiner Entwicklung steht. So gesehen sollte Porsche vorsichtig sein, dass man sich mit dieser Art von Konzepten – egal wie genial diese klingen mögen – selbst im Weg steht.

Das Schicksal von Wang

In den 1980er Jahren war Wang mit dem sogenannten Word Processor (Textverarbeitungsrechner), einer Art Mittelding aus Personal Computer und Schreibmaschine enorm erfolgreich. So hatte man in den besten Zeiten um die 33.000 Beschäftige und machte einen Umsatz von ca. 3 Milliarden US-Dollar. Kurzfristig! Nur langfristig gesehen hatte dieses Kombiprodukt aus Vergangenheit (Schreibmaschine) und Zukunft (PC) keine Chance gegen die Zukunft und musste 1992 Konkurs anmelden.

Aktuell würden sich viele Entscheider in der Automobilbranche, speziell in Europa wünschen, dass Märkte zusammenwachsen und für Technologieoffenheit stehen. Nur wenn man die Geschichte speziell von technologischen Märkten studiert, neigen diese nicht zur Konvergenz, sondern zur Divergenz. Und aktuell dürfte die Divergenzentwicklung Nr. 1 in der Autoindustrie das Elektroauto sein. Dafür spricht auch, dass es nicht nur das Auto selbst, sondern auch das gesamte Ökosystem dahinter samt der Einstellung der Menschen, vor allem der zukünftigen Generation verändern wird. So gesehen sollte man bei Porsche, vor allem aber auch bei der Mutter Volkswagen sehr genau überlegen, wo wirklich die Zukunft der Marke Porsche liegt.

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Graz und das Positionierungsdilemma im Stadtmarketing

„Graz hat viele Rollenbilder: Weltkulturerbe, City of Design, Kulturhauptstadt, Genusshauptstadt, Menschenrechtsstadt, Handelsstadt – die Stadt steht aber für nichts wirklich.“ So lautete die Diagnose der Grazer Citymanagerin Elisa-Maria Steinberger kürzlich in der Tageszeitung Die Presse. Ihre Wunschvorstellung: „Graz soll wie eine Party sein, auf der man kurz vorbeischauen will, auf der man dann aber länger bleibt als ursprünglich geplant.“

Vielfalt versus Einfalt

Städte werden im Alltagsleben durch ihre Vielfalt attraktiv. Nur genau diese im Alltag gewünschte Vielfalt, steht einem speziell beim Stadtmarketing im Weg. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass in einer Stadt beim Stadtmarketing in der Regel viele Interessensgruppen mit teilweise sehr unterschiedlichen Standpunkten mitreden und mitgestalten wollen.

Das heißt aber aus Positionierungssicht: Speziell im Stadtmarketing ist es extrem schwer eine Position(ierung) zu finden, die in den Köpfen der Kunden relevant ist und auch das Potenzial hat, die Stadt nachhaltig klar, eindeutig und wünschenswert zu positionieren. Im Endeffekt einigt man sich dann meist auf eine Art „Pseudo-Positionierung“, die alle ein wenig und damit wahrscheinlich in der Auswirkung niemanden mehr wirklich anspricht.

Österreich größte kleine Stadt

Wenn Wien Österreichs einzige echte Großstadt ist, dann könnte sich Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs als „Österreichs größte kleine Stadt“ positionieren. Man könnte damit zum Ausdruck bringen, dass man alle wesentlichen Angebote (Vielfalt) einer großen Stadt aber mit dem Flair einer kleinen Stadt hat. „Großstadtangebot, Kleinstadtflair“ oder „Großstadtangebot, Altstadtflair“ könnte dazu das passende Thema sein, um diese Idee auf den Punkt zu bringen. Mit einer Positionierung in diese Richtung könnte man sich auf der einen Seite eine eigene Spitzenstellung als Nr. 1 schaffen und gleichzeitig die Vielfalt subtil mitkommunizieren. Man könnte so in den diversen Bereichen, egal ob Kultur, Handel oder Wohnen aufzeigen, dass man alles hat, was man sich von einer Großstadt erwartet, aber mit dem Flair als „Österreichs größte kleine Stadt“.

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Zukunft von Opel: 3 Probleme und eine Idee

Kürzlich konnte man folgende Zeilen auf Manager-Magazin Online lesen: „Bei Opel ging zuletzt nahezu alles schief. Die Werke sind leer, die Autos werden verramscht. Nun wird der Autobauer von der Konzernmutter Stellantis auch noch degradiert.“ So gesehen steht Opel heute als Marke vor drei großen Problemen oder Herausforderungen.

