KI-Suche: Divergenz, First Mover und First Minder

Wenn man Märkte sehr langfristig beobachtet, stößt man – abgesehen von staatlichen Monopolen – in der Regel auf zwei Entwicklungstendenzen. Auf der einen Seite werden Produkte und Dienstleistungen im Laufe der Zeit immer besser (Evolution). Auf der anderen Seite teilen sich Märkte im Laufe der Zeit in immer mehr Teilkategorien (Divergenz).

Zwei Arten von Wettbewerb

Damit gibt es auch zwei Arten von Wettbewerb, nämlich den Wettbewerb innerhalb einer Kategorie und den Wettbewerb zwischen Kategorien. Spannend dazu ist aktuell der Markt für Suchmaschinen. Bis vor kurzem gab es dort nur den Wettbewerb innerhalb der Kategorie, wie etwa Google versus Bing.

Nur mit der KI gibt es jetzt auf einmal zwei Arten von Suche, nämlich die klassische Wort-Suche und die neue KI-Frage-und Antwort-Suche. In der Welt der Suchmaschinen-Optimierung spricht man daher auch schon von SEO (Search Engine Optimization) und GEO (Generative Engine Optimization). Hier hat schon eine klare Marktteilung stattgefunden.

First-Mover versus First-Minder

Spannend wird es daher, ob es diese Teilung auch in der Welt der Suchmaschinen geben wird, also ob es mit Google einen Marktführer in der alten Suchmaschinen-Welt und mit einer neuen Marke einen Marktführer in der KI-Suchmaschinenwelt geben wird.

So ist gerade OpenAI mit Atlas, einem KI-basierten Webbrowser in diesen neuen Wettbewerb um die Marktführerschaft bei der KI-Suche eingestiegen. So sind laut Evergreen.Media (Stand 22. September 2025) aktuell die fünf beliebtesten KI-Suchmaschinen:

(1) Google AI Overviews und Google AI Mode

(2) ChatGPT Search

(3) Bing Copilot

(4) Perplexity AI

(5) You.com

Entscheidend für die Zukunft wird daher nicht sein, wer als Erster eine KI-Suchmaschine (First Mover) lancierte, sondern wer als erste Marke die Schublade oder Kategorie „KI-Suche“ (First Minder) in unserer Wahrnehmung und in unserem Gedächtnis besitzen wird.

Chance und Risiko und was Google tun sollte

Aktuell mag man bei Google mit der Situation noch zufrieden sein. Nur mittel- und langfristig gesehen könnte so das Geschäftsmodell von Google und damit Google selbst durch die KI-Suche gefährdet sein. Hier sollte man aus Markensicht bei Google auf Nummer Sicher gehen. Dazu sollte man einerseits die KI-Suche in die bestehende Suchmaschine und das bestehende Geschäftsmodell wie bisher evolutionär integrieren. Auf der anderen Seite sollte man mit einer neuen Marke, egal ob selbst entwickelt oder gekauft, versuchen, die Nr. 1 in der KI-Suche zu werden. So einfach in der Theorie. Oft so schwer in der Praxis.

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Veggie-Burger-Debatte oder die große Chance für Veggie-David gegen Fleisch-Goliath

„EU-Parlament will Namen wie „Veggie-Wurst“ verbieten“, „Streit um Veggie-Burger: EU-Parlament stimmt für Namensverbot“ oder „Drohender EU-Entscheid: Steht das Veggie-Schnitzel vor dem Aus?“. So lauteten nur einige Schlagzeilen, nachdem das EU-Parlament am 8. Oktober dieses Jahres über das mögliche zukünftige Namensschicksal von Fleischersatzprodukten entschieden hat.

Dazu schrieb die FAZ unter der Schlagzeile „Entscheidung des EU-Parlaments:

Don’t call it Schnitzel“ das Folgende: „Ob Burger, Steak oder Wurst: Geht es nach dem EU-Parlament sollen diese Bezeichnungen künftig allein Produkten aus Tierfleisch vorbehalten sein. Nun bestimmen die EU-Staaten darüber, ob das Verbot kommt.“

Das richtige strategische Feindbild wählen

Wie es aussieht, gibt es in Europa eine Fleisch- und Wurstlobby, die sich vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte als strategisches Feindbild auserkoren hat. Diese Art der Strategie kann enorm Sinn machen, wenn man sich das richtige Feindbild aussucht.

