Porsche in der Konvergenz-Falle oder warum Märkte divergieren und in der Regel nicht konvergieren

In den 1980er Jahren war der große Traum, dass Fernseher, PC, Videorekorder und Musikstation zu einem Multimedia-Abspiel- und Aufnahmegerät konvergieren. Obwohl wahrscheinlich Milliarden investiert wurden, passierte es nie. Man muss nur einen Blick auf die damalige potenzielle Kombination aus klassischem Fernseher und klassischem PC werfen. Statt zu einem Gerät zusammenzuwachsen, wurde der klassische PC mehr und mehr zum mobilen Notebook oder gar Tablet, während der Fernseher immer größer und größer und gleichzeitig flacher und flacher wurde. Divergenz statt Konvergenz bei der Arbeit.

Das „Mega-Patent“ von Porsche

Auch Porsche dürfte aktuell den Traum zur Konvergenz verfolgen. Dazu konnte man kürzlich folgende Zeilen auf MSN.com lesen: „Porsche hat Details zu einem neuartigen Antriebskonzept veröffentlicht, das beim Deutschen Patent- und Markenamt nun öffentlich einsehbar ist. Das schon im Dezember 2024 angemeldete Patent beschreibt einen flexiblen Antrieb, der die Grenzen zwischen Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsmotoren aufhebt.“

Und weiter: „Das System ermöglicht es dem Fahrer, zwischen vier verschiedenen Betriebsmodi zu wählen. Im rein elektrischen Modus wird der Verbrennungsmotor mechanisch entkoppelt, sodass das Fahrzeug nur über die Batterie mit Strom und E-Motor fährt. Im Hybrid-Modus treibt der Verbrennungsmotor das Fahrwerk direkt an und erhält Unterstützung durch eine Elektromaschine. Ein weiterer Modus fungiert als sogenannter Range Extender, wobei der Verbrennungsmotor über einen Generator elektrische Energie für das Akkupaket und den Antrieb erzeugt. Eine Verbindung vom Verbrenner zu den Rädern besteht im Range-Extender-Modus nicht. Im reinen Verbrennermodus wird dagegen die elektrische Komponente nicht für den Vortrieb genutzt.“

Die Faktoren Wettbewerb und Zeit

Das Kernproblem dabei ist mit Sicherheit nicht die Technologie alleine. Vielmehr sprechen die Faktoren Zeit und Wettbewerb dagegen. Denn während viele Unternehmen an Konvergenzkonzepten basteln, entwickeln spezialisierte Wettbewerber jeweils die Einzelkomponenten weiter.

Dazu kommt noch einmal erschwerend, dass der klassische Verbrennungsmotor so ziemlich am Ende seiner Entwicklung steht, während der Elektromotor am Anfang seiner Entwicklung steht. So gesehen sollte Porsche vorsichtig sein, dass man sich mit dieser Art von Konzepten – egal wie genial diese klingen mögen – selbst im Weg steht.

Das Schicksal von Wang

In den 1980er Jahren war Wang mit dem sogenannten Word Processor (Textverarbeitungsrechner), einer Art Mittelding aus Personal Computer und Schreibmaschine enorm erfolgreich. So hatte man in den besten Zeiten um die 33.000 Beschäftige und machte einen Umsatz von ca. 3 Milliarden US-Dollar. Kurzfristig! Nur langfristig gesehen hatte dieses Kombiprodukt aus Vergangenheit (Schreibmaschine) und Zukunft (PC) keine Chance gegen die Zukunft und musste 1992 Konkurs anmelden.

Aktuell würden sich viele Entscheider in der Automobilbranche, speziell in Europa wünschen, dass Märkte zusammenwachsen und für Technologieoffenheit stehen. Nur wenn man die Geschichte speziell von technologischen Märkten studiert, neigen diese nicht zur Konvergenz, sondern zur Divergenz. Und aktuell dürfte die Divergenzentwicklung Nr. 1 in der Autoindustrie das Elektroauto sein. Dafür spricht auch, dass es nicht nur das Auto selbst, sondern auch das gesamte Ökosystem dahinter samt der Einstellung der Menschen, vor allem der zukünftigen Generation verändern wird. So gesehen sollte man bei Porsche, vor allem aber auch bei der Mutter Volkswagen sehr genau überlegen, wo wirklich die Zukunft der Marke Porsche liegt.

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Graz und das Positionierungsdilemma im Stadtmarketing

„Graz hat viele Rollenbilder: Weltkulturerbe, City of Design, Kulturhauptstadt, Genusshauptstadt, Menschenrechtsstadt, Handelsstadt – die Stadt steht aber für nichts wirklich.“ So lautete die Diagnose der Grazer Citymanagerin Elisa-Maria Steinberger kürzlich in der Tageszeitung Die Presse. Ihre Wunschvorstellung: „Graz soll wie eine Party sein, auf der man kurz vorbeischauen will, auf der man dann aber länger bleibt als ursprünglich geplant.“

Vielfalt versus Einfalt

Städte werden im Alltagsleben durch ihre Vielfalt attraktiv. Nur genau diese im Alltag gewünschte Vielfalt, steht einem speziell beim Stadtmarketing im Weg. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass in einer Stadt beim Stadtmarketing in der Regel viele Interessensgruppen mit teilweise sehr unterschiedlichen Standpunkten mitreden und mitgestalten wollen.

Das heißt aber aus Positionierungssicht: Speziell im Stadtmarketing ist es extrem schwer eine Position(ierung) zu finden, die in den Köpfen der Kunden relevant ist und auch das Potenzial hat, die Stadt nachhaltig klar, eindeutig und wünschenswert zu positionieren. Im Endeffekt einigt man sich dann meist auf eine Art „Pseudo-Positionierung“, die alle ein wenig und damit wahrscheinlich in der Auswirkung niemanden mehr wirklich anspricht.

