Meaningful Brands und was etablierte Marken heute von Start-ups lernen können

2024 präsentierte Havas wieder die globale „Meaningful Brands“-Studie. Dabei zeigt diese Studie – vor allem auch für Deutschland – klar, dass Marken wieder weniger auf Haltung, sondern auf einen klaren Nutzen für die Konsumenten setzen sollten. Rund drei Viertel der Befragten gaben laut Horizont Online sogar an, es satt zu haben, „dass Marken so tun, als wollten sie sich für das Wohl der Gesellschaft einsetzen, während sie nur Geld verdienen wollen“. Horizont selbst schrieb dazu in der Headline: „Mehr Produktnutzen, weniger Haltung: Das sind die „Meaningful Brands 2024“ – und was sie ausmacht“

Relevanz im Kontext

Genau das bedeutet aber auch, dass Marken im jeweiligen mentalen Kontext für die Kunden relevant sein müssen. Dabei können etablierte Marken viel von Start-ups oder besser deren Gründungsgeschichte lernen. So sollte eine starke Gründungsgeschichte letztendlich folgende fünf Eigenschaften erfüllen:

(1) Echter Bezug zum Leben

(2) Sanfte Repositionierung des Mitbewerbs

(3) Positionierung der eigenen Marke

(4) Klares abgeleitetes Nutzenversprechen

(5) Starke Markenbasis für die Zukunft

Genau auf diese fünf Eigenschaften sollten sich auch etablierte Marken fokussieren, wenn man dauerhaft für die heutigen und zukünftigen Zielgruppen relevant sein möchte.

Die Gründungsgeschichte von Loxone …

Um das Ganze besser zu verstehen, sollten wir uns einmal die Gründungsgeschichte von Loxone ansehen, die Thomas Moser, einer der Gründer in einem Interview so auf den Punkt brachte: „Mein Partner Martin Öller und ich waren beide am Hausbauen bzw. planen und wollten eine leistbare Lösung, die einem zu Hause die allermeisten Funktionen puncto Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz abnimmt. Wir beide stellten aber fest, dass alles Smarte, was auf dem Markt angeboten wurde, unpraktisch, kompliziert und vor allem richtig teuer war. Das war dann 2009 der Grundstein der Firmengründung von Loxone als Smart-Home-Komplettanbieter.“

… und die fünf Eigenschaften

Um das Ganze aber noch besser zu verstehen, sollten wir diese Gründungsgeschichte einmal in Bezug auf die fünf oben genannten Eigenschaften genauer unter die Lupe nehmen:

(1) Echter Bezug zum Leben: Mit der Aussage „Mein Partner Martin Öller und ich waren beide am Hausbauen bzw. planen und wollten eine leistbare Lösung, die einem zu Hause die allermeisten Funktionen puncto Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz abnimmt“ stellte Moser einen klaren Bezug zum Leben her, weil viele beim Hausbau in derselben Situation sind. Gleichzeitig definierte er hier auch schon die Anforderungen und Nutzen an die eigene Lösung.

(2) Sanfte Repositionierung des Mitbewerbs: Mit der Aussage „Wir beide stellten aber fest, dass alles Smarte, was auf dem Markt angeboten wurde, unpraktisch, kompliziert und vor allem richtig teuer war“ repositionierte er subtil den bestehenden Wettbewerb als ungenügend und gleichzeitig auch als zu teuer.

(3) Positionierung der eigenen Marke: Heißt: Mit diesen ersten beiden Punkten legte er aber gleichzeitig die perfekte Basis für die eigene Marke und das eigene Nutzenversprechen. Dazu erklärte er dann abschließend in dem obigen Statement: „Das war dann 2009 der Grundstein der Firmengründung von Loxone als Smart-Home-Komplettanbieter.“ Die genaue daraus abgeleitete Positionierung lautete dann: „Loxone: Die erste Miniserver-basierte Smarthome-Lösung der Welt.“

(4) Klares abgeleitetes Nutzenversprechen: Das erste Nutzenversprechen, um sich von den unpraktischen, komplizierten und vor allem richtig teuren Wettbewerbslösungen abzugrenzen, war dann: „Endlich eine einfache Smarthome-Lösung“.

(5) Starke Markenbasis für die Zukunft: Ab 2009 machte man mit diesem obigen Kommunikationsmuster die erste Miniserver-basierte Smarthome-Lösung und deren Nutzen immer wichtiger und wichtiger und wichtiger. Heute macht Loxone 300 Millionen Euro Umsatz.

