Marken in der Glaubwürdigkeitsfalle

Wenn man heute an Markenkommunikation denkt, denken viele spontan an Emotionen, Kreativität, Auffallen und natürlich auch den berühmten USP, also die Unique Selling Proposition. Übersehen wird dabei gerne aber ein Faktor, der ganz wesentlich für den Erfolg einer Marke und damit auch den Erfolg der Markenkommunikation ist.

Der Faktor „Glaubwürdigkeit“

Dazu schrieben Al und Laura Ries bereits 1998 in ihrem Buch „Die 22 unumstößlichen Gebote des Branding“: „Viele Unternehmen schicken ihre Brandingprogramme mit buchstäblich null Empfehlung auf den Weg. Wenn Sie Inserate durchblättern oder Werbespots im Fernsehen anschauen, überbieten sich die Unternehmen mit ihrer  schier endlosen Parade nichtssagender Produktvorteile. Schmeckt super, spart Geld, macht die Zähne weiß, problemlos zusammenzubauen, größer, kleiner, leichter, schneller, billiger. Obwohl viele dieser Leistungsmerkmale für Käufer von Interesse sind, mangelt es an Glaubwürdigkeit, und so werden diese im allgemeinen ignoriert.“

Die klassische Kundenreaktion ist dann: „Das sagen doch alle.“ Das heißt aber auch. Man sollte nicht nur den einen Vorteil einer Marke kommunizieren, man sollte sich unbedingt überlegen, wie man verbal und visuell die eigene Glaubwürdigkeit unterstreicht. Duracell glaubte man die Aussage „Hält entscheidend länger als herkömmliche Zinkkohle-Batterien“, weil Duracell verbal klarstellte, dass man die eine Alkalibatterie ist, und weil man den Vorteil visuell mit rosa Häschen eindrucksvoll dramatisierte.

Autos und Sicherheit

Viele Automarken haben in den letzten Jahrzehnten das Thema Sicherheit in Kampagnen beworben. Und Sicherheit ist mit Sicherheit auch ein wichtiger Nutzen. Deshalb gibt es etwa auch den allseits anerkannten NACP-Crashtest, bei dem immer mehr Automodelle die 5 Sterne erreichen.

Nur wenn etwa Renault, Toyota oder auch VW mit dem Thema Sicherheit werben, hat das nicht dieselbe Kraft wie eine Volvo Werbung mit dem Thema Sicherheit. Bei Volvo wird so die gelernte Position in den Köpfen der Kunden verstärkt, bei anderen Automarken ist das mehr oder weniger eine weitere nette Werbebehauptung.

Wahrnehmung versus Realität

Das Spannende: Dabei geht Volvo nicht immer klar als objektiver Testsieger hervor, aber in der Wahrnehmung steht keine andere Marke so für Sicherheit. Der Grund dafür: Volvo startete das Thema Sicherheit nicht einfach als Werbebehauptung, sondern mit der Erfindung des 3-Punkt-Sicherheitsgurtes, den man 1959 auf der IAA in Frankfurt vorstellte. Damit hatte man eine glaubwürdige Basis, die man später vor allem mit dem Design der Autos und vielen weiteren Sicherheits-Features in der Wahrnehmung und im Gedächtnis des Marktes weiter ausbaute.

Wenn Sie also heute über Ihre Markenkommunikation nachdenken, sollten Sie nicht nur überlegen, wie wichtig den Kunden der beworbene Vorteil ist, sondern ob dieser auch von den Kunden geglaubt wird. Es mag kreativ sein und es mag auch emotional sein, wenn Radeberger mit „Auf die Leidenschaft“ wirbt. Aber ist Radeberger wirklich „leidenschaftlicher“ als andere Pilsbiermarken in der Wahrnehmung und kann man es jemals werden? (Vielleicht sollte Radeberger stattdessen mit der Original-Position als erste deutsche Brauerei werben, die nach Pilsener Art braute?)

