30 Jahre Markenpositionierungs-Beratung und drei auslösende Faktoren

Vor 30 Jahren wagte ich als wahrscheinlich erster Positionierungsberater im deutschen Sprachraum den Sprung in die Selbstständigkeit. Ausgerüstet mit einem Auto, einem Mobiltelefon, einem Apple Computer mit Laserprinter und einem Telefon-Fax war ich bereit Unternehmen bei der Positionierung ihrer Marken, Produkte und Dienstleistungen zu helfen. Ausschlaggebend aber für diesen Sprung waren vor allem drei Faktoren:

Faktor 1: Meine erste Seminararbeit

Im Sommersemester 1990 wurde mir in einer Gruppenarbeit das Thema „Werbepositionierung im Tourismus“ zugeteilt. Ab der ersten Literaturrecherche wusste ich, dass genau das mein Thema ist. Ab diesem Augenblick war ich von Positionierung fasziniert.

Natürlich stieß ich bei dieser Literaturrecherche auch auf das damals fast noch aktuelle Buch „Positioning: Die neue Werbestrategie“ von Al Ries und Jack Trout, das 1986 zum ersten Mal erschienen war. Die Folge: Ich las natürlich auch „Marketing generalstabsmäßig“ (Marketing Warfare) und das damals ganz aktuelle „Marketing fängt beim Kunden an“ (Bottom Up-Marketing) der beiden Autoren.

Faktor 2: Meine erste Briefbekanntschaft mit Al Ries

1992 las ich in einem Zeitungsartikel, dass es in den USA ein neues Buch von Al Ries und Jack Trout mit dem Titel „Horse Sense“ gibt. In diesem Buch ging es um das damals heiße Thema „Selfmarketing“. Natürlich wollte ich dieses Buch haben und begab mich direkt in die Buchhandlung meines Vertrauens. Nur bekam ich hier die Auskunft, dass dieses Buch vielleicht in 4 Wochen, in 2 Monaten, in einem halben Jahr oder gar nicht komme.

Also wandte ich mich an den österreichischen Außenhandelsdelegierten in New York mit Bitte um die Adresse von Trout & Ries Marketing Strategists. Dann schrieb ich beiden Autoren einen Brief, ob und wie ich das Buch erhalten kann. Und bekam keine Antwort. Daraufhin schrieb ich einen zweiten Brief und erhielt das Buch ohne Begleitschreiben und ohne Widmung. Natürlich bedankte ich mich mit einem weiteren Schreiben.

Damit war einmal der erste Kontakt beendet. Im Herbst 1992 erschien dann ein Artikel über Burger King in der europäischen Ausgabe von BusinessWeek. In diesem Artikel wurde auch Al Ries als Marken- und Marketingexperte zitiert. Ich schnitt diesen Artikel aus und schickte ihn Al mit einem Brief, in dem ich mich noch einmal für das Buch bedankte.

Im Frühjahr 1993 erschien dann ein Artikel über „Flops“ in BusinessWeek. In diesem war Jack Trout als Experte zitiert. Diesmal schrieb ich bezugnehmen auf diesen Artikel einen Leserbrief an BusinessWeek. Dieser wurde auch in der europäischen Ausgabe dann veröffentlicht. Was ich nicht wusste, war, dass dieser auch in der U.S.-Ausgabe veröffentlich worden war. Nur diesen schnitt Al Ries aus und schickte ihn mir mit einem netten Begleitschreiben.

Ab diesem Augenblick standen wir in regelmäßigem Kontakt, zuerst via Brief, dann Fax und dann natürlich E-Mail. Als ich Al das erste Mal bereits 1993  bzgl. meiner möglichen Selbstständigkeit als Positioning-Consultant fragte, schrieb er mir folgende Zeilen retour: „The best advice I can give you is to “hang in there.“ It takes time to get accepted. If you have the courage of your convictions, you’ll break trough. Don’t give up.“

Faktor 3: Meine erste Berufserfahrung in einer Werbeagentur

Ab dem Augenblick, als ich Positioning für mich entdeckte, keimte der Wunsch in einer Werbeagentur zu arbeiten. Das war für mich als Student der einzig logische Weg. Und so startete ich meine berufliche Karriere 1994 bei Jeschke & Lampl Werbeagentur in Linz.

Nur schon bald musste ich bemerken, dass Positionierung in einer Werbeagentur auch eine Art „Störfaktor“ sein kann: Klienten wollten oft gerne einfach Werbung und keine Strategiediskussionen, schon gar nicht, wenn die eigene Positionierung noch einmal kritisch hinterfragt wird. Die Agentur selbst möchte oft auch die Ideen des Auftraggebers kreativ umsetzen statt strategisch zu diskutieren.

