Am 30. Dezember 2020 konnte man folgende Zeilen auf Ö1 Online lesen: „Die Geschichte von Electro-Swing ist untrennbar mit dem Namen Parov Stelar verbunden. Die Linzer Band läutete eine Renaissance alter US-Tanzstile ein, die sich durch das Internet weiter verstärkte. Marcus Füreder – Kopf der Band – wurde mit Parov Stelar zu einem der größten Musik-Exportschlager aus Österreich. Er hat das Genre Electro-Swing zwar nicht erfunden, er hat es aber so weit popularisiert, dass viele das glauben.“
Parov Stelar und …
Immer noch stehen sich viele Unternehmer, Erfinder und Entscheidungsträger selbst im Weg, weil man den faktischen Markt als Entscheidungsgrundlage sieht. Das gilt speziell in jungen Märkten, die noch in Bewegung sind und in denen es noch keine klare Rang- oder Marktordnung in den Köpfen der Kunden gibt.
Dazu sollten wir uns aus dem obigen Zitat folgende Zeilen noch einmal im Detail ansehen: „Er hat das Genre Electro-Swing zwar nicht erfunden, er hat es aber so weit popularisiert, dass viele das glauben.“ Genau darauf kommt es aus Markensicht an. Es geht nicht um den berühmten First Mover-Advantage, es geht um den First Minder-Advantage.
… Elon Musk
Wenn Menschen heute an Elektroauto denken, denken diese immer noch in der Regel zuerst an Tesla und Elon Musk. Daran ändern auch zwei Umstände nach wie vor nichts:
(1) Über Jahre stand in den globalen Zulassungszahlen Tesla bei Elektroautomodellen klar im Schatten des Nissan Leaf. Nur Nissan schaffte es nie diese tatsächliche Marktführerschaft in eine mentale Marktführerschaft zu übersetzen. Genau damit machte man den Weg für Tesla frei.
(2) Aktuell ist der globale Weltmarktführer bei Elektroautos nicht mehr Tesla, sondern BYD. Dazu hieß es etwa auch am 2. Januar dieses Jahres auf BBC.com über die globalen Verkaufszahlen 2025: „China’s BYD overtakes Tesla as world’s top EV seller.”
Tesla war mit Sicherheit nicht der First Mover, aber dafür der First Minder. Und von dieser Position, speziell aufgebaut durch das Model S lebt man heute noch.
Kein mentales Ruhekissen für die Zukunft
Das heißt: Speziell das Beispiel Tesla zeigt, wie mächtig der First Minder-Advantage ist. Gleichzeitig aber ist er auch kein Ruhekissen. So sollte Elon Musk aktuell alles daran setzen, die noch vorhandene mentale Spitzenstellung zu verteidigen und auszubauen. Aber speziell mit der aktuellen Einstellung des Model S eröffnet er nämlich am oberen Ende des Marktes die Chance für einen cleveren Herausforderer die mentale Technologiemarktführerschaft in der Elektromobilität zu übernehmen. Und das könnte dann in Kombination mit der verlorenen tatsächlichen Marktführerschaft an BYD wirklich für die Zukunft von Tesla gefährlich werden.