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Bahlsen: Das Redesign vom Redesign und eine doppelt verpasste Chance

Am 24. Juli 2023, also vor nicht ganz zwei Jahren schrieb ich folgende Zeilen an dieser Stelle: „Vor zwei Jahren [also 2021] präsentierte Bahlsen das komplette Redesign der Marke. Dazu erklärte der damalige Unternehmenschef Phil Rumbol: „Wir brechen absichtlich die Regeln des Verpackungsdesigns.“ Nur die Folgen dieses Regelbruchs dürften anders als erwartet ausgefallen sein. Dazu vermeldete aktuell Lebensmittel Zeitung: „Bahlsen bringt ein neues Verpackungsdesign auf den Markt. Seit einem Relaunch 2021 kämpft der Süßwarenhersteller mit Rückgängen. Nun soll die erneute Repositionierung der Marke zum Befreiungsschlag werden.““

Später Befreiungsschlag

Damals dachten wohl die meisten Markenexperten, meine Person eingeschlossen, dass man noch 2023 ein neues Design präsentieren würde. Aber das war eine glatte Fehlannahme. So konnte man erst kürzlich folgende Zeilen lesen:

„Erneuter Marken-Relaunch: Mit diesem neuen Design will Bahlsen die Keks-Kritiker verstummen lassen“ (Horizont Online)

„Bahlsen vollzieht das Redesign des Redesigns“ (W&V Online)

„Markenrelaunch

„Bahlsen bringt neues Design ins Regal“ (Lebensmittelzeitung Online)

Wenn man sich das neue Design ansieht, dann handelt es sich um einen klassischen Rückzieher, um Fehler der Vergangenheit gut zu machen.

Zwei verpasste Chancen

Nur genau damit hat man aus Markensicht zwei Chancen vertan.

  • Man hätte basierend auf dem Design von 2021 einen echten Designrelaunch machen können, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. So wird man wahrscheinlich in den nächsten Jahren wieder an der Designschraube drehen.
  • Man hätte das Ganze wirklich als einen echten Markenprozess inszenieren können. Statt wie jetzt einfach ein Redesign vom Redesign zu verkünden, hätte man mit einer Sonderedition 2025 starten können, um dann Schritt für Schritt basierend darauf die Marke in Summe zu redesignen.

Dazu schrieb ich damals: „So könnte man das erneute Redesign etwa mit einem Leadprodukt starten und dann gekonnt Schritt für Schritt einführen. Viele Marken zerstören selbst ihr Inszenierungs- und Dramatisierungspotenzial, weil man alles auf einmal machen möchte.“ Gleichzeitig hätte man so auch die Chance nutzen können, die Marke auch wieder stärker verbal zu positionieren.

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Mercedes CLA: Mehr neue Klasse als die Neue Klasse (von BMW)

Sowohl Mercedes als auch BMW befinden sich aktuell in einer Phase der Transformation. Dies spiegelt sich aktuell auch in den Medienberichten wider. Bei BMW steht dabei die sogenannte Neue Klasse im Mittelpunkt, bei Mercedes das Modell CLA.

Das Medien-Duell

Dazu hieß es etwa auf Autobild.de am 13. März 2025: „Alles neu. Mit dem Mercedes CLA verspricht Mercedes-CEO Ola Källenius nicht weniger als „eine neue Ära“. Im Interview spricht Källenius über reelle Reichweiten, Spitzen-Tempo, das brandneue Betriebssystem MB.OS und eine vertiefte Zusammenarbeit mit Google sowie autonomes Fahren und den neuen Vierzylinder-Motor aus China.“ Und auch auf Horizont Online sprach man am 18. März dieses Jahres ebenfalls von einer neuen Ära bei Mercedes-Benz.

Aber auch bei BMW klingen die Ankündigungen und damit die Medienberichte nicht sehr viel anders. Dazu hieß es etwa in der FAZ über die Neue Klasse von BMW bereits im Juni 2024: „Modelloffensive: BMW geht in die Vollen.“ Und weiter: „Die Bayern wollen fit für die neue Antriebsära werden. Von den Elektroautos der „Neuen Klasse“ bringen sie gleich acht Versionen auf den Markt. Drei Modelle sind nur für den chinesischen Markt bestimmt.“

BMW selbst vermeldet zur Neuen Klasse vollmundig: „Aufbruch in eine neue Ära der individuellen Mobilität: Mit der Neuen Klasse zeigt BMW, wie die Freude am Fahren in der Zukunft interpretiert wird. Dabei immer und mehr denn je im Mittelpunkt: der Mensch. Hier erfahren Sie, woher die Neue Klasse kommt und welche Konzept- und Visionsfahrzeuge ihr den Weg bereitet haben.“

Schlüsselfaktor Fokus

Bereits einmal konnte BMW mit der sogenannten Neuen Klasse voll punkten. Das war in den 1960er Jahren, als die Neue Klasse, vor allem das damalige Leadmodell BMW 1500 die Marke und den Konzern nicht nur neu ausrichtete, sondern die Basis für den Erfolg von heute legte. Daran möchte BMW wahrscheinlich jetzt anschließen.

