Tesla, Musk und drei potenzielle Zukunftsprobleme

„Elon Musk begräbt seine Unternehmen – und macht einen Tesla-Kauf zunehmend problematisch“, „Elon Musks Eskapaden sorgen für Scham bei Tesla-Fahrern“ oder „E-Autofahrer wollen keine Teslas: Der Grund ist Elon Musk“. Das waren nur einige Headlines in letzter Zeit.

Vom Markensuperstar …

Steve Jobs für Apple, Michael O’Leary für Ryanair und natürlich Elon Musk für Tesla. CEOs können einen enormen Beitrag leisten, wenn es darum geht, Marken erfolgreich zu positionieren. Das gilt speziell auch dann, wenn es dem jeweiligen CEO gelingt als Themenführer und eine Art Branchensprecher wahrgenommen zu werden.

So gesehen hat Elon Musk bisher enorm viel für die Marke Tesla getan. Entscheidend dabei ist aber, dass sich der CEO wirklich in den Dienst der Marke stellt. Aktuell aber scheint Elon Musk aus Sicht von Tesla genau diesen Fokus zu verlieren oder gar schon verloren zu haben.

… zum potenziellen Krisenkandidaten

Denn wenn man sich aktuell vor allem die Medienberichterstattung über Elon Musk ansieht, wird Tesla nicht nur immer mehr zu einem Randthema, sondern auch durch den Namen Musk, wie die Headlines oben zeigen, belastet. Damit aber steht Tesla aktuell nicht nur vor einem, sondern vor drei potenziellen Markenproblemen:

(1) Normalerweise stecken starke Marken kurzfristige mediale Krisen oder auch Shitstorms relativ unbeschadet weg. In diesem Fall aber könnte Musk selbst durch seine Selbstinszenierung dafür sorgen, dass diese negativen Schlagzeilen nicht nur nicht abreißen, sondern laufend verstärkt werden. Heißt aber auch: Entscheidend ist vor allem, was die Medien berichten oder auch nicht berichten.

(2) Teslas Brot-und-Butter-Modelle wie Model S, Model 3 und in naher Zukunft auch Model Y kommen immer mehr in die Jahre. Daran werden auch PR-trächtige Modelle wie der Cybertruck und das angekündigte Robotaxi nichts ändern. Hier wird aus Markensicht klar das Kerngeschäft vernachlässigt. Hier wären – vor allem aktuell – für das Model S und wahrscheinlich auch schon für das Model 3 echte Nachfolgermodelle fällig oder sogar überfällig.

(3) Musk ist schon lange nicht mehr der E-Auto-Branchensprecher, weil er einmal für X, dann für SpaceX und dann wieder einmal für Donald Trump spricht. Nur damit besteht die potenzielle Gefahr, dass diese Rolle einmal ein anderer CEO einnehmen wird, der dieses Vakuum erkennt.

Fazit: Aus Markensicht hat Tesla aktuell mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Marken- und Unternehmensbaustellen. Hier sollte Elon Musk tunlichst darauf achten, dass daraus in Summe nicht eine „Großbaustelle Tesla“ wird.

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König Pilsener und eine neue Markendefinition

Letzte Woche konnte man folgende Zeilen über die neue Kampagne von König Pilsener auf Horizont Online lesen: „Zwar hält König Pilsener an seinem altbekannten Markenclaim fest. Dennoch wird er nun nicht nur grafisch, sondern vor allem inhaltlich über das Storytelling völlig neu interpretiert. Stand früher das Bier selbst im Mittelpunkt, sind es jetzt die Kundinnen und Kunden, die selbst zu Königinnen und Königen werden können.“

Ohne echten Bezug zur Marke …

Spannend dabei ist, wie auch Horizont schreibt, dass es in den Spots keinen echten Bezug zum Produkt und zur Marke gibt. Dazu schreibt Horizont weiter: „Mit der neuen Markenkampagne will König Pilsener nach eigenen Angaben ein Zeichen für Selbstbestimmtheit und das Durchbrechen gesellschaftlicher Normen setzen. Dafür wurde die für die Markenpositionierung zentrale Frage, wer oder was in der heutigen Zeit König sein kann, zunächst neu beantwortet. Die Antwort überrascht, rückt sie doch die Marke etwas aus dem Fokus. Denn aus Sicht von KöPi dürfen sich heutzutage all jene König nennen, die es schaffen, sich genau so zu fühlen. Wie man diesen Gefühlszustand erreicht, ist völlig egal.“

Nur damit dürfte es den Verantwortlichen auch ziemlich egal sein, welche Bier- oder gar Getränkemarke man überhaupt kauft. Nur genau mit dieser Art von Kampagne untergräbt man massiv das Prinzip Marke. Gleichzeitig aber erhöht sich damit – vor allem am Point of Sale – die Gefahr, dass die mentale Denkabkürzung Marke durch die mentale Denkabkürzung „tiefer Preis“ ersetzt wird.

