Neuer Slogan: Checken Sie zuerst die eigene Markenhistorie

Zufall oder nicht? Letzte Woche konnte man folgende drei Headlines auf Horizont Online lesen: „Coca-Cola bringt legendäre Kampagne „Share a Coke“ zurück“, „Kult-Claim „Otto … find‘ ich gut“ feiert Comeback in den Werbeblöcken“ und „Homann holt Kultslogan mit Ohrwurm-Kampagne zurück“. Wie es scheint entdecken wieder mehr Marken ihre Zukunft in der eigenen Vergangenheit.

Markenschatztruhe Vergangenheit

Nostalgie ist sicher kein Allheilrezept für alle Markenprobleme. Aber speziell wenn es für eine etablierte starke Marke um einen neuen Slogan geht, sollte man zuerst die eigene Markenvergangenheit überprüfen, bevor man den nächsten Kreativprozess startet.

Nehmen Sie Coca-Cola! Mit Sicherheit ist es keine schlechte Idee, dass man die oben erwähnte Kampagne „Share a Coke“ wiederbelebt. Noch besser wäre es aber, wenn man sich bei Coca-Cola auf den einen Slogan rückbesinnen würde, der wirklich die Marke einzigartig in unserer Wahrnehmung positioniert. Das ist natürlich der Slogan „The real thing“.

Dieser Slogan passt nicht nur perfekt zum bereits Gelernten und Gefühlten über Coca-Cola, er würde auch sicherstellen, dass die nächsten Generationen wissen, wer das eine echte und wahre Cola ist. Dazu würde es für Coca-Cola aber Sinn machen, dass man alle Kräfte auf Coca-Cola Classic und Coca-Cola Zero fokussiert. Denn ein Original sollte es maximal in zwei Varianten geben, eine mit Zucker und eine ohne Zucker.

Mehr tun als nur einen Slogan wiederbeleben

Aber auch der Konkurrent Pepsi-Cola hatte früher einen brillanten Slogan, der den Erzrivalen Coke am wunden Punkt traf, nämlich „The choice of a new generation“. Nur in diesem Fall müsste man sehr viel mehr tun als nur diesen Slogan wiederzubeleben. Hier müsste man wirklich an der grundlegenden Markenpositionierung und Markenstrategie arbeiten, um diesem Slogan ein neues Leben einzuhauchen.

Ein sehr guter Kerngedanke dabei wäre, den Fokus der Marke zu verengen. Die logische Fokusverengung wäre natürlich in diesem Fall, auf den Zucker zu verzichten, um nur mehr zuckerfreie Varianten anzubieten. Das würde a) perfekt zur aktuellen Zuckerdiskussion passen und b) Pepsi so wirklich zur Wahl einer neuen Generation machen. Dazu müsste man dann – wahrscheinlich wieder mit aktuellen Superstars als Testimonials – ein starkes Kommunikationsprogramm entwickeln.

Zukunft statt Vergangenheit

Aber keine Angst! Auch wenn es für viele große etablierte Marken Sinn machen würde, die eigene Slogan-Vergangenheit einmal zu durchforsten, bleibt genügend Raum für Kreativität. Denn die meisten Marken dieser Erde haben mit Sicherheit noch nicht den einen Slogan gefunden, der wirklich dauerhaft die Positionierung der Marke in den Köpfen auf den Punkt bringt und verstärkt.

Unverständlich aber ist, wenn Marken etwa wie Skoda einen Slogan wie „Simply clever“ aufgeben. (Oder kennen Sie den aktuellen Slogan von Skoda?) Dieser Slogan brachte und bringt auf den Punkt, wofür die Marke steht. Aber vielleicht möchte man bei Skoda freiwillig diese Position der Marke Dacia überlassen? Nur das wäre aus Markensicht wahrscheinlich alles andere als „simply clever“.

PS 1: Spannend dazu ist auch, was auf der österreichischen Website von Skoda heute immer noch zu finden ist: „Aber der bekannte Slogan „Simply Clever“, der inzwischen ein Synonym für die Marke ist, bedeutet viel mehr als das. Entdecken Sie die „Simply Clever“-Welt“. Vielleicht würde es hier genügen, einfach einmal die eigene Website aufzusuchen.

PS 2: Und auch auf der deutschen Website von Skoda findet man Ähnliches. Hier heißt es: „Simply Clever ist unsere DNA: Simply Clever – das bedeutet nicht nur smarte, praktische „kleine Helfer“. Es ist die gesamte Škoda Philosophie und bestimmt, wie wir an Sie herantreten.“ Vielleicht sollte man auch hier einmal die eigene Website besuchen und studieren, um die eigene DNA auch wieder in die Werbung zu bringen.

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Point of Sale: Achten Sie immer auf die verbale und visuelle Positionierung

Studien zeigen klar, dass immer mehr Kaufentscheidungen erst direkt am Point of Sale fallen. Bei den Händlern dürfte sich dies klar herumgesprochen haben. So achten diese in der Regel speziell auf Regalplatzierungen, Zweitplatzierungen und Aktionen, oft auch unterstützt durch Werbemaßnahmen wie etwa Instore-Radiospots.

Verpackung als Schlüssel zum Erfolg

Nur wenn man heute etwa durch einen Supermarkt geht, dürfte sich die Bedeutung des Point of Sales noch nicht zu vielen Markenartiklern durchgesprochen haben. Drei Indizien dafür:

(1) Keine Positionierung auf der Verpackung: Nur auf ganz wenigen Verpackungen findet man etwa einen Slogan, der zur Positionierung und Differenzierung und zusätzlich zur Verstärkung anderer Werbemaßnahmen beiträgt. So sind etwa Doritos, wenn auch sehr dezent, die große Ausnahme. Hier findet man auf jeder Verpackung die Botschaft „Weltweit Nr. 1 Tortilla Chipsmarke“.