Aber Vorsicht! Viele denken vielleicht spontan beim Begriff „Strategisches Feindbild“, dass es darum geht, einen Konkurrenten wie etwa beim „Dirty Campaigning“ in der Politik schlecht zu machen. Nur genau darum geht es bei diesem Konzept nicht. Es geht darum, einen mentalen Aufhänger zu finden, an dem die eigene Marke wachsen kann. Das kann natürlich der Mitbewerb sein, das kann aber auch eine Idee oder ein Konzept sein oder es kann auch eine Alltagstätigkeit sein.

Für Sodastream war dies etwa das schwere Kistenschleppen. Der Slogan „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen!“ brachte diesen Ansatz nicht nur perfekt auf den Punkt, sondern positionierte Sodastream auch klar als den führenden Wassersprudler.

Oder nehmen Sie Dr. Best! Dr. Best wählte sehr geschickt „starre Zahnbürsten“ als strategisches Feindbild, um so die Idee der nachgebenden Zahnbürste relevant und wichtig zu machen. So stieg der Marktanteil von 1988 mit 6 Prozent auf über 40 Prozent im Jahr 2000. Heute, als Marktführer hat man ein neues strategisches Feindbild, nämlich „das zu seltene Wechseln der Zahnbürsten“. Jetzt ist also die alte Zahnbürste, die schon längst ausgewechselt werden müsste, der neue Feind in der Kommunikation.

Drei wichtige strategische Punkte

Aber man sollte speziell auf drei Punkte achten, wenn man auf diese Strategie des strategischen Feindbilds setzt:

(1) Der strategische Feind sollte groß sein und damit das mögliche Marktpotenzial widerspiegeln.

(2) Der strategische Feind sollte in den Augen der Kunden präsent und relevant sein.

(3) Der strategische Feind sollte sich nur schwer gegen die eigene Idee wehren können.

Speziell der erste Punkt ist von größter Bedeutung. Man sollte nie ein kleineres Feindbild medial wichtiger machen. Und aus dieser Warte betrachtet könnte diese so ausgelöste Veggie-Burger-Debatte zum echten Bumerang für die Fleisch- und Wurstindustrie werden. Alleine die aktuellen Schlagzeilen zeigen nicht nur das enorme PR-Potenzial für die Veggie-Szene, sondern auch das Risiko, dass sich die Fleisch- und Wurstindustrie gemeinsam mit dem europäischen Parlament in der Öffentlichkeit lächerlich macht.

Aufgelegter Elfmeter für die Veggie-Szene

Aber speziell die Erzeuger von diesen Fleischersatzprodukten könnten gemeinsam mit deren PR- und Werbeagenturen das auch als Vorlage für kreative Kampagnen nutzen, um dieses PR- und Werbepotenzial mit Sprachwitz zu verstärken. Das gilt speziell auch für den Zeitraum, in dem man mit Sicherheit noch diese Begriffe wie Burger, Schnitzel oder Wurst in der EU verwenden darf.

Zudem könnte man aber auch Verbündete ins Boot holen, die generell den zu hohen Fleisch- und Wurstkonsum anprangern. Das könnte dann zu Headlines wie diesen führen:

Veggie-Debatte: Ernährungsexperten warnen vor zu hohem Fleischkonsum

Themenverfehlung Veggie-Debatte: Ärzte sprechen sich gegen zu viel Fleisch und Wurst aus

Veggie-Burger im EU-Parlament: Mehr Umweltschutz statt Fleischkonsum

Hier könnte aktuell die Veggie-Lobby klar überlegen, wie man diese Debatte neu und anders fortsetzen könnte. Credo dabei: Statt über Namen zu diskutieren, sollte sich das EU-Parlament mit Gesundheit und Umwelt aus Ernährungssicht beschäftigen.