… und eine neue Markendefinition

Für unser Gehirn ist es enorm wichtig, dass es auf ökonomische Art und Weise Entscheidungen treffen kann. Unser Gehirn wäre massiv überlastet, wenn es bei jeder Entscheidung am Tag wirklich nachdenken müsste. Genau deshalb vertraut unser Gehirn auf gelernte Denkabkürzungen. Dazu gehört auch das Prinzip Marke (und natürlich auch das Prinzip Preis, wenn man alles als austauschbar wahrnimmt).

Und damit möchte ich auch den Begriff Marke neu und anders definieren, nämlich so: Eine Marke ist eine mentale Denkabkürzung mit Wertschätzungs- und folglich Wertschöpfungspotenzial. Nur genau dazu muss eine Marke für die Menschen auch relevant sein. Im Idealfall steht deshalb eine starke Marke im Gehirn stellvertretend für eine Produkt- oder Dienstleistungskategorie und vermeidet unbedingt nur als weiterer Anbieter wahrgenommen zu werden. Aus dieser Perspektive betrachtet, dürfte es zu wenig sein, wenn man (wie aktuell König Pilsener) nur als Präsenter ohne echten Bezug im Hintergrund auftritt.

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Kamala Harris und der Erfolgsfaktor Timing

Wenn ein Erfolgsfaktor in der Markenführung unterschätzt wird, dann ist das der Faktor Timing. Dabei sollte man aber klar zwischen Wirtschaft und Politik unterscheiden. In der Wirtschaft bedeutet Timing – über einen längeren Zeitraum betrachtet – vor allem, dass man nie auf die kumulative Wirkung aller Maßnahmen vergessen sollte. In der Politik bedeutet Timing, dass man alles zeitlich so inszeniert, dass man am Wahltag gewinnt.

Den ersten Aufschwung nicht genutzt

Schon kurz nachdem Kamala Harris von den Demokraten als Präsidentschaftskandidatin nominiert wurde, war eine typische Medienmeldung: „Die neue Spitzenkandidatin der Demokratischen Partei ist zwar verspätet, dafür umso erfolgreicher in den Präsidentschaftswahlkampf gestartet.“ So brachte Harris mit Sicherheit neuen Schwung in den Wahlkampf.

Nur genau diesen ersten Schwung nutzte man nicht, um ein starkes Kampagnenthema zu entwickeln. Kurzfristig glaubte man, dass man mit Joy oder Freedom punkten könnte. Aktuell heißt es zentral auf der Website von Kamala Harris: „A NEW WAY FORWARD FOR THE MIDDLE CLASS“. Wahrscheinlich möchte sie damit an die Forward Kampagne von Barack Obama aus dem Jahr 2012 anschließen, die aber bei weiten schon damals nicht die Kraft von „Change we can believe in“ aus dem Jahr 2008 hatte.

Das heißt: Harris hätte unbedingt diesen ersten Schwung aus Markensicht nutzen müssen, um ein starkes Kampagnenthema zu entwickeln, das es mit „Make America great again“ und „Fight! Fight! Fight!“ aufnehmen hätte können. Eine Idee dazu wäre „Unite! Unite! Unite!“ gewesen. Während Trump klar für das Trennende steht, hätte Harris für das Gemeinsame und Verbindende stehen können.

Barack und Michelle Obama suboptimal genutzt

Erschwerend kam hinzu, dass sich vor allem zu Beginn auch Barack Obama zögerlich zeigte, ob Harris wirklich die richtige Kandidatin sei. Damit verspielte man auch die Chance von Anfang an ein starkes gemeinsames Kampagnenthema emotional und glaubwürdig vorzustellen.

Gerade ein Slogan oder Thema wie „Unite! Unite! Unite!“ wäre perfekt gewesen, um gemeinsam, also von Kamala Harris, Barack und Michelle Obama präsentiert und zelebriert zu werden. Das heißt: Auch hier war das Timing alles andere als perfekt.