(2) Keine Blockbildung im Regal: Wenn etwa viele rote Coca-Cola-Dosen nebeneinander stehen, dann entsteht eine Art „roter Block“ im Regal. Damit wirkt die Marke in Summe noch größer. Das Gleiche gilt auch für Milka mit der Farbe Lila. Ritter Sport wiederum setzt wie auch Toblerone auf die Form zur Differenzierung. Nur das sind die Ausnahmen von der Regel. Die meisten Verpackungen gehen in der Menge der Verpackung visuell unter.

(3) Kein Storytelling auf der Rückseite: Wenn eine Verpackung groß genug ist, dass man neben den notwendigen Informationen und gesetzlichen Vorschiften noch Platz hat, dann sollte man dort auch die eigene Markengeschichte erzählen. Nur auch das wird in der Regel sträflich vernachlässigt.

So gesehen verschenken aktuell viele Marken enormes Positionierungs- und Differenzierungspotenzial am Point of Sale.

Nicht so spannend wie Werbung

Ein möglicher Grund dafür dürfte sein, dass ein Besuch am Point of Sale nicht so spannend ist, wie die Planung und Mitarbeit an der nächsten analogen oder digitalen Kreativ- oder auch Performance-Kampagne. Nur das könnte sich langfristig als schwerer Fehler erweisen. Werbung sollte nicht Defizite am Point of Sale ausgleichen, sondern der Point of Sale sollte die eigenen Kampagnen verstärken.

Als ich vor einigen Jahren einen Markenartikler bei der grundlegenden Positionierung und darauf aufbauend der Weiterentwicklung der Verpackungen begleiten durfte, war einer der ersten Schritte, dass mein Klient aufgrund meiner Empfehlung den Point of Sale im Konferenzraum nachbauen ließ. Genau das schuf den optimalen Rahmen, um nicht nur die eigene Positionierung zu schärfen, sondern auch allen die Bedeutung des Point of Sales klar zu machen. Denn wenn bis zu 70 Prozent aller Kaufentscheidungen am Point of Sale fallen, dann sollte man aus Markensicht dort wirklich verbal und visuell bestmöglich „performen“.

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Marke versus Nicht-Marke: Das ist hier die Frage

Wann haben Sie das letzte Mal in einem Strategie-, Marken- oder Marketingmeeting mit oder ohne Beratungs- oder Agenturpartner die generelle mentale Ordnung in Ihrem Markt diskutiert und analysiert? Noch nie? Dann sollten Sie jetzt damit starten, um das volle Potenzial Ihrer Marke oder Ihrer Marken zu nutzen.

Zuerst die Marke generell ….

Wann immer man über die zukünftige Ausrichtung der eigenen Marke nachdenkt, sollte man mit dem generellen Markenumfeld aus Kundensicht starten. Für Markenverantwortliche mag die eigene Marke im Zentrum des eigenen Denkens stehen, für die Kunden ist diese in der Regel „nur“ Teil einer Kaufentscheidung.

Das heißt: Zuerst sollte man feststellen, ob der eigene Markt aus Kundensicht geordnet, teilgeordnet oder total ungeordnet ist. Dabei gilt: Je mental geordneter ein Markt ist, desto stärker wirkt das Prinzip Marke generell. Je mental ungeordneter ein Markt ist, desto stärker wirken andere Prinzipien, wie etwa das Prinzip „tiefer Preis“. (Mehr dazu auch in meinem früheren Blog-Beitrag „Drei Arten von Märkten und wo Positionierung wirklich beginnt“ https://brandtneronbranding.com/2021/08/09/drei-arten-von-markten-und-wo-positionierung-wirklich-beginnt/)

… dann spezifisch

Wenn man sich die generelle Bedeutung des Prinzips Marke im eigenen Markt angesehen hat, dann erst sollte man mit der eigenen Marke beginnen. Dazu noch ein wichtiger Punkt: Man sollte sich die generelle Bedeutung der Marke unbedingt auch nach Altersgruppen im eigenen Markt ansehen. So kann es sein, dass es bei den über 60-jährigen eine klare mentale Ordnung gibt, bei den 30- bis 60-Jährigen eine Art „mentale Teilordnung“ gibt, während die jüngeren Generationen überhaupt keine Ordnung mehr wahrnehmen.

Basierend darauf sollte man sich dann folgende Frage stellen: Welchen mentalen Ordnungsbeitrag kann und sollte die eigene Marke heute und in Zukunft leisten. Hier geht es dann, darum, dass man konkret die Positionierung für die eigene Marke heute und in Zukunft festlegt.

Den einen Fokus finden und umsetzen

Wenn man das erste Mal den eigenen Markt so analysiert, wird man nicht nur oft eine komplett andere Perspektive entwickeln, man wird oft auch auf Ideen stoßen, an die man so bisher nie gedacht hat. Entscheidend ist dann, dass man die eine Idee zum Markenfokus macht, von der man glaubt, dass diese den größten Ordnungsbeitrag im Sinne der eigenen Marke und des eigenen Unternehmens dauerhaft leistet. Denn genau so schafft man es, dass die Kaufentscheidung von der Denkabkürzung Marke und nicht von der Denkabkürzung Preis dominiert wird. So einfach in der Theorie. Oft so schwer in der Praxis.

