Apple’s falsch verstandener Erfolg oder warum Apple auch nach Steve Jobs erfolgreich sein wird

Apple ist heute für viele Unternehmen das Vorbild schlechthin. So meinte erst kürzlich SAP-Chef Jim Hagemann Snabe: „Wir können von Apple viel lernen.“ Und der oberste Marketingchef von General Motors Joel Ewanick meinte sogar in AdvertisingAge, dass GM wie Apple sein möchte.

Die (falsch verstandene) Erfolgsformel von Apple

Nur was macht jetzt den aktuellen Erfolg von Apple aus? Für viele lautet die Antwort auf diese Frage: „Innovation“. Oder in den Worten von Jim Hagemann Snabe im Kurier-Interview: „Apple hat nicht Marktanteile zugekauft, sondern Innovationen besser und schneller vorangetrieben.“

Ist Innovation wirklich der Schlüssel zum Erfolg von Apple? Ich denke „Nein“. Vielmehr ist es die Kombination aus Innovation und Branding. Viele Unternehmen sind heute hoch innovativ. Aber viele Unternehmen gehen mit ihren Innovationen aus Markensicht „grob fahrlässig“ um.

Nur Innovationen, keine neuen Marken

Die meisten Unternehmen bringen nur Jahr für Jahr innovative Produkte auf den Markt, die in der Regel in der Menge der innovativen Produkte sang- und klanglos untergehen.

Apple ist anders. Apple gibt den wirklich wichtigen Innovationen eigene merkbare Markennamen, nicht nur nette Modellnamen. So reden die Leute heute nicht von ihrem Apple MP 3-Player, ihrem Apple Phone oder ihrem Apple Tablet. Sie reden von ihrem iPod, ihrem iPhone oder ihrem iPod.

Die Erfolgsgarantie für die Zukunft

Innovation alleine ist zu wenig. Man muss mit diesen Innovationen auch markenstrategisch richtig umgehen. Kodak hat die Digitalkamera erfunden. Nur aus Markensicht ging man damit katastrophal um. Statt eine eigene Marke für diesen Bereich zu bauen (der Apple-Weg), vermarktete man die Digitalkamera mehr schlecht als recht unter der Marke Kodak.

Apple ist heute viel mehr als nur Steve Jobs. Apple besitzt führende Marken in Zukunftsbereichen. Jetzt geht aus Apple-Sicht darum, dass man diese Führungspositionen auch verteidigt. Fazit: Wer den Erfolg von Apple nur auf Innovation zurückführt, liegt mit Sicherheit falsch. Entscheidend ist die Kombination aus Branding und Innovation. Und aus dieser Warte können viele Unternehmen enorm viel von Apple mit oder ohne Steve Jobs lernen.

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Die unterschätzte Macht des Wortes oder was man von den Grünen, Air Berlin, Opel und dem US-Wahlkampf 2008 lernen kann

„Sagen Sie uns ein Schlagwort, wofür Ihre Partei in der Finanzkrise steht?“, lautete eine Frage im Kurier (14. August 2011) an die Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Die Antwort darauf: „Jeder, der sagt, er kann das in einem Satz erklären, der lügt.“ Dann folgte eine ganze Liste an Aufzählungen, was die Grünen ändern möchten wie ein Konkursverfahren für Staaten, eine Finanztransaktionssteuer, Eurobonds, gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik, gemeinsame Steuerpolitik und noch mehr. Diese Maßnahmen mögen alle schön und richtig sein, aber was fehlt ist der klare Fokus, die klare Idee dahinter, nämlich genau dieses eine Schlagwort.

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Der Milliarden-Fehler von Google oder die große Chance für Microsoft

Vor zwei Wochen stellte ich an dieser Stelle Nokia und Microsoft auf den strategischen Markenprüfstand. Seitdem hat sich etwas Gravierendes verändert. So kaufte Google laut Medienberichten für 12,5 Milliarden US-Dollar die Mobiltelefonsparte von Motorola (Motorola Mobility). Als Hauptbeweggrund für diesen Kauf werden die Patente genannt, damit Google in Zukunft erfolgreich gegen Apple am Mobiltelefonmarkt bestehen kann. Was aus Patentsicht u. U. Sinn machen kann, ist aus Marken- und Unternehmensstrategiesicht eine gravierende Fehlentscheidung.

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Microsoft und Nokia auf dem strategischen Markenprüfstand

Am Samstag, dem 23. Juli 2011 standen im Kurier, einer österreichischen Tageszeitungen zwei Headlines direkt nebeneinander: Headline 1: Verlust: Nokia rutscht in die roten Zahlen, Headline 2: Gewinn: Microsoft meldet Rekordumsatz. Wenn man beide Unternehmen nur nach den aktuellen Zahlen bewertet, geht es also Microsoft sehr gut und Nokia eher schlecht. Strategisch gesehen (ohne Blick auf die aktuellen Zahlen) stehen beide Unternehmen mit ihren Marken vor extrem großen Herausforderungen. Denn beide Unternehmen laufen Gefahr, in ihrem Kernmarkt die Führungsrolle (endgültig) zu verlieren.

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Wo sind die Werbevordenker der Zukunft?

Imageprobleme, niedrige Einstiegsgehälter und lange Arbeitszeiten schrecken mögliche Kandidaten ab, sich bei Werbeagenturen zu bewerben. Der ZAW spricht laut Werben & Verkaufen (w&v 30/2011) von einem „handfesten Personalnotstand“. Die Werbung hat anscheinend ihre Anziehungskraft verloren. Was aber ist die Ursache dafür? Sind es wirklich nur die harten Fakten, die das Image so negativ beeinflussen?

