R wie Relevanz
Nur wenn man sich heute viele Marken- und vor allem Werbebotschaften ansieht, dann mögen diese kreativ und emotional sein, haben meist aber wenig Bezug zum täglichen Leben und damit auch wenig Relevanz für die KI-Suche. Emotionale Markenpenetration alleine mag in der alten analogen Markenwelt funktioniert haben, für die Welt der KI-Suche wird das alleine zu wenig sein.
Ein sehr effektiver Weg, um echte Relevanz aufzubauen, ist es, den Wettbewerb mental zu repositionieren. Nehmen Sie etwa Dr. Best! Wo wäre diese Marke heute, wenn man den Kunden nur erzählt hätte, dass es jetzt endlich eine nachgebende Zahnbürste gibt? Wahrscheinlich nirgendwo. Das Geniale an der Markenstrategie war, dass man zuerst den dominanten Wettbewerb, also die starren Zahnbürste als „starr und gefährlich“ repositionierte. Damit stellte man gleichzeitig auch einen echten Bezug zum Leben der Verbraucher her, die damals, wenn sie eine Handzahnbürste benutzten, zu 100 Prozent eine starre Zahnbürste im Einsatz hatten.
Oder nehmen Sie Gustavo Gusto! So hieß es etwa in einem typischen Werbespot der Marke: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“
Damit repositionierte man zuerst einmal den Mitbewerb subtil als weniger gut, bevor man dann die eigene Position als „Die Premium-Tiefkühlpizza“ etablierte. Gleichzeitig stellte man in der Eingangsfrage einen echten Bezug zum Leben der Verbraucher und Verbraucherinnen her. Das mag vielen Werbern der alten Schule zu wenig kreativ sein, aber es ist enorm effektiv.
Dazu sollte man sich auch klar überlegen, a) welche Fragen Menschen wirklich in Bezug auf die eigene Marke stellen und b) ob die eigene Marke dafür auch in der Kommunikation die richtigen Antworten liefert. So wird es für Marken in der Kommunikation immer wichtiger, dass man sowohl den mentalen Kontext als auch den Kontext in der KI-Suche im Auge hat.
R wie Reputation & Referenzen
Während man die Positionierung der eigenen Marke auf das Wesentliche reduzieren sollte, sieht es in Bezug auf Reputation und Referenzen, speziell in der digitalen Welt ganz anders aus. Davon kann man nie genug haben. Das gilt speziell auch für die KI-Suche, da diese in der Regel ihre „Empfehlungen“ immer auch begründet.
So werden die Faktoren Vertrauen und Glaubwürdigkeit in Zukunft noch wichtiger werden. So hat eine Studie von Yougov zur „Rolle von KI bei Kaufentscheidungen“ im Auftrag der Agentur Ketchum gezeigt, dass beim „Vertrauen in Kaufentscheidungen“ die KI mit 18 Prozent bereits klassische Werbung (13 Prozent) und Influencer und Social-Media (11 Prozent) überholt hat.
Hier steigt für Marken, die als Marktführer und führende Experten wahrgenommen werden, die Chance, dass man bei so gut wie jeder Fragestellung dabei ist. Bedeutet aber gleichzeitig auch, dass man sich verbal auch so positioniert und dies mit den richtigen Referenzen und Beweisen auch klar unterstreicht.
Dazu kommt, dass laut der bereits erwähnten Yougov-Studie 52 Prozent der KI-Nutzenden von KI-Tools eine nachvollziehbare Begründung für die Empfehlung erwarten. 47 Prozent wünschen sich zudem zu jeder Empfehlung der KI vergleichbare Alternativen. Gleichzeitig äußern aber 53 Prozent aller Befragten Sorgen vor manipulierten Antworten und ebenfalls 53 Prozent empfinden Werbung in KI-Antworten als störend.