(1) Die (immer noch) fehlende Positionierung

Wofür steht die Marke Opel wirklich? Wenn man dem aktuellen Slogan oder Claim glauben darf, steht Opel für „Präzision made in Germany“. Das mag intern im Stellantis-Konzern die Marke von den anderen Marken differenzieren. Aus Kundensicht ist diese Positionierung gegenüber anderen deutschen Marken viel zu schwach.

Zudem wird diese Positionierung auch durch die aktuellen Stellantis-Pläne untergraben. So hieß es etwa im österreichischen Industriemagazin: „Damit wird die Neuauflage des Insignia – falls sie unter diesem Namen kommt – weniger zur nostalgischen Rückkehr eines Flaggschiffs als zum Symbol für Opels neue Realität. Der Blitz bleibt, die Herkunft wird gemischter. Italienische Fertigung, französisch-italienisch-amerikanische Konzernplattformen, chinesische E-Technik und deutsches Markendesign: So könnte Stellantis Opel in die nächste Phase führen.“ Damit würde von „Präzision made in Germany“ wenig überbleiben. Gleichzeitig würde aber die Positionierung für die Zukunft noch schwieriger.

(2) Der Wandel zur Elektromobilität

Hier mag ein Trost für Opel sein, dass man nicht alleine ist. So kämpfen so gut wie alle traditionellen Autoerzeuger der westlichen Welt mit der Herausforderung, wie man sich im Elektroautomarkt positioniert, wo die Karten durch Tesla und neue chinesische Marken aktuell gerade neu gemischt werden. (Laut aktuellen Medienberichten sieht man etwa sogar bei Volkswagen das eigene Geschäftsmodell und die eigene Zukunft gefährdet.)

So gesehen steckt Opel auf einmal doppelt im unprofilierten Mittelfeld, nämlich im traditionellen und im neuen Automobilmarkt. Und das ist mit Sicherheit keine gute Ausgangsbasis für die Zukunft, weder mental in den Köpfen der Kunden, noch tatsächlich gemessen an den harten Marktanteils-, Umsatz- und Gewinnzahlen.

(3) Die zukünftige Rolle bei Stellantis

Wahrscheinlich wird man aktuell auch bei Stellantis – ähnlich wie es GM bereits gemacht hat – über das zukünftige Markenportfolio nachdenken bzw. nachdenken müssen. So wurde auch bei GM Marken wie Pontiac, Oldsmobile oder Saturn eingestellt, um den Konzern neu für die Zukunft aufzustellen.

Hier steht Stellantis ebenfalls vor der Aufgabe, wie man sich vor allem global neu aufstellt. Denn obwohl man heute 14 Automarken im Portfolio hat, ist nur eine wirklich eine globale Automarke, nämlich Jeep. So gesehen könnte Opel auch zum Auslaufmodell nicht nur aus Kunden-, sondern vor allem aus Stellantis-Managementsicht werden.

Eine neue (globale) Rolle für Opel definieren

Damit stellen sich aus strategischer Positionierungssicht drei Fragen:

(1) Wie könnte eine zukünftige mentale und tatsächliche Spitzenstellung von Opel aussehen?

(2) Welche Rolle könnte dabei die Elektromobilität als Zukunftsmarkt spielen?

(3) Welche Rolle könnte Opel im Stellantis-Konzern einnehmen, die der Marke wirklich eine eigene und ausbaufähige Rolle zuteilt?

Dazu eine ganz andere Frage: Welche Automarke ist heute die Nr. 1 bei Elektronutzfahrzeugen in Europa? Und genau hier könnte man bei der Neuausrichtung der Marke Opel ansetzen, um diese Schritt für Schritt zur führenden europäischen Elektronutzfahrzeuge-Marke zu machen. Gleichzeitig könnte man so Schritt für Schritt den klassischen Automarkt den anderen Stellantis-Marken überlassen.

Wird man dies tun? Wahrscheinlich nicht, da die meisten Manager unbewusst auf „Mehr ist mehr“ statt auf „Weniger ist oft sehr viel mehr“ in Krisen setzen. Aber eines ist klar. Ohne starke Zukunftspositionierung wird die Zukunft von Opel doppelt vage bleiben einmal aus Sicht der Kunden und das andere Mal aus Sicht des Stellantis-Managements.

