„So kämpften die KI-Marken beim Super Bowl um ihren Apple-Moment“ lautete eine Headline auf Horizont Online am 11. Februar dieses Jahres. In dem Beitrag wurden dann die Marken bzw. KI-Assistenten ChatGPT, Gemini von Google und Meta AI erwähnt. Sie alle hätten gerne diese Apple-Moment aus dem Jahr 1984. Nur während diese Werbeschlacht um die KI-Vorherrschaft mit den Super Bowl dominierte, fand der wahre Kampf um die globale KI-Vorherrschaft in den analogen und digitalen Medien rein redaktionell statt.
Von Null zur Weltmarke
Neben den bereits erwähnten Marken Gemini und Meta AI, gibt es natürlich in der westlichen Welt noch weitere KI-Marken wie etwa Grok, Claude oder ganz aktuell aus Frankreich Mistral AI. Sie alle wären gerne mental der eine wahrgenommene Herausforderer von ChatGPT.
Nur was all diesen Marken bisher nicht gelang, schaffte DeepSeek rein redaktionell über Nacht. Dazu sollten wir uns nur einige Headlines ansehen:
„Deepseek aus China schlägt ChatGPT – und kostet deutlich weniger“
„Durchbruch oder Hype? So innovativ ist Deepseek“
„Was Deep Seek kann und wie es die Branche verändert“
„Was kommt nach Deep Seek?“
„Hype um chinesischen KI-Anbieter: Was kann DeepSeek?“
„DeepSeek: Chinas KI-Sensation schockt die Börsen – und bietet gleichzeitig die Mega-Chance“
„DeepSeek, der Schrecken der US-Techgiganten“
Egal ob FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche, Der Spiegel, Focus oder ARD, wenn eine Marke in den letzten Wochen medial die Welt bewegte, war dies DeepSeek.
Den mentalen Kontext verstehen
Um das Ganze aus Markensicht besser zu verstehen, sollten wir uns einmal den mentalen Kontext ansehen. In der westlichen Welt gab es bisher den Marktführer ChatGPT und Herausforderer wie Gemini, Meta AI oder Grok. So gibt es im Internet bereits auch Ranglisten zu den 10 besten oder gar den 15 besten KI-Assistenten dieser Erde. Laut Schätzungen gibt es bereits weit über 100 KI-Assistenten neben ChatGPT in der westlichen Welt. Nur bisher standen diese alle klar im mentalen Schatten von ChatGPT.
Heißt: Niemand schaffte es in der PR oder auch in der Werbung als echte erste Alternative wahrgenommen zu werden. Genau das gelang jetzt DeepSeek über Nacht. Der Grund: DeepSeek ist kein weiterer KI-Assistent in der Wahrnehmung, sondern der führende chinesische KI-Assistent. DeepSeek hat so nicht nur eine eigene Schublade im Gehirn, sondern zudem auch noch die ideale Gegenschublade zu ChatGPT.
Werbe- versus PR-Schlacht
Aus kreativer Sicht mag die Super Bowl Werbeschlacht zwischen ChatGPT, Google Gemini und Meta AI wirklich interessant sein. Nur sie hat wahrscheinlich nichts an der kollektiven Wahrnehmung dieser Marken geändert. Ganz anders die aktuelle analoge und digitale PR-Schlacht zwischen DeepSeek und ChatGPT. Diese hat DeepSeek aus dem Nichts heraus wirklich global zu dem einen Herausforderer von ChatGPT gemacht.
Dazu sind aus Markensicht drei Punkte entscheidend:
(1) DeepSeek hat einen eigenen Führungsanspruch.
(2) DeepSeek sorgte, wie auch die Schlagzeilen oben zeigen, für echte Kontroverse mit Schockwirkung.
(3) DeepSeek hatte und hat somit echten Nachrichten-, Schlagzeilen- und damit auch Mundpropagandawert.
Genau diese Art von PR-Schlacht kommt in der Regel beiden Marken entgegen. Dies mag einige auch an den früheren medialen Kampf zwischen iPhone und Samsung Galaxy erinnern. Auch hier profitierten beide Marken enorm. Heißt aber auch: Je stärker unser Gehirn und die analogen und digitalen Medien ChatGPT und DeepSeek als die Marktführer bei KI-Assistenten wahrnehmen, desto schwieriger wird es für den Rest des Feldes.