Potenzieller PR-Dauerbrenner

Was zudem der Veggie-Szene aus PR-Sicht sehr entgegen kommt, ist, dass sich jetzt alle EU-Länder mit dieser Thematik beschäftigen müssen. Damit wird das Ganze auch Land für Land zu einem echten PR-Dauerbrenner werden. Das wird zu mehr Polarisierung und zu sehr viel mehr Gratiswerbung für Fleischersatzprodukte führen.

So gesehen könnte diese Diskussion für den Veggie-Markt ein echter Kommunikationsturbo werden. Und dazu noch ein Punkt: Sollte es so der Fleisch- und Wurst-Namenslobby gelingen, dass man den Veggie-Produkten 5 Prozent Marktanteil wegnimmt, dann gewinnt man fast nichts dazu. Wenn aber diese Diskussion dazu führt, dass Fleisch und Wurst 5 Prozent Marktanteil verlieren, dann wären die Veggie-Produkte ganz große Gewinner.

Fazit oder eine strategische Lektion

Die Strategie des strategischen Feindbilds ist, wenn man es strategisch geschickt macht, ideal für Davids, die einen Goliath angreifen. Goliaths sollten mit dieser Strategie sehr vorsichtig sein, vor allem sollte man nie einen David so angreifen, dass man diesen in der Wahrnehmung und am Markt wichtiger macht. Zudem sollte man als Goliath tunlichst bedacht sein, nicht der unsympathische Böse zu werden.

Erschien im Original auf Horizont.net

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Rückläufiger Markt: die logische und die vermeintlich unlogische Markenreaktion

Noch Anfang der 1990er Jahre lag der Bierkonsum in Deutschland bei rund 140 Litern pro Kopf pro Jahr. 2024 sah dies ganz anders aus. Dazu hieß es am 22. Juli dieses Jahres auf Tagesschau.de: „In Deutschland wurden 2024 noch 88 Liter Bier pro Kopf getrunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es 20 Jahre zuvor 112 Liter und vor 30 Jahren gar 133 Liter.“

Gegen den Rückgang ankämpfen

Die aus Managementsicht oft logische Reaktion darauf dürfte klar sein. Wenn die Menschen weniger Bier trinken, müssen wird diese mit mehr neuen Sorten wieder animieren. Dazu vermeldete Tagesschau.de: „Die Brauereibranche versucht gegenzusteuern. Immer mehr milde und erfrischende Sorten ergänzen die Richtungen „Export, Pils und Alt“ früherer Biertrinker-Generationen. Der Deutsche Brauerbund versucht, Bier als modernes Getränk für flotte Menschen zu verkaufen. Er wirbt mit gepflegten Städterinnen, die miteinander fröhlich Bier trinken. Biersommeliers sollen dem Getränk ein kultiviertes Image verschaffen.“

So werden die Marken aber immer breiter und breiter und damit letztendlich austauschbarer. Damit stellt sich aber eine ganz andere Frage: „Warum muss man neue Biersorten mit Kategoriepotenzial unter alten Markennamen positionieren?“ Anders ausgedrückt: Sollte man nicht bei den bestehenden Marken weiterhin auf Tradition setzen und zudem neue Bierkategorien und mit neuen Marken bauen?“

Von MiXery und Athletic Brewing lernen

Genau das tat die Karlsberg Brauerei Mitte/Ende der 1990er Jahre. So schuf man für die modernen Biermischgetränke eine neue Marke, nämlich MiXery. Heute ist MiXery in Deutschland die Nr. 1 bei Biermischgetränken, während die Marke Karlsberg eine eher regionale Marke geblieben ist. Natürlich hätte man das Ganze auch Karlsberg Mix nennen können. Nur dann hätte man nicht nur die Marke Karlsberg verwässert, es hätte bald auch sicher ein Warsteiner Mix, Bitburger Mix oder ein Jever Mix gegeben. Und jedes Mix hätte im Revier der eigenen Stammkunden gejagt.