So hatte ich immer öfter den Eindruck, dass Positionierung – wirklich ernstgemeint – in einer Werbeagentur zu spät kommt. Also trennten wir uns 1995 wieder einvernehmlich, wobei ich weiterhin bei Projekten, wenn es strategisch passte, als Freelancer mitarbeitete. Und dieses Freelancertum für Jeschke & Lampl und dann auch für Success Marketing Unternehmensberatung war die logische Startrampe für die eigene Selbstständigkeit.

Positioning und die nächsten 30 Jahre

Speziell in unserer schnelllebigen Zeit kommen und gehen Begriffe und Buzzwords in der Welt des Managements, der Markenführung und des Marketings. Positioning ist anders. Der Grund dafür liegt darin, dass Positioning sich nicht in der sogenannten Realität, sondern in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden abspielt. So gesehen ist Positioning mindestens so alt wie der Homo Sapiens.

Positioning-Denken basiert darauf, wie unsere Wahrnehmung und unser Gedächtnis funktionieren. Es geht also darum, wie wir Produkten, Dienstleistungen, Unternehmen oder auch Personen als Marken abspeichern. Und genau hier macht es einen großen Unterschied, ob man die erste Wahl oder nur ein weiterer Anbieter unter vielen ist. Heißt aber auch: Noch immer unterschätzen viele die Macht der Positionierung und der Marke und verkaufen sich so klar Jahr für Jahr unter ihrem möglichen Potenzial und Wert. Das sollte nicht sein, weder 2026 noch in den nächsten 30 Jahren.

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Technologieoffenheit oder ein anderes Wort für „unfokussiert in die Zukunft“

Die europäische Autoindustrie hat ein neues Schlagwort, nämlich „Technologieoffenheit“. Das „Aus vom Verbrenner-Aus“ der EU sehen viele, wenn auch nicht alle, als positiv für den Standort Europa und die europäische Autoindustrie. Denn damit werden aus einer Zukunft ohne Verbrenner gleich mehrere potenzielle Zukünfte mit verschiedenen Technologien.

Der Fluch der Zukünfte

Nur wenn man zurückblickt, war es für die europäische Autoindustrie am schönsten, als man nur eine Zukunft, nämlich die des Verbrenners kannte. Total fokussiert auf Benzin und Diesel setzte man vor allem auch im Premiumsegment die Weltstandards.

Für die meisten Unternehmen ist die Welt dann in Ordnung, wenn es eine geradlinige Zukunft gibt, auf die man das Unternehmen in Summe mit einer oder auch mehreren Marken fokussieren kann. Strategische Probleme beginnen in der Regel dann, wenn man auf einmal vor mehreren potenziellen Zukünften steht.

Für Nokia war die Welt in Ordnung als man nur eine Zukunft hatte, nämlich das Mobiltelefon. So war Nokia nicht auf Telefone in Summe, sondern nur auf Mobiltelefone (ohne Festnetztelefonie) fokussiert. Als mit dem Smartphone dann eine zusätzliche mobile Zukunft auftauchte, stiegen nicht die Chancen, sondern begannen die Probleme.

Der Fluch der Lobby der Vergangenheit

Verstärkt wird das Problem in der Regel noch dadurch, dass die über Jahre und Jahrzehnte gewachsene alte Zukunft im Unternehmen, die dann auf einmal durch eine neue Zukunft bedroht wird, immer die stärkere Lobby hat. So macht die alte Zukunft in der Regel mehr Umsatz, mehr Gewinn und beschäftigt mehr Mitarbeiter. Zudem ist diese gewachsenes Geschäfts- und Denkmodell.

Diese Lobby der alten Zukunft hat sich so auch auf EU-Ebene durchgesetzt. Dabei hat man mit Technologieoffenheit ein schönes Ersatzwort für „Verteidigung der Vergangenheit“ gefunden. In der Theorie klingt „Offenheit“ perfekt, in der Praxis sieht das Ganze oft anders aus. Hier führt Technologieoffenheit dann zu Richtungs- und Strategielosigkeit.

Die perfekte Lösung aus Markensicht

Für speziell große Unternehmen gibt es aus Markensicht dazu eine optimale Lösung. Dazu sollten wir einen gedanklichen Ausflug in das Jahr 1994 machen. Damals empfahlen Al Ries und Jack Trout dem Unternehmen Kodak, dass man die Marke Kodak auf die alte Zukunft „analoge Fotografie“ fokussiert, um gleichzeitig eine neue Marke für die neue Zukunft „digitale Fotografie“ zu bauen.

Das heißt: Speziell Mehr-Marken-Systeme können die perfekte Lösung sein, wenn ein Unternehmen vor mehreren Zukünften steht. Die perfekte Ausgangsbasis dafür hätte  in Europa der VW Konzern gehabt. Nur dürfte auch hier die Technologieoffenheit über die mögliche neue Mehr-Markenstrategie gesiegt haben.

