Brexit und das Gesetz der Globalisierung

Was haben Alibaba, Amazon, Baidu, Ebay, Facebook, Google, Netflix, Pinterest, Twitter oder YouTube gemeinsam? Sie haben aufgrund ihrer Herkunft, nämlich USA oder China einen großen Binnenmarkt. Sie haben – und das sollte Europa in Summe zu denken geben – keine europäischen Gegenspieler von Weltformat.

Größe fördert Fokussierung

Damit sind wir bei einem der wichtigsten Markengesetze im globalen Wettbewerb. Dieses lautet: „Je größer der angestrebte Markt ist, desto enger, sollte der Fokus der eigenen Marke sein.“ Das führt aber auch dazu, dass Unternehmen, die einen großen Binnenmarkt ihren Heimmarkt nennen dürfen, in der Regel von Anfang an fokussierter sind als Unternehmen, die einen kleinen Binnenmarkt als Heimmarkt besitzen.

Nur je größer der Binnenmarkt und je fokussierter das Unternehmen desto leichter tut man sich beim Thema „Internationalisierung oder Globalisierung der eigenen Marke“. Mit dem Ausscheiden von Großbritannien aus der EU besteht noch mehr die Gefahr, dass Europa in Summe speziell in der digitalen Welt noch weiter hinter den USA und China zurückfallen wird.

Denn während China – bedingt durch die eigene Größe und die ganz andere Sprache – im Internet Gegengewichte zu den amerikanischen Marken und Unternehmen aufbaut und aufbauen wird, sieht es so aus, dass Europa aufgrund der eher nationalen Ausrichtung es nicht schaffen wird, hier wirklich eine bedeutende Rolle einzunehmen. So hindern alleine die vielen verschiedenen Gesetzgebungen immer wieder Unternehmen, vor allem auch Start-up-Unternehmen daran, wirklich in der Dimension Europa zu denken und zu handeln. Europa macht so (unabsichtlich?) aus dem Internet, einem globalen Medium ein fragmentiertes Medium.

London, Berlin und Europa

Aber der Brexit könnte zusätzlich noch zu einer Verlagerung der anderen Art führen. Heute wird London in der Start-up-Szene von vielen als wichtigster europäischer Standort gesehen. Diese Position könnte durch den EU-Austritt gefährdet sein. Auf alle Fälle besteht die Chance, dass sich eine andere europäische Hauptstadt innerhalb der EU diese Position unter den Nagel reißt. Ein Kandidat dafür wäre Berlin. Nur dazu müsste Berlin natürlich auch die Initiative ergreifen, um sich mit der richtigen Positionierung und den richtigen Maßnahmen als das neue Start-up-Zentrum Europas zu etablieren. Aber das ist nur ein Randthema, verglichen mit der großen Gefahr, dass Europa sich in einem globalen Wettbewerb selbst unnötig wieder oder noch mehr fragmentiert.

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4 Antworten zu Brexit und das Gesetz der Globalisierung

  1. Prom Wallinger schreibt:

    Wer von den Blog-Lesern hat am Dienstag den hinteren Teil der Financial Times gelesen?
    Da stand für alle Brexit-Analysten und Markenstrategie-Experten etwas Interessantes:

    „The Leave campaign won the b r a n d i n g battle. Its relentlessly repeated slogan ‚Take back control‘, given added weight by much media support (…) hit home. Remain, by contrast, was a catastrophic b r a n d and image collision. Was it even clear what the campaign colour scheme was? Yet Leave’s victory in this area is hollow: as any brand guru knows, a slogan without substance is a flimsy platform for future success.“

  2. michaelbrandtner schreibt:

    Nur damit kommen wir auch zu einem wichtigen Punkt, der von vielen Marken- und Marketingexperten anscheinend gerne übersehen wird. Während der herkömmliche Markenwettbewerb täglich stattfindet, geht es in Wahlkämpfen oder auch in Abstimmungen immer nur um einen Tag, der dann in der Regel für Jahre über die Marktanteile (Sitzverteilung) der Parteien oder über für „immer“ über wichtige Weichenstellungen entscheidet. Hier sollten sich die Brexit-Gegner fragen, warum sie keinen starken Slogan hatten, der es mit „Take back control“ aufnehmen konnte.

    • Prom Wallinger schreibt:

      … und es sollten sich die TTIP-Befürworter fragen, warum sie keinen starken „visuellen Hammer“ haben, der es mit dem „Chlorhühnchen“ aufnehmen könnte.

  3. michaelbrandtner schreibt:

    Danke für die punktgenaue Anmerkung!!! Denn im Idealfall hat man eine starke verbale und visuelle Positionierung. Nur darauf wird in vielen Fällen leider vergessen.

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