Nur aus Markensicht betrachtet, entspricht die aktuelle Markenstrategie von Mercedes sehr viel mehr der Neuen Klasse als die von BMW. Der Grund: Mit dem CLA hat Mercedes-Benz einen klaren Fokus, während bei BMW die Gefahr besteht, dass die bereits angekündigte Modellvielfalt die Idee der Neuen Klasse mehr verwässert als lebt.

Kunde versus Manager

Manager leben in der Regel in einer Welt des Mehrs. So wirkt im Konferenzraum sicher eine groß angekündigte Modelloffensive mit 8 neuen Versionen bombastischer als der Fokus auf nur ein Modell. Nur aus Kundensicht sieht das Ganze ganz anders aus. Kunden sitzen nicht stundenlang in einem Konferenzraum, in dem es im Großen und Ganzen nur um eine Marke geht. Kunden leben in einer Welt des Überflusses, in der es vor allem auch aus Sicht der Wahrnehmung viel zu viel gibt.

Und genau hier im mentalen Kontext schlägt in der Regel die eine konkrete Idee, oft total fokussiert auf ein Produkt, die großen Modelloffensiven, die meist in der Menge der Modelloffensiven untergehen. Das Geniale an der Neuen Klasse von BMW in den 1960er Jahren war der klare Fokus auf den BMW 1500 und damit auf eine zentrale Baureihe. Dieses Modell legte verbal und visuell die Basis. Genau dieser Fokus dürfte BMW jetzt aber abgehen, wenn man den diversen Ankündigungen glauben darf.

Fazit aus Markensicht

Von der Namensgebung her passt natürlich die aktuelle Neue Klasse von BMW mehr zur Neuen Klasse von BMW der 1960er Jahre. Vom Strategiemuster her passt aber der neu angekündigte Mercedes CLA sehr viel besser zur Neuen Klasse von BMW der 1960er Jahre. So gesehen könnte dieses Markenduell klar an Mercedes-Benz gehen.

Generelles PS dazu: Aber selbst wenn Mercedes jetzt dieses Markenduell gegen BMW gewinnt, bleibt die Frage offen, ob es der westlichen Automobilindustrie in Summe gelingt, die aktuelle Transformation in Richtung New Energy Vehicle global zu meistern. Die Kernfrage dabei: Wollen die Zielgruppen der Zukunft weiterhin ein vollwertiges (elektrifiziertes) Auto unter einer bewährten und ewig bekannten Marke, wie viele von uns es aktuell verstehen, oder lieber ein Smartphone auf Rädern unter neuen Marken, die dann wirklich dafür stehen?

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Neuer Slogan: Checken Sie zuerst die eigene Markenhistorie

Zufall oder nicht? Letzte Woche konnte man folgende drei Headlines auf Horizont Online lesen: „Coca-Cola bringt legendäre Kampagne „Share a Coke“ zurück“, „Kult-Claim „Otto … find‘ ich gut“ feiert Comeback in den Werbeblöcken“ und „Homann holt Kultslogan mit Ohrwurm-Kampagne zurück“. Wie es scheint entdecken wieder mehr Marken ihre Zukunft in der eigenen Vergangenheit.

Markenschatztruhe Vergangenheit

Nostalgie ist sicher kein Allheilrezept für alle Markenprobleme. Aber speziell wenn es für eine etablierte starke Marke um einen neuen Slogan geht, sollte man zuerst die eigene Markenvergangenheit überprüfen, bevor man den nächsten Kreativprozess startet.

Nehmen Sie Coca-Cola! Mit Sicherheit ist es keine schlechte Idee, dass man die oben erwähnte Kampagne „Share a Coke“ wiederbelebt. Noch besser wäre es aber, wenn man sich bei Coca-Cola auf den einen Slogan rückbesinnen würde, der wirklich die Marke einzigartig in unserer Wahrnehmung positioniert. Das ist natürlich der Slogan „The real thing“.

Dieser Slogan passt nicht nur perfekt zum bereits Gelernten und Gefühlten über Coca-Cola, er würde auch sicherstellen, dass die nächsten Generationen wissen, wer das eine echte und wahre Cola ist. Dazu würde es für Coca-Cola aber Sinn machen, dass man alle Kräfte auf Coca-Cola Classic und Coca-Cola Zero fokussiert. Denn ein Original sollte es maximal in zwei Varianten geben, eine mit Zucker und eine ohne Zucker.