Österreich größte kleine Stadt

Wenn Wien Österreichs einzige echte Großstadt ist, dann könnte sich Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs als „Österreichs größte kleine Stadt“ positionieren. Man könnte damit zum Ausdruck bringen, dass man alle wesentlichen Angebote (Vielfalt) einer großen Stadt aber mit dem Flair einer kleinen Stadt hat. „Großstadtangebot, Kleinstadtflair“ oder „Großstadtangebot, Altstadtflair“ könnte dazu das passende Thema sein, um diese Idee auf den Punkt zu bringen. Mit einer Positionierung in diese Richtung könnte man sich auf der einen Seite eine eigene Spitzenstellung als Nr. 1 schaffen und gleichzeitig die Vielfalt subtil mitkommunizieren. Man könnte so in den diversen Bereichen, egal ob Kultur, Handel oder Wohnen aufzeigen, dass man alles hat, was man sich von einer Großstadt erwartet, aber mit dem Flair als „Österreichs größte kleine Stadt“.

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Zukunft von Opel: 3 Probleme und eine Idee

Kürzlich konnte man folgende Zeilen auf Manager-Magazin Online lesen: „Bei Opel ging zuletzt nahezu alles schief. Die Werke sind leer, die Autos werden verramscht. Nun wird der Autobauer von der Konzernmutter Stellantis auch noch degradiert.“ So gesehen steht Opel heute als Marke vor drei großen Problemen oder Herausforderungen.

(1) Die (immer noch) fehlende Positionierung

Wofür steht die Marke Opel wirklich? Wenn man dem aktuellen Slogan oder Claim glauben darf, steht Opel für „Präzision made in Germany“. Das mag intern im Stellantis-Konzern die Marke von den anderen Marken differenzieren. Aus Kundensicht ist diese Positionierung gegenüber anderen deutschen Marken viel zu schwach.

Zudem wird diese Positionierung auch durch die aktuellen Stellantis-Pläne untergraben. So hieß es etwa im österreichischen Industriemagazin: „Damit wird die Neuauflage des Insignia – falls sie unter diesem Namen kommt – weniger zur nostalgischen Rückkehr eines Flaggschiffs als zum Symbol für Opels neue Realität. Der Blitz bleibt, die Herkunft wird gemischter. Italienische Fertigung, französisch-italienisch-amerikanische Konzernplattformen, chinesische E-Technik und deutsches Markendesign: So könnte Stellantis Opel in die nächste Phase führen.“ Damit würde von „Präzision made in Germany“ wenig überbleiben. Gleichzeitig würde aber die Positionierung für die Zukunft noch schwieriger.

(2) Der Wandel zur Elektromobilität

Hier mag ein Trost für Opel sein, dass man nicht alleine ist. So kämpfen so gut wie alle traditionellen Autoerzeuger der westlichen Welt mit der Herausforderung, wie man sich im Elektroautomarkt positioniert, wo die Karten durch Tesla und neue chinesische Marken aktuell gerade neu gemischt werden. (Laut aktuellen Medienberichten sieht man etwa sogar bei Volkswagen das eigene Geschäftsmodell und die eigene Zukunft gefährdet.)

So gesehen steckt Opel auf einmal doppelt im unprofilierten Mittelfeld, nämlich im traditionellen und im neuen Automobilmarkt. Und das ist mit Sicherheit keine gute Ausgangsbasis für die Zukunft, weder mental in den Köpfen der Kunden, noch tatsächlich gemessen an den harten Marktanteils-, Umsatz- und Gewinnzahlen.

(3) Die zukünftige Rolle bei Stellantis

Wahrscheinlich wird man aktuell auch bei Stellantis – ähnlich wie es GM bereits gemacht hat – über das zukünftige Markenportfolio nachdenken bzw. nachdenken müssen. So wurde auch bei GM Marken wie Pontiac, Oldsmobile oder Saturn eingestellt, um den Konzern neu für die Zukunft aufzustellen.

Hier steht Stellantis ebenfalls vor der Aufgabe, wie man sich vor allem global neu aufstellt. Denn obwohl man heute 14 Automarken im Portfolio hat, ist nur eine wirklich eine globale Automarke, nämlich Jeep. So gesehen könnte Opel auch zum Auslaufmodell nicht nur aus Kunden-, sondern vor allem aus Stellantis-Managementsicht werden.

Eine neue (globale) Rolle für Opel definieren

Damit stellen sich aus strategischer Positionierungssicht drei Fragen:

(1) Wie könnte eine zukünftige mentale und tatsächliche Spitzenstellung von Opel aussehen?

(2) Welche Rolle könnte dabei die Elektromobilität als Zukunftsmarkt spielen?

(3) Welche Rolle könnte Opel im Stellantis-Konzern einnehmen, die der Marke wirklich eine eigene und ausbaufähige Rolle zuteilt?

Dazu eine ganz andere Frage: Welche Automarke ist heute die Nr. 1 bei Elektronutzfahrzeugen in Europa? Und genau hier könnte man bei der Neuausrichtung der Marke Opel ansetzen, um diese Schritt für Schritt zur führenden europäischen Elektronutzfahrzeuge-Marke zu machen. Gleichzeitig könnte man so Schritt für Schritt den klassischen Automarkt den anderen Stellantis-Marken überlassen.

Wird man dies tun? Wahrscheinlich nicht, da die meisten Manager unbewusst auf „Mehr ist mehr“ statt auf „Weniger ist oft sehr viel mehr“ in Krisen setzen. Aber eines ist klar. Ohne starke Zukunftspositionierung wird die Zukunft von Opel doppelt vage bleiben einmal aus Sicht der Kunden und das andere Mal aus Sicht des Stellantis-Managements.

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Positionierung: ChatGPT und die potenzielle „Portal-Falle“

Wenn man heute im Alltagsleben an KI und vor allem an KI-Chatbots denkt, denken viele automatisch an ChatGPT. Anders ausgedrückt: ChatGPT besitzt diese Position in der kollektiven Wahrnehmung und im kollektiven Gedächtnis und ist folglich ein starke führende Marke.

Vom Chat zur Super-App

Nur wie es aktuell aussieht, ist man bei ChatGPT mit dieser Position nicht ganz zufrieden. So konnte man am 8. Juni dieses Jahres auf Handelsblatt Online folgende Zeilen lesen: „OpenAI macht aus ChatGPT eine Super-App“. So soll ChatGPT laut Medienberichten in Zukunft weniger ein klassischer Chatbot sein, sondern zudem Programmcodes schreiben, Grafiken erstellen oder Arbeitsschritte automatisieren.