PS: Diese Art von Perspektivenwechsel sollte man aktuell auch unbedingt bei VW machen. So mag das neue Markenmanifest, das man letzte Woche mit einer Panne vorstellte, aus VW-Sicht genial sein. Nur wird es das große Markenproblem von VW nicht lösen. Denn dieses ist, dass man aktuell in zwei mentalen Märkten mit zwei unterschiedlichen mentalen Ordnungen tätig ist. So ist VW in der alten Autowelt eine echte Größe, aber in der neuen, wenn man vielleicht von Deutschland und Österreich absieht, maximal eine Art „Mitläufer“. Ähnliches erlebten Nokia und Kodak! Bei klassischen Mobiltelefonen gab es eine klare mentale Rangordnung, bei der Nokia eindeutig an der Spitze war. Bei Smartphones gab es auch ziemlich schnell eine klare Rangordnung mit iPhone und Samsung Galaxy an der Spitze. Nokia war da nur – wenn überhaupt – ein weiterer Anbieter. Bei Fotofilmen gab es mit Kodak und Fuji eine klare globale Rangordnung. Bei Digitalkameras war Kodak maximal ein weiterer Anbieter. (Dazu auch noch ein Rückblick in das Jahr 2016: https://brandtneronbranding.com/2016/09/04/doppeltes-markenvorbild-tesla-oder-warum-ein-neues-geschaeftsmodell-alleine-zu-wenig-ist/)

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Siegermarken: Zwei ausgewählte psychologische Effekte zum Marken- und Markterfolg

Jack Trout meinte einmal, dass Markenführung und Marketing nichts anderes wären als „angewandte Psychologie“. Damit hat er sicher recht gehabt. In meiner Arbeit bin ich immer und immer wieder speziell auf zwei psychologische Effekte gestoßen, die leider immer noch oft von Markenverantwortlichen unterschätzt werden.

(1) Der Herdentrieb

Menschen entscheiden in vielen Fällen aufgrund der bereits getroffenen Entscheidungen anderer Menschen. Salopp spricht man dabei gerne vom Herdentrieb, wissenschaftlicher ausgedrückt vom Prinzip der sozialen Bewährtheit. Dazu schreibt der amerikanische Psychologe Robert Cialdini: „„Nach diesem Prinzip finden wir heraus, was richtig ist, indem wir zuerst überprüfen, was andere für richtig halten. Insbesondere entscheiden wir auf diese Art und Weise, welche Verhaltensweisen korrekt sind und welche nicht. … Ein Verhalten wird dann als korrekt angesehen, wenn viele andere sich auch so verhalten.“

Genau aus diesem Grund macht es so viel Sinn, wenn man sich als Marktführer oder auch als schnellstwachsende Marke positionieren kann. Erfolg zieht Erfolg an. Speziell auch bei der Darstellung der eigenen Unternehmensgeschichte kann und sollte man diesen Effekt nutzen. Ideal dazu ist auch, wenn man diesen mit Grafiken visuell verstärken kann. Hier lassen Unternehmen immer noch enormes Potenzial liegen, weil man sowohl die Macht der verbalen als auch der visuellen Marktführerschaft unterschätzt.

(2) Der Heiligenschein-Effekt

Wir leben generell gesehen in einer Mehr-ist-mehr-Gesellschaft. Das gilt auch für die Welt der Marken. So werden etwa Markenstatements in vielen Unternehmen immer umfangreicher und wirken so oft auch immer genialer und durchdachter. Nur das, was im Unternehmen oft als „genial“ und „durchdacht“ angesehen wird, überfordert im wahrsten Sinne des Wortes die Welt außerhalb des Unternehmens.

Dazu sollten wir uns einmal den Halo- oder Heiligenschein-Effekt näher ansehen. Dieser besagt: „Wenn eine Marke oder auch eine Person in einem Bereich sehr gut eingeschätzt wird, dann wird diese generell als sehr gut wahrgenommen“ . Das bedeutet aber auch andererseits: „Wenn eine Marke oder auch eine Person versucht, in mehreren Bereichen gleichzeitig als sehr gut eingeschätzt zu werden, wird diese in der Regel nur durchschnittlich eingeschätzt.“

Aus dieser Warte sind die meisten Markenstatements dieser Erde mit Begriffen und Begrifflichkeiten überfüllt. Dazu kommt noch: Es ist relativ einfach ein Markenstatement um einen weiteren Begriff zu ergänzen. Richtig schwierig aber ist es, eine Marke wirklich reduziert auf den Punkt zu bringen. Nicht umsonst meinte Al Ries immer und immer wieder, dass das mächtigste Konzept in der Markenführung ein Wort in den Köpfen der Kunden ist. So bezeichnete er sich selbst über zwei Jahrzehnte als „Focusing-Consultant“.

Zwei Effekte, enorme Wirkung

Speziell in Kombination haben der Heiligenschein-Effekt und der Herdentrieb eine enorme Wirkung. Wie sieht es bei Ihrer Marke aus?

Frage 1 dazu: Haben Sie Ihre Marke wirklich fokussiert auf den Punkt gebracht? Das ist die Basis.

Frage 2 dazu: Nutzen Sie aktuell den Herdentrieb als zentrales Element der Positionierung, unterstützend als Verstärker oder gar nicht?

Heißt: Zuerst sollten Sie den Fokus der Marke auf den Punkt bringen und dann sollten Sie überlegen, wie Sie optimal den Herdentrieb für Ihre Marke einsetzen können. Das gilt für globale Marken, für nationale Marken, aber auch für regionale Marken. Das gilt für B2C genauso wie für B2B. Das gilt für Produkte und für Dienstleistungen. Es gilt für jede Marke, die heute und morgen erfolgreich sein will.

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Dominanz statt Differenzierung oder selbst zum mentalen Maßstab werden

Wenn es um die strategische Ausrichtung von Marken und Unternehmen geht, taucht neben dem Begriff Positionierung so gut wie immer auch der Begriff Differenzierung auf. So heißt es dann etwa: „Wir müssen uns klar vom Wettbewerb differenzieren.“

Differenzierung erfordert einen Maßstab

Nur wenn man sich heute vom Wettbewerb differenzieren möchte, muss man zuerst einmal festlegen, von wem man sich überhaupt unterscheiden möchte. Das heißt aber auch: Man macht jemand anderen zum Maßstab, an dem man sich messen möchte.