Oder nehmen Sie den amerikanischen Biermarkt, in dem die Käufer längst den Überblick über den Biermarkt verloren haben. Hier ist auf einmal die Start-up-Marke Athletic Brewing die Nummer 1 bei alkoholfreien Bieren mit einem Marktanteil von 19 Prozent. Athletic Brewing ist keine weitere Markendehnung einer traditionellen Biermarke, sondern ein neuer Name für eine neue Generation von Biertrinkern. War noch 2023 Heineken 0.0 der Marktführer bei alkoholfreien Bieren in den USA, musste man mittlerweile diese Position an Athletic Brewing abtreten. Dahinter kommen dann noch weitere Marken wie Budweiser Zero oder Busch NA. (Dabei wurde die Athletic Brewing Company erst im Jahr 2017 von den beiden sportbegeisterten Gründern Bill Shufelt und John Walker gegründet.)

Gegen die allgemeine Logik

Aus Markensicht empfiehlt es sich immer und immer wieder, dass man zuerst die allgemein-gültigen Regeln einer Branche studiert, um dann zu überlegen, ob und wie man diese gekonnt brechen kann. So mag es für viele unlogisch erscheinen, dass man in einem rückläufigen Markt auf eine neue Marke für einen dort wachsenden Teilmarkt setzt, statt diesen mit einer weiteren Markendehnung der bekannten Traditionsmarke zu bedienen.

Aber eines ist klar: Wer erfolgreich Regeln bricht, stellt neue Regeln auf. So gesehen könnte wenigstens eine deutsche Brauerei auf eine neue jugendliche Marke für alkoholfreies Bier setzen, statt die nächste Markendehnung zu probieren, die wiederum maximal als eine weitere Markendehnung unter vielen gesehen wird.

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BYD versus Tesla oder ein Gedankenspiel aus Marken- und vor allem Positionierungssicht

Über Jahre war der Nissan Leaf das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Nur übersah man es aus Markensicht bei Nissan, dass man auch die führende Position in den Köpfen der Kunden einnahm. So wurde der Nissan Leaf maximal als Elektroautomodell von Nissan gesehen.

Die Genialität von Elon Musk

Genau diesen Fehler von Nissan nutzte Elon Musk brillant, um Tesla als das Elektroauto zu positionieren. Obwohl man weniger Elektroautos als Nissan verkaufte, eroberte man frühzeitig die Elektroauto-Position in den Köpfen der Kunden. So wurde man mit den Modellen S, X and dann auch E als der Vorreiter und Marktführer gesehen.

Gleichzeitig aber positionierte man sich so aufgrund der Modelle mental auf Augenhöhe mit Mercedes, BMW, Audi, Volvo oder Lexus. Damit war aber auch klar und logisch nachvollziehbar, dass man damit Raum für potenzielle Mitbewerber macht. So kann keine Marke, speziell keine Automarke auf Dauer jeden ansprechen. Wie es aktuell aussieht, nimmt diese Massenmarktposition jetzt global BYD ein. Nur damit sollte man bei Tesla klar überlegen, wie man sich in Zukunft genau positioniert.

Ein Rückblick ins Jahr 2016 …

Dazu schrieb ich am 28. Februar 2016, also vor fast 10 Jahren an dieser Stelle: „Wenn man heute einen Blick auf den traditionellen Automarkt wirft, haben wir eine große Vielfalt an Marken, Autokategorien und auch an Antriebssystemen. So haben wir alleine europäische Marken wie Audi, BMW, Citroen, Dacia, Fiat, Mercedes-Benz, Opel, Peugeot, Porsche, Renault, Seat, VW oder Volvo. Gab es früher Limousinen, Coupes, Kombis und Geländewagen, haben wir heute zusätzlich alle Arten von Vans, SUVs und sonstigen Crossover-Varianten, die natürlich entweder mit Benzin, Diesel oder Hybrid betrieben werden.“