Zurück zum Markenfokus

Viele Marken, die in den letzten Jahren aus welchen Gründen auch immer den Fokus in der Markenführung und in der Markenkommunikation verloren haben, sollten diese Meaningful Brands-Studie zum Anlass nehmen, um die eigene Marke, die eigene Markenstrategie und den eigenen Marktauftritt zu überdenken. Dazu sollte man sich folgende fünf Fragen stellen:

(1) Wie können wir einen echten und damit relevanten Bezug zum Leben unserer bestehenden, potenziellen und zukünftigen Kunden herstellen?

(2) Wie können wir subtil den Wettbewerb repositionieren, um damit die perfekte Basis für die Positionierung der eigenen Marke zu legen?

(3) Wie genau muss die eigene Positionierung lauten, um basierend darauf als die perfekte Lösung wahrgenommen zu werden?

(4) Was ist daraus abgeleitet der wichtigste Nutzen bzw. das wichtigste Nutzenversprechen?

(5) Können wir darauf langfristig heute und in Zukunft aufbauen?

Wie man dies auch in nur einem kurzen Spot oder Video machen kann, zeigte vor einiger Zeit Gustavo Gusto perfekt vor. Dazu hieß es in diesem Spot: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“

Aber Vorsicht: Wenn Sie Ihre Marke aus diesen fünf Gesichtspunkten oder Fragen überdenken möchten, dann sollten Sie sich nicht einseitig auf das Nutzenversprechen fokussieren. Das alleine ist zu wenig. Entscheidend sind alle fünf Punkte. So gehen leider viele Nutzenversprechen in der Menge der Nutzenversprechen unter, weil man die Bedeutung der anderen vier Punkte unterschätzt.

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Tesla, Musk und drei potenzielle Zukunftsprobleme

„Elon Musk begräbt seine Unternehmen – und macht einen Tesla-Kauf zunehmend problematisch“, „Elon Musks Eskapaden sorgen für Scham bei Tesla-Fahrern“ oder „E-Autofahrer wollen keine Teslas: Der Grund ist Elon Musk“. Das waren nur einige Headlines in letzter Zeit.

Vom Markensuperstar …

Steve Jobs für Apple, Michael O’Leary für Ryanair und natürlich Elon Musk für Tesla. CEOs können einen enormen Beitrag leisten, wenn es darum geht, Marken erfolgreich zu positionieren. Das gilt speziell auch dann, wenn es dem jeweiligen CEO gelingt als Themenführer und eine Art Branchensprecher wahrgenommen zu werden.

So gesehen hat Elon Musk bisher enorm viel für die Marke Tesla getan. Entscheidend dabei ist aber, dass sich der CEO wirklich in den Dienst der Marke stellt. Aktuell aber scheint Elon Musk aus Sicht von Tesla genau diesen Fokus zu verlieren oder gar schon verloren zu haben.

… zum potenziellen Krisenkandidaten

Denn wenn man sich aktuell vor allem die Medienberichterstattung über Elon Musk ansieht, wird Tesla nicht nur immer mehr zu einem Randthema, sondern auch durch den Namen Musk, wie die Headlines oben zeigen, belastet. Damit aber steht Tesla aktuell nicht nur vor einem, sondern vor drei potenziellen Markenproblemen:

(1) Normalerweise stecken starke Marken kurzfristige mediale Krisen oder auch Shitstorms relativ unbeschadet weg. In diesem Fall aber könnte Musk selbst durch seine Selbstinszenierung dafür sorgen, dass diese negativen Schlagzeilen nicht nur nicht abreißen, sondern laufend verstärkt werden. Heißt aber auch: Entscheidend ist vor allem, was die Medien berichten oder auch nicht berichten.

(2) Teslas Brot-und-Butter-Modelle wie Model S, Model 3 und in naher Zukunft auch Model Y kommen immer mehr in die Jahre. Daran werden auch PR-trächtige Modelle wie der Cybertruck und das angekündigte Robotaxi nichts ändern. Hier wird aus Markensicht klar das Kerngeschäft vernachlässigt. Hier wären – vor allem aktuell – für das Model S und wahrscheinlich auch schon für das Model 3 echte Nachfolgermodelle fällig oder sogar überfällig.

(3) Musk ist schon lange nicht mehr der E-Auto-Branchensprecher, weil er einmal für X, dann für SpaceX und dann wieder einmal für Donald Trump spricht. Nur damit besteht die potenzielle Gefahr, dass diese Rolle einmal ein anderer CEO einnehmen wird, der dieses Vakuum erkennt.

Fazit: Aus Markensicht hat Tesla aktuell mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Marken- und Unternehmensbaustellen. Hier sollte Elon Musk tunlichst darauf achten, dass daraus in Summe nicht eine „Großbaustelle Tesla“ wird.