Ein wesentlicher Grund für diese jetzt kommunizierte Neuausrichtung dürfte der geplante Börsengang von OpenAI sein. Man möchte so natürlich klar zukünftige Umsatz- und Wachstumspotenziale aufzeigen. Gleichzeitig soll laut Financial Times ein hochrangiger OpenAI-Mitarbeiter sogar in diesem Kontext „Chat is dead“ gesagt haben.

Yahoo! versus Google

Nur wenn man heute eine konkrete Position wie „Chatbot“ aufgibt, sollte man diese durch eine konkrete und relevante Position ersetzen. Und genau hier besteht die große Gefahr, dass die Idee „Super-App“ eine viel zu große und unspezifische Position(ierung) sein wird. (In welcher spezifischen Situation sollten Menschen an eine Super-App und dann an ChatGPT denken?)

Um das Ganze besser zu verstehen, sollten wir einen Blick auf Yahoo! in den 1990er Jahren werfen. Damals war Yahoo! die weltweit führende Suchmaschine. Nur diese Idee dürfte dem Management damals auch viel zu klein gewesen sein. Deshalb entschied man sich, ein Portal zu werden. Aus Managementsicht ist natürlich die Portal-Idee sehr viel größer als die Suchmaschinen-Idee, weil ein Suchmaschinenfenster nur ein kleines Fenster auf der großen Startseite eines Portals ist.

Nur aus Kundensicht war die Idee Suchmaschine immer sehr viel konkreter und spezifischer als die eher breite und vage Portal-Idee. Kunden wussten und wissen, wann man eine Suchmaschine braucht. Kunden wissen bis heute nicht, warum man über ein Portal ins Internet einsteigen sollte. Die Folge: Google wurde mit der „kleinen Idee“ Suchmaschine ein digitaler Superstar. Yahoo! endete mit der „großen Idee“  Portal als digitales Chaos in den unendlichen Weiten des Internets.

Verloren im KI-Universum

Genau hier sollte man aktuell bei ChatGPT extrem vorsichtig sein, dass man sich mit der „Super-App“-Idee nicht im unendlichen KI-Universum „verliert“. Denn eines ist klar: Je mehr KI-Anwendungen es geben wird, desto spezieller werden diese werden. So neigen Märkte – langfristig gesehen – nicht zur Konvergenz, sondern genau zum Gegenteil, nämlich zur Divergenz. Und je vielfältiger die KI-Welt werden wird, desto gefährlich wird es für zu breite und zu undefinierte Anwendungen und Marken werden.

Fazit: Positionierung sollte nicht nur die Wunschziele des Managements widerspiegeln, sondern vor allem auch einer Marke und einem Unternehmen eine konkrete Richtung geben, um einen spezifisch ausgewählten Markt zuerst mental und dann tatsächlich in den Köpfen der Kunden zu dominieren. Und genau dabei sollte man aufpassen, dass man die Idee nicht „zu groß“ und damit zu unspezifisch festlegt.

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KI, Markenpositionierung und eine neue Ära von Ranking und Relevanz

Immer mehr Menschen nutzen die KI auch zur Produkt- und Dienstleistungssuche und damit natürlich auch zum Vergleich von Angeboten und Marken. Nur das bedeutet auch, dass sich Marken nicht nur in den Köpfen der Kunden, sondern auch gegenüber der KI positionieren müssen. Nur damit verliert das Thema Positionierung nicht an Bedeutung, sondern es gewinnt an Bedeutung.

Emotionale Bilder und Worthülsen zu wenig

Speziell gegenüber der KI wird es nicht reichen, dass man sich hinter schönen emotionalen Bildern und emotionalen Worthülsen aus der Werbesprache versteckt. Vielmehr wird es darum gehen, dass man die eigene Marke klar in Wort und Bild positioniert. So habe ich letzten Freitag einfach einmal den Copiloten von Microsoft gefragt, welches Pilsbier er mir aktuell bei einem Deutschlandurlaub besonders empfehlen könne.

Hier die Antwort: „Wenn du in Deutschland Urlaub machst und ein richtig gutes Pils trinken willst, gibt es ein paar Sorten, die selbst unter Bier-Nerds einen legendären Ruf haben. Das kurze Fazit vorweg: Jever, Radeberger, Bitburger und das bayerische Tegernseer Pils gehören zu den zuverlässigsten Klassikern – jedes mit eigenem Charakter.“

Hier die Begründungen des Copiloten in aller Kürze:

1. Jever Pilsener – Norddeutsch, herb, ikonisch

2. Radeberger Pilsner – Sächsischer Klassiker (War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“.)

3. Bitburger Pils – Westdeutsche Benchmark

4. Tegernseer Pils – Bayerische Eleganz

5. Krombacher Pils – Mild und massentauglich

Natürlich kann man als Bierkenner oder auch Bierkennerin über dieses Ranking und diese „Argumentation“ tunlichst streiten. Aber es ändert nichts daran, dass die KI gerne Rankings erstellt und diese gerne aufgrund der für sie verfügbaren Informationen begründet.

Die Neuausrichtung von Warsteiner

Vor 30 Jahren hätte dieses Ranking mit Sicherheit anders ausgesehen, da die KI nicht an Warsteiner, der damaligen Königin der Biere vorbeigekommen wäre. War damals Warsteiner das deutsche Pilsbier, ist die Marke heute maximal ein weiteres nationales Pils in der Wahrnehmung und im Gedächtnis des Marktes.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kürzlich folgende Zeilen auf Horizont Online lesen konnte: „Biermarke wird neu ausgerichtet: Warsteiner gibt Omnicom den Laufpass und holt KNSK an Bord“. Dabei liegen die letzten Neuausrichtungen noch nicht so lange zurück. Dazu hieß es am 9. Februar 2023 auf Horizont Online: „Marken-Relaunch zum Superbowl: Schluss mit „Das einzig Wahre“ und Zarathustra – Warsteiner entdeckt den Moment“. Und am 27. Juni 2024, hieß es dann auf Horizont Online: „Premium-Biermarke: Warsteiner kürt neue Leadagentur – ohne Pitch“.

