Wettbewerbsfähigkeit oder warum Innovation und Qualität alleine zu wenig sein können

Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse am 16. August 2025 berichtete, steht es nicht gut um die Wettbewerbsfähigkeit von Österreich, speziell wenn es um Innovation, Qualität und die Durchsetzung höherer Preise am Markt geht. So liegt man aktuell im globalen Innovationsindex 2024 nur auf Platz 17 und damit weit abgeschlagen hinter doch vergleichbaren Ländern wie der Schweiz (Platz 1), Schweden (2), Finnland (7), Niederlande (8) oder Dänemark (10).

Der übersehene dritte Faktor

Interessant dabei ist, dass es, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit und um das Wertschöpfungspotenzial in Managementkreisen geht, vorrangig um Innovation und Qualität geht. Übersehen wird dabei gerne, dass es noch einen dritten ganz wesentlichen Faktor gibt, der für nachhaltige Wertschätzung und Wertschöpfung sorgt, nämlich der Faktor „Marke“.

Diese Wertschöpfungskraft der Marke bestätigt auch eine Studie von Biesalski & Company aus dem Jahr 2023: So haben starke Consumer-Marken ein Preis-/Mengenpremium von 20,0 Prozent, starke Business-to-Business-Marken von 10,4 Prozent. Alleine diese Zahlen sprechen klar dafür, dass es beim Thema Wettbewerbsfähigkeit nicht nur um die harten Fakten, sondern vor allem auch um die Wahrnehmung aus Kunden- bzw. Abnehmersicht geht.

Das Zusammenspiel entscheidet

Entscheidend dabei ist aber das Zusammenspiel von Innovation und Marke. Viele Innovationen gehen heute in der Menge der Innovationen unter. So geht es nicht nur darum, dass Unternehmen innovativ sind, sondern vor allem darum, dass man diese Innovation bestmöglich in der Wahrnehmung der Kunden und damit am Markt als führende Marke positioniert.

Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Amazon die erste Internetbuchhandlung dieser Welt. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war der iPod von Apple der erste MP3-Player mit Harddisc dieser Welt, auf dem 1.000 Lieder Platz hatten. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Tesla der alleinige Vorreiter in der Elektromobilität. Das ist die allgemeine Wahrnehmung.

Nur in der Realität war Powells.com vor Amazon bereits eine Interbuchhandlung. Nur in der Realität war die Creative Nomad Jukebox der erste MP3-Player mit Harddisc, der über 1.000 Lieder speichern konnte. Nur in der Realität war der Nissan Leaf über Jahre das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Nur schafften es weder Powells.com, noch Creative Technology, noch Nissan diese Innovationen zu nutzen, um damit starke Marken zu bauen.

Was Peter Drucker bereits 1954 wusste

Das heißt: Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Durchsetzungskraft höherer Preise sind Innovation und Qualität alleine zu wenig. Entscheidend ist auch vor allem das richtige Branding und Marketing. Nicht umsonst schrieb Managementlegende Peter Drucker bereits 1954 folgende Zeilen: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: marketing and innovation. Marketing and innovation produce results; all the rest are costs.“ Heute würde er wahrscheinlich ein Wort ändern und schreiben: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: branding and innovation. Branding and innovation produce results; all the rest are costs.“

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Der Altar der Vergangenheit und ein fiktives Meeting der Kutschen- und Hufschmiedeindustrie

Das 20. Jahrhundert hat gerade begonnen und noch regiert der Kaiser in Österreich. Am Horizont taucht mit der „Motorkutsche“ eine neue Technologie auf. Aus diesem Grund treffen sich in Wien die Vertreter der österreichischen Kutschenindustrie und die Vertreter der österreichischen Hufschmiedeindustrie. Dabei kommt es dann zu folgendem fiktiven Gespräch, das so fiktiv für die Nachwelt protokolliert wurde:

Das Protokoll zu diesem Gedankenaustausch

Teilnehmer A: „Immer mehr dieser studierten Experten glauben, dass diese Motorkutschen, also diese sogenannten Automobile die Zukunft der persönlichen Mobilität werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Treffen einberufen, um über die Zukunft unserer Industrien zu diskutieren und die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Teilnehmer B: „Ich habe immer schon gesagt, dass diese Studierten keine Ahnung von der Praxis haben. Nehmen Sie so ein Automobil und versuchen Sie damit von Wien nach Linz zu kommen. Unmöglich! Mit einer Tankfüllung kommen Sie nicht weit. Zudem finden Sie keine Möglichkeit zum Nachtanken, wenn sie diese brauchen und wahrscheinlich haben Sie zudem auch einen Motorschaden. Das mag vielleicht in Städten für ein paar „Auserwählte“ funktionieren, aber nie für die Masse. Wer heute von Wien nach Linz will, muss die Eisenbahn oder eine Kutsche nehmen. Punkt!“

