Eine Führungsposition, wie Al Ries immer und immer wieder betonte, ist viel stärker als eine Position, die auf den Vorteilen oder Eigenschaften einer Marke beruht: Coca-Cola bei Cola. McDonald’s bei Fastfood, Nivea bei Hautcreme, Milka bei Tafelschokolade, Flixbus bei Fernbussen, Nespresso bei Kaffeekapselsystemen, Google bei Suchmaschinen oder ChatGPT bei Chatbots.
Im Neuromarketing spricht man in diesem Kontext auch vom „The winner takes it all“-Effekt. Dieser Effekt gilt im B2C-Marketing genauso wie im B2B-Marketing. Er gilt aber vor allem in der Welt des Internets, die noch stärker als unsere analoge Welt zur „Monopolisierung“ neigt.
Trotzdem sind die meisten Marketingprogramme, wie Al auch immer wieder kritisch anmerkte, heute rund um Produkteigenschaften und deren Vorteile aufgebaut. Das Problem dabei: Wenn sich herausstellt, dass eine Eigenschaft für die Kunden extrem wichtig ist, kann diese der Marktführer immer sofort kopieren. Was aber ein Verfolger nie kopieren kann, ist die „Führungsposition” des Marktführers. Deshalb lautete und lautet das erste Positionierungsprinzip: „Besser Erster als besser“.
Nehmen Sie den Markt für Energydrinks. Hier wird klar Red Bull als Marktführer und Original wahrgenommen. Das heißt: Sie können so gut wie fast alles von Red Bull kopieren. Aber es ist unmöglich, dass man Red Bull diese Original-und folglich Marktführerposition in der Wahrnehmung des Marktes wegnimmt. Diese Erfahrung mussten nicht nur unzählige Unternehmer und Start-ups machen, sondern auch der Softdrink-Gigant Coca-Cola, egal ob man es mit KMX, Burn oder selbst mit Coca-Cola Energy versuchte.
Genau diese Erfahrung musste auch Microsoft bei Suchmaschinen gegen Google machen, egal ob die Suchmaschine MSN Search oder Bing hieß oder heißt. So gesehen ist auch der Unterschied zwischen Vimeo und TikTok klar. Vimeo wird maximal als eine Art Kopie von YouTube gesehen, TikTok wird nicht als Kopie, sondern als Original und Marktführer bei Kurzvideos wahrgenommen.
Oder nehmen Sie Burger King! Egal ob Burger King auf „Vegan“ macht, egal ob man auf Premiumburger macht, egal ob man McDonald´s einmal mehr oder weniger kopiert, das Hauptproblem bleibt die dominante Position von McDonald’s in der Wahrnehmung.
Das heißt aber auch: Marktführer sollten unbedingt darauf achten, dass nicht nur die bestehende Kundengeneration weiß, wer Marktführer ist und wer nicht, sondern vor allem auch die nachwachsenden Kundengenerationen. Und genau hier sind viele Marktführer nachlässig. Gefährlich wird es etwa, wenn man bei den über 40-Jährigen klar als Nr. 1 gesehen wird, aber bei den unter 40-Jährigen nur als eine weitere bekannte Marke unter mehreren.
Damit sind wir aus Positioning-Sicht auch bei den zwei Kernaufgaben für einen Marktführer:
(1) Für den Markt in Summe eintreten: Ein Marktführer sollte immer die Themenführerschaft suchen, um den Markt in Summe wichtiger zu machen.
(2) Die Marktführerschaft kommunikativ sicherstellen: Gleichzeitig sollte ein Marktführer immer sicherstellen, dass die bestehenden und vor allem auch die zukünftigen, also die nachwachsenden Kunden wissen, wer Marktführer ist und damit auch wer nicht.
Dazu sollte es speziell in der Kommunikation eine klare Aufgabenverteilung geben: Die analoge und digitalen PR- oder Werbebotschaften selbst sollten für den Markt eintreten, um diesen größer zu machen. Der Slogan in der Werbung bzw. die Selbstdarstellung in der PR sollten die Marktführerschaft aktiv kommunizieren, um sicherzustellen, dass man heute und morgen die mentale Führungsposition besitzt.