So gesehen steht Warsteiner vor keiner einfachen Aufgabe, wenn sich das Werbekarussell nicht ewig weiterdrehen sollte. Denn eines ist aber klar: Mit Werbeemotion alleine wird man erneut weder bei den Kunden noch bei der KI punkten können. Entscheidend wird vor allem sein, dass die Marke aus dem unprofilierten Mittelfeld herauskommt. Denn solange Warsteiner von den Menschen und der KI nur als weitere Pilsbier-Marke wahrgenommen wird, wird keine Werbung der Welt funktionieren. So sollte, auch wenn das für manchen hart klingt, die mentale Ausgangsposition die Markenstrategie diktieren. Wer diese emotional und kreativ ignoriert, darf sich über ausbleibenden Erfolg nicht wundern.

Die KI-Rankings und -Antworten studieren

Zurück zur Positionierung und KI generell: In einem meiner letzten Blog-Beiträge ging es auch darum, dass man bei der Positionierung einer Marke unbedingt die eigenen Medienberichte studieren sollte. Dasselbe sollte man auch mit KI-Rankings und deren Begründungen machen. Und wenn man das obige Bier-Ranking sich genauer ansieht, sollte unter Umständen auch Radeberger die aktuelle Werbelinie überdenken. Der aktuelle Slogan „Auf die Leidenschaft“ mag emotional punkten, aber die Aussage „War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“ hätte bedeutend mehr Potenzial, um darauf aufbauend Radeberger zur Nr. 1 in Deutschland zu machen.

PS dazu oder mehr zum Thema: https://brandtneronbranding.com/2023/03/13/emotional-brand-building-oder-warum-emotionale-kommunikation-zu-wenig-ist/

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Ferrari Luce, die Designdebatte und eine mögliche Strategie für die Zukunft

Der Aufreger Nr. 1 aus Markensicht letzte Woche war mit Sicherheit die Präsentation des neuen und ersten vollelektrischen Ferrari Luce. Der wesentliche Grund dafür war vor allem das Design dieses neuen Autos, das vom früheren Apple-Chefdesigner Jony Ive, der unter anderem das iPhone maßgeblich mitgestaltet hat, stammt.

Die Design-Debatte der Gegenwart und …

Genau dieses Design sorgte für massive Kritik in der Auto- und auch in der Markenwelt. Der Grundtenor war dabei, dass dieser neue Ferrari auf den ersten Blick wie ein Elektroauto aus China oder Südkorea wirkt. Das wurde und wird noch dadurch verstärkt, dass das Auto nicht im typischen Ferrari-Rot, sondern in Blau präsentiert wurde.

So lautet dann etwa eine Headline in der FAZ „Auweia, Ferrari!“ oder eine andere im Handelsblatt „Ferrari erntet Kritik und reiht sich in Design-Flops ein“ und ein YouTube-Influencer stellte sich sogar die Frage, ob dies vom Design her das geplante, aber nie verwirklichte Apple Auto hätte sein können.

… die Markenausrichtung für die Zukunft

Über Geschmack und damit auch über Design lässt sich streiten. Auf alle Fälle bekam Ferrari so letzte Woche ein großes Medienecho. Strategisch gesehen sieht die Sache etwas anders aus. Denn strategisch gesehen ist der Ferrari Luce ein weiteres Beispiel für die tiefe Verunsicherung in der europäischen Autoindustrie. So war die Welt für die europäische Autoindustrie in Ordnung, solange diese eine reine Verbrennerwelt war. Es ging damals im Wesentlichen darum, die besten Automobile mit den besten Verbrennungsmotoren der Welt zu bauen.

Mit dem Aufkommen der Elektromobilität wurde diese Ordnung am Markt, in den Köpfen der Kunden und vor allem auch in den Köpfen der Entscheider massiv gestört. Planbare Sicherheit wurde durch Unsicherheit und vor allem durch Verunsicherung abgelöst. Zudem bekam man mit der neuen E-Autonation China so einen neuen expansiv-denkenden Konkurrenten in und immer öfter auch außerhalb von China.

Drei Wege zum Erfolg

In einer solchen Situation gibt es aus strategischer Positionierungssicht drei grundlegende Möglichkeiten, wie man auf diese Art von Wandel oder Veränderung reagieren kann, nämlich:

(1) Den Fokus der Marke beibehalten

(2) Den Fokus der Marke verlagern

(3) Auf zwei Fokusse und zwei Marken setzen

Genau diese dritte Strategie sollte speziell in technologischen Märkten die erste Wahl sein. So hätte Kodak frühzeitig in den 1990er Jahren eine zweite Marke speziell für die Digitalfotografie bauen sollen. So hätte Nokia frühzeitig eine zweite Marke speziell für Smartphones bauen sollen. Gerade für Autokonzerne wie Volkswagen oder Stellantis mit einem existierenden Mehr-Marken-System hätte diese Strategie die erste Wahl sein können oder sogar müssen.

Jaguar und Ferrari

Anders kann es bei Nischenanbietern aussehen. Dazu sollten wir uns Jaguar und Ferrari ansehen. Für Jaguar wäre wahrscheinlich die beste Strategie gewesen, dass man mit einer vollelektrischen Neuauflage des legendären Jaguar E-Types den Fokus der Marke schrittweise noch mehr auf Elektro verlagert hätte.

Ganz anders Ferrari! Hier hätte man sich als Luxusnischen-Anbieter auch ganz bewusst gegen die Elektro- und Elektrifizierungswelt positionieren können. 2025 wurden nicht ganz 90 Millionen PKWs und leichte Nutzfahrzeuge verkauft, davon waren nicht ganz 14 Millionen elektrisch. Ferrari verkaufte – sehr erfolgreich – gerade einmal 13.640 Autos im Jahr 2025. Wahrscheinlich würde diese Supernische sogar gegen den Elektrotrend wachsen, wenn sich Ferrari darauf fokussieren würde.