Teilnehmer C: „Ganz richtig. Und bedenken Sie, dass es wahrscheinlich viel zu wenig von diesem Treibstoff gibt, um wirklich damit einmal Massen zu bewegen. Das ist alles Utopie. Umso erschreckender finde ich, dass es angeblich auch in unseren Reihen „Spinner“ gibt, die auf diese Technologie setzen wollen. Es ist einfach verrückt.“

Teilnehmer B: „Und die Umweltverschmutzung! Haben Sie schon einmal so eine Erdölbohrstation besucht. Das stinkt, verschmutzt extrem die Umgebung und ist auch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Alleine deshalb hat das alles keine Zukunft. Und auch die Autos selbst stinken furchtbar und sind zudem unangenehm laut. Hier sollte auch der Gesetzgeber klare Grenzen ziehen. Im Gegensatz dazu sind unsere Pferde eine echte Bereicherung für die Natur und den Umweltschutz. Und das bisschen Rauch aus den Schmieden kann man klar vernachlässigen.“

Teilnehmer A: „Trotzdem sollten wir die technologischen und politischen Weichen für die Zukunft unserer Industrien heute schon vorausschauend stellen. Dazu möchte ich drei Punkte in den Raum bzw. auf die Tagesordnung stellen:

(1) Wir sollten eine Pferde-Motor-Kutsche entwickeln, um beide Technologien perfekt mit einander zu verbinden. Damit bekommen unsere Pferde auch immer wieder eine Ruhepause und können hinten einfach angehängt mittrotten. Zudem kann uns niemand mehr so vorwerfen, dass wir der Technologie im Wege stehen. Ganz im Gegenteil: Wir sind die, die wirklich technologie-offen sind.

(2) Wir sollten unbedingt mit dem Kaiser sprechen, dass unsere beiden Industrien politisch und wirtschaftlich heute und in Zukunft nachhaltig unterstützt werden. Wir sind ein echtes, wichtiges und unverzichtbares Rückgrat dieser Wirtschaft. So werden wir auch in Zukunft sehr viel mehr Menschen beschäftigen als diese dubiosen Motorkutschen-Produzenten. Nur so kann sichergestellt werden, dass unsere Wirtschaft auch in den nächsten Jahrzehnten funktionieren wird.

(3) Wir sollten diese Art von Treffen unbedingt auch auf europäischer Ebene veranstalten. Europa muss ein Kutschen- und Hufschmiede-Kontinent bleiben. Das ist unsere Zukunft und die Zukunft unseres Kontinents im Welthandel.“

Peter Drucker und der Alter der Vergangenheit

Natürlich ist das Ganze rein fiktiv. So hat natürlich diese Art von Meeting weder damals noch heute – etwa in einer anderen Industrie – stattgefunden. Was weniger fiktiv ist, ist, dass immer wieder Unternehmen und auch Volkswirtschaften in disruptiven Märkten die Vergangenheit überschätzen und die Zukunft unterschätzen.

Das gilt speziell dann, wenn man eine sehr ausgereifte Technologie mit einer neuen Technologie vergleicht, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Nicht umsonst wurde Managementdenker Peter Drucker nicht müde zu erklären, dass viele Unternehmen ihre Zukunft auf dem Altar der Vergangenheit opfern.

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Pole-Positioning: Die Formel Nr. 1 zum Marken- und Markterfolg

Das beste Produkt, die beste Dienstleistung, das motivierteste Team und die kreativste Werbekampagne bringen wenig, wenn man vom Markt, also den Menschen nur als ein weiterer Marktteilnehmer unter mehreren angesehen wird. Denn genau dann befindet man sich im sogenannten unprofilierten Mittelfeld.

Ein schwerwiegender Satz

So hört man auch immer wieder folgenden Satz von Nicht-Marktführern in diesem unprofilierten Mittelfeld: „Ich verstehe das nicht. Unsere Produkte sind mindestens so gut wie die des Marktführers, wenn nicht sogar besser. Zudem sind wir auch noch günstiger. Nur die „dummen Kunden“ begreifen es einfach nicht.“

Das Interessante dabei: Wir Menschen setzen in der Regel Mittelfeld mit Mittelmaß gleich. Dazu kommt noch, dass auch der Preis nicht nur Zahlungseinheit ist, sondern auch Qualitätsmesser. Deshalb ist Lindt teurer als Milka und Milka wiederum teurer als eine Eigenmarke einer Supermarktkette. Genauso führt diese Position als weiterer Marktteilnehmer in Verbindung mit einem niedrigen Preis auch zu einer niedrigeren Qualitätseinschätzung, wenn man überhaupt wahrgenommen wird,

Die Macht der Positionierung

Genau deshalb ist es wichtig, dass man eine eigenständige Pole-Position in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden besitzt. Entscheidend dabei ist aber, dass man bei dieser Aufgabe nicht mit der eigenen Marke, sondern immer mit dem mentalen Kontext aus Kundensicht startet. Dazu sollten wir uns die Marke Dr. Best aus dieser Perspektive ansehen.

