Wenn es heute um die Positionierung von Marken geht, hört man in Meetings immer wieder, wie wichtig Authentizität und Glaubwürdigkeit sind. So verwundert auch die folgende Aussage von Klaus Seltenheim, dem Wahlkampfmanager der SPÖ nicht: „Der Andi [Andreas Babler, Spitzenkandidat der SPÖ] ist der Glaubwürdigste. Und das ist das, worum es geht.“ Das mag logisch klingen, reicht aber mit Sicherheit nicht zum Erfolg. Denn entscheidend ist nicht nur, ob man glaubwürdig und authentisch ist, sondern wofür man glaubwürdig und authentisch steht.
Eine Idee mit Relevanz im Kontext finden
Dabei sollte das, wofür man steht, natürlich für die Kunden im mentalen Kontext wenigstens potenzielle Relevanz haben. Um besser zu verstehen, worum es geht, sollten wir dazu einen Blick in die Welt der Zahnbürsten-Marken werfen. Mitte der 1980er Jahre waren die beiden führenden Marken bei klassischen Zahnbürsten Blend-a-dent und Oral-b. Die Marke Dr. Best wurde – wenn überhaupt – maximal als weiteres Angebot wahrgenommen.
Das sollte sich ändern. 1988 lancierte Dr. Best die erste nachgebende Zahnbürste, die man – und das ist ein ganz wesentlicher Punkt – geschickt gegen die gelernten starren Zahnbürsten positionierte. Damit erreichte man mehrere Punkte:
(1) Man hatte einen echten relevanten Bezug zum täglichen Leben, weil sich die meisten Menschen zweimal am Tag die Zähne putzen.
(2) Man nutzte diesen Bezug um mit dem Schlüsselbild der Tomate aufzuzeigen, dass das Zufestzudrücken schädlich für Zahnfleisch und Zähne ist.
(3) Man positionierte die nachgebende Zahnbürste und damit die Marke Dr. Best als die perfekte Lösung.
Die Idee und damit die Marke im Kontext relevanter machen
Das war die Basis für den Erfolg von Dr. Best. Ganz entscheidend war dann aber, dass man genau dieses Kommunikationsmuster immer und immer wieder in der Werbung wiederholte. Auch damit erreichte man letztendlich wieder mehrere Punkte.
(1) Man machte das Problem des Zufestzudrückens damit Werbung für Werbung noch relevanter.
(2) Man repositionierte damit Werbung für Werbung herkömmliche Zahnbürsten als starr und gefährlich für Zahnfleisch und Zähne.
(3) Man machte so die Kategorie „nachgebende Zahnbürste“ und damit die Marke Dr. Best Werbung für Werbung wichtiger und wichtiger.
Die Belohnung: Man konnte alleine von 1988 bis zum Jahr 2000 den Marktanteil in Deutschland von 6 auf über 40 Prozent steigern. Heute ist Dr. Best der klare Marktführer.
Für eine Idee und Marke kämpfen
Heißt: Wann immer man heute über die Positionierung der eigenen Marke nachdenkt, sollte man immer mit dem mentalen Kontext starten. Basierend darauf sollte man dann die eine Idee für die eigene Marke entwickeln, die a) perfekt zu diesem mentalen Kontext passt und b) für die Kunden relevant ist. Genau das ist die Basis zum Erfolg. Nur leider verschenken viele Marken enormes Markt-, Umsatz- und Gewinnpotenzial, weil man diesem mentalen Kontext sowohl strategisch als auch operativ zu wenig Beachtung schenkt.
PS zu Andreas Babler: Er mag sicher aktuell glaubwürdig und authentisch sein, nur fehlt ihm klar eine starke Idee, die über die eigenen Wähler und Wählerinnen hinausgeht. Mehr noch: Es besteht sogar aus Markensicht für die SPÖ die Gefahr, dass einige SPÖ-Wähler und –Wählerinnen diesmal ins Lager der Nichtwähler wechseln werden, weil ihnen der aktuelle Kurs glaubwürdig und authentisch zu weit links ist.