Und weiter: „Diese Entwicklung haben wir in jedem Markt: Im Laufe der Zeit werden Märkte durch neue divergierende Innovationen, also durch Innovationen, die von der Norm abweichen, immer vielfältiger und ausdifferenzierter. Ganz anders im Markt für Elektromobilität. Hier haben wir aktuell aus Markensicht Tesla und ein paar andere Anbieter. Nur wenn sich die Elektromobilität im Automarkt durchsetzen sollte, wird auch dort die Vielfalt Einzug halten. Dies sollte man vor allem bei Tesla bereits heute bedenken, um sich zu überlegen, welche Position man langfristig bei Elektroautos einnehmen möchte.“

… und eine Positionierungsempfehlung für Tesla

Aufgrund dieser Analyse empfahl ich damals das Folgende: „Nur damit könnte sich Tesla auch überlegen, gegen wen man sich am besten im traditionellen Automarkt positionieren sollte. Meine Wahl würde dabei auf BMW und Audi fallen, denn beide werden global jünger und sportlicher als Mercedes-Benz oder auch Lexus wahrgenommen. So könnte sich Tesla in Anlehnung an den BMW-Slogan „The ultimate driving machine“ als „The e-driving machine“ positionieren, um so eine neue elektrische Art der Fahrfreude zu schaffen.“

Das würde auf der einen Seite erfordern, dass man die Marke ganzheitlich auf diese Positionierung ausrichtet. Auf der anderen Seite müsste man auch aufpassen, wo genau man die eigene Preisgrenze nach unten setzen sollte, um nicht zu günstig für diese Positionierung zu werden. Aber eines ist klar: Tesla wird aktuell als exklusiver und sportlicher als BYD oder andere chinesische Elektroautomarken wahrgenommen. Diese Stärke sollte man unbedingt nutzen, um das eigene Markenterrain in der Wahrnehmung und am Markt klar abzustecken.

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Der strategische Feind: Was man von Sodastream, Gustavo Gusto, Dacia und Dr. Best lernen kann

Letzte Woche ist das neue Buch „The Strategic Enemy“ von Laura Ries in den USA erschienen. Darin geht es darum, wie man eine Marke baut und positioniert, für die es sich zu kämpfen lohnt. Das ist ein extrem wichtiger Gedanke, der gerne bei der Markenpositionierung vergessen wird. Es geht nicht nur darum, dass man eine Position findet. Es geht darum, dass man diese Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr wichtiger macht. Dazu vier Beispiele:

Sodastream (Der Feind „Das Schwereschleppen“)

Viele denken vielleicht spontan beim Begriff „Strategischer Feind“, dass es darum geht, einen Konkurrenten wie etwa beim „Dirty Campaigning“ in der Politik schlecht zu machen. Nur genau darum geht es bei diesem Konzept nicht. Es geht darum, einen mentalen Aufhänger zu finden, an dem die eigene Marke wachsen kann. Das kann natürlich der Mitbewerb sein, das kann aber auch eine Idee oder ein Konzept sein oder es kann auch eine Alltagstätigkeit sein.

Für Sodastream war dies etwa das schwere Kistenschleppen. Der Slogan „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen!“ brachte diesen Ansatz nicht nur perfekt auf den Punkt, sondern positionierte Sodastream auch klar als den führenden Wassersprudler. So sollte man speziell auf drei Punkte achten, wenn man einen strategischen Feind für die eigene Marke auswählt:

(1) Der strategische Feind sollte groß sein und damit das mögliche Marktpotenzial widerspiegeln.

(2) Der strategische Feind sollte in den Augen der Kunden präsent und relevant sein.

(3) Der strategische Feind sollte sich nur schwer gegen die eigene Idee wehren können.

All diese drei Punkte treffen mit Sicherheit auf das schwere Kistenschleppen zu. Ad 1) Viele tun es. Ad 2) Viele tun es (bewusst) ungern und ärgern sich vielleicht sogar dabei. Ad 3) Die Getränkeindustrie, die in Flaschen abfüllt, kann dies auch nicht wirklich ändern.

