Die „Inseraten-Affäre“ und der Fluch des Heiligenschein-Effekts

Eines der stärksten und wichtigsten psychologischen Konzepte aus Markensicht ist der sogenannte Halo- oder Heiligenschein-Effekt. Er besagt, dass eine Marke oder auch eine Person, die in einem bestimmten Bereich sehr gut eingeschätzt wird, generell sehr gut eingeschätzt wird. Genau aus diesem Grund sind auch viele erfolgreiche Markenprogramme rund um nur eine zentrale Idee wie etwa „Fahrfreude“ für BMW, „Technik“ für Audi oder „Elektro“ für Tesla aufgebaut. Man spricht in diesem Kontext auch vom Prinzip der Fokussierung.

Positiv wie auch negativ

Nur dieser Halo- oder Heiligenschein-Effekt kann nicht nur positiv wirken, sondern natürlich auch negativ. Dies zeigt sich aktuell sehr schön am politischen Geschehen in Österreich. So ist das Vertrauen in die Politik laut dem „Demokratie Monitor“ des Sora Instituts (Stand Dezember 2021) zurzeit am Boden. 90 Prozent der Befragten sind etwa überzeugt, dass die heimische Politik ein Korruptionsproblem hat.

Spannend dabei aus Sicht des oben erwähnten Halo-Effekts ist vor allem aber die Frage, für welche Partei die sogenannte „Inseraten-Affäre“ typisch sei. Wenn man sich an die Medienberichte zurückerinnert, stand vor allem das „System Kurz“ in der Kritik. Dazu vermeldete etwa das deutsche Magazin Stern am 14. Oktober 2021: „Ermittlungen gegen Kurz-Vertraute: Die Beschuldigen der Inseratenaffäre im Überblick“.

Nur das Ergebnis der oben erwähnten Studie zeigt klar ein anderes Bild: Für 41 Prozent der Befragten ist die „Inseraten-Affäre“ typisch für alle Parteien, für 21 Prozent für mehrere Parteien und nur 16 Prozent antworteten mit „einer Partei“. Für 15 Prozent wiederum waren nur einzelne Politiker verantwortlich. Das heißt: Hier wirkt sich die eine „Inseraten-Affäre“ durch den Heiligenschein-Effekt negativ auf alle Parteien aus.

Weck- oder Warnruf an die Politik

Genau diese Art von Ergebnis sollte eigentlich ein Weckruf an alle Parteien sein, um über einen neuen Stil in der Politik, vor allem auch in Bezug auf „Bad Campaigning“ und in Bezug auf „polemische Wortgefechte“ nachzudenken. Kurzfristig mag dies immer einer Partei nutzen und einer anderen Partei schaden. Nur wenn man das Ganze langfristig – vor allem auch aus dem Aspekt des Halo-Effekts betrachtet – schadet man so vor allem dem Ansehen aller etablierten Parteien, aller etablierten Politikern und damit letztendlich auch dem System in Summe.

Erschien im Original in Medianet

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