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Positionierung: ChatGPT und die potenzielle „Portal-Falle“

Wenn man heute im Alltagsleben an KI und vor allem an KI-Chatbots denkt, denken viele automatisch an ChatGPT. Anders ausgedrückt: ChatGPT besitzt diese Position in der kollektiven Wahrnehmung und im kollektiven Gedächtnis und ist folglich ein starke führende Marke.

Vom Chat zur Super-App

Nur wie es aktuell aussieht, ist man bei ChatGPT mit dieser Position nicht ganz zufrieden. So konnte man am 8. Juni dieses Jahres auf Handelsblatt Online folgende Zeilen lesen: „OpenAI macht aus ChatGPT eine Super-App“. So soll ChatGPT laut Medienberichten in Zukunft weniger ein klassischer Chatbot sein, sondern zudem Programmcodes schreiben, Grafiken erstellen oder Arbeitsschritte automatisieren.

Ein wesentlicher Grund für diese jetzt kommunizierte Neuausrichtung dürfte der geplante Börsengang von OpenAI sein. Man möchte so natürlich klar zukünftige Umsatz- und Wachstumspotenziale aufzeigen. Gleichzeitig soll laut Financial Times ein hochrangiger OpenAI-Mitarbeiter sogar in diesem Kontext „Chat is dead“ gesagt haben.

Yahoo! versus Google

Nur wenn man heute eine konkrete Position wie „Chatbot“ aufgibt, sollte man diese durch eine konkrete und relevante Position ersetzen. Und genau hier besteht die große Gefahr, dass die Idee „Super-App“ eine viel zu große und unspezifische Position(ierung) sein wird. (In welcher spezifischen Situation sollten Menschen an eine Super-App und dann an ChatGPT denken?)

Um das Ganze besser zu verstehen, sollten wir einen Blick auf Yahoo! in den 1990er Jahren werfen. Damals war Yahoo! die weltweit führende Suchmaschine. Nur diese Idee dürfte dem Management damals auch viel zu klein gewesen sein. Deshalb entschied man sich, ein Portal zu werden. Aus Managementsicht ist natürlich die Portal-Idee sehr viel größer als die Suchmaschinen-Idee, weil ein Suchmaschinenfenster nur ein kleines Fenster auf der großen Startseite eines Portals ist.

Nur aus Kundensicht war die Idee Suchmaschine immer sehr viel konkreter und spezifischer als die eher breite und vage Portal-Idee. Kunden wussten und wissen, wann man eine Suchmaschine braucht. Kunden wissen bis heute nicht, warum man über ein Portal ins Internet einsteigen sollte. Die Folge: Google wurde mit der „kleinen Idee“ Suchmaschine ein digitaler Superstar. Yahoo! endete mit der „großen Idee“  Portal als digitales Chaos in den unendlichen Weiten des Internets.

Verloren im KI-Universum

Genau hier sollte man aktuell bei ChatGPT extrem vorsichtig sein, dass man sich mit der „Super-App“-Idee nicht im unendlichen KI-Universum „verliert“. Denn eines ist klar: Je mehr KI-Anwendungen es geben wird, desto spezieller werden diese werden. So neigen Märkte – langfristig gesehen – nicht zur Konvergenz, sondern genau zum Gegenteil, nämlich zur Divergenz. Und je vielfältiger die KI-Welt werden wird, desto gefährlich wird es für zu breite und zu undefinierte Anwendungen und Marken werden.

Fazit: Positionierung sollte nicht nur die Wunschziele des Managements widerspiegeln, sondern vor allem auch einer Marke und einem Unternehmen eine konkrete Richtung geben, um einen spezifisch ausgewählten Markt zuerst mental und dann tatsächlich in den Köpfen der Kunden zu dominieren. Und genau dabei sollte man aufpassen, dass man die Idee nicht „zu groß“ und damit zu unspezifisch festlegt.

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KI, Markenpositionierung und eine neue Ära von Ranking und Relevanz

Immer mehr Menschen nutzen die KI auch zur Produkt- und Dienstleistungssuche und damit natürlich auch zum Vergleich von Angeboten und Marken. Nur das bedeutet auch, dass sich Marken nicht nur in den Köpfen der Kunden, sondern auch gegenüber der KI positionieren müssen. Nur damit verliert das Thema Positionierung nicht an Bedeutung, sondern es gewinnt an Bedeutung.