Eine Frage der Führungsposition

Wie es aktuell laut Umfragen aussieht, dürfte es extrem knapp zwischen Trump und Harris werden. Das zeigen auch die aktuellen Umfragen, in zu denen beide Kopf an Kopf liegen. Wenn man das Ganze aber aus Sicht des Wahltags beleuchtet, hat Trump aus Markensicht gerade bei den Unentschlossenen einen Vorteil. Er steht für etwas, nämlich für „Make America great again“ und für „Fight! Fight! Fight!“. Damit hat er eine Art „Führungsposition“ in der Wahrnehmung. Genau hier liegt eine klare Schwäche von Harris. Ihr fehlt die eine zentrale Idee und damit eine eigene mentale Führungsposition. So gesehen könnte es sich für die Demokraten rächen, dass man nicht frühzeitig den ersten Aufschwung nutzte, um wirklich ein starkes Thema gekonnt zu präsentieren und zu zelebrieren.

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Branding oder warum man immer einen echten Namen wählen sollte

Würden Sie einem Kind den Namen Kind geben? Wahrscheinlich nicht! Kinder bekommen in der Regel echte Namen wie aktuell etwa Emilia, Marie, Emma, Paul, Jakob oder Elias. Das sind jeweils die Top 3 Vornamen laut Statistik Austria für das Jahr 2023.

Als Wortmarke schutzfähig

Während also Eltern ihren Kindern in der Regel, wie bereits erwähnt, echte Namen geben, sieht dies leider in der Markenwelt oft ganz anders aus. So neigen speziell auch Start-up-Unternehmen dazu, statt auf einen schutzfähigen Markennamen zu setzen, sich für einen beschreibenden Begriff zu entscheiden. Nur genau damit behindert man einen erfolgreichen Markenbildungsprozess.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist in Österreich die Marke „Wood Fashion“. Dazu heißt es auf der Website: „Mit unserer Wood Fashion kannst du stolz sagen: „Ich trage zu 100 % echt Baum“. Genau dieser Satz bringt das Problem aus Markensicht perfekt auf den Punkt. „Unsere Wood Fashion“ könnte ein starker beschreibender Kategoriename sein, nur leider fehlt der starke Markenname.

Selbst Abkürzungen wie WF oder WoFa wären in diesem Fall bessere Namen als kein Name. So könnte es dann etwa auf der Website so lauten: „Mit WoFa, der führenden Wood Fashion Marke kannst du stolz sagen: „Ich trage zu 100 % echt Baum“. Heißt: Sollte sich die Kategorie Wood Fashion erfolgreich in der Modewelt etablieren, wird es spannend wer diese als Erster oder Erste mit einem echten Markennamen besetzt.

Deshalb werden etwa Apple Watch, Apple Music oder auch Apple TV+ nie dieselbe Markenkraft wie iPhone, iTunes oder iPad entwickeln. Deshalb sollten bei Markenverantwortlichen immer die Alarmglocken läuten, wenn ein Name nicht als Wortmarke schutzfähig ist. (Aber auch hier herrscht immer noch bei vielen der Irrglaube, dass eine Wortbildmarke besser sei als eine Wortmarke.)

Neuer Brückenname

So gesehen ist auch der neue Name für die neue Donaubrücke aus Markensicht alles andere als gut gewählt. Donautalbrücke mag sehr gut beschreiben, dass diese Brücke über ein Donautal geht, aber es ist eben genauso als ob man ein Kind Kind taufen würde.

Dabei hätte sich diese Brücke a la Golden Gate Bridge sehr wohl einen echten Namen verdient. So war die Golden Gate Bridge bei ihrer Eröffnung mit einer Hauptstützweite von 1280 Metern die längste Hängebrücke der Welt. Mit einem echten Namen hätte man auch die neue Brücke als „die schönste Donautalbrücke“ positionieren können. Wie nachteilig der Name ist, wird sich demnächst auch in den Medien zeigen. Eine Headline wie „Neue Donautalbrücke wird eröffnet“ ist ähnlich wie „Neues Einkaufscenter wird eröffnet“. Hier fehlt jeweils klar ein echter Eigenname wie etwa Nibelungenbrücke oder Plus City. So gesehen wären Namen wie Keplerbrücke oder Brucknerbrücke klar besser gewesen.

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VW und die „Qual der Wahl“-Falle

Gestern war in Österreich Wahltag. So wurde der Nationalrat für die nächste Legislaturperiode neu gewählt. Diesen Tag nutzte VW, um am Samstag noch einmal für die eigene Marke zu werben. Das ist nicht untypisch. Auch Österreichs führender Möbelhändler suchte in der aktuellen Kampagne den Bezug zu dieser Wahl.