Gustavo Gusto (Der Feind „herkömmliche Fertigpizza“)

Bei Gustavo Gusto wiederum wählte man die direkte Konkurrenz im Supermarkt als den einen strategischen Feind. So hieß es etwa in einem typischen Werbespot der Marke: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“

Damit repositionierte man einmal den Mitbewerb subtil als weniger gut, bevor man dann die eigene Position als „Die Premium-Tiefkühlpizza“ etablierte. Wesentlich waren hier dann am Point of Sale drei Punkte, die das alles glaubwürdig machten: (1) Die großen Pizzaschachteln. (2) Die Botschaften auf den Pizzaschachteln wie „Eine echte Steinofenbarung“, „Wir nehmen nur Mozzarella, alles andere ist Käse“ oder „Die Salami ist vom Rind. Der Geschmack vom Feinsten“. (3) Der deutlich höhere Preis im Vergleich zum Mitbewerb.

Dacia (Der Feind „Statussymbole“)

Brillant in diesem Kontext des strategischen Feinds war auch die frühere Werbung von Dacia mit Fußballstar Mehmet Scholl. So zeigten die Spots klar auf, dass Dacia das Statussymbol für all jene war, die kein Statussymbol brauchten. Mit dieser Anti-Status- Positionierung, die so mit Scholl über 10 Jahre lief, etablierte man die Marke erfolgreich in Deutschland.

Aber auch hier der wesentliche Punkt: Man wurde so nicht als ein weiteres günstiges Auto wahrgenommen, sondern man schuf sich so eine mentale Sonderstellung unter den günstigen Automarken. Gleichzeitig zeigte man so sympathisch auf, dass nicht alle Menschen beim Thema Auto ein Statussymbol brauchen.

Dr. Best (Der erste Feind und der zweite Feind)

Dr. Best, eines meiner Lieblingsbeispiele für eine erfolgreiche Markenpositionierung, stieg mit dem strategischen Feind „starre Zahnbürste“ zum Marktführer bei Handzahnbürsten auf. Es war der perfekte Feind, um die Vorteile einer nachgebenden Zahnbürste für Zahnfleisch und Zähne zu positionieren.

Heute, als Marktführer hat man einen neuen strategischen Feind, nämlich „das zu seltene Wechseln der Zahnbürsten“. Jetzt ist also die alte Zahnbürste, die schon längst ausgewechselt werden müsste, der Feind. Das zeigt aber auch sehr schön, dass nicht nur der strategische Feind gewechselt werden kann und sollte, es zeigt vor allem auch, dass ein Marktführer anders denken und handeln sollte als ein Nicht-Marktführer. Als Herausforderer hat Dr. Best den „starren Status Quo“ erfolgreich repositioniert, jetzt als Marktführer versucht man den Markt in Summe durch häufigeres Wechseln der Zahnbürste größer zu machen.

Was Radeberger daraus lernen könnte

Wofür steht aktuell die Marke Radeberger? Wissen Sie warum, es gerade ein Radeberger Pilsener und kein anderes Bier sein sollte? Aktuell lautet der Slogan der Marke „Auf die Leidenschaft“. Aber gibt es wirklich eine „leidenschaftliche Bierposition“ in den Köpfen der Kunden? Und entsteht echte Markenemotion alleine dadurch, dass man versucht, die eigene Werbung zu emotionalisieren?

All diese Fragen sollte man sich neben einer anderen Frage bei Radeberger stellen und diese eine andere Frage lautet: „Wer könnte der eine strategische Feind von Radeberger sein?“ Meine Antwort aus Markensicht darauf: Die Vielzahl der deutschen Brauereien. So gibt es in Deutschland, auch wenn die Zahl rückläufig ist, weit über 1.000 Brauereien. Genau hier müsste man bei Radeberger ansetzen, um die eigene Pilsbier-Tradition in Relation zum Mitbewerb zu positionieren.