Wenn man 1985 in Deutschland oder Österreich an eine neue Zahnbürste dachte, waren die führenden Marken Blend-a-dent und Oral-b. Damals war Dr. Best, wenn man die Marke überhaupt wahrnahm oder kannte, maximal eine weitere Handzahnbürste unter vielen. Und mit einer neuen Werbelinie alleine hätte man das sicher nicht ändern können.

Entscheidend war, dass man eine brillante Positionierung fand, die zu diesem mentalen Wettbewerbskontext passte. So wurde aus einer weiteren Handzahnbürste die erste nachgebende Zahnbürste. Damit besaß man auf einmal selbst eine eigene Pole-Position oder Führungsposition in den Köpfen der Kunden. Und je wichtiger man die Idee oder Position „nachgebende Zahnbürste“ auf Kosten der starren Zahnbürsten machte, desto wichtiger und wertvoller wurde die Marke Dr. Best. So stieg alleine im Zeitraum von 1988 bis zur Jahrtausendwende der Marktanteil von mageren 6 Prozent auf sensationelle 42 Prozent. Gleichzeitig konnte man auch den Verkaufspreis klar steigern. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer mentalen Pole-Position gegenüber der Wahrnehmung eines weiteren Anbieters unter vielen.

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JD.com, Media-Markt, Saturn und zwei potenzielle strategische Markenentscheidungen

Kürzlich vermeldete Lebensmittelzeitung.net das Folgende: „Ausgerechnet Mediamarkt soll die nächste Evolutionsstufe im deutschen und europäischen Handel einläuten. Wer hätte das gedacht? Mit dem beschlossenen Einstieg von Jingdong – international bekannt als JD.com – bei der Muttergesellschaft Ceconomy sind die Erwartungen von heute auf morgen in die Höhe geschossen. Die direkte Konkurrenz der Elektronik-Spezialisten geht in Habacht-Stellung und auch etablierte Onlinehändler beobachten derzeit jeden Schritt des kommenden Wettbewerbers. Alle sind sich einig: Der Markt wird sich verändern. Sogar von Disruption ist die Rede.“

Das Marken-Chaos beenden

Egal, was JD.com genau mit Media-Markt Saturn plant, aus Markensicht sollte man vor allem einmal das aktuelle Marken-Chaos beenden. Dazu hat man zwei grundlegende Möglichkeiten:

  • Man fokussiert alle Kräfte auf Media-Markt und stellt die Marke Saturn, wie es in Österreich bereits im Oktober 2020 passiert ist, komplett ein. Basierend darauf könnte man eine klare Positionierungs- und Standortentscheidung treffen.
  • Man führt beide Marken wieder klar getrennt. Nur dazu müsste diese Trennung anders als früher aussehen. Anbieten würde sich dabei, dass man Media-Markt als Omni-Channel-Marke mit Schwerpunkt klassischer Handel weiterführt, während man Saturn zur reinen Online-Marke macht.

Diese Art der Entscheidung sollte man zudem nicht hinauszögern, sondern so bald wie nur möglich andenken und umsetzen. Dabei sollte man aber die zwei Hauptziele eines Mehr-Marken-Systems im Auge haben.

Die zwei Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen

Das erste Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen sollte mentale und tatsächliche Marktdominanz sein. Dazu sollten sich die Marken nicht ins Gehege kommen, sondern klar ergänzen. Das heißt: Man sollte Überschneidungen möglichst vermeiden. Früher machte dies der VW-Konzern mit Audi, VW und Skoda nahezu perfekt. So war Audi klar als Premiummarke positioniert, VW der Marktführer in der Mitte und Skoda als der clevere Preiseinstieg in die Volkswagen-Welt. Heute sollte man bei VW aber aufpassen, dass sich diese Marken nicht selbst zu sehr ins Gehege kommen. Dazu kann man sehr wohl General Motors als warnendes Beispiel sehen.

Das zweite Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen betrifft den Faktor Zeit. So sollte man unbedingt Marken der Gegenwart besitzen, dann im Falle des Falles eine oder mehrere Zukunftsmarken und natürlich darf man auch Marken der Vergangenheit haben, von denen man sich abrupt oder schleichend trennen kann. Hier hat es VW klar versäumt, dass man das eigene Markenportfolio frühzeitig um eine oder mehrere Elektroautomarken ergänzt hat. (Speziell im Bereich Nutzfahrzeuge hat man hier mit Sicherheit eine globale Chance vergeben.)

Media-Markt oder Media-Markt und Saturn

Aktuell sind Media-Markt und Saturn beide Marken der Gegenwart, die sich klar überschneiden und daher auch aktuell gemeinsam geführt werden. Damit hat man aus der obigen Perspektive eine Marke zu viel für die Gegenwart.

Wenn man aber bei Saturn die Chance sieht, dass man damit als reine Online-Marke klar punkten könnte, dann sollte man Saturn als Zukunftsmarke neben Media-Markt positionieren. Wenn man diese Chance nicht sieht, sollte man alle Kräfte auf Media-Markt fokussieren.