Mehr tun als nur einen Slogan wiederbeleben

Aber auch der Konkurrent Pepsi-Cola hatte früher einen brillanten Slogan, der den Erzrivalen Coke am wunden Punkt traf, nämlich „The choice of a new generation“. Nur in diesem Fall müsste man sehr viel mehr tun als nur diesen Slogan wiederzubeleben. Hier müsste man wirklich an der grundlegenden Markenpositionierung und Markenstrategie arbeiten, um diesem Slogan ein neues Leben einzuhauchen.

Ein sehr guter Kerngedanke dabei wäre, den Fokus der Marke zu verengen. Die logische Fokusverengung wäre natürlich in diesem Fall, auf den Zucker zu verzichten, um nur mehr zuckerfreie Varianten anzubieten. Das würde a) perfekt zur aktuellen Zuckerdiskussion passen und b) Pepsi so wirklich zur Wahl einer neuen Generation machen. Dazu müsste man dann – wahrscheinlich wieder mit aktuellen Superstars als Testimonials – ein starkes Kommunikationsprogramm entwickeln.

Zukunft statt Vergangenheit

Aber keine Angst! Auch wenn es für viele große etablierte Marken Sinn machen würde, die eigene Slogan-Vergangenheit einmal zu durchforsten, bleibt genügend Raum für Kreativität. Denn die meisten Marken dieser Erde haben mit Sicherheit noch nicht den einen Slogan gefunden, der wirklich dauerhaft die Positionierung der Marke in den Köpfen auf den Punkt bringt und verstärkt.

Unverständlich aber ist, wenn Marken etwa wie Skoda einen Slogan wie „Simply clever“ aufgeben. (Oder kennen Sie den aktuellen Slogan von Skoda?) Dieser Slogan brachte und bringt auf den Punkt, wofür die Marke steht. Aber vielleicht möchte man bei Skoda freiwillig diese Position der Marke Dacia überlassen? Nur das wäre aus Markensicht wahrscheinlich alles andere als „simply clever“.

PS 1: Spannend dazu ist auch, was auf der österreichischen Website von Skoda heute immer noch zu finden ist: „Aber der bekannte Slogan „Simply Clever“, der inzwischen ein Synonym für die Marke ist, bedeutet viel mehr als das. Entdecken Sie die „Simply Clever“-Welt“. Vielleicht würde es hier genügen, einfach einmal die eigene Website aufzusuchen.

PS 2: Und auch auf der deutschen Website von Skoda findet man Ähnliches. Hier heißt es: „Simply Clever ist unsere DNA: Simply Clever – das bedeutet nicht nur smarte, praktische „kleine Helfer“. Es ist die gesamte Škoda Philosophie und bestimmt, wie wir an Sie herantreten.“ Vielleicht sollte man auch hier einmal die eigene Website besuchen und studieren, um die eigene DNA auch wieder in die Werbung zu bringen.

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Point of Sale: Achten Sie immer auf die verbale und visuelle Positionierung

Studien zeigen klar, dass immer mehr Kaufentscheidungen erst direkt am Point of Sale fallen. Bei den Händlern dürfte sich dies klar herumgesprochen haben. So achten diese in der Regel speziell auf Regalplatzierungen, Zweitplatzierungen und Aktionen, oft auch unterstützt durch Werbemaßnahmen wie etwa Instore-Radiospots.

Verpackung als Schlüssel zum Erfolg

Nur wenn man heute etwa durch einen Supermarkt geht, dürfte sich die Bedeutung des Point of Sales noch nicht zu vielen Markenartiklern durchgesprochen haben. Drei Indizien dafür:

(1) Keine Positionierung auf der Verpackung: Nur auf ganz wenigen Verpackungen findet man etwa einen Slogan, der zur Positionierung und Differenzierung und zusätzlich zur Verstärkung anderer Werbemaßnahmen beiträgt. So sind etwa Doritos, wenn auch sehr dezent, die große Ausnahme. Hier findet man auf jeder Verpackung die Botschaft „Weltweit Nr. 1 Tortilla Chipsmarke“.

(2) Keine Blockbildung im Regal: Wenn etwa viele rote Coca-Cola-Dosen nebeneinander stehen, dann entsteht eine Art „roter Block“ im Regal. Damit wirkt die Marke in Summe noch größer. Das Gleiche gilt auch für Milka mit der Farbe Lila. Ritter Sport wiederum setzt wie auch Toblerone auf die Form zur Differenzierung. Nur das sind die Ausnahmen von der Regel. Die meisten Verpackungen gehen in der Menge der Verpackung visuell unter.