Fazit: Alleine die Frage nach dem strategischen Feind der eigenen Marke, kann einem in Strategiemeetings gänzlich neue Perspektiven für die eigene Marke und die eigene Markenpositionierung aufzeigen. Und genau das kann den großen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

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Wettbewerbsfähigkeit oder warum Innovation und Qualität alleine zu wenig sein können

Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse am 16. August 2025 berichtete, steht es nicht gut um die Wettbewerbsfähigkeit von Österreich, speziell wenn es um Innovation, Qualität und die Durchsetzung höherer Preise am Markt geht. So liegt man aktuell im globalen Innovationsindex 2024 nur auf Platz 17 und damit weit abgeschlagen hinter doch vergleichbaren Ländern wie der Schweiz (Platz 1), Schweden (2), Finnland (7), Niederlande (8) oder Dänemark (10).

Der übersehene dritte Faktor

Interessant dabei ist, dass es, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit und um das Wertschöpfungspotenzial in Managementkreisen geht, vorrangig um Innovation und Qualität geht. Übersehen wird dabei gerne, dass es noch einen dritten ganz wesentlichen Faktor gibt, der für nachhaltige Wertschätzung und Wertschöpfung sorgt, nämlich der Faktor „Marke“.

Diese Wertschöpfungskraft der Marke bestätigt auch eine Studie von Biesalski & Company aus dem Jahr 2023: So haben starke Consumer-Marken ein Preis-/Mengenpremium von 20,0 Prozent, starke Business-to-Business-Marken von 10,4 Prozent. Alleine diese Zahlen sprechen klar dafür, dass es beim Thema Wettbewerbsfähigkeit nicht nur um die harten Fakten, sondern vor allem auch um die Wahrnehmung aus Kunden- bzw. Abnehmersicht geht.

Das Zusammenspiel entscheidet

Entscheidend dabei ist aber das Zusammenspiel von Innovation und Marke. Viele Innovationen gehen heute in der Menge der Innovationen unter. So geht es nicht nur darum, dass Unternehmen innovativ sind, sondern vor allem darum, dass man diese Innovation bestmöglich in der Wahrnehmung der Kunden und damit am Markt als führende Marke positioniert.

Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Amazon die erste Internetbuchhandlung dieser Welt. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war der iPod von Apple der erste MP3-Player mit Harddisc dieser Welt, auf dem 1.000 Lieder Platz hatten. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Tesla der alleinige Vorreiter in der Elektromobilität. Das ist die allgemeine Wahrnehmung.

Nur in der Realität war Powells.com vor Amazon bereits eine Interbuchhandlung. Nur in der Realität war die Creative Nomad Jukebox der erste MP3-Player mit Harddisc, der über 1.000 Lieder speichern konnte. Nur in der Realität war der Nissan Leaf über Jahre das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Nur schafften es weder Powells.com, noch Creative Technology, noch Nissan diese Innovationen zu nutzen, um damit starke Marken zu bauen.

Was Peter Drucker bereits 1954 wusste

Das heißt: Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Durchsetzungskraft höherer Preise sind Innovation und Qualität alleine zu wenig. Entscheidend ist auch vor allem das richtige Branding und Marketing. Nicht umsonst schrieb Managementlegende Peter Drucker bereits 1954 folgende Zeilen: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: marketing and innovation. Marketing and innovation produce results; all the rest are costs.“ Heute würde er wahrscheinlich ein Wort ändern und schreiben: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: branding and innovation. Branding and innovation produce results; all the rest are costs.“

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Der Altar der Vergangenheit und ein fiktives Meeting der Kutschen- und Hufschmiedeindustrie

Das 20. Jahrhundert hat gerade begonnen und noch regiert der Kaiser in Österreich. Am Horizont taucht mit der „Motorkutsche“ eine neue Technologie auf. Aus diesem Grund treffen sich in Wien die Vertreter der österreichischen Kutschenindustrie und die Vertreter der österreichischen Hufschmiedeindustrie. Dabei kommt es dann zu folgendem fiktiven Gespräch, das so fiktiv für die Nachwelt protokolliert wurde:

Das Protokoll zu diesem Gedankenaustausch

Teilnehmer A: „Immer mehr dieser studierten Experten glauben, dass diese Motorkutschen, also diese sogenannten Automobile die Zukunft der persönlichen Mobilität werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Treffen einberufen, um über die Zukunft unserer Industrien zu diskutieren und die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Teilnehmer B: „Ich habe immer schon gesagt, dass diese Studierten keine Ahnung von der Praxis haben. Nehmen Sie so ein Automobil und versuchen Sie damit von Wien nach Linz zu kommen. Unmöglich! Mit einer Tankfüllung kommen Sie nicht weit. Zudem finden Sie keine Möglichkeit zum Nachtanken, wenn sie diese brauchen und wahrscheinlich haben Sie zudem auch einen Motorschaden. Das mag vielleicht in Städten für ein paar „Auserwählte“ funktionieren, aber nie für die Masse. Wer heute von Wien nach Linz will, muss die Eisenbahn oder eine Kutsche nehmen. Punkt!“

Teilnehmer C: „Ganz richtig. Und bedenken Sie, dass es wahrscheinlich viel zu wenig von diesem Treibstoff gibt, um wirklich damit einmal Massen zu bewegen. Das ist alles Utopie. Umso erschreckender finde ich, dass es angeblich auch in unseren Reihen „Spinner“ gibt, die auf diese Technologie setzen wollen. Es ist einfach verrückt.“

Teilnehmer B: „Und die Umweltverschmutzung! Haben Sie schon einmal so eine Erdölbohrstation besucht. Das stinkt, verschmutzt extrem die Umgebung und ist auch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Alleine deshalb hat das alles keine Zukunft. Und auch die Autos selbst stinken furchtbar und sind zudem unangenehm laut. Hier sollte auch der Gesetzgeber klare Grenzen ziehen. Im Gegensatz dazu sind unsere Pferde eine echte Bereicherung für die Natur und den Umweltschutz. Und das bisschen Rauch aus den Schmieden kann man klar vernachlässigen.“

Teilnehmer A: „Trotzdem sollten wir die technologischen und politischen Weichen für die Zukunft unserer Industrien heute schon vorausschauend stellen. Dazu möchte ich drei Punkte in den Raum bzw. auf die Tagesordnung stellen:

(1) Wir sollten eine Pferde-Motor-Kutsche entwickeln, um beide Technologien perfekt mit einander zu verbinden. Damit bekommen unsere Pferde auch immer wieder eine Ruhepause und können hinten einfach angehängt mittrotten. Zudem kann uns niemand mehr so vorwerfen, dass wir der Technologie im Wege stehen. Ganz im Gegenteil: Wir sind die, die wirklich technologie-offen sind.

(2) Wir sollten unbedingt mit dem Kaiser sprechen, dass unsere beiden Industrien politisch und wirtschaftlich heute und in Zukunft nachhaltig unterstützt werden. Wir sind ein echtes, wichtiges und unverzichtbares Rückgrat dieser Wirtschaft. So werden wir auch in Zukunft sehr viel mehr Menschen beschäftigen als diese dubiosen Motorkutschen-Produzenten. Nur so kann sichergestellt werden, dass unsere Wirtschaft auch in den nächsten Jahrzehnten funktionieren wird.

(3) Wir sollten diese Art von Treffen unbedingt auch auf europäischer Ebene veranstalten. Europa muss ein Kutschen- und Hufschmiede-Kontinent bleiben. Das ist unsere Zukunft und die Zukunft unseres Kontinents im Welthandel.“

Peter Drucker und der Alter der Vergangenheit

Natürlich ist das Ganze rein fiktiv. So hat natürlich diese Art von Meeting weder damals noch heute – etwa in einer anderen Industrie – stattgefunden. Was weniger fiktiv ist, ist, dass immer wieder Unternehmen und auch Volkswirtschaften in disruptiven Märkten die Vergangenheit überschätzen und die Zukunft unterschätzen.

Das gilt speziell dann, wenn man eine sehr ausgereifte Technologie mit einer neuen Technologie vergleicht, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Nicht umsonst wurde Managementdenker Peter Drucker nicht müde zu erklären, dass viele Unternehmen ihre Zukunft auf dem Altar der Vergangenheit opfern.

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