Das kann natürlich absolut Sinn machen, wenn man in einer Herausforderer-Position ist. Wenn man heute Burger King ist, macht es Sinn, dass man bei der strategischen Ausrichtung der Marke McDonald’s als Maßstab nimmt. Das Gleiche gilt etwa auch für Pepsi-Cola versus Coca-Cola. Aber eines ist auch klar: Beide Marken, also Pepsi-Cola und Burger King werden so immer im mentalen Schatten des jeweiligen Marktführers stehen.

Selbst zum Maßstab werden

Nur viele Entscheider übersehen vor lauter Differenzierungsdenken, dass man auch selbst zum Maßstab werden könnte. Nur dazu muss man den eigenen Denkmodus ändern, nämlich weg vom Differenzierungs-Denken hin zum Dominanz-Denken. Die Schlüsselfrage dabei: Mit welcher Idee können wir welchen spezifisch ausgewählten Markt zuerst mental und dann tatsächlich dominieren?

Um diese eine Idee zu finden, gibt es dann zwei Schlüsselstrategien:
Schlüsselstrategie 1: Eine neue Kategorie kreieren. Das machten etwa Red Bull, Ryanair oder auch Dr. Best. Alle drei Marken wurden so selbst zum Maßstab und Marktführer, Dr. Best bei nachgebenden Zahnbürsten, Ryanair bei Diskontfluglinien in Europa und Red Bull bei Energydrinks. Diese Chance könnte auch Perplexity nutzen, um der Maßstab und Marktführer bei KI-Suche zu werden.

Schlüsselstrategie 2: Den Fokus verengen. Manchmal kann man diese Dominanz auch erreichen, indem man einfach den Fokus der Marke verengt. Curves gelang dies bei Fitnessstudios mit der Fokussierung auf Frauen, Lenbox in Österreich mit der Fokussierung rein auf Fitnessboxen. Oder nehmen Sie Strasser Steine! Diese Marke wurde durch Fokussierung zur Nr. 1 bei Natursteinküchenplatten.

Der mentale Kontext entscheidet

Welche Strategie man wählen sollte, hängt vor allem davon ab, wie die eigene Marke im mentalen Kontext aus kollektiver Kundensicht positioniert ist. Was man nicht tun sollte, ist, dass man Positionierung einfach mit Differenzierung gleichsetzt. Denn das ist dann die Garantie, dass man nie selbst zum Maßstab wird, an dem sich andere messen können und dürfen.

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DeepSeek, Super Bowl und die Macht der analogen und digitalen PR

„So kämpften die KI-Marken beim Super Bowl um ihren Apple-Moment“ lautete eine Headline auf Horizont Online am 11. Februar dieses Jahres. In dem Beitrag wurden dann die Marken bzw. KI-Assistenten ChatGPT, Gemini von Google und Meta AI erwähnt. Sie alle hätten gerne diese Apple-Moment aus dem Jahr 1984. Nur während diese Werbeschlacht um die KI-Vorherrschaft mit den Super Bowl dominierte, fand der wahre Kampf um die globale KI-Vorherrschaft in den analogen und digitalen Medien rein redaktionell statt.

Von Null zur Weltmarke

Neben den bereits erwähnten Marken Gemini und Meta AI, gibt es natürlich in der westlichen Welt noch weitere KI-Marken wie etwa Grok, Claude oder ganz aktuell aus Frankreich Mistral AI. Sie alle wären gerne mental der eine wahrgenommene Herausforderer von ChatGPT.

Nur was all diesen Marken bisher nicht gelang, schaffte DeepSeek rein redaktionell über Nacht. Dazu sollten wir uns nur einige Headlines ansehen:

„Deepseek aus China schlägt ChatGPT – und kostet deutlich weniger“

„Durchbruch oder Hype? So innovativ ist Deepseek“

„Was Deep Seek kann und wie es die Branche verändert“

„Was kommt nach Deep Seek?“

„Hype um chinesischen KI-Anbieter: Was kann DeepSeek?“

„DeepSeek: Chinas KI-Sensation schockt die Börsen – und bietet gleichzeitig die Mega-Chance“

„DeepSeek, der Schrecken der US-Techgiganten“

Egal ob FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche, Der Spiegel, Focus oder ARD, wenn eine Marke in den letzten Wochen medial die Welt bewegte, war dies DeepSeek.

Den mentalen Kontext verstehen

Um das Ganze aus Markensicht besser zu verstehen, sollten wir uns einmal den mentalen Kontext ansehen. In der westlichen Welt gab es bisher den Marktführer ChatGPT und Herausforderer wie Gemini, Meta AI oder Grok. So gibt es im Internet bereits auch Ranglisten zu den 10 besten oder gar den 15 besten KI-Assistenten dieser Erde. Laut Schätzungen gibt es bereits weit über 100 KI-Assistenten neben ChatGPT in der westlichen Welt. Nur bisher standen diese alle klar im mentalen Schatten von ChatGPT.

Heißt: Niemand schaffte es in der PR oder auch in der Werbung als echte erste Alternative wahrgenommen zu werden. Genau das gelang jetzt DeepSeek über Nacht. Der Grund: DeepSeek ist kein weiterer KI-Assistent in der Wahrnehmung, sondern der führende chinesische KI-Assistent. DeepSeek hat so nicht nur eine eigene Schublade im Gehirn, sondern zudem auch noch die ideale Gegenschublade zu ChatGPT.

Werbe- versus PR-Schlacht

Aus kreativer Sicht mag die Super Bowl Werbeschlacht zwischen ChatGPT, Google Gemini und Meta AI wirklich interessant sein. Nur sie hat wahrscheinlich nichts an der kollektiven Wahrnehmung dieser Marken geändert. Ganz anders die aktuelle analoge und digitale PR-Schlacht zwischen DeepSeek und ChatGPT. Diese hat DeepSeek aus dem Nichts heraus wirklich global zu dem einen Herausforderer von ChatGPT gemacht.

Dazu sind aus Markensicht drei Punkte entscheidend:

(1) DeepSeek hat einen eigenen Führungsanspruch.