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Mindpoint statt Touchpoint oder der wahre Punkt der Entscheidung

Ein Begriff im Marketing und in der Markenführung, der vor allem auch im Rahmen der Customer Journey eine große Rolle spielt, ist der Begriff „Touchpoint“. Dabei geht es zum Beispiel um die Berührungs- oder Kontaktpunkte bestehender und potenzieller Kunden mit einer Marke. Dies kann natürlich vor dem möglichen Kauf sein, beim Kaufabschluss oder auch nach dem Kaufabschluss. Und natürlich sollte jeder dieser Berührungspunkte helfen, die Marke zu positionieren und zu bauen.

„Mind“ statt „Touch“

Nur statt Touchpoint verwenden wir seit kurzem in unserer Beratungspraxis lieber den Begriff Mindpoint. Gleichzeitig sprechen wir auch nicht von der bereits oben erwähnten Customer Journey, sondern von der Mindpoint-Journey. Damit wollen wir für unsere Klienten klar hervorheben, wo wirklich der Punkt der Entscheidung ist, nämlich nur und nur in den Köpfen der bestehenden und potenziellen Kunden.

Dazu kommt noch, dass wir finden, dass der Begriff Mindpoint sofort als umfassender wahrgenommen wird als der Begriff Touchpoint. Denn Mindpoint suggeriert sehr viel mehr als nur unsere angreifbare Welt, auch wenn natürlich in den klassischen Touchpoint Definitionen die digitale Welt in der Regel immer mitinbegriffen ist.

Die Mindpoints identifizieren und planen

Das heißt aber auch, dass man zuerst einmal die bestehenden (potenziellen) Mindpoints entlang der Mindpoint-Journey identifizieren muss. Dabei sollte man aber nicht nur in Medien denken, sondern wirklich alle Punkte inkl. etwa dem Point of Sale oder dem Produkt selbst berücksichtigen. Basierend darauf sollte man dann die optimale Mindpoint-Journey für die Zukunft planen.

Aber auch hier gilt, dass weniger sehr viel mehr sein kann. Speziell aus Sicht unserer Wahrnehmung und unseres Gedächtnis geht es um wahrgenommene Dominanz. So war es etwa für die amerikanische Tortilla-Chips-Marke Takis von großem Vorteil, dass der erste entscheidende Mindpoint nicht bei Walmart sondern in Snackautomaten an Universitäten war. Hätte man versucht, die Marke zuerst bei Walmart zu platzieren, wäre das Risiko mehr als groß gewesen, dass man aus Sicht der Wahrnehmung in der Menge der diversen Chips untergegangen wäre. In den Snackautomaten war und ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer, dass man im Umfeld als echter Player wahrgenommen wurde und wird.

Heute ist die Marke als Marktführer bei gerollten Tortilla-Chips natürlich auch dominant bei Walmart vertreten und geht mit Sicherheit nicht in der Menge sang- und klanglos unter. Das heißt aber auch bei der Planung der Mindpoint-Journey sollte man sich von einer kleinen Dominanz zu einer immer größeren Dominanz bewegen. So scheitern die meisten neuen Marken nicht am zu kleinen Markt, sondern am zu großen Markt, in dem man einfach in der Menge untergeht.

Mindpoints und visuelle Positionierung

Speziell aus Sicht der visuellen Positionierung sollte man aber immer den wichtigsten Mindpoint identifizieren und dann darauf fokussieren. Dazu sollten wir einen Ausflug zu den Olympischen Sommerspielen 2012 in London machen. Der Hauptsponsor war damals Adidas und eigentlich waren so gut wie immer und überall die Drei Streifen zu sehen. Nur wirkten diese oft einfach nur wie eine Art „Hintergrundtapete“.

Ganz anders wirkten die neon-grün-gelben Volt-Laufschuhe von Nike, die über 400 Athleten und Athletinnen trugen. 68 dieser Athleten gewannen noch dazu Medaillen, 25 davon in Gold. So waren diese Nike Volts die wahren visuellen Stars in London und stellten mental den Hauptsponsor klar in den visuellen Schatten. Hier war einerseits entscheidend, dass die Sportschuhe von Nike echter Bestandteil des Sports waren. Andererseits war natürlich ganz wesentlich, dass man sich für eine echte „Reizfarbe“ entschieden hatte, die klar aus der Masse der anderen „braven“ Schuhe herausstach.

Dazu erklärte damals ein Nike Kommunikationsverantwortlicher: „Von allen Farben des Regenbogens reagieren das menschliche Auge und das visuelle System am empfindlichsten auf den gelb-grünen Bereich. Die Stärke dieses visuellen Signals wird am besten genutzt, wenn der Hintergrund dazu einen starken Kontrast bildet, wie das bei der olympischen Laufstrecke in London der Fall ist, nämlich rötlich.  Das menschliche Auge hat eine relativ geringe Empfindlichkeit für Rot gegenüber einer sehr viel höheren Empfindlichkeit gegenüber der Farbe Volt.“

Auch wenn dieses Beispiel eher operativer Natur war, zeigt es sehr gut, warum die fokussierte visuelle Positionierung so wichtig ist. Obwohl aus klassischer Touchpoint-Sicht Adidas sehr viel stärker als Nike vertreten war, war aus Mindpoint-Sicht Nike der klare Gewinner.

