Das Klimt-Jahr und was man aus Markensicht daraus lernen kann

Vor 150 Jahren wurde Gustav Klimt geboren, genau am 14. Juli 1862. So ist es auch kein Wunder, dass fast alle österreichischen Tageszeitungen zurzeit über Klimt, sein Leben und seine Werke berichten. Die Oberösterreichischen Nachrichten widmeten am Montag, dem 20. Februar 2012 Gustav Klimt sogar eine Doppelseite. In Summe waren es sechs Einzelartikel: „Die Gold-Adele und das „arme Mitzerl“, „Die Kunst – das Leben: 150 Jahre Gustav Klimt“, „Schneiberl, Barbie, Bussibär“, „Mit Emilie auf Sommerfrische“, „Die teuersten und das berühmteste“ und „Klimt – in Wort und Bild neu begleitet“.

Der bleibende Eindruck fehlt

Beeindruckend! Aber eines fehlt: Nämlich die eine Idee, mit der man Gustav Klimt als Leser dauerhaft im Kopf abspeichern kann. Andy Warhol steht für „Pop-Art“. Pablo Picasso steht für „Kubismus“ oder Jackson Pollack steht für „Action Painting“. Die Oberösterreichischen Nachrichten schrieben: „Gustav Klimt (1862 – 1918): Global funkelndes Jugendstil-Gestirn oberster Preis- und Qualitätsklasse.“

Ist das eine einfache Idee, um Klimt als besonderen Künstler abzuspeichern? Nein! Diese Idee klingt mehr wie ein abstraktes Markenstatement als wie die eine Idee, die in den Köpfen der Öffentlichkeit den großen Unterschied ausmacht. Die Beatles waren die „Fab Four“, Elvis war der „King of Rock’n’Roll und Michael Jackson der „King of Pop“.

Das Problem vieler Markenprogramme

Die Vermarkter von Gustav Klimt tun heute alles, um positive PR zu bekommen. Wenn man dabei die Seiten zählt und diese dann in Inseratenpreise hochrechnet, wird es sicher ein großer PR-Erfolg. Aber es wird eben kein nachhaltiger PR-Erfolg.

Was der Marke Klimt fehlt, ist der „rote Faden“ oder besser die eine Idee, die die Marke in den Köpfen der Kunden speichert und dort einzigartig positioniert. Nur auch eine solche Idee alleine ist zu wenig. Denn eine solche Idee kann nur dann ihre volle Kraft entfalten, wenn diese auch eine Kommunikationsplattform besitzt. Deshalb wäre gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, diese eine Idee zu „hämmern“. Das derzeitige Jubiläum wäre genau diese Kommunikationsplattform.

Nagel und Hammer

Aber zurzeit wird die Marke Klimt mit aller Gewalt nur gehämmert. Der Nagel, der die Marke Klimt in den Köpfen der Kunden dauerhaft festmachen könnte, fehlt. Dieser Nagel wäre die eine einfache Botschaft über Gustav Klimt, die ihn breitenwirksam zu einem besonderen Künstler macht. Sehr hilfreich dabei können Ranglisten oder auch Verkaufszahlen sein. So spielen etwa verkaufte Tonträger eine große Rolle bei Pop-Stars.

Bei Malern sind es eher die erzielten Verkaufspreise. Und hier schlägt Gustav Klimt, was viele nicht wissen, ganz klar Künstler wie Picasso oder auch van Gogh. So ist die Adele I von Gustav Klimt mit 135 Millionen US-Dollar das viertteuerste Bild aller Zeiten. So könnte man Gustav Klimt als den „135-Millionen-Dollar-Mann“ positionieren. Das wird vielleicht Kunstkennern wenig gefallen, wäre aber ein einfacher Weg, um Klimt dauerhaft in der breiten Masse noch populärer und wertvoller zu machen. Diese Chance wird gerade vertan.

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Eine Antwort zu Das Klimt-Jahr und was man aus Markensicht daraus lernen kann

  1. Ralf Tometschek schreibt:

    Hm, Kubismus steht aber auch für George Braque, der sicher mindestens so viel dazu beigetragen hat wie Picasso, der für mich eine Kategorie höher überhaupt für „abstrakte Malerei“ steht – und der erste Künstler war, der seinen Wert zu Lebenszeit erkannt hatte und es auch zeigte 😉 … So gesehen wäre „Jugendstil“ eine Kategorie für Klimt, die er aber auch nicht alleine einnimmt. Ich glaube, ganz nach Frau Ries, dass der Weg hier über „visual hammers“ führt; jedem Künstler kann man sicher „das eine Bild“ zuordnen. Da Vinci: Mona Lisa. Picasso: Guernica. Klimt: Der Kuss etc. – andererseits: es ist die Fülle der Werke und der Weg dorthin, der den Künstler beschreibt. Ob bekannt oder unbekannt.

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