Der große Unterschied zwischen Ferrari und Jaguar: Ferrari hat aktuell ein sehr erfolgreiches Nischengeschäftsmodell zu verteidigen und in die Zukunft zu führen. Jaguar wiederum kämpft ums Überleben. Genau deshalb sollte Jaguar strategisch anders denken und handeln.

Die große Herausforderung für Google

Was Ferrari, Jaguar und vielleicht auch die gesamte europäische Autoindustrie ein wenig trösten mag, ist, dass auch für Google die gute alte Suchmaschinenwelt nie mehr dieselbe sein wird. Denn mit dem Aufkommen von ChatGPT und der neuen KI-Suche teilt sich auch hier die Welt der Suche. Und welche Strategie sollte Google wählen?

Aus Sicht der Gegenwart macht es Sinn, dass man zurzeit mit Gemini versucht, das aktuelle Geschäftsmodell um die KI-Suche zu erweitern. Aus Zukunftssicht könnte das aber zu wenig sein. Hier sollte Google auf eine zweite KI-Marke mit einem echten KI-Geschäftsmodell in der Welt der Suche und Antworten setzen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. (1) Man versucht selbst eine neue Marke zu bauen. (2) Man kauft, wie man es etwa mit Android bei Smartphone-Betriebssystemen gemacht hat, eine bereits bestehende Marke mit Zukunftspotenzial.

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Linz: Von der Stahlstadt zur KI-Stadt

Ein Unternehmen prägte die Stadt Linz in der Zeit des Wirtschaftswunders wie kein anderes. Das war natürlich die VOEST (heute Voest-Alpine). Sie war nicht nur das Großunternehmen in Oberösterreich, sondern positionierte Linz auch nachhaltig als die Stahlstadt.

Am richtigen Ort suchen

Oft findet man die stärksten Positionierungsideen nicht in der Marktforschung, sondern in den Medien, egal ob analog oder digital. Genau aus diesem Grund studiere ich bei Positionierungsprojekten immer sehr gerne die Medienberichte über meine Klienten und deren Branche.

So konnte man am 23. Mai dieses Jahres in der Tageszeitung Die Presse unter der Überschrift „Was der KI-Vorreiter Mistral in Österreich vorhat“ das Folgende lesen: „Standort. Europas KI-Hoffnung Mistral übernimmt das Linzer KI-Start-up Emmi AI zu Rekordpreis. Wird die Stahlstadt dadurch zu Österreichs KI-Hauptstadt?“

Und am selben Tag wurde KI-Experte Daniel Naeff so zur Übernahme von Emmi AI in den OÖN zitiert: „Ich glaube, das ist eine unglaublich tolle Chance für Linz, für Österreich, aber natürlich auch für Europa insgesamt. … und im besten Fall entwickelt sich ein lokales KI-Ökosystem, das weitere unternehmerische Tätigkeiten befeuert.“

Eine Frage des Timings

Genau diese eine Frage am Ende des Zitats aus der Tageszeitung Die Presse sollten sich jetzt die Verantwortlichen in Oberösterreich, vor allem in der Landes- und Stadtpolitik und wahrscheinlich auch in der Wirtschaftskammer stellen. Die Betonung dabei liegt auf dem Wort „Jetzt“.

Speziell wenn es um die Positionierung von Marken geht, ist das Timing von entscheidender Bedeutung. Das gilt für Produkte, Dienstleistungen und natürlich auch für Städte und Regionen. Denn es geht vor allem um den First-Minder-Advantage. Das heißt: Wer wird als Erster mental mit einem spezifischen und vor allem relevanten Thema in den Köpfen der Kunden abgespeichert.

KI statt nur digital

Linz wird mit Sicherheit nie die Digitalhauptstadt, weder in Linz selbst, noch in Oberösterreich und schon gar nicht in Österreich oder in Europa. Daran wird auch die Dauerbaustelle Digitaluni (IT:U) nichts ändern. Dazu kommt, dass das Thema „Digital“ zwei Nachteile gegenüber KI hat. (1) Es ist viel zu breit und unspezifisch. (2) Es ist vom Timing her viel zu spät. KI ist anders und zudem hat man in Linz an der JKU noch Sepp Hochreiter, der das Institute for Machine Learning und das Labor für Artificial Intelligence leitet.

Aktuell heißt es auf der Website des oberösterreichischen Landeshauptmanns Thomas Stelzer unter anderem: „LH Stelzer zu Digitaluni IT:U: „Wichtig ist, die Jahrhundertchance IT:U in Oberösterreich zu nutzen“. Vielleicht sollte er das dringend in „LH Stelzer zum Megathema KI: „Wichtig ist, die Jahrhundertchance KI in Oberösterreich voll zu nutzen und Linz zur KI-Hauptstadt Österreichs oder sogar Europas zu machen.“ Das wäre eine starke Ansage, und das wäre ein starker Fokus für die Zukunft.

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100 Jahre Al Ries und das Prinzip des Fokussierung

Egal welche Strategie man nutzt, egal ob man sich als Marktführer oder über eine Gegenposition oder eine neue Kategorie positioniert, letztendlich muss es gelingen, die Position in der Wahrnehmung der Kunden zu besitzen. Der Schlüssel dazu in unserer überkommunizierten Gesellschaft ist die übervereinfachte Botschaft. Das heißt: Je größer die Kommunikationsüberlastung in Summe aus Kundensicht ist, desto einfacher sollte die eigene Positionierung sein.

Das wichtigste Prinzip von allen

Im Idealfall lässt sich daher der Kern einer Positionierungsidee auf ein einziges Wort reduzieren oder fokussieren. Für Al war das eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Prinzip der Positionierung. So schrieb er 1996 sogar mit „Focus: The Future of Your Company Depends on It“ ein Managementbuch, das rund um dieses Prinzip aufgebaut war.

So besitzt BMW das Wort „Fahrfreude“ bei Automobilen, Nivea das Wort „Pflege“ bei Haut- und Haarpflegeprodukten, Milka das Wort „zart“ bei Schokolade, Aldi das Wort „Diskont“ im Lebensmittelhandel, Ryanair dasselbe Wort „Diskont“ bei Fluglinien oder Knoppers das Wort „Frühstückchen“ bei Waffeln. Und der Erfolg von Zotter Schokolade beruht auf dem Wort „handgeschöpft“.