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Zum Tod von Ozzy Osbourne: Was Menschen und Marken „unsterblich“ macht

„Ozzy Osbourne, Godfather of Metal und Prince of Darkness, ist tot“, „Der Fürst der Finsternis: Ozzy Osbourne ist tot“ oder „“Fürst der Finsternis“ Ozzy Osbourne stirbt mit 76“ waren nur einige Überschriften und Statements zum Tod dieser Rocklegende. Selbst die FAZ schrieb etwas eingedeutscht vom „Miterfinder tonnenschwerer Musik“.

Mehr als nur ein Name

Bei den meisten Todesanzeigen und Nachrufen geht es in der Regel um den Namen und den Lebenslauf. Nur wenige hinterlassen mehr, nämlich einen Namen, der zudem für etwas ganz Spezifisches steht. Gemeint ist damit ein Name, der in unserer Wahrnehmung, aber vor allem in unserem Gedächtnis seine ganz eigene „Schublade“ oder „Position“ besitzt.

So gesehen wird Ozzy Osbourne für immer einen mentalen Platz haben, weil er als Godfather of Metal oder „Prinz oder Fürst der Finsternis“ immer abgespeichert sein wird. Damit ist er nicht alleine. Viele lebende und auch bereits verstorbene Künstler besitzen diese Art von Schublade in unserer Wahrnehmung und in unserem Gedächtnis. Sie denken an Pop-Art. Sie denken an Andy Warhol. Sie denken an Streetart. Sie denken an Banksy. Elvis Presley wiederum hat sich im Laufe der Zeit die Position oder den Titel „King of Rock’n’Roll“ verdient.

Michael Jackson war und ist der „King of Pop“, Madonna ist die „Queen of Pop“ und Kylie Minogue wurde speziell von den europäischen Medien mit dem Titel oder der Position „Princess of Pop“ geadelt. Aretha Franklin gilt als „Queen of Soul“, Sam Cooke als „King of Soul“ und James Brown wird sogar immer wieder als „Godfather of Soul“ bezeichnet.

Das eine Wort besitzen

Übervereinfacht könnte man in diesem Zusammenhang auch von „Branding by Eselsbrücke“ sprechen. So besitzen auch die stärksten Marken der analogen und digitalen Welt ihre ureigene Schublade, die sich im Idealfall auf ein zentrales Wort fokussieren lässt.

Marke ….. Fokus

          BMW ….. Fahrfreude

          Audi ….. Technik

          Volvo ….. Sicherheit

          Tesla ….. Elektro

          Coca-Cola ….. Original-Cola

          McDonald’s …..Hamburger

          Google ….. Suche

          YouTube ….. Video

          TikTok ….. Kurzvideo

          Netflix ….. Videostreaming

          Spotify ….. Musikstreaming

          ChatGPT ….. KI-Chatbot

          H&M ….. Fast Fashion

          Shein ….. Ultrafast Fashion

          Milka ….. Zart

          Zotter ….. Handgeschöpft

          Nivea ….. Pflege

          Knoppers ….. Frühstückchen

          Würth ….. Schrauben

          Rational ….. Kombidämpfer

          Flixbus ….. Fernbus

          Engel ….. Spritzgussmaschinen

          Zoom ….. Videokonferenz

          DeepL ….. Übersetzung

Viele Markenverantwortlich, die den Wert des einen Wortes erkennen, suchen in der Regel aber oft nur nach dem zweitbesten Wort. Dafür mögen Vorbilder wie Milka mit „zart“, Nivea mit „Pflege“, BMW mit „Fahrfreude“, Audi mit „Technik“ oder auch Volvo mit „Sicherheit“ verantwortlich sein. Das heißt: Man sucht nach einem spezifischen und für die Kunden relevanten Eigenschaftswort oder auch nach einem spezifischen und für die Kunden relevanten Nutzen.

Was man von  Mariah, Darlene und Elizabeth lernen kann

Nur die stärksten Wörter dieser Welt sind weder Eigenschaftsworte noch Nutzen. Das stärkste Wort, das man als Mensch oder Marke besitzen kann, ist jeweils die Marktkategorie, in der man tätig ist. Denn genau dann wird man als Marktführer oder Original wahrgenommen. Dabei können Markenverantwortliche auch sehr viel von Musikerinnen lernen.

So gesehen ist es gar nicht verwunderlich, dass sich Mariah Carey basierend auf dem Erfolg ihres weltweiten Weihnachtshits „All I Want for Christmas Is You“ die Bezeichnung oder den Titel „Queen of Christmas“ rechtlich schützen lassen wollte. Nur genau das traf auf heftigen Widerstand der Sängerinnen Darlene Love und Elizabeth Chan, die ebenfalls bereits so von den amerikanischen Medien tituliert wurden.

