„VW-Konzern: Warum der Name Seat bald verschwindet“, „Das VW-Dossier: Volkswagen stellt die Marke Seat ein“, „Bericht: Volkswagen will Seat vom Markt nehmen“ oder „VW-Geheimplan: Seat bekommt kein Elektroauto und soll 2029 verschwinden – Bericht“. Das waren nur einige Schlagzeilen, die man letzte Woche über die Sanierung des Volkswagen-Konzerns und im speziellen über die Marke Seat lesen konnte.
Weniger Komplexität, weniger Kosten
Der Fokus dieser Sanierung liegt dabei ganz klar auf Reduktion, egal ob Werke, Modelle oder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Zudem denkt man, wie bereits oben erwähnt, laut darüber nach die Marke Seat komplett auslaufen zu lassen. Es erinnert ein wenig an General Motors, wo ebenfalls die Marken Oldsmobile, Saturn, Pontiac, Hummer und Saab eingestellt wurden.
Für Seat ist dabei sicher das Kernproblem, dass man mit der jungen und dynamischeren Schwestermarke Cupra eine ernstzunehmende Konkurrenz im eigenen Haus bekommen hat. So hat die Marke Cupra 2025 mit nicht ganz 330.000 ausgelieferten Fahrzeugen laut Medienberichten die Marke Seat mit etwas weniger als 260.000 ausgelieferten Fahrzeugen klar überholt.
Das ungelöste Kernproblem oder die wahrscheinlich nicht gestellte Frage
Nur Reduktion alleine wird nicht reichen. Und damit sind wir bei einem zentralen Kernproblem: Wenn heute Unternehmen wie aktuell auch VW über die eigene Sanierung nachdenken (müssen), geht es immer wieder vor allem um Reduktion der Komplexität und damit auch der Kosten. Das mag einmal für das Überleben absolut notwendig sein, nur bleibt dabei eine ganz entscheidende Frage oft auf der Strecke, nämlich „Mit welchen Marken wollen wir welche Märkte dauerhaft mental und tatsächlich dominieren?“ (Speziell die mentale Dominanz dürfte bei zahlen- und faktendenkenden Entscheidern und deren Beratern wenig bis keine Rolle spielen.)
Aber letztendlich lebt ein Unternehmen nicht von den internen Strukturen, sondern vom Markt oder besser von den Kunden und Kundinnen. Und hier hatte Volkswagen mit den Kernmarken VW, Audi, Porsche und Skoda nicht nur ein perfektes Mehr-Marken-System für die alte Automobilwelt, sondern zudem auch die perfekte Basis, um neue Elektroauto-Marken zu bauen oder auch – im Falle des Falles – einmal zu kaufen.
Die Cupra-Lektion …
Nur statt dieses Mehr-Marken-System mit neuen Elektroauto-Marken zu ergänzen, hat man „nur“ die alten Marken elektrifiziert. Ein Kernargument war dabei sicher, dass es viel zu teuer sei, heute noch eine neue Marke zu bauen. Nur genau das stimmt nicht, wie man selbst mit der Marke Cupra bewiesen hat.
So hat die neue Marke Cupra der alten Marke Seat sehr schnell den Rang abgelaufen. Nur leider hat man dabei aus Markensicht den falschen „strategischen Feind“, nämlich Seat gewählt. So gewinnt Cupra zwar neue Kunden, kannibalisiert aber vor allem die Schwestermarke Seat.
… und die fehlende(n) Marke(n)
Was VW aber heute brauchen würde, ist mindestens eine neue Elektroauto-Marke, die man global klar gegen Tesla, BYD und Co. positionieren kann. Die Schlüsselfrage dazu aus Markensicht: „Was könnte das mögliche „iPhone“ für VW im Elektroauto-Markt sein?“ So könnte eine neue richtig positionierte Marke für VW mehr tun als alle anderen Sanierungsmaßnahmen zusammen.
Fazit oder die Antwort auf die Positioning-Frage der Woche: Ob es die Marke Seat in Zukunft im VW-Konzern geben wird oder nicht, ist – global gesehen – nicht wirklich erfolgsentscheidend. Dasselbe gilt auch für die Marke Cupra. Vielmehr sollte man bei VW aktuell das gesamte Markensystem – strategisch gesehen – auf den Prüfstand stellen und für die Zukunft neu ausrichten. Dabei sollte man sowohl über die Elimination bestehender Marke als auch über neue Marken nachdenken, um dann den Konzern in Summe neu und richtungsweisend aufzustellen.
PS: Sollten Sie eine „Positioning-Frage der Woche“ haben, bitte einfach melden!