(3) Kein Storytelling auf der Rückseite: Wenn eine Verpackung groß genug ist, dass man neben den notwendigen Informationen und gesetzlichen Vorschiften noch Platz hat, dann sollte man dort auch die eigene Markengeschichte erzählen. Nur auch das wird in der Regel sträflich vernachlässigt.

So gesehen verschenken aktuell viele Marken enormes Positionierungs- und Differenzierungspotenzial am Point of Sale.

Nicht so spannend wie Werbung

Ein möglicher Grund dafür dürfte sein, dass ein Besuch am Point of Sale nicht so spannend ist, wie die Planung und Mitarbeit an der nächsten analogen oder digitalen Kreativ- oder auch Performance-Kampagne. Nur das könnte sich langfristig als schwerer Fehler erweisen. Werbung sollte nicht Defizite am Point of Sale ausgleichen, sondern der Point of Sale sollte die eigenen Kampagnen verstärken.

Als ich vor einigen Jahren einen Markenartikler bei der grundlegenden Positionierung und darauf aufbauend der Weiterentwicklung der Verpackungen begleiten durfte, war einer der ersten Schritte, dass mein Klient aufgrund meiner Empfehlung den Point of Sale im Konferenzraum nachbauen ließ. Genau das schuf den optimalen Rahmen, um nicht nur die eigene Positionierung zu schärfen, sondern auch allen die Bedeutung des Point of Sales klar zu machen. Denn wenn bis zu 70 Prozent aller Kaufentscheidungen am Point of Sale fallen, dann sollte man aus Markensicht dort wirklich verbal und visuell bestmöglich „performen“.

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Marke versus Nicht-Marke: Das ist hier die Frage

Wann haben Sie das letzte Mal in einem Strategie-, Marken- oder Marketingmeeting mit oder ohne Beratungs- oder Agenturpartner die generelle mentale Ordnung in Ihrem Markt diskutiert und analysiert? Noch nie? Dann sollten Sie jetzt damit starten, um das volle Potenzial Ihrer Marke oder Ihrer Marken zu nutzen.

Zuerst die Marke generell ….

Wann immer man über die zukünftige Ausrichtung der eigenen Marke nachdenkt, sollte man mit dem generellen Markenumfeld aus Kundensicht starten. Für Markenverantwortliche mag die eigene Marke im Zentrum des eigenen Denkens stehen, für die Kunden ist diese in der Regel „nur“ Teil einer Kaufentscheidung.

Das heißt: Zuerst sollte man feststellen, ob der eigene Markt aus Kundensicht geordnet, teilgeordnet oder total ungeordnet ist. Dabei gilt: Je mental geordneter ein Markt ist, desto stärker wirkt das Prinzip Marke generell. Je mental ungeordneter ein Markt ist, desto stärker wirken andere Prinzipien, wie etwa das Prinzip „tiefer Preis“. (Mehr dazu auch in meinem früheren Blog-Beitrag „Drei Arten von Märkten und wo Positionierung wirklich beginnt“ https://brandtneronbranding.com/2021/08/09/drei-arten-von-markten-und-wo-positionierung-wirklich-beginnt/)

… dann spezifisch

Wenn man sich die generelle Bedeutung des Prinzips Marke im eigenen Markt angesehen hat, dann erst sollte man mit der eigenen Marke beginnen. Dazu noch ein wichtiger Punkt: Man sollte sich die generelle Bedeutung der Marke unbedingt auch nach Altersgruppen im eigenen Markt ansehen. So kann es sein, dass es bei den über 60-jährigen eine klare mentale Ordnung gibt, bei den 30- bis 60-Jährigen eine Art „mentale Teilordnung“ gibt, während die jüngeren Generationen überhaupt keine Ordnung mehr wahrnehmen.

Basierend darauf sollte man sich dann folgende Frage stellen: Welchen mentalen Ordnungsbeitrag kann und sollte die eigene Marke heute und in Zukunft leisten. Hier geht es dann, darum, dass man konkret die Positionierung für die eigene Marke heute und in Zukunft festlegt.

Den einen Fokus finden und umsetzen

Wenn man das erste Mal den eigenen Markt so analysiert, wird man nicht nur oft eine komplett andere Perspektive entwickeln, man wird oft auch auf Ideen stoßen, an die man so bisher nie gedacht hat. Entscheidend ist dann, dass man die eine Idee zum Markenfokus macht, von der man glaubt, dass diese den größten Ordnungsbeitrag im Sinne der eigenen Marke und des eigenen Unternehmens dauerhaft leistet. Denn genau so schafft man es, dass die Kaufentscheidung von der Denkabkürzung Marke und nicht von der Denkabkürzung Preis dominiert wird. So einfach in der Theorie. Oft so schwer in der Praxis.

