In den 1980er Jahren war der große Traum, dass Fernseher, PC, Videorekorder und Musikstation zu einem Multimedia-Abspiel- und Aufnahmegerät konvergieren. Obwohl wahrscheinlich Milliarden investiert wurden, passierte es nie. Man muss nur einen Blick auf die damalige potenzielle Kombination aus klassischem Fernseher und klassischem PC werfen. Statt zu einem Gerät zusammenzuwachsen, wurde der klassische PC mehr und mehr zum mobilen Notebook oder gar Tablet, während der Fernseher immer größer und größer und gleichzeitig flacher und flacher wurde. Divergenz statt Konvergenz bei der Arbeit.
Das „Mega-Patent“ von Porsche
Auch Porsche dürfte aktuell den Traum zur Konvergenz verfolgen. Dazu konnte man kürzlich folgende Zeilen auf MSN.com lesen: „Porsche hat Details zu einem neuartigen Antriebskonzept veröffentlicht, das beim Deutschen Patent- und Markenamt nun öffentlich einsehbar ist. Das schon im Dezember 2024 angemeldete Patent beschreibt einen flexiblen Antrieb, der die Grenzen zwischen Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsmotoren aufhebt.“
Und weiter: „Das System ermöglicht es dem Fahrer, zwischen vier verschiedenen Betriebsmodi zu wählen. Im rein elektrischen Modus wird der Verbrennungsmotor mechanisch entkoppelt, sodass das Fahrzeug nur über die Batterie mit Strom und E-Motor fährt. Im Hybrid-Modus treibt der Verbrennungsmotor das Fahrwerk direkt an und erhält Unterstützung durch eine Elektromaschine. Ein weiterer Modus fungiert als sogenannter Range Extender, wobei der Verbrennungsmotor über einen Generator elektrische Energie für das Akkupaket und den Antrieb erzeugt. Eine Verbindung vom Verbrenner zu den Rädern besteht im Range-Extender-Modus nicht. Im reinen Verbrennermodus wird dagegen die elektrische Komponente nicht für den Vortrieb genutzt.“
Die Faktoren Wettbewerb und Zeit
Das Kernproblem dabei ist mit Sicherheit nicht die Technologie alleine. Vielmehr sprechen die Faktoren Zeit und Wettbewerb dagegen. Denn während viele Unternehmen an Konvergenzkonzepten basteln, entwickeln spezialisierte Wettbewerber jeweils die Einzelkomponenten weiter.
Dazu kommt noch einmal erschwerend, dass der klassische Verbrennungsmotor so ziemlich am Ende seiner Entwicklung steht, während der Elektromotor am Anfang seiner Entwicklung steht. So gesehen sollte Porsche vorsichtig sein, dass man sich mit dieser Art von Konzepten – egal wie genial diese klingen mögen – selbst im Weg steht.
Das Schicksal von Wang
In den 1980er Jahren war Wang mit dem sogenannten Word Processor (Textverarbeitungsrechner), einer Art Mittelding aus Personal Computer und Schreibmaschine enorm erfolgreich. So hatte man in den besten Zeiten um die 33.000 Beschäftige und machte einen Umsatz von ca. 3 Milliarden US-Dollar. Kurzfristig! Nur langfristig gesehen hatte dieses Kombiprodukt aus Vergangenheit (Schreibmaschine) und Zukunft (PC) keine Chance gegen die Zukunft und musste 1992 Konkurs anmelden.
Aktuell würden sich viele Entscheider in der Automobilbranche, speziell in Europa wünschen, dass Märkte zusammenwachsen und für Technologieoffenheit stehen. Nur wenn man die Geschichte speziell von technologischen Märkten studiert, neigen diese nicht zur Konvergenz, sondern zur Divergenz. Und aktuell dürfte die Divergenzentwicklung Nr. 1 in der Autoindustrie das Elektroauto sein. Dafür spricht auch, dass es nicht nur das Auto selbst, sondern auch das gesamte Ökosystem dahinter samt der Einstellung der Menschen, vor allem der zukünftigen Generation verändern wird. So gesehen sollte man bei Porsche, vor allem aber auch bei der Mutter Volkswagen sehr genau überlegen, wo wirklich die Zukunft der Marke Porsche liegt.