Zu wenig kreativ

Interessant ist hier, dass viele kreative Künstler, kreative Künstlerinnen und vor allem auch deren Management klar die Macht dieser Art der Positionierung verstehen, während gleichzeitig viele „Markenexperten“ genau diese Art der Positionierung immer noch als „zu wenig kreativ“ gering schätzen.

So gesehen lag die wahre Kreativität von Dietrich Mateschitz weder im Markennamen Red Bull, noch im Slogan „verleiht Flügel“ und auch nicht im Design oder der Werbelinie, die beide seit 1987 so gut wie unverändert sind, sondern vor allem in der Erfindung der Kategorie Energydrink. Sie denken Energydrink. Sie denken Red Bull. Damit schuf sich Red Bull eine eigene mentale Liga. Und egal wie kreativ oder auch emotional die tausenden anderen Energydrinks dieser Welt werben, sie werden genau deshalb immer nur im mentalen Schatten des Roten Stiers stehen.

Erschien im Original auf Horizont.net

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Namensfindung: Nogger Magnifico, Nogger Premium, Nogger Magnum oder doch nur Magnum

Am 15. Juli dieses Jahres konnte man folgende Zeilen in der Tageszeitung Die Presse lesen: „Vor etwas mehr als 35 Jahren wurde Heinz Leopold mit der Aufgabe betraut, der Eismarke Nogger ein Update zu verpassen.“ Ein Jahr vorher hatte Unilever laut diesem Bericht mit Cornetto Magnifico eine Premiumvariante der Marke Cornetto auf den Markt gebracht. So gesehen war es nur logisch, dass man der Marke Nogger ebenfalls eine Premiumvariante verpasst.

Projekt Nogger Magnum …

Das Projekt, dass man damals Assistant Brand Manager Leopold anvertraute, hatte den Namen Nogger Magnum. Die Idee dahinter war, dass man mit einem Eis am Stiel nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern vor allem auch Erwachsene erreichen wollte.

Damit kreierte man bei Unilever nicht nur ein neues Eis, sondern man kreierte eine neue Premiumkategorie von Eis am Stiel. Zudem hatte man den Mut, dieses Eis im Januar zu lancieren. Und dann traf man wohl die wichtigste und zugleich mutigste Entscheidung. Man setzte nicht auf den eingeführten Markennamen Nogger, sondern man lancierte wirklich eine neue eigenständige Marke.

Gestern und heute

Viele starke Markensysteme der Gegenwart beruhen noch heute darauf, dass früher anscheinend das Management eher den Mut hatte, eine echte Kategorieinnovation unter einer neuen Marke und nicht unter einem bereits eingeführten Markennamen zu lancieren.

Heute hätte das Management von Unilever, so meine Vermutung eher auf Nogger Magnum und nicht auf Magnum alleine gesetzt. Nur damit wäre dieses neue Eis mental immer nur eine Sorte Nogger geblieben. Sowie Cornetto Magnifico nie als echte Premiummarke gesehen wurde. Es war immer nur maximal eine Cornetto-Sorte oder Cornetto-Variante.

Neue Kategorie, neue Marke

Wenn Unternehmen heute neue Kategorien lancieren, dann sollten sie dies immer unter einer neuen Marke machen. Wenn man es nicht macht riskiert man zwei wesentliche Dinge:

(1) Man riskiert, dass die neue Kategorie nur als eine weitere Variante einer bestehenden Marke wahrgenommen wird.

(2) Man riskiert, dass die Menschen nach einem längeren Zeitraum nicht mehr wissen, wer das Original und wer die Kopie war.

Dazu noch zwei Beispiele aus den USA: Miller Lite war vor Bud Light auf dem Markt und war kurzfristig enorm erfolgreich. Danach lancierte so gut wie jede Biermarke eine Light-Variante. Die Folge: Bud Light stieg zum klaren Marktführer auf und die frühere Pionierposition von Miller mit Lite wurde wertlos. (Mittlerweile verwirren Budweiser, Coors und Miller den Markt mit so vielen Sorten und Varianten, dass es Modelo gelang, zum Marktführer in den USA aufzusteigen.) Und wussten Sie, dass Diet Pepsi lange vor Diet Coke auf dem Markt war? Nur auch das interessiert niemanden, vielmehr glauben sicher alle, dass Diet Coke vor Diet Pepsi auf dem Markt war.

Vielleicht hätte unter diesen Gesichtspunkten auch Rügenwalder gut daran getan, für die veganen und vegetarischen Wurstprodukte einen neuen eigenständigen Namen zu wählen? Damit hätte heute der neue Mehrheitseigentümer Pfeifer & Langen zwei führende klar positionierte Marken im Sortiment.

