Immer mehr Menschen nutzen die KI auch zur Produkt- und Dienstleistungssuche und damit natürlich auch zum Vergleich von Angeboten und Marken. Nur das bedeutet auch, dass sich Marken nicht nur in den Köpfen der Kunden, sondern auch gegenüber der KI positionieren müssen. Nur damit verliert das Thema Positionierung nicht an Bedeutung, sondern es gewinnt an Bedeutung.
Emotionale Bilder und Worthülsen zu wenig
Speziell gegenüber der KI wird es nicht reichen, dass man sich hinter schönen emotionalen Bildern und emotionalen Worthülsen aus der Werbesprache versteckt. Vielmehr wird es darum gehen, dass man die eigene Marke klar in Wort und Bild positioniert. So habe ich letzten Freitag einfach einmal den Copiloten von Microsoft gefragt, welches Pilsbier er mir aktuell bei einem Deutschlandurlaub besonders empfehlen könne.
Hier die Antwort: „Wenn du in Deutschland Urlaub machst und ein richtig gutes Pils trinken willst, gibt es ein paar Sorten, die selbst unter Bier-Nerds einen legendären Ruf haben. Das kurze Fazit vorweg: Jever, Radeberger, Bitburger und das bayerische Tegernseer Pils gehören zu den zuverlässigsten Klassikern – jedes mit eigenem Charakter.“
Hier die Begründungen des Copiloten in aller Kürze:
1. Jever Pilsener – Norddeutsch, herb, ikonisch
2. Radeberger Pilsner – Sächsischer Klassiker (War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“.)
3. Bitburger Pils – Westdeutsche Benchmark
4. Tegernseer Pils – Bayerische Eleganz
5. Krombacher Pils – Mild und massentauglich
Natürlich kann man als Bierkenner oder auch Bierkennerin über dieses Ranking und diese „Argumentation“ tunlichst streiten. Aber es ändert nichts daran, dass die KI gerne Rankings erstellt und diese gerne aufgrund der für sie verfügbaren Informationen begründet.
Die Neuausrichtung von Warsteiner
Vor 30 Jahren hätte dieses Ranking mit Sicherheit anders ausgesehen, da die KI nicht an Warsteiner, der damaligen Königin der Biere vorbeigekommen wäre. War damals Warsteiner das deutsche Pilsbier, ist die Marke heute maximal ein weiteres nationales Pils in der Wahrnehmung und im Gedächtnis des Marktes.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kürzlich folgende Zeilen auf Horizont Online lesen konnte: „Biermarke wird neu ausgerichtet: Warsteiner gibt Omnicom den Laufpass und holt KNSK an Bord“. Dabei liegen die letzten Neuausrichtungen noch nicht so lange zurück. Dazu hieß es am 9. Februar 2023 auf Horizont Online: „Marken-Relaunch zum Superbowl: Schluss mit „Das einzig Wahre“ und Zarathustra – Warsteiner entdeckt den Moment“. Und am 27. Juni 2024, hieß es dann auf Horizont Online: „Premium-Biermarke: Warsteiner kürt neue Leadagentur – ohne Pitch“.
So gesehen steht Warsteiner vor keiner einfachen Aufgabe, wenn sich das Werbekarussell nicht ewig weiterdrehen sollte. Denn eines ist aber klar: Mit Werbeemotion alleine wird man erneut weder bei den Kunden noch bei der KI punkten können. Entscheidend wird vor allem sein, dass die Marke aus dem unprofilierten Mittelfeld herauskommt. Denn solange Warsteiner von den Menschen und der KI nur als weitere Pilsbier-Marke wahrgenommen wird, wird keine Werbung der Welt funktionieren. So sollte, auch wenn das für manchen hart klingt, die mentale Ausgangsposition die Markenstrategie diktieren. Wer diese emotional und kreativ ignoriert, darf sich über ausbleibenden Erfolg nicht wundern.
Die KI-Rankings und -Antworten studieren
Zurück zur Positionierung und KI generell: In einem meiner letzten Blog-Beiträge ging es auch darum, dass man bei der Positionierung einer Marke unbedingt die eigenen Medienberichte studieren sollte. Dasselbe sollte man auch mit KI-Rankings und deren Begründungen machen. Und wenn man das obige Bier-Ranking sich genauer ansieht, sollte unter Umständen auch Radeberger die aktuelle Werbelinie überdenken. Der aktuelle Slogan „Auf die Leidenschaft“ mag emotional punkten, aber die Aussage „War das erste in Deutschland gebraute „Pilsner nach böhmischer Art“ hätte bedeutend mehr Potenzial, um darauf aufbauend Radeberger zur Nr. 1 in Deutschland zu machen.
PS dazu oder mehr zum Thema: https://brandtneronbranding.com/2023/03/13/emotional-brand-building-oder-warum-emotionale-kommunikation-zu-wenig-ist/
