20 Jahre Windows und die übersehene Markenlektion

Am 24. August des Jahres 1995 startete in den USA der Verkauf von Windows 95. Damit begründete Bill Gates auch eine neue Ära in der klassischen PC-Welt. Noch heute gilt Windows als die Geldmaschine im Microsoft Konzern und läuft heute nicht nur auf PCs und Notebooks, sondern auch auf Tablets und Smartphones.

Zum Lovemark werden

Wie wichtig Windows für Microsoft ist, zeigt auch, dass man aktuell mit Windows 10 eine massive Marketingoffensive startet, damit Windows nicht nur als Standardprodukt sondern auch als Lovemark von den Kunden gesehen wird. Dazu meinte Gregor Bieler, Leiter Consumer Channels Group von Microsoft Deutschland im Horizont (Ausgabe 33/2015: „Unser CEO Satya Nadella hat das sehr schön zusammengefasst, als er sagte, dass wir Menschen von „Windows brauchen“ über Windows wählen“ hin zu „Windows lieben“ bringen wollen.

Nur dabei stellt sich die Frage, ob es für eine Marke überhaupt erstrebenswert ist, Lovemark zu werden. Liebe ist eine extrem starke, aber auch oft extrem flüchtige Emotion. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn man Windows als Freund positionieren würde, denn Freundschaft hält oft oder meistens länger als Liebe. Aber das ist nur die operative Seite.

Der übersehene Erfolgsfaktor

Viel wichtiger für den dauerhaften Erfolg von Microsoft ist die strategische Seite. Und hier stellt sich eine extrem wichtige Frage: „Wie lange wird es noch Sinn machen, den Lebenszyklus einer Desktop-Betriebssystem-Marke zu verlängern?“

Als Bill Gates MS-Dos durch Windows ersetzte, brachte er nicht nur aus Kundensicht ein komplett neues Betriebssystem auf den Markt, er gab ihm auch einen neuen Namen. Er nannte es nicht MS-Dos Extended oder MS-Dos 95. Er nannte es Windows. Damit schuf er auch in der Wahrnehmung der Kunden eine wirklich neue Welt und Marke.

So hätte auch Gillette den Mach 3 einfach nur Gillette Sensor 3 und den Fusion nur Gillette Sensor 5 nennen können. Nur damit hätten diese Produkte auch eine andere Wahrnehmung durch die Kunden. Mach 3 und Fusion werden als echte Innovation und nicht als Markendehnungen des Gillette Sensors wahrgenommen. (Leider unterschätzen immer noch viele Entscheider und auch Berater die Macht eines eigenen Namens.)

Aber zurück zu Microsoft! Als Windows 1995 startete war das uneingeschränkte Herz eines PCs oder eines Laptops seine Festplatte. Nur heute wandert dieses Herz immer mehr in die sogenannte Cloud. Nur damit braucht man wahrscheinlich in absehbarer Zeit kein so komplexes Betriebssystem mehr.

Die erste Entwicklungsstufe hat Microsoft in diesem Bereich schon übersehen, denn bei Smartphones, wenn man von Apple Geräten absieht, dominiert bereits Android und Windows spielt eine Nebenrolle. Die nächste Entwicklungsstufe könnte sein, dass speziell auch bei mobilen Computern, also bei Tablets, Netbooks, Ultrabooks und Notebooks der Trend Richtung einfacherem und schnellerem Betriebssystem geht, dass auf Programme in der Cloud zugreift und auch dort Daten abspeichert.

Hier sollte Microsoft den Mut aufbringen und wie im Jahr 1995 ein komplett neues, schnelles Betriebssystem unter einem neuen Markennamen lancieren, um selbst der Schrittmacher in diesem Bereich zu sein. Gleichzeitig sollte man dabei auch Microsoft Office massiv überdenken.

Mut zur neuen Marke

Fazit: Heute ist Windows sicher immer noch die Cashcow von Microsoft, aber die Cashcow von gestern und heute muss nicht unbedingt auch die Cashcow von morgen sein. Diese Erfahrung mussten kürzlich auch Kodak und Nokia machen. Gerade deshalb sollte Microsoft heute den Mut zu einem neuen Betriebssystem und einer neuen Marke haben, bevor jemand anderer diese Chance ergreift. So würde Microsoft heute ganz anders dastehen, wenn Android nicht Google sondern Microsoft gehören würde. So würde Android im Sinne eines fokussierten Mehr-Marken-Systems auch viel besser zu Microsoft als zu Google passen. Aber dieser Zug ist abgefahren.

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