Dieses Prinzip gilt universell. Andy Warhol besitzt das Wort „Pop-Art“, Banksy „Streetart“, Elvis Presley war und ist der „King of Rock’n’Roll“, Michael Jackson der „King of Pop“, Madonna ist die „Queen of Pop“ und Kylie Minogue wird gerne als „Princess of Pop“ tituliert. All diese Künstler haben so eine spezifische Spitzenposition oder Pole-Position in den Köpfen der Kunden.

Das unsichtbare Wort des Marktführers

Welches Wort aber besitzen jetzt wirklich Marktführer? Welches Wort besitzt etwa die Marke Red Bull? Red Bull besitzt letztendlich die Kategorie selbst, in dem Fall das Wort „Energydrink“. Man denkt Energydrink. Man denkt Red Bull. Damit sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: Die meisten Marken- und Marketingprogramme sind heute rund um Werte, Attribute oder Nutzen aufgebaut. So verwenden viele Markenverantwortliche auch viel Zeit, um nach diesen Werten, Attributen und Nutzen zu suchen.

Die stärksten Markenprogramme beruhen aber auf Marktführerschaft. Wirklich starke Marktführer besitzen  a la Red Bull ihren Markt im wahrsten Sinne des Wortes. Das gilt für Coca-Cola, für McDonald’s und für WD-40. Brille ist Fielmann und Flixbus erobert sich gerade mit seinen grünen Bussen nachhaltig das Wort „Fernbus“.

Aber natürlich gilt es auch für die vielen neuen Marken. So steht Google für Suche, Nvidia für KI-Chips, ChatGPT für KI-Chatbot, Amazon für Internethandel, Facebook für „soziales Netzwerk“ oder Tesla für Elektroauto. DeepL steht für Übersetzung und Zoom für Videokonferenz.

Aber Marktführer sollten sich nicht zufrieden geben, den Markt mental zu besitzen. Marktführer sollten noch einen Schritt weitergehen und sich diese Marktführerschaft über Generationen absichern. Genau deshalb empfehlen wir Marktführern immer und immer wieder, diese Marktführerschaft auch aktiv auf sympathische Art und Weise zu kommunizieren.

Den Fokus verengen

Wenn man heute nicht Marktführer ist, dann sollte man den Fokus der eigenen Marke verengen, man sollte also spezifischer als der Marktführer werden. So gesehen ist jedes Marketing letztendlich Nischenmarketing, denn niemand kann alle ansprechen. Nur die Nische des Marktführers ist größer als die Nischen der Nicht-Marktführer.

Eines der Lieblingsbeispiele dafür war für Al Ries der Pizzakettenmarkt in den USA in den 1990er Jahren. Pizza Hut als Marktführer bot natürlich Restaurantservice, Zustellung und Abholung an. Domino’s Pizza fokussierte auf die Zustellnische in der Wahrnehmung und am Markt und stieg damit zur Nummer 2 im Markt auf, Little Caesars fokussierte wiederum auf die Abholnische in der Wahrnehmung und am Markt und wurde so zur starken Nummer 3. Mental gesehen war jede Marke natürlich in ihrer „Nische“ der eine Marktführer.

Mentale Nischen als Erfolgsbasis

So gesehen besitzt Dr. Best die „Nachgebend-Nische“ bei Zahnbürsten in der Wahrnehmung und ist damit zum Marktführer aufgestiegen, BMW die „Fahrfreude-Nische“ in der Wahrnehmung und stieg damit sogar immer wieder zum Weltmarktführer bei Premiumautomobilen vor Mercedes-Benz auf.  Ryanair besitzt die „Diskont-Nische“ bei Fluglinien in der Wahrnehmung und ist nach Passagierzahlen die größte Fluglinie Europas.

Tesla besitzt die „Elektronische“ bei Autos in der Wahrnehmung und wurde so in kurzer Zeit zu einer der wertvollsten Automobilmarken der Erde. Netflix besitzt beim Streaming die „Video-Nische“, Spotify die „Musik-Nische“. Viele dieser „mentalen Nischen“ werden am Anfang von den etablierten Marktteilnehmern nur belächelt, weil diese so klein wirken. So brauchte die Coca-Cola-Company 12 Jahre, um das erste Mal mit der Marke KMX auf Red Bull zu reagieren. Nur sollte man „mentale Kleinheit“ nie mit dem tatsächlichen Markt- und Gewinnpotenzial verwechseln.

Fokussiertes Statement statt Denksportaufgabe

So verkaufen sich Jahr für Jahr viele Marken weit unter Potenzial, weil man Angst vor der „mentalen Nische“ hat. Man fühlt sich „wohler“, wenn man vage und diffus versucht, alle und jeden zu erreichen. Das spiegelt sich dann auch in den sogenannten Marken- und Positioning-Statements wider.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass heute viele „Marken- und Positionierungspapiere“ mehr nach Denksportaufgabe als nach echtem Statement aussehen. „Brand Values“, „Brand Benefits“, „Brand Attributes“, „Points of Difference“ und natürlich „Points of Parity“ sind typische Begriffe in Markenstatements, die sicher das Management beeindrucken, gleichzeitig aber auch dafür sorgen, dass viele dieser Statements viel zu kompliziert sind.

Man gewinnt den Kampf um die Kunden nicht auf dem Papier, sondern in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden. Nur und nur dort wird entschieden, was, wann, wo und wie oft gekauft wird. Und genau dort schlägt die einfache Idee, das einfache Wort das komplexe Markenstatement.

Standpunkt und Richtung

Für Al war aber dieses eine Wort immer auch mehr als nur ein Statement, es war Auftrag und damit vor allem auch Richtung. Als der frühere Vertriebsvorstand von BMW Paul Hahnemann die Marke und das Unternehmen mit der Neuen Klasse in den 1960er Jahren auf Fahrfreude fokussierte, wurde er in der Branche als „Nischenpaule“ bezeichnet. So gingen damals viele Automobilexperten davon aus, dass diese Nische viel zu klein zum Überleben sei.