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König Pilsener und eine neue Markendefinition

Letzte Woche konnte man folgende Zeilen über die neue Kampagne von König Pilsener auf Horizont Online lesen: „Zwar hält König Pilsener an seinem altbekannten Markenclaim fest. Dennoch wird er nun nicht nur grafisch, sondern vor allem inhaltlich über das Storytelling völlig neu interpretiert. Stand früher das Bier selbst im Mittelpunkt, sind es jetzt die Kundinnen und Kunden, die selbst zu Königinnen und Königen werden können.“

Ohne echten Bezug zur Marke …

Spannend dabei ist, wie auch Horizont schreibt, dass es in den Spots keinen echten Bezug zum Produkt und zur Marke gibt. Dazu schreibt Horizont weiter: „Mit der neuen Markenkampagne will König Pilsener nach eigenen Angaben ein Zeichen für Selbstbestimmtheit und das Durchbrechen gesellschaftlicher Normen setzen. Dafür wurde die für die Markenpositionierung zentrale Frage, wer oder was in der heutigen Zeit König sein kann, zunächst neu beantwortet. Die Antwort überrascht, rückt sie doch die Marke etwas aus dem Fokus. Denn aus Sicht von KöPi dürfen sich heutzutage all jene König nennen, die es schaffen, sich genau so zu fühlen. Wie man diesen Gefühlszustand erreicht, ist völlig egal.“

Nur damit dürfte es den Verantwortlichen auch ziemlich egal sein, welche Bier- oder gar Getränkemarke man überhaupt kauft. Nur genau mit dieser Art von Kampagne untergräbt man massiv das Prinzip Marke. Gleichzeitig aber erhöht sich damit – vor allem am Point of Sale – die Gefahr, dass die mentale Denkabkürzung Marke durch die mentale Denkabkürzung „tiefer Preis“ ersetzt wird.

… und eine neue Markendefinition

Für unser Gehirn ist es enorm wichtig, dass es auf ökonomische Art und Weise Entscheidungen treffen kann. Unser Gehirn wäre massiv überlastet, wenn es bei jeder Entscheidung am Tag wirklich nachdenken müsste. Genau deshalb vertraut unser Gehirn auf gelernte Denkabkürzungen. Dazu gehört auch das Prinzip Marke (und natürlich auch das Prinzip Preis, wenn man alles als austauschbar wahrnimmt).

Und damit möchte ich auch den Begriff Marke neu und anders definieren, nämlich so: Eine Marke ist eine mentale Denkabkürzung mit Wertschätzungs- und folglich Wertschöpfungspotenzial. Nur genau dazu muss eine Marke für die Menschen auch relevant sein. Im Idealfall steht deshalb eine starke Marke im Gehirn stellvertretend für eine Produkt- oder Dienstleistungskategorie und vermeidet unbedingt nur als weiterer Anbieter wahrgenommen zu werden. Aus dieser Perspektive betrachtet, dürfte es zu wenig sein, wenn man (wie aktuell König Pilsener) nur als Präsenter ohne echten Bezug im Hintergrund auftritt.

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Kamala Harris und der Erfolgsfaktor Timing

Wenn ein Erfolgsfaktor in der Markenführung unterschätzt wird, dann ist das der Faktor Timing. Dabei sollte man aber klar zwischen Wirtschaft und Politik unterscheiden. In der Wirtschaft bedeutet Timing – über einen längeren Zeitraum betrachtet – vor allem, dass man nie auf die kumulative Wirkung aller Maßnahmen vergessen sollte. In der Politik bedeutet Timing, dass man alles zeitlich so inszeniert, dass man am Wahltag gewinnt.

Den ersten Aufschwung nicht genutzt

Schon kurz nachdem Kamala Harris von den Demokraten als Präsidentschaftskandidatin nominiert wurde, war eine typische Medienmeldung: „Die neue Spitzenkandidatin der Demokratischen Partei ist zwar verspätet, dafür umso erfolgreicher in den Präsidentschaftswahlkampf gestartet.“ So brachte Harris mit Sicherheit neuen Schwung in den Wahlkampf.

Nur genau diesen ersten Schwung nutzte man nicht, um ein starkes Kampagnenthema zu entwickeln. Kurzfristig glaubte man, dass man mit Joy oder Freedom punkten könnte. Aktuell heißt es zentral auf der Website von Kamala Harris: „A NEW WAY FORWARD FOR THE MIDDLE CLASS“. Wahrscheinlich möchte sie damit an die Forward Kampagne von Barack Obama aus dem Jahr 2012 anschließen, die aber bei weiten schon damals nicht die Kraft von „Change we can believe in“ aus dem Jahr 2008 hatte.