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Queen of Christmas oder was Coca-Cola und Co. von Mariah Carey lernen können

Platz 1 in den Billboard Hot 100, Platz 3 in den UK-Charts, Platz 2 in den deutschen Charts und Platz 2 in den Austria Top 40. Jahr für Jahr zu Weihnachten erobert  Mariah Carey mit ihrem Hit „All I want For Christmas Is You“ international die Charts.

Die Queen of Christmas

Nicht umsonst lautete etwa auch eine Headline in der Los Angeles Times am 11. Dezember dieses Jahres „Why is Mariah Carey the Queen of Christmas? Her Holiday Bar says it all“. Und in der New York Times hieß es am 1. November 2024: „It’s Time! Mariah Carey Reflects on 30 Years as Queen of Christmas“. Und auf der Website der Offiziellen Deutschen Charts hieß es am 5. Dezember dieses Jahres: „Die Weihnachts-Queen ist zurück auf dem Charts-Thron – und stellt gleich mal einen neuen Allzeit-Rekord auf: Mit 22 Nummer-eins-Wochen ist Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ nun alleinig das am häufigsten an der Spitze der Offiziellen Deutschen Charts, ermittelt von GfK Entertainment, platzierte Lied aller Zeiten.“

„Queen of Christmas“ ist so gesehen aus Markensicht mehr als nur eine Art Titel oder Slogan, es ist eine einzigartige Spitzenstellung in der Welt der Musik und damit auch der Öffentlichkeit. Unzählige Sänger, Sängerinnen und Bands haben in den letzten Jahrzehnten Weihnachtslieder aufgenommen, aber nur wenige haben sich damit a la Bing Crosby (White Christmas), Wham (Last Christmas) oder auch Shakin‘ Stevens (Merry Christmas Everyone) eine dauerhafte Spitzenstellung erarbeitet, die sich auch Jahr für Jahr in den Charts widerspiegelt.

Worauf Coca-Cola verzichtet …

Was „Queen of Christmas“ für Mariah Carey ist, könnte „The Real Thing“ für Coca-Cola sein. Das war und ist mit Sicherheit der stärkste und beste Slogan, den diese Marke jemals hatte. Denn genau dieser Slogan bringt die Marke perfekt auf den Punkt. Coca-Cola ist das Original-Cola und alles andere ist eine Kopie.

Nur statt auf diese eine starke Idee zu setzen, verlässt man sich bei Coca-Cola anscheinend viel zu sehr auf die allgemeine Bekanntheit und Markenstärke. So hat man in den letzten Jahren unzählige Slogans verbraucht, die sich kein Mensch merken kann und will. (Oder kennen Sie den aktuellen Slogan von Coca-Cola oder den Vorgänger-Slogan oder den Vor-Vorgänger-Slogan?)

… und was sich Coca-Cola (aktuell) leisten kann

Sie denken Cola. Sie denken Coca-Cola. Diese Position ist so stark, dass sich die Marke Coca-Cola diese „Slogan-Spielereien“ erlauben kann. Nur damit sollte man diese Marke nicht als Vorbild sehen, wenn man eine weniger starke Position hat. Anders ausgedrückt: Wenn Sie heute über Ihren Markenslogan für die Zukunft nachdenken, sollte Sie eher Mariah Carey und nicht Coca-Cola als Vorbild nehmen.

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Neuausrichtung der WKO oder mehr als nur ein Politikum und Zahlenspiel

„Nach Abgang von Mahrer werden Rufe nach Totalreform der Kammer lauter“, „Harald Mahrers Abgang ist noch keine Kammer-Reform“ „WKO drückt Pauseknopf bei Funktionärsgeld“, „Pflichtmitgliedschaft: WKO-Wirbel löst hitzige Debatte im Nationalrat aus“ oder „„Bonzentum“: Hitzige Debatte um WKO im Nationalrat“. Das waren nur einige Schlagzeilen rund um den Rücktritt von Harald Mahrer als Präsident der WKO und den Ruf nach Reformen dieser Organisation.

Im Wesentlichen ging es bei den Reformrufen um drei zentrale Themen, nämlich a) um die Verschlankung der Wirtschaftskammer, sprich vor allem um die Senkung von Kosten und Beiträgen, b) um die mögliche Auflösung von Rücklagen und dann c) um die Pflichtmitgliedschaft generell. So hieß es auch in der Tageszeitung Die Presse: „Doch sein Rücktritt ändert nichts an den Problemen der verpflichtenden Unternehmensvertretung. Sie ist zu teuer und zu intransparent.“

Der übersehene Punkt dabei

Wie es aber aussieht, bleibt ein Punkt in dieser „Reformdiskussion“ außen vor, nämlich Sinn und Zweck der Wirtschaftskammer und damit auch Umfang des Leistungsangebotes. Heißt: Bevor man heute lautstark nach Kostensenkungen, Beitragssenkungen, Auflösung von Rücklagen und Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft schreit, sollte man zuerst einmal über die generelle Ausrichtung und Strategie der WKO nachdenken.