Nur je wichtiger BMW diese „Freude am Fahren“-Nische mental machte, desto wichtiger und stärker wurde BMW auf dem Markt. Und genau das ist der wichtige Punkt: Fokussierung heißt nicht, dass man sich mental einsperrt. Fokussierung heißt, dass man eine Idee oder Position findet, die man Jahr für Jahr zuerst mental und dann tatsächlich wichtiger machen kann.

Denn wer für alles und jedes eintritt, tritt im Endeffekt für nichts ein. Oder wie es der frühere Ministerpräsident von Bayern Franz Josef Strauß so trefflich formulierte: „Wer Everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt Everybody’s Depp.“ Dem gibt es aus Positioning-Sicht nichts hinzuzufügen.

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100 Jahre Al Ries und das Prinzip des Gegenteils

Nicht jede Marke kann eine neue Kategorie finden oder erfinden, aber wie das Prinzip der Dualität zeigte und zeigt, ist in der Wahrnehmung der Kunden in der Regel immer Platz für eine erste echte Alternative zum Marktführer. Wenn man diese Position anstrebt, sollte man genau die gegenteilige Position des Marktführers  besetzen.

Musterbeispiel BMW

In den 1960er Jahren war Mercedes-Benz der Inbegriff für Prestige und damit verbunden auch für Fahrkomfort. Ein Mercedes war eine Art „fahrendes Wohnzimmer“. Also positionierte sich BMW sehr erfolgreich mit der genau gegenteiligen Position, nämlich Fahrfreude. Lautete der Slogan zuerst „Aus Freude am Fahren“ wurde dann später daraus der Langzeitslogan „Freude am Fahren“.

Mit dieser Idee „Fahrfreude“ bot BMW nicht nur eine klare Alternative zum „Fahrkomfort“ von Mercedes, sondern man stieg damit sogar immer wieder zum Weltmarktführer bei Premiumautomobilen auf. Entscheidend bei dieser Art der Positionierung ist aber immer, dass man nicht jemanden wie etwa beim „Dirty Campaigning in der Politik“ schlecht macht, sondern, dass man eine echte positive Alternative aufzeigt.

Vom Monster Energy bis zu TikTok

Red Bull wurde mit dem ersten Energydrink in der kleinen 250 Milliliter Dose zum Welterfolg. Also führten die meisten Mitbewerber ebenso einen Energydrink in der kleinen Dose ein, zudem noch mit einem ähnlichen Namensgebungsmuster. Typische Beispiele dafür: Flying Horse, Power Horse, Dark Dog oder Shark. Anders Monster Energy! Monster konterte als erste Marke in den USA mit der ersten 500 Milliliter Dose, um sich wirklich als „echtes Monster“ bei Energydrinks zu positionieren. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits über tausend Energydrink-Marken in den USA gab, wurde Monster Energy schnell zu einer starken Nummer 2.

Dieses Prinzip kann man sogar nutzen, wenn man sich als Einzelkämpfer gegen einen Gesamtmarkt positioniert. Nichts anderes machte und macht aktuell der Fitnesstrainer Mark Lauren, der sich mit „Fit ohne Geräte“ als die Alternative zu den klassischen Fitnessstudios positioniert. Martin Limbeck stieg zu einem der erfolgreichsten Verkaufstrainer Deutschlands auf, indem er sich als „Der neue Hardseller“ gegen das damals extrem populäre Soft- und Love-Selling positionierte.

Entscheidend dabei ist, dass man aus dem mentalen Schatten kommt, um sich wirklich als die eine echte Alternative zum Marktführer oder zum Markt zu präsentieren. So hatte auch Burger King seine besten Zeiten, als man auf „gegrillt statt gebraten“ setzte, um sich klar von McDonald’s zu differenzieren. Oder nehmen Sie TikTok! Anders als Vimeo wird TikTok nicht als Kopie von YouTube, sondern als echte Alternative wahrgenommen und hat so mit der Idee „Kurzvideo“ einen eigenen Platz in unserer Wahrnehmung.

Den unlogischen „Gegner“ wählen

Dabei kann es sogar Sinn machen, dass man einen auf den ersten Blick unlogischen mentalen Gegner wählt. Nehmen Sie etwa die Etablierung der Automarke Dacia in Deutschland. Offensichtlich wäre wahrscheinlich gewesen, sich gegen Skoda, Kia oder Hyundai zu positionieren, um aufzuzeigen, dass es im günstigen Segment einen neuen Player gibt.

Hier war es sicher strategisch brillant, dass man sich in der Einführungsphase gekonnt gegen Statussymbole positionierte. So erinnern sich sicher auch heute noch viele an die Kampagne mit dem früheren Bayern München-Star Mehmet Scholl. Die damaligen Spots zeigten klar auf, dass Dacia das Statussymbol für all jene war, die kein Statussymbol brauchten. Mit dieser Anti-Status-Positionierung, die so mit Scholl dann über 10 Jahre lief, etablierte man die Marke erfolgreich und einzigartig in Deutschland.

Was Al Ries 1997 Saab empfohlen hätte

1997 diskutierten Al Ries und ich dieses Prinzip des Gegenteils anhand der schwedischen Automarke Saab beim Abendessen in einem Kölner Hotel. Al meinte damals zu mir: „Michael, Saab steht heute für eine schwedische Marke. Das wäre nicht schlecht, wenn man die führende schwedische Marke wäre. Aber das ist Volvo. Wofür steht Volvo? Das ist die Frage, die sich Saab daher stellen muss.“

Die Antwort darauf war und ist offensichtlich: Volvo steht als Automarke klar für Sicherheit. Was sollte also Saab tun? Dazu führte Al damals weiter aus: „Saab sollte die genau gegenteilige Position zu Volvo einnehmen. Was ist das positive Gegenteil zu Sicherheit? Fahrfreude. Nur diese Position besitzt BMW. Also sollte Saab den Fokus noch weiter verengen auf: The Swedish Driving Machine.“

„Fahrfreude auf schwedisch“ wäre keine schlechte Idee gewesen, um sich am damaligen Automarkt klar zu differenzieren. So hätte Saab diese Positionierung etwa dadurch unterstreichen können, dass man alle Autos serienmäßig mit Allradantrieb ausgestattet hätte. Saab könnte so heute als Automarke noch unter uns sein, wenn man den Mut gehabt hätte, die Marke aus Positionierungssicht auf den Punkt zu bringen.