(2) DeepSeek sorgte, wie auch die Schlagzeilen oben zeigen, für echte Kontroverse mit Schockwirkung.

(3) DeepSeek hatte und hat somit echten Nachrichten-, Schlagzeilen- und damit auch Mundpropagandawert.

Genau diese Art von PR-Schlacht kommt in der Regel beiden Marken entgegen. Dies mag einige auch an den früheren medialen Kampf zwischen iPhone und Samsung Galaxy erinnern. Auch hier profitierten beide Marken enorm. Heißt aber auch: Je stärker unser Gehirn und die analogen und digitalen Medien ChatGPT und DeepSeek als die Marktführer bei KI-Assistenten wahrnehmen, desto schwieriger wird es für den Rest des Feldes.

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Porsche und das Denken in Geschäftsmodellen

„Porsche will mehr Verbrenner bauen“, „Strategiewechsel: Warum Porsche wieder mehr auf Verbrenner setzt“, „Sportwagenhersteller in der Krise: Porsche macht Rolle rückwärts beim Verbrenner-Aus“ und „Strategieschwenk zum Verbrenner: Porsche fällt nach E-Rückzieher auf Allzeittief“. Das waren nur einige Schlagzeilen, die der Automobilerzeuger Porsche letzte Woche machte.

Was unser Denken prägt

Für Hardcore-Verbrenner-Fans waren diese Schlagzeilen natürlich Balsam auf die Seele. Für Vertreter der E-Mobilität ist dieser Schwenk natürlich ein echter Rückschritt in die Vergangenheit. Eines ist aber auf alle Fälle klar: Porsche wirkt nicht nur verunsichert, sondern verunsichert so auch die Kunden, die eigenen Händler, die eigene Belegschaft und natürlich auch den Aktienmarkt.

Um das Ganze einmal in Summe besser zu verstehen, sollten wir einmal einen Blick auf unser Gehirn werfen. Wir oder besser unser Gehirn kennen nicht nur Gegenwart, sondern auch Vergangenheit und Zukunft. Dabei wird unser Denken und Handeln ganz stark auch von dieser Vergangenheit geprägt. Sie ist die Basis für unser Handeln und Denken in der Gegenwart und natürlich auch mit die Basis für unsere Zukunftsplanungen und Zukunftsvorstellungen.

Geschäftsmodell als Denkrahmen

Damit ist ein über Jahrzehnte funktionierendes Geschäftsmodell sehr viel mehr als nur ein „Geschäftsmodell im engeren Sinne“, sondern mental gesehen auch ein funktionierender Denkrahmen. Manager und Managerinnen denken damit auch in Geschäftsmodellen.

So ist auch klar, dass das Denken der großen europäischen Automobilmarken vom Verbrenner-Geschäftsmodell geprägt ist. Dieses Geschäfts- und Denkmodell schuf einige der wertvollsten Marken der Welt. So gehören laut Interbrand Marken wie Mercedes-Benz (Platz 8), BMW (Platz 10), Porsche (Platz 43), Audi (Platz 45), VW (Platz 49), Ferrari (Platz 62) und Range Rover (Platz 96) zu den 100 wertvollsten globalen Marken.

Was aber passiert, wenn ein neues Geschäftsmodell ein altes Geschäftsmodell attackiert und in Frage stellt? Dann wird natürlich auch das bestehende Denkmodell attackiert und in Frage gestellt. Nur das ist etwas, was unser Gehirn ganz und gar nicht mag.

Zwei nicht ungefährliche Reaktionen

Genau aus diesem Grund kommt es dann oft zu zwei (aus Markensicht) nicht ungefährlichen Reaktionen:

Reaktion 1: Man negiert das neue Geschäftsmodell bzw.  redet es klein. Denn dadurch muss man sich dann nicht mehr wirklich damit beschäftigen. So zeigte sich etwa der damalige VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch 2014 am Genfer Autosalon wenig begeistert von Tesla. Sein damaliger Kommentar laut WirtschaftsWoche: „Wir brauchen keine brennenden Autos“.

Reaktion 2: Wenn man das neue Geschäftsmodell aus Erfolgsgründen nicht mehr negieren und kleinreden kann, dann versucht man es unter einer Bedingung zu akzeptieren. Und genau das ist eine sehr gefährliche Bedingung, die dann meist so lautet: „Dieses neue Geschäftsmodell ist wirklich interessant, aber es muss sich in unser bestehendes Geschäftsmodell integrieren lassen.“

Das bedeutet aber auch, dass es sich in das bestehende Denkmodell integrieren lassen muss. Nur genauso wird man etwa Elektromobilität immer aus der Verbrenner-Sichtweise denken.

Dazu schrieb die WirtschaftsWoche 2014 das Folgende: „Die Amerikaner konzipieren ihre Autos immer vom Elektroantrieb ausgehend. VW hingegen integriert strombetriebene Motoren in die bestehende Fahrzeugpalette. Und das nach Konzernangaben deutlich erfolgreicher als Tesla. VW habe das breiteste Angebot an Elektrofahrzeugen, so Vorstandschef Martin Winterkorn.“

Zwei statt einem Geschäfts- und Denkmodell

Eine mögliche Lösung für diese Herausforderung ist, dass man in zwei Geschäftsmodellen denkt und handelt. Das hätte auch der VW-Konzern frühzeitig tun können. Dazu gibt es letztendlich sogar mehrere Möglichkeiten:

(1) Das alte Geschäftsmodell bleibt mit seinen Marken wie es ist. Parallel dazu baut man ein neues Geschäftsmodell mit neuen Marken.

(2) Das alte Geschäftsmodell bleibt mit seinen Marken wie es ist. Parallel dazu kauft man das neue Geschäftsmodell mit einer oder mehreren neuen Marken zu.