Hier wird es für Unternehmen auch darum gehen, dass man die eigene Positionierung, Selbstdarstellung und die dazu passenden Glaubwürdigkeitsbewiese auch ideal für die KI aufbereitet. So wünschen sich auch 72 Prozent derer, die KI für Kaufentscheidungen anwenden, dass Unternehmen ihre Informationen korrekt, vollständig und transparent für die KI-Modelle aufbereiten. Dazu gehört sicher auch, dass man mit den richtigen Fragen (FAQs) die eigene Kompetenz kundenrelevant unterstreicht.
Bei der Positionierung sollte daher der Kerngedanke „weniger ist mehr“ sein, während dieser bei Glaubwürdigkeitsbeweisen unbedingt „mehr ist mehr“ sein sollte. In der Praxis sieht es leider oft genau anders aus. So sind viele Markenstatements auf der einen Seite viel zu komplex und kompliziert, um extern und intern einen echten bleibenden Eindruck zu hinterlassen bzw. überhaupt gemerkt zu werden. Auf der anderen Seite werden gleichzeitig die Referenzen und Beweise in der Kommunikation vernachlässigt. Die Folge davon: Viele Markenbotschaften enden so letztendlich als nette Werbebehauptungen mit wenig Glaubwürdigkeit und Relevanz.
R wie Repetition
Speziell die Ära des Performance-Marketings hat dazu geführt, dass die Einzelwirkung von oft auch preisaggressiven Einzelaktionen überbewertet wurde, während die kumulative Wirkung aller Maßnahmen im Sinne der Marke auf der Strecke blieb. Nur wer heute einen bleibenden Eindruck sowohl in der menschlichen Wahrnehmung und im menschlichen Gedächtnis als auch bei der KI-Suche hinterlassen möchte, sollte den Faktor Zeit nicht unterschätzen.
Wer ständig im Zeitablauf oder sogar parallel in verschiedenen Kanälen unterschiedliche Botschaften von sich gibt, wird sich nicht wundern dürfen, wenn die eigene Marke nur diffus wahrgenommen wird. Das heißt: Die eigene Marke muss heute mehr dann je in sich stimmig sein.
Das gilt aber nicht nur für die Kommunikation im engeren Sinne, sondern in Summe für die Marke und das Unternehmen selbst. So wird gerne übersehen, dass auch die Produkte und Dienstleistungen selbst, die verlangten Preise, die genutzten Vertriebswege und alle anderen für die Kunden sichtbaren Marken- und Unternehmenssignale letztendlich einen Kommunikationsbeitrag leisten. Und all dies kann in den unendlichen Weiten des Internets durch Kundenstimmen, Bewertungsportale, Influencern und Medien verstärkt oder auch untergraben werden.
So gesehen sollte Positionierung nicht nur eine Position und ein Statement über eine Marke mit kundenrelevanter Spitzenstellung sein, sondern wirklich eine Art strategische und operative Querschnittsmaterie, die sich in allem, was eine Marke extern und intern tut, widerspiegelt.
RePositionierung für die Zukunft
Fazit: Das Zauberwort bei der Marken- und Unternehmenspositionierung im KI-Zeitalter wird „kundenrelevante Spitzenstellung“ lauten. Dabei muss sich, wie erwähnt, diese Spitzenstellung nicht nur in allen Aktivitäten widerspiegeln, sondern gleichzeitig auch die Richtung für die Zukunft vorgeben. Und genau aus dieser Perspektive sollten heute Marken- und Unternehmensverantwortliche ihre Marken unter die Lupe nehmen. Denn wer in diesem Umfeld die eigene Marke nicht auf den Punkt bringt, sich unklar, unspezifisch und sich vielleicht sogar in diversen Kanälen widersprechend artikuliert, austauchbare Floskeln und oft typisches Marketing- und Werbe-Bla-bla verwendet, wird sich nicht wundern dürfen, wenn man sowohl vom menschlichen Gehirn als auch von der KI-Suche durchgereicht oder gar einfach ignoriert wird.
Erschien im Original auf Horizont Online