Zwei Arten zu wählen

Nur psychologisch gesehen unterscheidet sich die VW-Kampagne ganz klar von der XXXLutz-Kampagne. Während XXXLutz die Nationalratswahl nutzte, um sich selbst als die beste Wahl [beim Möbelkauf] zu positionieren, ging VW klar einen anderen Weg. Dazu sollten wir uns dieses doppelseitige Sujet vom Samstag einmal näher ansehen.

Auf der Vorderseite heißt es: „Elektro, Hybrid oder Verbrenner von Volkswagen – Immer die richtige Wahl.“ Auf der Rückseite war dann eine Art Stimmzettel zum Ankreuzen. Dabei konnte man das Folgende lesen: „Wen wählen Sie? Stimmzettel für die Wahl zwischen Elektro, Hybrid oder Verbrenner von Volkswagen:“ Darunter folgten die Spitzenkandidaten ID.7 Tourer, Tiguan eHybrid und Golf. Zusätzlich konnte man mit „Vorzugstimme“ noch ID.3, ID.4, ID.5, ID.7 bei Elektro; Golf eHybrid, Passat eHybrid, Touareg eHybrid bei Hybrid; Polo, Golf Variant, T-Cross, Taigo, T-Roc, T-Roc Cabriolet, Tiguan, Touran, Passat und Touareg bei Verbrenner wählen.

Verwirrung statt Führung

Genau hier liegt der große psychologische Unterschied. Während XXXLutz sich klar als beste Wahl und Nummer 1 darstellt, tappt Volkswagen in die „Egal was Du willst, wir haben es“-Falle und damit die „Qual der Wahl“-Falle. Während also XXXLutz die Kunden führt, trägt die VW-Kampagne viel mehr zur Verunsicherung und Verwirrung bei. Wenn VW selbst aktuell nicht weiß, was die beste Wahl ist, wie sollten es dann die Kunden wissen.

Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt, der in der Markenführung anscheinend immer und immer wieder gerne übersehen wird, nämlich: In der Regel sorgt der Mitbewerb für Auswahl oder sogar zu viel an Auswahl. Die eigene Marke sollte im Gegensatz dazu für mentale Ordnung sorgen. Was die eigene Marke auf gar keinen Fall tun sollte, ist selbst noch zusätzlich für mehr Verwirrung zu sorgen.

Vielleicht erinnern sich dabei manche noch an Nokia zurück. Als Apple mit dem iPhone so richtig erfolgreich wurde, konterte man bei Nokia nicht mit einem Modell, nicht mit zwei oder drei Modellen, sondern mit bis zu 60 neuen Modellen pro Jahr. Nur was Nokia wirklich gebraucht hätte, wäre ein Erfolgsmodell (mit einem eigenen Markennamen) gewesen, um gegen iPhone und Samsung Galaxy zu punkten

Fazit: Aus Unternehmenssicht mag dieses doppelseitige VW-Sujet brillant sein, weil man auf zwei Seiten 20 VW-Wahlmöglichkeiten untergebracht hat. Das gefällt sicher dem verantwortlichen Management. Nur aus Kunden- und aus Markensicht dürfte das klar zu viel sein. Vielleicht hätte man sich bei VW in diesem Fall XXXLutz als Vorbild nehmen sollen, um mit einem Modell eine Nr. 1-Position zu kommunizieren. Punkt!

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Das neue Buch SIEGERMARKEN: Ein Interview von und mit mir

Brandtner on Branding: Morgen erscheint Dein neues Buch mit dem doch provokanten Titel „SIEGERMARKEN: Die 10 ultimativen Denkmuster zum Marken und Unternehmenserfolg“. Das ist jetzt Dein drittes Buch nach „Markenpositionierung im 21. Jahrhundert“ und „Radikale Markenfokussierung“ seit 2019. Was ist jetzt das wirklich Neue an diesem Buch?

Michael Brandtner: Starke Marken besitzen nicht nur eine ureigene Spitzenposition oder Spitzenstellung in der Wahrnehmung und im Gedächtnis, sondern agieren auch strategisch und operativ perfekt in ihrem mentalen Kontext. Genau dieser mentale Kontext spielt die Hauptrolle in meinem neuen Buch SIEGERMARKEN. Er ist quasi der rote Faden.

Brandtner on Branding: Was genau kann man sich jetzt darunter vorstellen?

