Linz: Von der Stahlstadt zur KI-Stadt

Ein Unternehmen prägte die Stadt Linz in der Zeit des Wirtschaftswunders wie kein anderes. Das war natürlich die VOEST (heute Voest-Alpine). Sie war nicht nur das Großunternehmen in Oberösterreich, sondern positionierte Linz auch nachhaltig als die Stahlstadt.

Am richtigen Ort suchen

Oft findet man die stärksten Positionierungsideen nicht in der Marktforschung, sondern in den Medien, egal ob analog oder digital. Genau aus diesem Grund studiere ich bei Positionierungsprojekten immer sehr gerne die Medienberichte über meine Klienten und deren Branche.

So konnte man am 23. Mai dieses Jahres in der Tageszeitung Die Presse unter der Überschrift „Was der KI-Vorreiter Mistral in Österreich vorhat“ das Folgende lesen: „Standort. Europas KI-Hoffnung Mistral übernimmt das Linzer KI-Start-up Emmi AI zu Rekordpreis. Wird die Stahlstadt dadurch zu Österreichs KI-Hauptstadt?“

Und am selben Tag wurde KI-Experte Daniel Naeff so zur Übernahme von Emmi AI in den OÖN zitiert: „Ich glaube, das ist eine unglaublich tolle Chance für Linz, für Österreich, aber natürlich auch für Europa insgesamt. … und im besten Fall entwickelt sich ein lokales KI-Ökosystem, das weitere unternehmerische Tätigkeiten befeuert.“

Eine Frage des Timings

Genau diese eine Frage am Ende des Zitats aus der Tageszeitung Die Presse sollten sich jetzt die Verantwortlichen in Oberösterreich, vor allem in der Landes- und Stadtpolitik und wahrscheinlich auch in der Wirtschaftskammer stellen. Die Betonung dabei liegt auf dem Wort „Jetzt“.

Speziell wenn es um die Positionierung von Marken geht, ist das Timing von entscheidender Bedeutung. Das gilt für Produkte, Dienstleistungen und natürlich auch für Städte und Regionen. Denn es geht vor allem um den First-Minder-Advantage. Das heißt: Wer wird als Erster mental mit einem spezifischen und vor allem relevanten Thema in den Köpfen der Kunden abgespeichert.

KI statt nur digital

Linz wird mit Sicherheit nie die Digitalhauptstadt, weder in Linz selbst, noch in Oberösterreich und schon gar nicht in Österreich oder in Europa. Daran wird auch die Dauerbaustelle Digitaluni (IT:U) nichts ändern. Dazu kommt, dass das Thema „Digital“ zwei Nachteile gegenüber KI hat. (1) Es ist viel zu breit und unspezifisch. (2) Es ist vom Timing her viel zu spät. KI ist anders und zudem hat man in Linz an der JKU noch Sepp Hochreiter, der das Institute for Machine Learning und das Labor für Artificial Intelligence leitet.

Aktuell heißt es auf der Website des oberösterreichischen Landeshauptmanns Thomas Stelzer unter anderem: „LH Stelzer zu Digitaluni IT:U: „Wichtig ist, die Jahrhundertchance IT:U in Oberösterreich zu nutzen“. Vielleicht sollte er das dringend in „LH Stelzer zum Megathema KI: „Wichtig ist, die Jahrhundertchance KI in Oberösterreich voll zu nutzen und Linz zur KI-Hauptstadt Österreichs oder sogar Europas zu machen.“ Das wäre eine starke Ansage, und das wäre ein starker Fokus für die Zukunft.

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