(3) Man erweitert das alte Geschäftsmodell mit dem neuen Geschäftsmodell. Parallel dazu baut man aber zusätzlich ein neues Geschäftsmodell mit neuen Marken.

(4) Man erweitert das alte Geschäftsmodell mit dem neuen Geschäftsmodell. Parallel dazu kauft man zudem das neue Geschäftsmodell mit einer oder mehreren neuen Marken zu.

Nur genau diese Wege gehen die wenigsten großen Unternehmen, weil man a) das Potenzial der großen bestehenden Marken überschätzt und b) das Potenzial von neuen Marken unterschätzt.

Zurück zu Porsche

Noch im März 2024 konnte man folgende Zeilen über Porsche lesen: „Porsche forciert Umbau auf Elektroantrieb: Porsche setzt bei seiner künftigen Modellpalette wie kaum ein Sportwagenhersteller auf den Elektroantrieb. 2027 sollen sechs von sieben Baureihen mit Strom fahren. Ende des Jahrzehnts will man gar 80 Prozent aller Neuwagen als E-Auto ausliefern.“ Damals klang dies nach einer klaren und mutigen Zukunftsstrategie.

Dagegen klingen die aktuellen Schlagzeilen über Porsche eher nach totaler Verunsicherung. Aber genau hier liegt das Kernproblem: Strategie bedeutet, dass man eine Idee von der Zukunft hat, um dann das Unternehmen konsequent daraufhin auszurichten. Strategie heißt aber mit Sicherheit nicht, dass man alle 9 bis 12 Monate die Richtung grundlegend wechselt. Vielleicht sollte man bei Porsche nicht nur das eigene Geschäftsmodell, sondern vor allem auch das eigene Denkmodell in Frage stellen.

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Der Niedergang von Kodak und die Lehren für Markenstrategien heute

Wie konnte ein Branchenriese wie Kodak in die Insolvenz geraten und was können Unternehmen heute daraus lernen? Der Blick zurück und auf die Gegenwart zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Innovation und eine klare Markenstrategie sind.

Kodak ist in Insolvenz – das war die Wirtschaftsnachricht am 19. Januar 2012. Dabei war Kodak 1996 laut Interbrand noch die viertwertvollste Marke der Welt hinter Disney, Coca-Cola und McDonald’s. Wie konnte eine Unternehmensikone wie Kodak 16 Jahre später insolvent sein? Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach diesem Ereignis, lohnt es sich, nicht nur die Ursachen des Niedergangs zu beleuchten, sondern auch den Weg, den Kodak seitdem eingeschlagen hat, um wieder auf die Beine zu kommen.

Die Ursache: Eine verpasste digitale Revolution oder ein Branding-Problem?

Für viele schien die Antwort 2012 klar: Kodak hat die digitale Entwicklung im Fotomarkt übersehen und unterschätzt. Zahlreiche Medien berichteten damals: „Die digitale Revolution führte den Konzern nach verlustreichen Jahren in die Pleite“, schrieb etwa eine österreichische Tageszeitung. Doch ist das die ganze Wahrheit?

Die Fakten zeigen ein anderes Bild: Kodak war keineswegs technologisch rückständig. Bereits 1975 erfand Kodak die Digitalkamera, 1986 brachte das Unternehmen die erste kommerzielle Digitalkamera auf den Markt, und um die Jahrtausendwende war Kodak Weltmarktführer bei High-End-Digitalkameras. Technologisch war Kodak also vorne dabei – doch aus Kundensicht blieb Kodak vor allem eines: ein Hersteller von Fotofilmen.

Das eigentliche Problem lag im Branding. Kodak wurde  weiterhin als Fotofilm-Unternehmen wahrgenommen, während Marken wie Canon und Nikon die führenden Namen in der Welt der Digitalkameras wurden. Kunden bevorzugen oft das „Echte und Wahre“ – und für Digitalkameras waren das aus Sicht der Kunden nicht Kodak, sondern die Spezialisten.

Eine ähnliche Erfahrung musste Nokia machen. So gehörte auch Nokia laut Interbrand um die Jahrtausendwende zu den wertvollsten globalen Marken dieser Erde. Selbst im Jahr 2007, als Steve Jobs das erste iPhone präsentierte, hielt man immer noch Platz 5. Aber auch Nokia blieb trotz aller Versuche in der Welt der Smartphones in der Wahrnehmung der Kunden immer nur ein Mobiltelefon. Dabei gehörte man mit dem Nokia Communicator technologisch mit zu den Smartphone-Pionieren. (Mit Januar dieses Jahres ist Nokia jetzt bei Mobiltelefonen endgültig Geschichte. So hat der Hersteller HMD kürzlich alle Smartphones unter der Marke Nokia von seiner Website genommen.)

Der Weg aus der Insolvenz: Ein neues Kapitel für Kodak

Aber zurück zu Kodak: Nach der Insolvenz 2012 wurde Kodak grundlegend restrukturiert. Das Unternehmen konzentrierte sich auf neue Geschäftsfelder, insbesondere auf digitale Drucktechnologien und Dienstleistungen für Unternehmen. 2013 verließ Kodak das Insolvenzverfahren und positionierte sich als Technologieunternehmen neu. Dabei verkaufte Kodak zahlreiche Patente und Geschäftsbereiche, darunter auch die Fotosparte, um Schulden zu begleichen und Kapital für Investitionen zu schaffen.

Ein interessantes Comeback gelang Kodak im Bereich der analogen Fotografie: Der Markt für Filmrollen erlebte in den letzten Jahren ein Revival, insbesondere durch die Nachfrage aus der Filmindustrie und von Hobbyfotografen. 2024 modernisierte Kodak seine Produktionsanlagen in Rochester, New York, um die steigende Nachfrage nach analogen Filmen besser bedienen zu können.

