Bundespräsidentenwahl: Zwei Kandidaten, eine Basisstrategie

Am 22. Juni 1941 startete Adolf Hitler seinen Russlandfeldzug unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ mit dem Ziel Moskau. Sechs Monate später war diese Strategie, Moskau einzunehmen endgültig gescheitert. Am 17. Juli 1942 kam die nächste große Offensive der deutschen Wehrmacht, diesmal mit dem Ziel Stalingrad. Sechs Monate später war auch diese Strategie endgültig gescheitert. In beiden Fällen war das jeweilige Ziel der deutschen Wehrmacht für das russische Militär absehbar und damit auch berechenbar. Besser wäre es aus militärstrategischer Sicht gewesen, wenn die Wehrmacht ihre Offensive so angelegt hätte, dass das russische Militär so lange wie möglich im Unklaren gewesen wäre, wo das wirkliche Ziel der Offensive liegt.

Der Moment der Überraschung

Genau diesen Punkt sollten auch beide Präsidentschaftskandidaten, nämlich Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer im erneuten Wahlkampf bedenken. So wird am 2. Oktober dieses Jahres die Stichwahl um das Bundespräsidentenamt wiederholt. Das heißt: Beide sollten sich jetzt genau in der Mitte positionieren, um so gut wie in keinem einzigen Punkt echte Ecken und Kanten zu zeigen. (Dies macht aktuell Norbert Hofer besser als Alexander Van der Bellen.)

Denn somit bleiben beide Kandidaten jeweils für den anderen Kandidaten unberechenbar. Gleichzeitig aber sollten beide für den September einen Moment der Überraschung einplanen, um in einer ausgewählten Fernsehkonfrontation den jeweilig anderen Kandidaten mit einer klaren Aussage zu überraschen, die den jeweilig anderen Kandidaten in die Defensive zwingt.

Eine Strategie, zwei Inhalte

Das heißt aber auch: Von der Grundsatzstrategie her sollten beide Kandidaten in den nächsten 6 bis 8 Wochen dieselbe Strategie verfolgen. Beide sollten sich als Kandidat für alle Österreicher und Österreicherinnen präsentieren. Im entscheidenden Augenblick sollten dann beide ein Kernthema präsentieren, das drei Punkte erfüllen sollte:

(1) Es sollte den anderen Kandidaten am falschen Fuß erwischen und in die Defensive zwingen.

(2) Es sollte die Kraft haben, die eigenen Wähler und Wählerinnen zu motivieren, um zur Wahl zu gehen.

(3) Es sollte die Unentschlossenen überzeugen, doch diesen einen Kandidaten zu wählen.

Damit sind wir bei zwei weiteren entscheidenden Punkten: Auf der einen Seite wird dieses Thema, wenn einer oder beide Kandidaten ihren Wahlkampf so anlegen, wahlentscheidend sein, auf der anderen Seite wird es darum gehen, wer als Erster dieses Thema zum richtigen Zeitpunkt präsentiert.

Hofer im Vorteil

Dabei ist Norbert Hofer aktuell klar im Vorteil, wenn er sich im richtigen Augenblick nicht gegen Van der Bellen sondern gegen die „unfähige österreichische Bundesregierung“ positioniert. Für Alexander Van der Bellen wird es schwieriger. Er wird nämlich im richtigen Augenblick ein Thema finden müssen, um sich noch einmal klar von Norbert Hofer abzugrenzen, um damit punktgenau die Unentschlossenen zu erreichen bzw. die, die eigentlich beide Kandidaten für „unwählbar“ halten.

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