Das heißt: Harris hätte unbedingt diesen ersten Schwung aus Markensicht nutzen müssen, um ein starkes Kampagnenthema zu entwickeln, das es mit „Make America great again“ und „Fight! Fight! Fight!“ aufnehmen hätte können. Eine Idee dazu wäre „Unite! Unite! Unite!“ gewesen. Während Trump klar für das Trennende steht, hätte Harris für das Gemeinsame und Verbindende stehen können.

Barack und Michelle Obama suboptimal genutzt

Erschwerend kam hinzu, dass sich vor allem zu Beginn auch Barack Obama zögerlich zeigte, ob Harris wirklich die richtige Kandidatin sei. Damit verspielte man auch die Chance von Anfang an ein starkes gemeinsames Kampagnenthema emotional und glaubwürdig vorzustellen.

Gerade ein Slogan oder Thema wie „Unite! Unite! Unite!“ wäre perfekt gewesen, um gemeinsam, also von Kamala Harris, Barack und Michelle Obama präsentiert und zelebriert zu werden. Das heißt: Auch hier war das Timing alles andere als perfekt.

Eine Frage der Führungsposition

Wie es aktuell laut Umfragen aussieht, dürfte es extrem knapp zwischen Trump und Harris werden. Das zeigen auch die aktuellen Umfragen, in zu denen beide Kopf an Kopf liegen. Wenn man das Ganze aber aus Sicht des Wahltags beleuchtet, hat Trump aus Markensicht gerade bei den Unentschlossenen einen Vorteil. Er steht für etwas, nämlich für „Make America great again“ und für „Fight! Fight! Fight!“. Damit hat er eine Art „Führungsposition“ in der Wahrnehmung. Genau hier liegt eine klare Schwäche von Harris. Ihr fehlt die eine zentrale Idee und damit eine eigene mentale Führungsposition. So gesehen könnte es sich für die Demokraten rächen, dass man nicht frühzeitig den ersten Aufschwung nutzte, um wirklich ein starkes Thema gekonnt zu präsentieren und zu zelebrieren.

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Branding oder warum man immer einen echten Namen wählen sollte

Würden Sie einem Kind den Namen Kind geben? Wahrscheinlich nicht! Kinder bekommen in der Regel echte Namen wie aktuell etwa Emilia, Marie, Emma, Paul, Jakob oder Elias. Das sind jeweils die Top 3 Vornamen laut Statistik Austria für das Jahr 2023.

Als Wortmarke schutzfähig

Während also Eltern ihren Kindern in der Regel, wie bereits erwähnt, echte Namen geben, sieht dies leider in der Markenwelt oft ganz anders aus. So neigen speziell auch Start-up-Unternehmen dazu, statt auf einen schutzfähigen Markennamen zu setzen, sich für einen beschreibenden Begriff zu entscheiden. Nur genau damit behindert man einen erfolgreichen Markenbildungsprozess.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist in Österreich die Marke „Wood Fashion“. Dazu heißt es auf der Website: „Mit unserer Wood Fashion kannst du stolz sagen: „Ich trage zu 100 % echt Baum“. Genau dieser Satz bringt das Problem aus Markensicht perfekt auf den Punkt. „Unsere Wood Fashion“ könnte ein starker beschreibender Kategoriename sein, nur leider fehlt der starke Markenname.

Selbst Abkürzungen wie WF oder WoFa wären in diesem Fall bessere Namen als kein Name. So könnte es dann etwa auf der Website so lauten: „Mit WoFa, der führenden Wood Fashion Marke kannst du stolz sagen: „Ich trage zu 100 % echt Baum“. Heißt: Sollte sich die Kategorie Wood Fashion erfolgreich in der Modewelt etablieren, wird es spannend wer diese als Erster oder Erste mit einem echten Markennamen besetzt.

Deshalb werden etwa Apple Watch, Apple Music oder auch Apple TV+ nie dieselbe Markenkraft wie iPhone, iTunes oder iPad entwickeln. Deshalb sollten bei Markenverantwortlichen immer die Alarmglocken läuten, wenn ein Name nicht als Wortmarke schutzfähig ist. (Aber auch hier herrscht immer noch bei vielen der Irrglaube, dass eine Wortbildmarke besser sei als eine Wortmarke.)

Neuer Brückenname

So gesehen ist auch der neue Name für die neue Donaubrücke aus Markensicht alles andere als gut gewählt. Donautalbrücke mag sehr gut beschreiben, dass diese Brücke über ein Donautal geht, aber es ist eben genauso als ob man ein Kind Kind taufen würde.