Aber eines darf man dabei nicht übersehen: Machte Kodak im Jahr 2000 noch rund 14 Milliarden US-Dollar Umsatz, waren es im Jahr 2023 gerade einmal 1,1 Milliarden und das bei stagnierenden und sogar rückläufigen Zahlen in den letzten fünf Jahren. Die Marke mag überlebt haben, aber im Vergleich zu früher führt sie nur mehr ein mentales Schattendasein.

Branding-Lehren aus der Geschichte von Kodak

Die Geschichte von Kodak ist eine eindrucksvolle Lektion über die Bedeutung des Zusammenspiels von Markenpositionierung und Innovationsmanagement. Hätte Kodak in den 1990er-Jahren eine eigenständige Marke für Digitalkameras eingeführt, hätte das Unternehmen vielleicht eine starke zweite Marke aufbauen können, die den Rückgang des Fotofilms kompensiert hätte. Stattdessen blieb Kodak in der Wahrnehmung der Kunden immer eng mit Fotofilmen verbunden.

Aus dieser Perspektive betrachtet sind heute vor allem zwei Märkte extrem spannend. Auf der einen Seite ist dies der Markt für Elektromobilität und auf der anderen Seite der Markt für Suchmaschinen. In beiden Märkten gibt es eine Tendenz, dass sich der Markt mental in der Kundenwahrnehmung teilt.

Für Kodak war das große Problem, dass in der Wahrnehmung klassische analoge Fotografie und Digitalfotographie zwei verschiedene Kategorien waren und sind. In der einen Kategorie war Kodak der globale Weltstandard, in der anderen maximal – wenn überhaupt – ein Mitläufer. Für Nokia war das große Problem, dass in der Wahrnehmung der Kunden klassische Mobiltelefone und Smartphones zwei verschiedene Kategorien waren und sind. In der einen Kategorie war Nokia Weltmarktführer, in der anderen nur ein weiterer Anbieter.

Aktuell teilt sich in der Wahrnehmung der Kunden der Automarkt in klassische Autos mit Benzin-, Diesel- oder Hybridantrieb und in Elektroautos. In der einen Kategorie setzten vor allem die deutschen Autobauer wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW global die Standards, in der anderen werden sie mehr und mehr nur als Mitläufer gesehen. Hier dominieren auf einmal global Marken wie Tesla und BYD.

Aktuell könnte sich der Markt für Suchmaschinen in der Wahrnehmung der Kunden in herkömmliche Suchmaschinen und in KI-Suchmaschinen teilen. So gesehen könnte das erste Mal die Dominanz von Google durch Herausforderer wie Perplexity in Frage gestellt werden. Das Schlimmste was Google aus Markensicht passieren könnte, ist, dass die KI-Suche die herkömmliche Suche ablöst. Denn genau dann besteht die Gefahr, dass man bei der einen alten Suche die Nr. 1 ist und bei der neuen KI-Suche nur ein weiterer Anbieter.

Fazit: Was können Marken lernen?

Kodak ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Kundensicht, Markenpositionierung und Innovation integriert zu berücksichtigen. Unternehmen, die heute erfolgreich sein wollen, müssen nicht nur technologisch innovativ sein, sondern auch klar kommunizieren, wofür ihre Marke steht. Das kann speziell bei disruptiven Innovationen auch eine neue Marke erfordern.

So gesehen sollten unter Umständen auch die traditionellen Autobauer ihre Markenstrategien auf den Prüfstand stellen, um sicherzustellen, dass man nicht nur in der alten Autowelt voran fährt. Speziell der Volkswagen- Konzern hätte mit seinem Mehr-Markensystem rund um die Kernmarken Audi, VW und Porsche die perfekte Basis, um nicht nur bestehende Marken zu elektrifizieren, sondern um echte Elektroautomarken zu bauen.

Aber auch Google sollte aus Markensicht überlegen, dass man nicht nur Google mit KI „aufpäppelt“, sondern eine eigene KI-Suchmaschinen-Marke lanciert oder kauft. So gesehen könnte man eine neue Marke auch als eine Art „Rückversicherung“ sehen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Fazit: Auf der einen Seite zeigt die Neuausrichtung von Kodak, dass selbst ein gefallener Gigant eine zweite Chance erhalten kann – wenn die richtige Strategie gewählt wird. Auf der anderen Seite zeigt die Geschichte von Kodak vor allem aber auch, dass man bei disruptiven Innovationen nie die eigene Marke in der Wahrnehmung der Kunden überschätzen und den Mitbewerb unterschätzen sollte. Markenerfolg ist immer relativ. Er hängt von der eigenen Strategie und von den Strategien der Mitbewerber ab. Mögen die besseren Strategen gewinnen!

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem ursprünglichen Text von 2012 und wurde aktualisiert, um aktuelle Entwicklungen und neue Perspektiven zu berücksichtigen.

Beide Texte erschienen im Original auf Absatzwirtschaft.de

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CDU-Spot: Mehr Nachruf auf Deutschland als Weckruf für die Zukunft

Wie Horizont Online berichtete, hat die CDU jetzt ihren zentralen Werbespot präsentiert, um Friedrich Merz zum deutschen Bundeskanzler zu machen. Dieser Spot passt mit Sicherheit zu 100 Prozent zur CDU und wahrscheinlich zu 100 Prozent zu den Entscheidern und Entscheiderinnen in der CDU. Man kann sich dabei bildhaft vorstellen, wie vor allem dunkelgraue Anzugsträger von dieser Art Werbung bei der Erstpräsentation angetan waren und wahrscheinlich sind. Ob man damit aber wirklich in Summe neue Wähler und Wählerinnen dazu gewinnt, scheint eher fraglich. Dazu sollten wir diesen Spot aus drei Perspektiven betrachten.

(1) Der mentale Kontext

Der Spot startet aus Markensicht brillant, weil er genau die Stimmung trifft, die viele Deutsche und wahrscheinlich auch viele Nicht-Deutsche haben, wenn man über den aktuellen Zustand von Deutschland nachdenkt. So startet man mit der Eingangsfrage „Deutschland, was ist los mit dir?“, um dann sofort die Antworten zu geben, bei denen wahrscheinlich die Mehrheit zustimmt.