PS: Diese Art von Perspektivenwechsel sollte man aktuell auch unbedingt bei VW machen. So mag das neue Markenmanifest, das man letzte Woche mit einer Panne vorstellte, aus VW-Sicht genial sein. Nur wird es das große Markenproblem von VW nicht lösen. Denn dieses ist, dass man aktuell in zwei mentalen Märkten mit zwei unterschiedlichen mentalen Ordnungen tätig ist. So ist VW in der alten Autowelt eine echte Größe, aber in der neuen, wenn man vielleicht von Deutschland und Österreich absieht, maximal eine Art „Mitläufer“. Ähnliches erlebten Nokia und Kodak! Bei klassischen Mobiltelefonen gab es eine klare mentale Rangordnung, bei der Nokia eindeutig an der Spitze war. Bei Smartphones gab es auch ziemlich schnell eine klare Rangordnung mit iPhone und Samsung Galaxy an der Spitze. Nokia war da nur – wenn überhaupt – ein weiterer Anbieter. Bei Fotofilmen gab es mit Kodak und Fuji eine klare globale Rangordnung. Bei Digitalkameras war Kodak maximal ein weiterer Anbieter. (Dazu auch noch ein Rückblick in das Jahr 2016: https://brandtneronbranding.com/2016/09/04/doppeltes-markenvorbild-tesla-oder-warum-ein-neues-geschaeftsmodell-alleine-zu-wenig-ist/)

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Siegermarken: Zwei ausgewählte psychologische Effekte zum Marken- und Markterfolg

Jack Trout meinte einmal, dass Markenführung und Marketing nichts anderes wären als „angewandte Psychologie“. Damit hat er sicher recht gehabt. In meiner Arbeit bin ich immer und immer wieder speziell auf zwei psychologische Effekte gestoßen, die leider immer noch oft von Markenverantwortlichen unterschätzt werden.

(1) Der Herdentrieb

Menschen entscheiden in vielen Fällen aufgrund der bereits getroffenen Entscheidungen anderer Menschen. Salopp spricht man dabei gerne vom Herdentrieb, wissenschaftlicher ausgedrückt vom Prinzip der sozialen Bewährtheit. Dazu schreibt der amerikanische Psychologe Robert Cialdini: „„Nach diesem Prinzip finden wir heraus, was richtig ist, indem wir zuerst überprüfen, was andere für richtig halten. Insbesondere entscheiden wir auf diese Art und Weise, welche Verhaltensweisen korrekt sind und welche nicht. … Ein Verhalten wird dann als korrekt angesehen, wenn viele andere sich auch so verhalten.“

Genau aus diesem Grund macht es so viel Sinn, wenn man sich als Marktführer oder auch als schnellstwachsende Marke positionieren kann. Erfolg zieht Erfolg an. Speziell auch bei der Darstellung der eigenen Unternehmensgeschichte kann und sollte man diesen Effekt nutzen. Ideal dazu ist auch, wenn man diesen mit Grafiken visuell verstärken kann. Hier lassen Unternehmen immer noch enormes Potenzial liegen, weil man sowohl die Macht der verbalen als auch der visuellen Marktführerschaft unterschätzt.

(2) Der Heiligenschein-Effekt

Wir leben generell gesehen in einer Mehr-ist-mehr-Gesellschaft. Das gilt auch für die Welt der Marken. So werden etwa Markenstatements in vielen Unternehmen immer umfangreicher und wirken so oft auch immer genialer und durchdachter. Nur das, was im Unternehmen oft als „genial“ und „durchdacht“ angesehen wird, überfordert im wahrsten Sinne des Wortes die Welt außerhalb des Unternehmens.

Dazu sollten wir uns einmal den Halo- oder Heiligenschein-Effekt näher ansehen. Dieser besagt: „Wenn eine Marke oder auch eine Person in einem Bereich sehr gut eingeschätzt wird, dann wird diese generell als sehr gut wahrgenommen“ . Das bedeutet aber auch andererseits: „Wenn eine Marke oder auch eine Person versucht, in mehreren Bereichen gleichzeitig als sehr gut eingeschätzt zu werden, wird diese in der Regel nur durchschnittlich eingeschätzt.“

Aus dieser Warte sind die meisten Markenstatements dieser Erde mit Begriffen und Begrifflichkeiten überfüllt. Dazu kommt noch: Es ist relativ einfach ein Markenstatement um einen weiteren Begriff zu ergänzen. Richtig schwierig aber ist es, eine Marke wirklich reduziert auf den Punkt zu bringen. Nicht umsonst meinte Al Ries immer und immer wieder, dass das mächtigste Konzept in der Markenführung ein Wort in den Köpfen der Kunden ist. So bezeichnete er sich selbst über zwei Jahrzehnte als „Focusing-Consultant“.