„Besser anders“ als „besser als“

Viele Herausforderer scheitern, weil man gerne so wie der Marktführer wäre, nur besser und in der Not oft auch besser und billiger. Speziell Konzepte wie TQM (Total Quality Management), Kaizen oder Benchmarking mögen operativ extrem viel Sinn machen. Strategisch gesehen führen sie aber meistens nur zu Me-too.

Keine gute Idee! Strategisch gesehen sollte man immer auf „besser anders“ als auf „besser (und billiger) als“ setzen. So findet man als Herausforderer in der Regel die besten Ideen, wenn man sich als das „positive Gegenteil“ des jeweils wahrgenommenen Marktführers positioniert. Nur dazu muss man zuerst die Position des Marktführers in der Wahrnehmung erkennen und akzeptieren, um dann bewusst und fokussiert die gegenteilige Position einzunehmen.

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100 Jahre Al Ries und das Prinzip der Dualität

Wenn ein junger Markt an Dynamik gewinnt, wollen in der Regel viele Marken und Unternehmen davon profitieren. Das gilt für etablierte Marken, aber vor allem auch für  neue Marken, die gerade  von einem Start-up oder auch einem etablierten Unternehmen genau dafür gegründet worden sind.

Typisches Beispiel war der Energydrink-Markt in den 1990er Jahren. Nach dem Durchbruch von Red Bull gab es alleine in Österreich über 175 Energydrink-Marken, die gerne so erfolgreich wie Red Bull gewesen wären. Nur wenn ein Markt dann in die Jahre kommt, bleiben in der Regel nur zwei wirklich dominante Marken übrig wie etwa Red Bull und Monster Energy.

Von der Vielfalt zur Dualität

Das heißt: Langfristig betrachtet neigen Märkte, wie Al Ries immer und immer wieder in seiner langen Tätigkeit als Berater beobachten konnte, zur Dualität, also dazu, dass zwei dominante Marken übrig bleiben, nämlich der Marktführer und die erste Alternative dazu. So haben wir heute Duos wie Coca-Cola und Pepsi-Cola, McDonald’s und Burger King, Mercedes-Benz und BMW, Visa und Mastercard, Boeing und Airbus, Amazon und Alibaba, iPhone und Samsung Galaxy, Milka und Ritter Sport, Edeka und Rewe oder Aldi und Lidl.

Ein wesentlicher Grund dafür: Menschen, oder besser unsere Gehirne lieben einfache Entweder-oder-Entscheidungen: Kaffee oder Tee, Wein oder Bier, Wenn Wein, dann Weißwein oder Rotwein. Das gilt für Alltagsentscheidungen und das gilt für die Welt der Marken. Zudem wird diese Entwicklung vom Handel befeuert, der in der Regel nicht einem Lieferanten ausgeliefert sein will.

Mentale und tatsächliche Stabilität

Zudem führt diese Dualität in etablierten Märkten auch zu mentaler und tatsächlicher Stabilität auf den Führungsplätzen. Nehmen Sie den Markt für Smartphones. Dieser wurde und wird seit fast zwei Jahrzehnten zuerst mental und dann tatsächlich von iPhone und Samsung Galaxy dominiert. Dieses Duell ist extrem  stabil, einmal mit Vorteilen für das iPhone, einmal mit Vorteilen für das Samsung Galaxy.

Dahinter sah und sieht es ganz anders aus. 2013 waren die abgeschlagenen Verfolger Huawei, Lenovo und LG, 2014 waren es dann Lenovo, Huawei und Xiaomi, 2015 Huawei, Lenovo und Oppo, 2016 Huawei, Oppo und Vivo, 2017 Huawei, Oppo und Xiaomi, 2018 und 2019 waren es Huawei, Xiaomi und Oppo. Aktuell führt Apple (21 Prozent) vor Samsung (20), Xiaomi (12), Oppo (11) und Vivo (8).

Damit ergibt sich auch ein klares strategisches Verhaltensmuster für die Marktteilnehmer. Der Marktführer sollte unbedingt sicherstellen, dass er immer auch als Marktführer wahrgenommen wird. Der erste Herausforderer sollte sich wirklich als die eine Alternative positionieren und der Rest des Feldes sollte versuchen, eine eigene Subkategorie oder Nische zu besetzen.

Der Trend zum globalen Duell

Waren früher viele dieser Duelle kontinental oder sogar national geprägt, ändert sich das durch die Globalisierung immer öfter. So werden dann etwa alte kontinentale Duelle durch neue globale Duelle abgelöst. Ein typisches Beispiel dafür ist der Markt für Sportartikelunternehmen. Früher war das große Duell in Europa Adidas versus Puma, das große Duell in den USA Nike versus Reebok. Heute lautet das große globale Duell Nike versus Adidas.

Und dazu kommt noch ein wichtiger Punkt: Waren und sind viele globale Duelle heute von europäischen, amerikanischen, koreanischen oder japanischen Marken geprägt, wird mit China immer mehr ein weiterer Player hinzukommen. So gibt es etwa aktuell bei Elektroautos das globale Duell Tesla versus BYD.

Für Al war dieses Prinzip der Dualität ein extrem wichtiger konzeptioneller Ansatz, weil man so schon frühzeitig in Märkten die richtige Zukunftsstrategie für die eigene Marke finden und entwickeln kann.  Zudem kann man so auch teure Fehler vermeiden. Speziell kritisierte Al dabei Unternehmen, die immer wieder versuchten, Fehler aus der Vergangenheit mit immer neuen Marken oder Markendehnungen gut zu machen. Ein Beispiel dafür ist die Coca-Cola-Company im Energydrink-Markt. So versuchte man es immer wieder als Späteinsteiger mit Marken wie KMX oder Burn Energy oder sogar mit der Markendehnung Coca-Cola Energy. Nur all diese Ressourcen hätte man besser einsetzen können, wenn man das Prinzip der Dualität akzeptiert hätte.

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