So spielt man darauf an, dass Deutschland nicht mehr Exportweltmeister ist, dass man nicht mehr Technologieführer ist, dass man nicht mehr respektiert und bewundert wird, und dass es mit den klugen Köpfen, Dichtern, Denkern und tatkräftigen Machern nicht mehr so ist, wie es sein sollte. Hier passen aus Markensicht, Inhalt, Tonalität, Bildwelt und Musik perfekt zusammen.

Genau diese Punkte sollte jeder Herausforderer mit Führungsanspruch in der Politik oder auch in der Markenwelt bedenken. Man sollte nicht mit der eigenen Marke, sondern immer mit dem mentalen Kontext starten. So machte es auch 1988 für Dr. Best enorm Sinn, dass man zuerst die starren Zahnbürsten als Einleitung aufgriff.

(2) Die Repositionierung der aktuellen Ampelregierung

Auch der zweite Teil – wenn auch dann schon etwas langatmig – gelingt sehr gut. Man repositioniert zuerst die aktuelle Regierung, bevor man über die eigene Vorzüge spricht. Dabei wird vor allem angezeigt, dass man wieder vom Streiten ins Machen kommen muss, dass man wieder Politik machen muss, die hält, was man verspricht, dass man auf Verlässlichkeit statt Chaos setzen muss, dass man die Wirtschaft wieder ins Laufen bringen muss, und dass das Leben für alle wieder bezahlbar werden muss.

Natürlich werden zudem auch die Themen Sicherheit, Zuhausefühlen, Fleiß, Zuversicht und gute Zukunft angesprochen. Heißt: Nach circa 70 Sekunden hat man dann in Summe nicht nur die Ausgangssituation aufgezeigt, sondern auch geschickt die aktuelle Regierung und deren Arbeit als ungenügend repositioniert. Bis zu diesem Punkt passen – abgesehen vielleicht von der Länge – Inhalt, Tonalität, Bilder und Musik immer noch perfekt zusammen.

Das war etwa der Punkt, als Dr. Best mit dem Bild der Tomate herkömmliche starre Zahnbürsten als gefährlich für Zahnfleisch und Zähne repositionierte. Genau mit dieser Art von Vorgehensweise und Argumentationsmuster legt ein Herausforderer die perfekte Basis, um dann die eigene Marke als Held oder Lösung zu positionieren. Das macht dann auch Dr. Best, um die  „nachgebende Zahnbürste“ als die perfekte Lösung darzustellen. Und damit kommen wir zum dritten Punkt.

(3) Die Positionierung von Friedrich Merz

Natürlich versucht genau auch das die CDU mit diesem Spot, um in den letzten 20 Sekunden Friedrich Merz als den idealen Kandidaten und Kanzler zu präsentieren und zu positionierten. Mit „Lass uns das machen Deutschland“ erscheint Friedrich Merz dann persönlich im Spot, um aufzuzeigen, dass mit ihm Deutschland wieder das Land wird, das man kennt, liebt und worauf man wieder stolz sein kann. Anschließend kommt natürlich die Aufforderung, dass man den Politikwechsel, also die CDU wählen sollte.

Wenn man diese Zeilen so liest, hat die CDU mit diesem Spot alles verbal richtig gemacht. Was aber fehlt, ist die emotionale Aufbruchsstimmung. So gelingt es weder wirklich von der Tonalität, noch von der Bildwelt und schon gar nicht von der Musik das rational-verbale mit echten Emotionen aufzuladen. (Vielleicht waren die Macher dieses Spots bereits selbst von den ersten 70 Sekunden so „eingeschläfert“, dass es einfach nicht mehr ging.)

Hier hätte man sich „Hollywood“ als Vorbild nehmen können. So schaffen es die Filmemacher perfekt, speziell mit der Musik die jeweils richtigen Emotionen zu wecken und zu unterstreichen. Hier hat man bei diesen Spot aus Markensicht mit Sicherheit enormes Potenzial liegen lassen. Zudem wirkt auch Friedrich Merz im Spot selbst eher wie ein „Olaf Scholz“ als  ein „Donald Trump“. (Verantwortlich hierfür könnte natürlich sein, dass man bereits jetzt mehr auf Staatsmann als auf Herausforderer machen wollte.)

Zu rational, zu wenig emotional

Fazit: Wahrscheinlich passt dieser Spot wirklich aktuell perfekt zur Markenidentität, zur Markentonalität und auch zum Markenbild der CDU. Aber im Sinne des Wahlkampfs hätte man vielleicht ein wenig mehr auf Emotion und die richtige Musikinszenierung setzen sollen. Manche in der CDU denken jetzt vielleicht an den Wahlkampf von Helmut Kohl im Jahr 1982 zurück. Damals brachte – wenn auch ironisch gemeint – der Song „Bruttosozialprodukt“ von Geier Sturzflug die allgemeine Stimmung perfekt auf den Punkt.

Dazu schrieb Klaus Pokatzky (Zeit Nr. 49/1983) das Folgende: „Das wird dann das Lied zur Wende in Bonn. „So viel Schwung, so viel Optimismus“, jubelt die CDU-Welt. Ironie hat es schwer in Deutschland. Und eine Band, von der sich einige Mitglieder auch nach dem großen Erfolg noch als überzeugte, radikale Linke sehen, sowieso.“ Aber genau diese Art von Aufbruchsstimmung und Wir-Gefühl fehlen aktuell nicht nur im oben erwähnten CDU-Spot, sondern wahrscheinlich im gesamten Wahlkampf der CDU. So gesehen ist dieser Spot ein perfekter Nachruf, aber wahrscheinlich kein echter Weckruf.

Erschien im Original auf Horizont.net

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