Emotionale Bilder und Worthülsen zu wenig

Speziell gegenüber der KI wird es nicht reichen, dass man sich hinter schönen emotionalen Bildern und emotionalen Worthülsen aus der Werbesprache versteckt. Vielmehr wird es darum gehen, dass man die eigene Marke klar in Wort und Bild positioniert. So habe ich letzten Freitag einfach einmal den Copiloten von Microsoft gefragt, welches Pilsbier er mir aktuell bei einem Deutschlandurlaub besonders empfehlen könne.

Hier die Antwort: „Wenn du in Deutschland Urlaub machst und ein richtig gutes Pils trinken willst, gibt es ein paar Sorten, die selbst unter Bier-Nerds einen legendären Ruf haben. Das kurze Fazit vorweg: Jever, Radeberger, Bitburger und das bayerische Tegernseer Pils gehören zu den zuverlässigsten Klassikern – jedes mit eigenem Charakter.“

Hier die Begründungen des Copiloten in aller Kürze:

1. Jever Pilsener – Norddeutsch, herb, ikonisch

2. Radeberger Pilsner – Sächsischer Klassiker (War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“.)

3. Bitburger Pils – Westdeutsche Benchmark

4. Tegernseer Pils – Bayerische Eleganz

5. Krombacher Pils – Mild und massentauglich

Natürlich kann man als Bierkenner oder auch Bierkennerin über dieses Ranking und diese „Argumentation“ tunlichst streiten. Aber es ändert nichts daran, dass die KI gerne Rankings erstellt und diese gerne aufgrund der für sie verfügbaren Informationen begründet.

Die Neuausrichtung von Warsteiner

Vor 30 Jahren hätte dieses Ranking mit Sicherheit anders ausgesehen, da die KI nicht an Warsteiner, der damaligen Königin der Biere vorbeigekommen wäre. War damals Warsteiner das deutsche Pilsbier, ist die Marke heute maximal ein weiteres nationales Pils in der Wahrnehmung und im Gedächtnis des Marktes.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kürzlich folgende Zeilen auf Horizont Online lesen konnte: „Biermarke wird neu ausgerichtet: Warsteiner gibt Omnicom den Laufpass und holt KNSK an Bord“. Dabei liegen die letzten Neuausrichtungen noch nicht so lange zurück. Dazu hieß es am 9. Februar 2023 auf Horizont Online: „Marken-Relaunch zum Superbowl: Schluss mit „Das einzig Wahre“ und Zarathustra – Warsteiner entdeckt den Moment“. Und am 27. Juni 2024, hieß es dann auf Horizont Online: „Premium-Biermarke: Warsteiner kürt neue Leadagentur – ohne Pitch“.

So gesehen steht Warsteiner vor keiner einfachen Aufgabe, wenn sich das Werbekarussell nicht ewig weiterdrehen sollte. Denn eines ist aber klar: Mit Werbeemotion alleine wird man erneut weder bei den Kunden noch bei der KI punkten können. Entscheidend wird vor allem sein, dass die Marke aus dem unprofilierten Mittelfeld herauskommt. Denn solange Warsteiner von den Menschen und der KI nur als weitere Pilsbier-Marke wahrgenommen wird, wird keine Werbung der Welt funktionieren. So sollte, auch wenn das für manchen hart klingt, die mentale Ausgangsposition die Markenstrategie diktieren. Wer diese emotional und kreativ ignoriert, darf sich über ausbleibenden Erfolg nicht wundern.

Die KI-Rankings und -Antworten studieren

Zurück zur Positionierung und KI generell: In einem meiner letzten Blog-Beiträge ging es auch darum, dass man bei der Positionierung einer Marke unbedingt die eigenen Medienberichte studieren sollte. Dasselbe sollte man auch mit KI-Rankings und deren Begründungen machen. Und wenn man das obige Bier-Ranking sich genauer ansieht, sollte unter Umständen auch Radeberger die aktuelle Werbelinie überdenken. Der aktuelle Slogan „Auf die Leidenschaft“ mag emotional punkten, aber die Aussage „War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“ hätte bedeutend mehr Potenzial, um darauf aufbauend Radeberger zur Nr. 1 in Deutschland zu machen.

PS dazu oder mehr zum Thema: https://brandtneronbranding.com/2023/03/13/emotional-brand-building-oder-warum-emotionale-kommunikation-zu-wenig-ist/

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