Zwei Effekte, enorme Wirkung

Speziell in Kombination haben der Heiligenschein-Effekt und der Herdentrieb eine enorme Wirkung. Wie sieht es bei Ihrer Marke aus?

Frage 1 dazu: Haben Sie Ihre Marke wirklich fokussiert auf den Punkt gebracht? Das ist die Basis.

Frage 2 dazu: Nutzen Sie aktuell den Herdentrieb als zentrales Element der Positionierung, unterstützend als Verstärker oder gar nicht?

Heißt: Zuerst sollten Sie den Fokus der Marke auf den Punkt bringen und dann sollten Sie überlegen, wie Sie optimal den Herdentrieb für Ihre Marke einsetzen können. Das gilt für globale Marken, für nationale Marken, aber auch für regionale Marken. Das gilt für B2C genauso wie für B2B. Das gilt für Produkte und für Dienstleistungen. Es gilt für jede Marke, die heute und morgen erfolgreich sein will.

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Dominanz statt Differenzierung oder selbst zum mentalen Maßstab werden

Wenn es um die strategische Ausrichtung von Marken und Unternehmen geht, taucht neben dem Begriff Positionierung so gut wie immer auch der Begriff Differenzierung auf. So heißt es dann etwa: „Wir müssen uns klar vom Wettbewerb differenzieren.“

Differenzierung erfordert einen Maßstab

Nur wenn man sich heute vom Wettbewerb differenzieren möchte, muss man zuerst einmal festlegen, von wem man sich überhaupt unterscheiden möchte. Das heißt aber auch: Man macht jemand anderen zum Maßstab, an dem man sich messen möchte.

Das kann natürlich absolut Sinn machen, wenn man in einer Herausforderer-Position ist. Wenn man heute Burger King ist, macht es Sinn, dass man bei der strategischen Ausrichtung der Marke McDonald’s als Maßstab nimmt. Das Gleiche gilt etwa auch für Pepsi-Cola versus Coca-Cola. Aber eines ist auch klar: Beide Marken, also Pepsi-Cola und Burger King werden so immer im mentalen Schatten des jeweiligen Marktführers stehen.

Selbst zum Maßstab werden

Nur viele Entscheider übersehen vor lauter Differenzierungsdenken, dass man auch selbst zum Maßstab werden könnte. Nur dazu muss man den eigenen Denkmodus ändern, nämlich weg vom Differenzierungs-Denken hin zum Dominanz-Denken. Die Schlüsselfrage dabei: Mit welcher Idee können wir welchen spezifisch ausgewählten Markt zuerst mental und dann tatsächlich dominieren?

Um diese eine Idee zu finden, gibt es dann zwei Schlüsselstrategien:
Schlüsselstrategie 1: Eine neue Kategorie kreieren. Das machten etwa Red Bull, Ryanair oder auch Dr. Best. Alle drei Marken wurden so selbst zum Maßstab und Marktführer, Dr. Best bei nachgebenden Zahnbürsten, Ryanair bei Diskontfluglinien in Europa und Red Bull bei Energydrinks. Diese Chance könnte auch Perplexity nutzen, um der Maßstab und Marktführer bei KI-Suche zu werden.

Schlüsselstrategie 2: Den Fokus verengen. Manchmal kann man diese Dominanz auch erreichen, indem man einfach den Fokus der Marke verengt. Curves gelang dies bei Fitnessstudios mit der Fokussierung auf Frauen, Lenbox in Österreich mit der Fokussierung rein auf Fitnessboxen. Oder nehmen Sie Strasser Steine! Diese Marke wurde durch Fokussierung zur Nr. 1 bei Natursteinküchenplatten.

Der mentale Kontext entscheidet

Welche Strategie man wählen sollte, hängt vor allem davon ab, wie die eigene Marke im mentalen Kontext aus kollektiver Kundensicht positioniert ist. Was man nicht tun sollte, ist, dass man Positionierung einfach mit Differenzierung gleichsetzt. Denn das ist dann die Garantie, dass man nie selbst zum Maßstab wird, an dem sich andere messen können und dürfen.