Dabei hätte sich diese Brücke a la Golden Gate Bridge sehr wohl einen echten Namen verdient. So war die Golden Gate Bridge bei ihrer Eröffnung mit einer Hauptstützweite von 1280 Metern die längste Hängebrücke der Welt. Mit einem echten Namen hätte man auch die neue Brücke als „die schönste Donautalbrücke“ positionieren können. Wie nachteilig der Name ist, wird sich demnächst auch in den Medien zeigen. Eine Headline wie „Neue Donautalbrücke wird eröffnet“ ist ähnlich wie „Neues Einkaufscenter wird eröffnet“. Hier fehlt jeweils klar ein echter Eigenname wie etwa Nibelungenbrücke oder Plus City. So gesehen wären Namen wie Keplerbrücke oder Brucknerbrücke klar besser gewesen.

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VW und die „Qual der Wahl“-Falle

Gestern war in Österreich Wahltag. So wurde der Nationalrat für die nächste Legislaturperiode neu gewählt. Diesen Tag nutzte VW, um am Samstag noch einmal für die eigene Marke zu werben. Das ist nicht untypisch. Auch Österreichs führender Möbelhändler suchte in der aktuellen Kampagne den Bezug zu dieser Wahl.

Zwei Arten zu wählen

Nur psychologisch gesehen unterscheidet sich die VW-Kampagne ganz klar von der XXXLutz-Kampagne. Während XXXLutz die Nationalratswahl nutzte, um sich selbst als die beste Wahl [beim Möbelkauf] zu positionieren, ging VW klar einen anderen Weg. Dazu sollten wir uns dieses doppelseitige Sujet vom Samstag einmal näher ansehen.

Auf der Vorderseite heißt es: „Elektro, Hybrid oder Verbrenner von Volkswagen – Immer die richtige Wahl.“ Auf der Rückseite war dann eine Art Stimmzettel zum Ankreuzen. Dabei konnte man das Folgende lesen: „Wen wählen Sie? Stimmzettel für die Wahl zwischen Elektro, Hybrid oder Verbrenner von Volkswagen:“ Darunter folgten die Spitzenkandidaten ID.7 Tourer, Tiguan eHybrid und Golf. Zusätzlich konnte man mit „Vorzugstimme“ noch ID.3, ID.4, ID.5, ID.7 bei Elektro; Golf eHybrid, Passat eHybrid, Touareg eHybrid bei Hybrid; Polo, Golf Variant, T-Cross, Taigo, T-Roc, T-Roc Cabriolet, Tiguan, Touran, Passat und Touareg bei Verbrenner wählen.

Verwirrung statt Führung

Genau hier liegt der große psychologische Unterschied. Während XXXLutz sich klar als beste Wahl und Nummer 1 darstellt, tappt Volkswagen in die „Egal was Du willst, wir haben es“-Falle und damit die „Qual der Wahl“-Falle. Während also XXXLutz die Kunden führt, trägt die VW-Kampagne viel mehr zur Verunsicherung und Verwirrung bei. Wenn VW selbst aktuell nicht weiß, was die beste Wahl ist, wie sollten es dann die Kunden wissen.

Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt, der in der Markenführung anscheinend immer und immer wieder gerne übersehen wird, nämlich: In der Regel sorgt der Mitbewerb für Auswahl oder sogar zu viel an Auswahl. Die eigene Marke sollte im Gegensatz dazu für mentale Ordnung sorgen. Was die eigene Marke auf gar keinen Fall tun sollte, ist selbst noch zusätzlich für mehr Verwirrung zu sorgen.

Vielleicht erinnern sich dabei manche noch an Nokia zurück. Als Apple mit dem iPhone so richtig erfolgreich wurde, konterte man bei Nokia nicht mit einem Modell, nicht mit zwei oder drei Modellen, sondern mit bis zu 60 neuen Modellen pro Jahr. Nur was Nokia wirklich gebraucht hätte, wäre ein Erfolgsmodell (mit einem eigenen Markennamen) gewesen, um gegen iPhone und Samsung Galaxy zu punkten

Fazit: Aus Unternehmenssicht mag dieses doppelseitige VW-Sujet brillant sein, weil man auf zwei Seiten 20 VW-Wahlmöglichkeiten untergebracht hat. Das gefällt sicher dem verantwortlichen Management. Nur aus Kunden- und aus Markensicht dürfte das klar zu viel sein. Vielleicht hätte man sich bei VW in diesem Fall XXXLutz als Vorbild nehmen sollen, um mit einem Modell eine Nr. 1-Position zu kommunizieren. Punkt!

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