Michael Brandtner: Der größte Fehler in der Markenführung ist, dass man die eigene Marke isoliert betrachtet und denkt. Aus Sicht der Kundenwahrnehmung bewegen sich Marken immer im Kontext, werden also nie isoliert gesehen. Das heißt aber auch: Ein wahrgenommener Marktführer muss anders denken und handeln als ein Herausforderer, ein Mitläufer oder auch ein Start-up! Der mentale Kontext diktiert die eigene Marken- und Unternehmensstrategie.

Brandtner on Branding: Was sollten dann die einzelnen Marktteilnehmer genau tun?

Michael Brandtner: Der Marktführer sollte unbedingt sicherstellen, dass er auch als Marktführer von den heutigen und den zukünftigen Zielgruppen wahrgenommen wird. Deshalb empfehlen wir Marktführern immer ihre Marktführerschaft auf sympathische Art und Weise zu kommunizieren. Das ist die Basis. Darauf aufbauend sollte dann der Marktführer in Summe für den Markt eintreten, um diesen relevanter und größer zu machen. Nicht-Marktführer haben drei strategische Optionen: (1) Sie können eine neue Kategorie etablieren, um selbst Marktführer zu werden. (2) Sie können das positive Gegenteil des Marktführers machen, um zur ersten Alternative zu werden. (2) Sie können sich auf eine Nische fokussieren, um diese dann zuerst mental und dann tatsächlich zu dominieren.

Brandtner on Branding: Kannst Du uns speziell die drei Strategien für Nicht-Marktführer anhand von Beispielen einmal kurz erklären?

Michael Brandtner: Sicher! Typische Beispiele für das Etablieren von neuen Kategorien sind etwa Red Bull als erster Energydrink, Dr Best als erste nachgebende Zahnbürste oder auch TikTok als erste Kurzvideo-Plattform. Das beste Beispiel für das positive Gegenteil ist immer noch BMW. In den 1960er Jahren war ein Mercedes-Benz der Inbegriff für Fahrkomfort und Prestige. Ein Mercerdes war ein fahrendes Wohnzimmer. Was ist die positive Gegenidee zu Fahrkomfort? Antwort: Fahrfreude. Und genau das wurde dann zur Erfolgspositionierung von BMW. Zur mentalen Nische: Früher waren alle Fitnessstudios unisex, also für Männer und Frauen. Also fokussierte Curves nur auf Frauen, um so zur größten Fitnesscenter-Kette der Welt zu werden.

Brandtner on Branding: Das heißt: Entscheidend ist einmal, dass man die richtige, zum mentalen Kontext passende Strategie entwickelt?

Michael Brandtner: Genau! Nur das ist dann einmal „nur“ die strategische Ausgangsbasis. Darauf aufbauend gilt es dann, diese gewählte Strategie fokussiert zum Leben zu erwecken. Dazu sollte man drei Eckpfeiler einer Marke definieren. Ich spreche daher auch vom Marken-3-Eck zum Erfolg:

(1) Den verbalen Fokus der Marke definieren.

(2) Den visuellen Fokus der Marke definieren.

(3) Den dazu passenden Markennamen definieren.

Ein sehr gutes Beispiel, wie man es macht, ist Flixbus. Hier spielen alle drei Elemente perfekt zusammen, nämlich die verbale Fokussierung auf Fernbus, die visuelle Fokussierung auf die Farbe Grün bei den Bussen selbst und der Markenname.

Brandtner on Branding: Worauf sollten Markenverantwortlich dann bei der Umsetzung achten?

Michael Brandtner: Nicht nur die Strategie sollte gehirn-gerecht sein, sondern auch die Umsetzung. So liebt unser Gehirn – vereinfacht ausgedrückt – auf der einen Seite relevante Neuigkeiten und auf der anderen Seite Bestätigung. Das heißt: Wenn man eine neue Marke baut, geht es vor allem darum, dass man diese glaubwürdig etabliert. Hier sollte man das Neuigkeitspotenzial voll nutzen. Bei einer bestehenden Marke geht sehr viel mehr darum, die bereits vorhandene Position zu verstärken und auszubauen. Hier geht es um diese Bestätigung. Deshalb empfehlen wir, wenn immer es geht, dass man neue Marken vor allem mit PR und Mundpropaganda baut. Bestehende Marken sollten dann sehr viel mehr auf Werbung im klassischen Sinn setzen. Marken sollten so im Sinne eines Wachstumspfads vom konkreten Kleinen zum emotionalen Großen wachsen.