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Markendehnung gestern, heute und morgen

Als ich Ende der 1980er Jahre die Welt des Marketings betrat, war die Markenstrategie Nr. 1 mit Sicherheit die Markendehnung. Es schien der schnelle, einfache und vor allem sichere Weg zu mehr Wachstum und mehr Markenerfolg. Wer es damals wagte, diese Strategie kritisch zu hinterfragen, war schnell in einer Art „Außenseiterposition“.

Immer mehr Nebenwirkungen

Nur mit der Zeit mehrten sich die kritischen Stimmen und vor allem wurde auch der „Beipackzettel“ in den Marken- und Marketingbüchern immer länger. So wurden immer mehr Regeln und Gefahren definiert, um Marken wirklich dauerhaft erfolgreich zu dehnen.

Kurzfristig gesehen sind viele Markendehnungen, egal ob Line- oder Brand-Extension erfolgreich. Dafür sorgt in der Regel der gut eingeführte Name, den man nutzt oder in vielen Fällen ausnutzt. Nur je breiter Marken durch erfolgreiche Markendehnungen werden, desto größer wird die Gefahr, dass vor allem die nachwachsende Generation die Marke als mehr oder weniger austauschbar und wenig spezifisch wahrnimmt.

Vier Erfolgsfaktoren für Nivea …

Nehmen wir dazu einmal die Marke Nivea! Nivea ist sicher eine der erfolgreichsten Markendehnungen. Das hat sicher einmal vier wesentliche Gründe:

(1) Viele wurden von klein auf mit der Nivea Creme groß. So ist diese auch in meiner Wahrnehmung und in meinem Gedächtnis immer noch die Basis und der mentale Anker der Marke.

(2) Nivea hat es mit dem Attribut „Pflege“ geschafft, dass man eine extrem starke Markenklammer hat, die in verschiedenen Produktkategorien und damit auch auf verschiedenen Produkten funktioniert. (Als man um die Jahrtausendwende Pflege auf Schönheitspflege erweitere, musste man aber auch bei Nivea erkennen, dass man damit die Marke überdehnt. Heute ist Nivea wieder klar auf Pflege fokussiert.)

(3) Man kann Nivea-Produkte in vielen Fällen parallel benutzen. So kann man etwa ein Nivea Duschbad, ein Nivea Deo und die Nivea Creme sofort hintereinander benutzen. (Bei Coca-Cola etwa sieht dies anders aus. Hier muss man in der Regel eine Entweder-oder-Entscheidung treffen. Niemand wird die dreifache Menge Cola am Tag trinken, nur weil es neben dem klassischen Coca-Cola noch Zero und Light gibt.)

(4) Nivea ist am Point of Sale extrem dominant und profitiert damit auch davon, dass dieser Platz limitiert ist und sich damit oft Mitbewerber enorm schwer tun, selbst ausreichend Platz zu bekommen.

… und die Faktoren Zeit und Eigenmarken

Aber auch für Nivea gibt es heute und vor allem in Zukunft zwei große Herausforderungen, nämlich der Faktor Zeit mit der nachwachsenden Generation und der Faktor Eigenmarken. Dazu sollten wir uns beide einmal näher ansehen.

(1) Wenn man heute oder auch vor 10 oder 20 Jahren auf die Welt gekommen ist, hat man die Nivea Creme in der Regel nicht mehr als die eine „Markenherkunft“ kennengelernt. Damit fehlt hier ein wesentlicher mentaler Markenanker. So gibt es etwa für meine Tochter, wenn man bei dm einkaufen geht, eigentlich wenig Unterschied zwischen Nivea und Balea. So zeigen auch immer mehr Studien, dass die nachwachsende Generation nicht mehr so sehr zwischen klassischer Herstellermarke und Eigenmarke unterscheidet. Das gilt vor allem für sehr breite und damit gedehnte Herstellermarken.

(2) Gleichzeitig setzen immer mehr Handelsketten auf immer mehr Eigenmarken in den eigenen Zielsetzungen.

Drei Erfolgsfaktoren für Eigenmarken

Dabei kommen diesen Handelsketten aktuell drei Faktoren enorm entgegen.

(1) Je breiter Herstellermarken aufgestellt sind, desto mehr potenzielle Angriffspunkte bieten diese.

(2) Je breiter Herstellermarken aufgestellt sind, desto größer ist die Chance, dass diese auf Zeit nicht mehr als so gut wie früher wahrgenommen werden. (Zudem kann man diese mit Preisaktionen wöchentlich leichter „verramschen“.)

(3) Man hat die Regalhoheit und kann so die eigenen Eigenmarken gegenüber den Herstellermarken besser platzieren.

So gesehen kann sich speziell der Handel freuen, wenn starke Marken im Laufe der Zeit durch Überdehnung geschwächt werden.

