Vom Eifelkind zum Global Player oder 3 Lektionen zum Marken und Markterfolg

„Von den Besten lernen“ ist eine weitverbreitete Maxime im Management und in der Managementliteratur. Nur gerade im Bereich Marke sollte man dabei sehr vorsichtig sein, denn Marke ist immer ein mentales Ergebnis eines Prozesses, der über Jahre oder besser Jahrzehnte abläuft. Anders ausgedrückt: Wer den Erfolg einer Marke wirklich verstehen möchte, sollte ihre Geschichte studieren. Interessant aus dieser Perspektive ist das neue Buch von Hermann Simon mit dem Titel „Zwei Welten, ein Leben: Vom Eifelkind zum Global Player“. So schreibt Simon nicht nur über seine Lebensgeschichte, er liefert (so nebenbei auch) drei Lektionen für den Marken- und Markterfolg im globalen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts:

(1) Chancen erkennen und nutzen

Eigentlich wollte Hermann Simon, wie er selbst schreibt, Starfighter-Pilot werden. Nur brach sein Wunschtraum schon in der ersten Runde des Eignungstests aufgrund einer Farbsehschwäche zusammen. Heute sieht er diesen Umstand als Glücksfall. Generell zeigt dieses Buch sehr schön, dass Simon keine gezielte Lebensplanung im klassischen Sinne hatte, sondern viel mehr das Gespür hatte, Chancen zu erkennen und zu nutzen, egal ob in seiner Studien- oder Assistentenzeit.

Aber damit sind wir bei einem wichtigen Punkt! Denn viele Unternehmen „negieren“ bzw. unterschätzen heute die Zukunft und ihre Entwicklungen, weil man im eigenen Wunsch- bzw. Geschäftsmodell gefangen ist. Spannend ist unter diesem Aspekt vor allem auch, wie viele Ressourcen in die (vermeintliche) Rettung alter Geschäftsmodelle und Marken fließen, statt dafür genutzt zu werden, neue Geschäftsmodelle und Marken zu bauen.

(2) Fokussierung, Fokussierung und Fokussierung

Nur Chancen erkennen und zu nutzen, ist alleine zu wenig. Entscheidend dabei ist, die Chancen umzusetzen und zu kanalisieren. So spezialisierte er sich in seiner Studien- und Assistentenzeit nicht nur frühzeitig – auch bedingt durch diverse Arbeiten – auf das Thema Preis, er prägte letztendlich zudem den Begriff „Preismanagement“ mit seinem gleichnamigen Buch. Gleichzeitig aber wurde sein Betätigungsfeld immer breiter. Dazu schreibt er: „Zu jener Zeit tanzte ich auf fünf Hochzeiten“, einmal als Professor, dann in der rheinland-pfälzischen Politik, als Vortragender auf Managementkongressen, als Berater und als Mitglied in mehreren Aufsichtsräten. Am 19. September 1994 verkündete er seinen Partnern in der Unternehmensberatung, den Vorsitz zu übernehmen und sich voll auf die Beratung zu fokussieren.

So ist Fokussierung nicht nur das Erfolgsgeheimnis der Hidden Champions, sondern auch viele der besten Marken sind auf eine zentrale Idee fokussiert. So steht Google für Suche, BMW für Fahrfreude oder Flixbus für Fernbus. Aus dieser Warte betrachtet hatte Simon aber auch das Glück des Tüchtigen, dass sein Spezialgebiet „Preismanagement“ noch von keiner anderen Unternehmensberatung bereits mental besetzt war. So kann Fokussierung auf eine Idee nur dann die volle Kraft entfalten, wenn diese angestrebte Idee in der Wahrnehmung der Kunden noch frei ist.

(3) Den globalen Sprung wagen

Nur Fokussierung bedeutet gleichzeitig auch, dass man das eigene nationale Marktpotenzial einengt, gleichzeitig eröffnet aber Fokussierung in der Regel auch die Chance,  das eigene Unternehmen, die eigene Marke zu internationalisieren. Genau dieses Erfolgsmuster beschreibt Hermann Simon nicht nur in seinen Büchern über die Hidden Champions, er übertrug es auch auf die eigene Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners.

So schrieb man schon frühzeitig, als man nur ein Büro in Bonn hatte, in die eigene Vision: „We are a global consulting company.“ So meint Simon selbst in seinem Buch, dass man dies zu diesem Zeitpunkt auch als großspurig und angeberisch hätte auslegen können. 1996 eröffnete man das zweite Büro in Boston. Heute ist man mit 37 Büros und über 1200 Mitarbeitern ein wirklich globales Beratungsunternehmen. Aber viele Unternehmen verbauen sich frühzeitig ihre internationalen Marktchancen, weil man a) keine internationale oder globale Vision hat, weil man b) die eigene Marke national dehnt, statt fokussiert zu internationalisieren und weil man c) auf einen Markennamen setzt, der nur national funktionieren kann.

Erfolgsmuster speziell auch für die digitale Welt

Aber dieses Erfolgsmuster „Fokussierung und Globalisierung“ funktioniert nicht nur in der analogen Welt. Speziell das Internet ist doppelt perfekt dafür  geeignet: Erstens ist das Internet von seiner Natur her ein globales Medium. Zweitens erlaubt das Internet eine Spezialisierung, die so in der analogen Welt undenkbar wäre. So gesehen ist dieses neue Buch von Hermann Simon nicht nur eine spannend erzählte Lebens- und Erfolgsgeschichte, sondern vielmehr auch noch eine Erfolgsanleitung für den Wettbewerb des 21. Jahrhunderts.

Buchempfehlung dazu: Simon, Hermann: Zwei Welten, ein Leben: Vom Eifelkind zum Global Player, Campus 2018

Erschien im Original auf Absatzwirtschaft.de am 23. November 2018

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Benchmarking, Fokussierung, Geschäftsmodell, Globalisierung, Internet, Management, Marke, Markenfokus, Markenlektion, Markenname, Markenpositionierung, Marketing, Medien, Positionierung, Preis, Strategie, Wahrnehmung, Wettbewerb, Zukunft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s