Brandtner on Branding: Beim Thema Wachstumspfad geht es in Deinem Buch auch um den berühmten Tipping Point? Welche Rolle spielt dieser aus Deiner Sicht beim Markenaufbau und der Markenführung?

Michael Brandtner: Wir haben oft den Eindruck, dass Marken aus dem Nichts über Nacht erfolgreich waren. Nur wenn man dann die Geschichte dieser Marken im Detail studiert, sieht das Ganze ganz anders aus. Dabei spielt dieser Tipping Point eine große Rolle, weil das genau der Punkt ist, an dem sich eine Idee oder eine Marke wie eine Art „Flächenbrand“ ausweitet. Deshalb lautet meine Empfehlung basierend auf Al Ries immer: Wer den Erfolg einer Marke wirklich verstehen will, muss deren Geschichte im mentalen und tatsächlichen Kontext verstehen.

Brandtner on Branding: Was wären Deine drei abschließenden Empfehlungen für Markenverantwortliche?

Michael Brandtner: Gar nicht so einfach, aber starten wir:

(1) Nie mit der eigenen Marke isoliert, sondern immer mit dem mentalen Kontext starten, in dem sich die Marke aus Sicht der Kundenwahrnehmung bewegt.

(2) Darauf aufbauend sollte man dann die passende Strategie festlegen und mit dem konkreten Marken-3-Eck zum Leben bringen.

(3) Basierend darauf den eigenen Wachstumspfad definieren und die Marke gehirn-gerecht fokussiert in die Zukunft führen.

Dabei sollte man dann auch erkennen, dass eine Marke nicht ewig wachsen kann. Heißt: Wenn diese ihren Zenit erreicht hat, sollte man über eine zweite, später auch dritte oder vierte Marke nachdenken. Das hängt dann aber klar auch von der eigenen Zielsetzung ab.

Brandtner on Branding: Vielen Dank für dieses informative Selbstgespräch!

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Siegermarken: Gewinnen im mentalen Kontext

Starke Marken besitzen eine gelernte Position oder Schublade in unserer Wahrnehmung. Sie denken an Cola. Sie denken an Coca-Cola. Sie denken an Suche. Sie denken an Google. Sie denken an KI. Sie denken wahrscheinlich spontan einmal an ChatGPT. Sie denken an Fernbus. Sie denken an Flixbus. Und Brille ist natürlich Fielmann.

Position und damit Marke als Ergebnis sehen

Wenn man diese Marken und deren Erfolg beobachtet, dann sollte man dies immer als Ergebnis sehen. Um den Erfolg und dieses Ergebnis aber wirklich zu verstehen, muss man die Erfolgsgeschichte dahinter verstehen. Dabei geht es aber nicht nur darum, dass man etwa die Wachstumszahlen beobachtet. Es geht vor allem darum, mit welcher Idee und mit welchem Wachstumspfad die Marke mental und tatsächlich den Durchbruch schaffte.

Dabei stößt man immer und immer wieder auf drei Erfolgsmuster, wenn es darum geht neue starke Marken zu bauen:

(1) Eine neue Kategorie oder Schublade erfinden und etablieren.

(2) Das positive Gegenteil des Marktführers machen

(3) Den Fokus auf eine spezifische Idee verengen

Wer diese Gedanken vertiefen möchte, dem empfehle ich die aktuelle  MARKENKRAFT-Folge, in der ich mit Olaf Hartmann folgende Punkte diskutieren durfte:

Inhalt der MARKENKRAFT-Folge #56

🚀 … aus welcher Beobachtung Al Ries den Positionierungsgedanken entwickelte.

🚀 … wie Unternehmen ihr „richtiges Boot“ finden.

🚀 … wie man Positionierungslücken identifiziert und nutzt.

🚀 … warum sich die Strategie von Marktführern von Challenger Brands unterscheiden muss.

🚀 … was der Unterschied zwischen geordneten, teilgeordneten und ungeordneten Märkten ist.

🚀 … welche Denkmuster Siegermarken ausmachen.

🚀 … was das Dominanz-Dreieck ist.

🚀 … woran man merkt, dass man eine zweite Marke braucht.

🚀 … wie man Marken erfolgreich in die Zukunft führt.

Link: https://markenkraft.podigee.io/#latest-episode-player

Mehr dazu auch im aktuellen Ausgabe von Transfer (03/2024): https://transfer-zeitschrift.net/

Und mehr dazu natürlich auch in meinem neuen Buch SIEGERMARKEN, das im Herbst dieses Jahres erscheinen wird:

Link: https://shop.lindeverlag.at/buch/siegermarken-20110

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