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Strategische Markenführung: Was man von den großen Consultants und einem Hidden Champion lernen kann

Im aktuellen Manager-Magazin (8/2011) heißt es unter anderem auf der Titelseite: „Unternehmen geben den Consultants schlechte Noten: Werden Berater überflüssig?“ Im Heft selbst heißt es dann: „DIE REIFEPRÜFUNG“ und gleich darunter: „Unternehmensberater: Die Kunden geben der Branche schlechte Noten, zeigt ein exklusiver Test. Wofür braucht man noch Berater? Die Consultants reagieren auf die Existenzfrage mit einer Ausweitung ihrer Geschäftsmodelle – und Abrechnungstricks.“ Nur das ist aus Markensicht die genau falsche Reaktion.

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Praktiker (2013) bringt’s nicht oder die Rache der Kurzfristigkeit

Was macht ein Unternehmen, wenn es sich neu ausrichten will? Es dreht an der Werbeschraube und engagiert ein neues Testimonial. So schickte auch Praktiker seinen alten Slogan „20% auf alles“ in Pension und brachte dafür den Slogan „Praktiker bringt’s“. Zusätzlich engagierte man Boris Becker als Testimonial.

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Burger King, Saab und ein Abendessen mit Al Ries

Am 25. Juli 2011 vermeldete Horizont.net: „Me-too: Burger King ahmt Coffeeshops von Mc Donald’s nach“. Das ist nicht untypisch für Burger King. Vielmehr ist das anscheinend das zentrale Markencredo von Burger King. So schrieb ich etwa 2005 in meinem Buch „Brandtner on Branding“ zum Thema „Me-too-Strategie: „Nehmen Sie den Hamburger-Markt in den USA: Burger King kann alles von Big Mac kopieren, außer die Umsätze und Gewinne. Und das ist Schicksal der meisten Me-too-Marken.“

Das Gegenteil tun

Dabei sollten Marken, die im Schatten des Marktführers stehen, genau die gegenteilige Position einnehmen. Dazu kann ich mich gut an ein Abendessen mit Al Ries im Jahr 1997 in einem Kölner Hotel erinnern. Wir sprachen damals unter anderem auch über die Positionierung der Marke Saab.

Al meinte damals zu mir: „Michael, Saab steht heute eine schwedische Marke. Das wäre nicht schlecht, wenn man die führende schwedische Marke wäre. Aber das ist Volvo. Wofür steht Volvo? Das ist die Frage, die sich Saab daher stellen muss? Die Antwort: Volvo steht für Sicherheit. Was sollte also Saab tun? Saab sollte die gegenteilige Position einnehmen. Was ist das positive Gegenteil zu Sicherheit? Fahrfreude. Nur diese Position besitzt BMW. Also sollte Saab den Fokus weiter verengen auf: The Swedish Driving Machine.“

„Fahrfreude auf schwedisch“ wäre keine schlechte Idee gewesen. So hätte Saab dies etwa dadurch unterstreichen können, dass man alle Autos mit Allradantrieb ausgestattet hätte. So aber hat Saab bis heute keine klare Positionierung gefunden und die Zukunft von Saab ist heute mehr als fraglich. Alfa Romeo wiederum könnte sich als „Fahrfreude auf italienisch“ positionieren, also The Italian Driving Machine.

Das Gegenteil für Burger King

Wofür steht Mc Donald’s? Eigentlich steht Mc Donald’s für Hamburger. Aber Mc Donald’s verlässt diese Position sukzessive, weil man immer mehr Angebote auf die Speisekarte setzt. (Dies nervt auch manche Kunden, weil man immer länger warten muss.)

Hier würde ich ansetzen: Burger King sollte sich – wie der Name Burger King auch sagt – auf Hamburger konzentrieren. Damit würde man die genau gegenteilige Route von Mc Donald’s einschlagen. Nur genau das wird, wie es aussieht, Burger King nicht tun. So ist jetzt schon klar, dass Burger King bei Cafes nie so erfolgreich wie Mc Donald’s sein wird. (Schwächeres Image plus Me-too-Strategie ist das sichere Rezept zum Marketingdesaster.)

In den USA nur mehr auf Platz 4

Dabei sollte man es besser wissen. So war Burger King noch in den 1970er und 1980er Jahren der große Herausforderer von Mc Donald’s in den USA. „Home fo the Whopper“, „Have it your way“ oder „Broiling, not frying” waren damals drei großartige Kampagnen in den USA für Burger King. Und heute: Heute ist man nur eine Kopie.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Mc Donald’s immer noch die klare Nummer 1 ist. Nur dahinter hat sich einiges verändert. Subway ist jetzt auf Platz 2, Starbucks auf Platz 3. Burger King ist nur mehr Nummer 4. Aus dem Duell „Hamburger von Mc Donald’s“ versus „Hamburger von Burger King“ wird immer mehr ein Duell Hamburger (Mc Donald’s) versus Sandwich (Subway). In Deutschland und Österreich muss Mc Donald’s noch auf den großen Herausforderer warten. Aber irgendwann wird auch hier einer kommen.

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Die doppelte Red Bull-Markenlektion

Am 19. Juli 2011 vermeldete Bevnet, dass Red Bull in den USA das Red Bull Simply Cola und den Red Bull Energy Shot einstellen wird. Als Gründe nannte man beim Red Bull Cola den Geschmack, die kontrovers geführte Kokain-Diskussion und den hohen Preis. Beim Energy Shot meinte man, dass dieser trotz des Potentials des Namens Red Bull nie in der Lage war den Marktführer 5-Hour Energy wirklich herauszufordern. Aus meiner Warte geht diese Analyse aus Markensicht viel zu wenig tief. Hier meine Analyse in zwei Teilen:

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