Die Gratwanderung suchen

Für Markenverantwortliche heißt es aber, dass man oft auch die Gratwanderung zwischen klarer Markenpositionierung und den möglichen Wachstumschancen suchen muss. Entscheidend dabei ist natürlich, dass jede angedachte Markenerweiterung zur Marke in Summe passt. Zudem sollte man das Kannibalisierungspotenzial so gering wie möglich halten. Denn genau dieses kann dazu führen, dass man die eigenen Kunden von der Marke „wegerzieht“. Trank man früher Coke mit Zucker, dann Coke Zero, trinkt man heute gesündere Alternativen.

Zudem sollte man aber immer darauf achten, dass man „mentale Ankerpunkte“ besitzt, auf die man sich im Falle des Falles refokussieren kann. Das kann etwa eine starke Führungsposition oder ein starkes Attribut sein oder es können auch einzelne Leadprodukte oder Leadleistungen sein. So war auch Sony eine sehr viel stärkere Marke, als man noch mit konkreten Leuchtturmprodukten wie Walkman, HandyCam, Camcorder oder Trinitron mental verbunden wurde. Aus dieser Perspektive betrachtet macht mit Sicherheit das Samsung Galaxy mehr für Samsung als umgekehrt.

Eines ist aber klar. Stand man früher dem Thema Markendehnung viel zu optimistisch gegenüber, ist der Blick darauf heute mit Sicherheit realistischer. Auf eines aber sollte man immer achten: Speziell eine sehr erfolgreiche Markendehnung mit hohem Kannibalisierungspotenzial kann nicht nur die Kernmarke nachhaltig untergraben, sondern auch „süchtig“ machen. Das führt dann zu mehr und mehr Markendehnungen und letztendlich zu einer „ausgebrannten Marke“.

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„Grand Prix gewonnen. Etat weg“ oder zwei Gedanken zur Kreativität aus Markensicht

„Grand Prix gewonnen, Etat weg“ war eine Headline im Horizont vom 26. Juni 2025. Dabei ging es vor allem darum, was Kreativpreise über eine erfolgreiche Markenarbeit aussagen, und im konkreten Fall, um die Zusammenarbeit von Penny und Serviceplan.

Einzelaktion statt roter Faden

Aus kreativer Sicht waren Spots wie die Weihnachtsfilme „Der Wunsch“ und seine Nachfolger „Der Riss“ und „The Kids“ sicher großes „Werbekino“. Aus strategischer Sicht waren es mögliche Highlights, aber ohne echten Bezug zur Marke. Dazu hieß es auch in diesem oben zitierten Artikel: „Nicht nur Serviceplan-Kritiker sind der Meinung, die Agentur habe zwar einen Blumenstrauß an kreativen Einzelmaßnahmen geliefert, aber eben keine übergreifende Idee, die nachhaltig etwas für die Marke Penny tut und sie differenziert.“

Das ist ein extrem wichtiger Punkt: Man sollte Strategie und Kreativität nicht gegeneinander ausspielen. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Nur in vielen Fällen führt Kreativität leider dazu, dass es mehr um den einen kreativen Spot als um die Marke in Summe geht. So gesehen sollte man ein kreatives Kampagnenmuster im Sinne der Marke suchen, nicht den einen kreativen Spot.

Marktführer versus Nicht-Marktführer

Aber man sollte noch einen zweiten wesentlichen Faktor im Auge haben, nämlich die mentale Ausgangsposition der Marke. So kann man nicht überbetonen, dass ein wahrgenommener Marktführer anders denken und handeln darf als ein Nicht-Marktführer. So ist der Marktführer der einzige Marktteilnehmer, der für die Kategorie in Summe werben darf. Damit hat man auch sehr viel mehr Freiheiten in der Kreativität.

Ganz anders sieht es für Nicht-Marktführer aus. Hier kann man nicht überbetonen, dass ein Nicht-Marktführer anders denken und handeln muss als ein wahrgenommener Marktführer. Für einen Nicht-Marktführer geht es darum, dass man aus dem mentalen Schatten des Marktführers kommt, um entweder als starke Alternative oder als Teilmarktführer in einer neuen Kategorie oder Nische gesehen zu werden. Hier muss sich dann die Kreativität ganz darauf fokussieren. Damit ist diese natürlich auch sehr viel eingeschränkter.

Immer strategisch richtig denken und handeln

Fazit: Erfolgreiche Markenführung beruht immer auf einer klaren Strategie. Damit sollte man zwei Gedanken zur Kreativität aus Markensicht im Auge haben:

Gedanke 1: Die mentale Ausgangsposition sollte den Rahmen für die Kreativität vorgeben. Das gilt nicht nur für die Kreativen, sondern vor allem auch für jene, die diese „briefen“.

Gedanke 2: Man sollte immer in kreativen Kampagnenmuster im Sinne der Marke und nicht in kreativen Einzelaktionen denken. Marke ist immer ein mentales Ergebnis und erfordert Konsistenz.

Diese zwei Gedanken mögen vielen Kreativen vielleicht nicht gefallen, weil sie die Kreativität einschränken. Das mag sein. Nur wenn es um die Marke geht, muss sich die Kreativität in den Dienst der Marke stellen. Alles andere wäre nur Selbstzweck.

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