Komplexes übervereinfachen oder was man von Industrie 4.0 lernen kann

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Industrieunternehmen überzeugen, dass die Zukunft in der Digitalisierung und Automatisierung im Sinne der smarten Fabrik liegt, um Produktionsprozesse zu beschleunigen, körperlich schwere Arbeit zu minimieren und die Wertschöpfung durch neue Berufsbilder sicherzustellen. Wahrscheinlich würde diese Botschaft, wenn man sie so formulieren würde, nicht wirklich ankommen. Viel besser: man verpackt diese Idee in einem Konzept wie „Industrie 4.0“.

Auf ein Konzept fokussieren

So ist heute Industrie 4.0 ein mächtiges Schlagwort, mit dem sich viele aktiv beschäftigen. Zudem suggeriert dieses Konzept „Industrie 4.0“, dass es sich um die neueste und aktuell wichtigste Entwicklung handelt. Es ist die vierte Generation der Industrieentwicklung und daher dazu bestimmt, die Generationen vorher endgültig abzulösen.

Nichts anderes suggeriert etwa auch ein „5 Klingen“-Nassrasierer. Er suggeriert nicht nur, dass er besser als ein 2-, 3- oder 4-Klingen-Rasursystem ist. Er suggeriert zudem, dass die anderen „alten“ Systeme out of touch sind. Viele fühlen sich im Zeitalter eines 5-Klingen-Rasierers mit einem 3- oder 4-Klingen-Rasierer nicht mehr richtig wohl.

Eine Idee statt alle Vorteile

Oder nehmen Sie Geox! Über welche Themen könnte ein Schuherzeuger in der eigenen Kommunikation berichten? Über die Verarbeitung der Schuhe, über die verwendeten Materialien, über die Passform, das Fußbett, die Sohle, über den Geh- und Abrollkomfort und vieles mehr. Was machte Geox? Man fokussierte die gesamte Kommunikation auf eine einfache Botschaft, auf „atmet“.

Hätte man versucht, alle oder viele Eigenschaften zu kommunizieren, wäre man heute maximal ein weiterer Schuherzeuger unter vielen. So aber besitzt man die Position „atmet“ in den Köpfen der Kunden. Oder nehmen Sie BMW in den USA in den 1970er Jahren! Eine typische Aussage von BMW in den frühen 1970er Jahren in den USA war: „BMW is a unique combination of luxery, performance and handling. And it’s amazingly easy on fuel.“ Keine so gute Idee. BMW kam in den USA erst in Fahrt, als man den Fokus auf “Fahrfreude” verengte, als man sich also als “The ultimate driving machine” positionierte.

Innen- versus Außensicht

Viele Unternehmen möchten den Kunden alle Vorteile und alle USPs mit auf den Weg geben. Nur das ist keine gute Idee! Vielmehr sollte man versuchen, eine freie Position in den Köpfen der Kunden zu finden, um dann alle Kraft auf diese eine Idee zu fokussieren. Was tun, wenn man etwa ein Erkältungsmittel hat, das mehrere Beschwerden gleichzeitig bekämpft, aber als Nebenwirkung müde macht? Man positioniert es als das erste Erkältungsmittel nur für die Nacht. Genau das machte Wick Medinait sehr erfolgreich. Wo liegt der Fokus Ihrer Marke oder versuchen Sie immer noch, die Kunden mit möglichst vielen Argumenten zu überzeugen? Es ist Ihre Entscheidung und Ihr Geld!

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