Digitalisierungsschub Corona

Anfang Januar dieses Jahres war ich in Shanghai, wo sich erstmals alle Partner von Ries Global trafen. Damals war das Corona-Virus kein Thema, weder bei der An- und Abreise noch  bei unserem Meeting selbst. Letzte Woche tauschte ich mich mit Simon Zhang, dem Chairman von Ries China und zudem CEO von Ries Global über die Folgen des Corona-Virus in China aus Marken- und Marketingsicht aus. Dabei kristallisierten sich drei Trends heraus, die auch für europäische Unternehmen von Interesse sein könnten:

(1) Verstärkter Trend in Richtung „online“

China ist heute bereits der größte Online-Marktplatz dieser Erde. Mit den von der chinesischen Regierung gesetzten Quarantänemaßnahmen bekam diese Entwicklung einen weiteren Turboschub. Davon profitierten nicht nur klassische Online-Händler wie Alibaba, sondern vor ganz speziell: Online-Konferenzen, Online-Schulungen und  vor allem auch medizinische Online-Dienste. Die Downloads der Corporate Social Networking-App „DingTalk“ von Alibaba übertrafen die persönlichen Social Networking-Apps, die sonst im App Store an erster Stelle standen. Das Corona-Virus sorgte in vielen Fällen dafür, dass bisherige technische und vor allem auch mentale Einstiegsbarrieren überwunden wurden.

(2) Verstärker Trend in Richtung ergänzende Internet-Innovationen

Gleichzeitig damit beschäftigten und beschäftigen sich auch immer mehr Unternehmen mit analogen Geschäftsmodellen mit neuen digitalen Möglichkeiten. Dadurch wird es in China in Zukunft mit Sicherheit einen verstärkten Trend in Richtung Omni- und Multi-Channel-Konzepte geben. Standen bisher bei diesen Entwicklungen vor allem Kundenwünsche bzw. Umsatz- und Gewinndenken im Vordergrund, kommt jetzt der Motivationsfaktor „Risikostreuung“ hinzu. So überlegen einige Restaurants – basierend auf den Erfahrungen der Corona-Krise – sogar ihr Geschäftsmodell gänzlich auf Online-Bestellungen zu verlagern.

(3) Der Trend zum „Live-Verkauf“ im Internet

Da sich die Aufmerksamkeit der Menschen in der Zeit der Quarantäne sehr stark auf das Internet verlagerte, waren auch die Unternehmen gezwungen, verstärkt in Online-Marketing zu investieren. Der beliebteste Marketing-Ansatz wurde dabei der Verkauf über Live-Videos bzw. über Live-Streaming. Speziell viele konventionelle Branchen, wie etwa auch die Automobilindustrie setzten verstärkt auf dieses Instrument, um Kunden anzusprechen bzw. um neue Kundendaten zu gewinnen.

Digitalisierungsschub als Chance für die Zukunft

Isoliert für Europa betrachtet, könnten auch hier die von den Regierungen gesetzten Maßnahmen einen Digitialisierungsschub auslösen, der nachhaltige Konsequenzen für die Wirtschaft in Summe hat. Damit sind aber nicht nur Unternehmen gefordert, ist vor allem auch in Infrastruktur gefordert. Global betrachtet könnte das Corona-Virus aber vor allem dafür sorgen, dass China seine bisherige strategische und auch operative Stellung in der digitalen Welt weiter ausbaut. So gesehen könnte und sollte Europa oder besser die europäischen Unternehmen diese Situation auch als Chance sehen, um selbst die Digitalisierung strategisch im Sinne von neuen Geschäftsmodellen und operativ im Sinne von neuen Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen voranzutreiben.

Erschien im Original auf Horizont.net

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