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DeepSeek, Super Bowl und die Macht der analogen und digitalen PR

„So kämpften die KI-Marken beim Super Bowl um ihren Apple-Moment“ lautete eine Headline auf Horizont Online am 11. Februar dieses Jahres. In dem Beitrag wurden dann die Marken bzw. KI-Assistenten ChatGPT, Gemini von Google und Meta AI erwähnt. Sie alle hätten gerne diese Apple-Moment aus dem Jahr 1984. Nur während diese Werbeschlacht um die KI-Vorherrschaft mit den Super Bowl dominierte, fand der wahre Kampf um die globale KI-Vorherrschaft in den analogen und digitalen Medien rein redaktionell statt.

Von Null zur Weltmarke

Neben den bereits erwähnten Marken Gemini und Meta AI, gibt es natürlich in der westlichen Welt noch weitere KI-Marken wie etwa Grok, Claude oder ganz aktuell aus Frankreich Mistral AI. Sie alle wären gerne mental der eine wahrgenommene Herausforderer von ChatGPT.

Nur was all diesen Marken bisher nicht gelang, schaffte DeepSeek rein redaktionell über Nacht. Dazu sollten wir uns nur einige Headlines ansehen:

„Deepseek aus China schlägt ChatGPT – und kostet deutlich weniger“

„Durchbruch oder Hype? So innovativ ist Deepseek“

„Was Deep Seek kann und wie es die Branche verändert“

„Was kommt nach Deep Seek?“

„Hype um chinesischen KI-Anbieter: Was kann DeepSeek?“

„DeepSeek: Chinas KI-Sensation schockt die Börsen – und bietet gleichzeitig die Mega-Chance“

„DeepSeek, der Schrecken der US-Techgiganten“

Egal ob FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche, Der Spiegel, Focus oder ARD, wenn eine Marke in den letzten Wochen medial die Welt bewegte, war dies DeepSeek.

Den mentalen Kontext verstehen

Um das Ganze aus Markensicht besser zu verstehen, sollten wir uns einmal den mentalen Kontext ansehen. In der westlichen Welt gab es bisher den Marktführer ChatGPT und Herausforderer wie Gemini, Meta AI oder Grok. So gibt es im Internet bereits auch Ranglisten zu den 10 besten oder gar den 15 besten KI-Assistenten dieser Erde. Laut Schätzungen gibt es bereits weit über 100 KI-Assistenten neben ChatGPT in der westlichen Welt. Nur bisher standen diese alle klar im mentalen Schatten von ChatGPT.

Heißt: Niemand schaffte es in der PR oder auch in der Werbung als echte erste Alternative wahrgenommen zu werden. Genau das gelang jetzt DeepSeek über Nacht. Der Grund: DeepSeek ist kein weiterer KI-Assistent in der Wahrnehmung, sondern der führende chinesische KI-Assistent. DeepSeek hat so nicht nur eine eigene Schublade im Gehirn, sondern zudem auch noch die ideale Gegenschublade zu ChatGPT.

Werbe- versus PR-Schlacht

Aus kreativer Sicht mag die Super Bowl Werbeschlacht zwischen ChatGPT, Google Gemini und Meta AI wirklich interessant sein. Nur sie hat wahrscheinlich nichts an der kollektiven Wahrnehmung dieser Marken geändert. Ganz anders die aktuelle analoge und digitale PR-Schlacht zwischen DeepSeek und ChatGPT. Diese hat DeepSeek aus dem Nichts heraus wirklich global zu dem einen Herausforderer von ChatGPT gemacht.

Dazu sind aus Markensicht drei Punkte entscheidend:

(1) DeepSeek hat einen eigenen Führungsanspruch.

(2) DeepSeek sorgte, wie auch die Schlagzeilen oben zeigen, für echte Kontroverse mit Schockwirkung.

(3) DeepSeek hatte und hat somit echten Nachrichten-, Schlagzeilen- und damit auch Mundpropagandawert.

Genau diese Art von PR-Schlacht kommt in der Regel beiden Marken entgegen. Dies mag einige auch an den früheren medialen Kampf zwischen iPhone und Samsung Galaxy erinnern. Auch hier profitierten beide Marken enorm. Heißt aber auch: Je stärker unser Gehirn und die analogen und digitalen Medien ChatGPT und DeepSeek als die Marktführer bei KI-Assistenten wahrnehmen, desto schwieriger wird es für den Rest des Feldes.

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