Wenn Sie heute an fairen, also an fair gehandelten Kaffee denken, denken viele wahrscheinlich zuerst an Fairtrade. So steht diese Marke nicht nur synonym für Fairness bei Lebensmitteln, sondern hat diese Kategorie auch nachhaltig etabliert. Kürzlich tauchte in den Medien aber eine weitere faire Marke aus Österreich auf, nämlich Fairdinand’s Finest.
Starke erste PR und …
Dazu schrieben etwa die Salzburger Nachrichten: „Wie eine HAK-Lehrerin in Tansania eine Kaffeekooperative aufzog: Kommenden Mittwoch wird der nach dem Priester benannte „Fairdinand’s Finest“-Kaffee aus Manyovu erstmals in Salzburg vorgestellt – in der Lebenshilfe-Werkstätte in Salzburg, wo auch die Bestellungen im Fairdinand-Webshop bearbeitet und verschickt werden.“
In den OÖN hieß es: „Die Lochnerin und ihr sehr fairer Kaffee aus Afrika: LOCHEN. Mit zwei Kaffeesorten bietet die 44-jährige Andrea Kranzinger 25 Bauern in einem Dorf in Tansania eine Lebensgrundlage.“
Im Standard hieß es: „Lehrerin gründet nach Freiwilligeneinsatz eine Kaffeekooperative: Die Lebenshilfe-Werkstätte Salzburg verschickt fairen Kaffee aus Tansania.“
Aus reiner PR-Sicht ist Fairdinand’s Finest so bereits ein echter PR-Coup gelungen, um über Nachrichten und eine spannende Gründungsgeschichte mediale Aufmerksamkeit zu erzielen.
… starker Name
Brillant ist dabei auch der Markenname, weil dieser nicht nur mit Fairdinand’s Finest alliterierend ist, sondern zudem drei weitere starke Eigenschaften besitzt, die oft von Unternehmensgründern unterschätzt werden:
(1) Der Name beinhaltet ein schönes Wortspiel, indem es den Vornamen Ferdinand durch das „Fair“ statt Fer“ im Sinne der Positionierung verändert. So liebt unser Gehirn und unser Gedächtnis Wortspiele.
(2) Der Name zahlt zudem mit diesem Fairdinand suggestiv auf die Positionierung als fairer Kaffee ein und funktioniert auch international.
(3) Der Name lässt sich zudem so einfach visualisieren. So könnte man diesen Fairdinand entweder als echte Person, als Kunstfigur oder auch als Tier darstellen. In diesem Fall entschied man sich für eine Giraffe mit einer Kaffeetasse.
Der Faktor Positionierung
Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird aber sein, dass man mental aus dem Schatten von Fairtrade kommt, um selbst eine starke mentale Position einzunehmen. Dazu könnte man auf das Gesetz des Gegenteils setzen. So gibt es in der Regel zu jeder starken Idee eine starke Gegenidee. Aktuell heißt es auf der Verpackung: „Fair. Direkt. Natürlich.“ Genau hier könnte ein starker Ansatzpunkt liegen. Fairtrade verkauft indirekt über den Handel oder sogar als Ingredient Brand für andere Marken. „Fairdinand’s Finest: Der direkte Weg zum fairen Kaffee“ könnte eine starke Positionierung sein, wenn man den eigenen Vertriebsweg auf nur online, also nur auf den direkten Weg fokussieren würde.
PS dazu: Viele Unternehmen freuen sich berechtigt, wenn über die eigene Marke, das eigene Unternehmen medial berichtet wird. Nur sollte man dabei immer darauf achten, dass man in jedem dieser Berichte gleich positioniert wird. Hier gilt: PR-Berichte, egal ob analog oder digital, kommen und gehen, starke Markenideen und Marken bestehen.

Mein US-Professor nannte es “becoming the 2 top ones in the field”.
Ob auch dieses spezielle Segment zu einem “2 horses race“ werden wird?
Eigentlich kann es nicht genug Fairtrade-Kaffeemarken geben, die richtig gut schmecken.
Aber zwei Marken, die medial sehr präsent sind, können sicher ein ganzes Segment beleben (in der Fachsprache „revitalizing an entire segment“ genannt).
Respekt jedenfalls für Andrea Kranzinger, dass sie die „entrepreneurship education“ an den HAKs in Österreich als inspirierendes Vorbild gleich selber umsetzt.