Dazu sollte man dann auch das bestehende Leistungsangebot aus Sicht einer möglichen neuen Ausrichtung und Strategie adaptieren. So hat die WKO heute ein ziemlich breites und vor allem über Jahre und Jahrzehnte gewachsenes Angebotsspektrum, das unter anderem folgende Aufgaben umfasst:

  • Interessensvertretung der Mitglieder in Österreich
  • Interessensvertretung der Mitglieder in der EU
  • Unterstützung der Mitglieder international etwa auch durch die Außenhandelsstellen
  • Umfangreiche Serviceleistungen für Mitglieder und Unternehmensgründer
  • Umfangreiche Beratungsleistungen für Mitglieder und Unternehmensgründer
  • Diverse Förderprogramme für Mitglieder und Unternehmensgründer

Daneben hat man noch das WIFI als führendes Angebot in der beruflichen Erwachsenenbildung und zudem übernimmt man auch diverse gesetzliche Aufgaben.

Den gemeinsamen Nenner definieren

Alleine dieses umfassende Aufgabengebiet erschwert es, dass man den einen gemeinsamen Nenner für die WKO findet. Aber genau das sollte der zentrale Punkt sein, wenn man über eine Kammerreform nachdenkt. Man sollte zuerst festlegen, welche strategische Rolle die WKO heute und vor allem morgen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich, in Europa und weltweit einnehmen sollte. Basierend darauf sollte man überlegen, wie dazu das optimale Angebot und die optimale Organisations- und Kostenstruktur aussehen sollte.

Aktuell findet man zur strategischen Ausrichtung der WKO relativ wenig. So lässt sich die aktuelle Selbstdarstellung (wko.at) auf drei sehr allgemeine Punkte zusammenfassen:

„Wir vertreten die Interessen der österreichischen Unternehmen“

„Wir fördern durch vielfältige Serviceleistungen die Wirtschaft“

„Wir unterstützen mit unserem Know-how österreichische Unternehmen“

Was hier aus strategischer Sicht ganz klar fehlt, ist eine starke Idee mit Außen- und Innenwirkung, aus der sich alles andere ableiten lässt.

Die WKO auf den Punkt bringen

Zudem sollte die Wirtschaftskammer in einer zukünftigen Ausrichtung rein über die Unternehmen und die Wirtschaft hinausdenken, um klarzustellen, was man für Österreich heute und morgen in Summe tut. Eine mögliche Idee dazu wäre, dass sich die WKO als die „Standorthüterin Nr. 1“ in Österreich positioniert. Ein möglicher Slogan dazu wäre „Starker Standort. Starkes Österreich.“

Das wäre nicht nur eine klare Aufgabe in Österreich, das wäre auch eine klare Aufgabe innerhalb der EU und es wäre eine klare Aufgabe in der Weltwirtschaft. Damit würden sich dann in der Umsetzung auch drei zentrale Fragen ergeben oder ableiten lassen:

Was kann und sollte die WKO in Österreich tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Was kann und sollte die WKO in Europa, speziell in Brüssel tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Was kann und sollte die WKO global, speziell auch in den Handelsaußenstellen tun, damit Österreich ein attraktiver Standort bleibt?

Denn eines sollte klar sein: Ohne attraktiven Wirtschaftsstandort und einer funktionierenden Wirtschaft wird es auch für den Staat Österreich und vor allem auch für den Sozialstaat Österreich in Summe immer schwieriger werden, die notwendigen Leistungen zu erbringen. Nur genau diese Herausforderung könnte für die WKO Chance und Auftrag sein, sich für die Zukunft neu auszurichten. Basierend darauf könnte man dann eine strukturelle Reform einläuten, um a) die WKO zu verschlanken und um b) vor allem unnötige 9- oder 10-fach-Gleisigkeiten abzuschaffen und das Ganze dann auch klar mit einem modernen Zahlenwerk statt der aktuellen Kammeralistik zu versehen. Natürlich sollte das Ganze dann neben einer Vereinfachung auch zu Kosten- und Beitragssenkungen führen.

Erschien im Original auf Diepresse.com

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Die Marke ist egal oder warum starke Marken so wichtig sind

Viele Unternehmen scheitern beim Markenaufbau, weil sie zu sehr Marke und zu wenig Kategorie denken. So schrieben Al Ries und Jack Trout bereits 1993 in ihrem Buch „Die 22 unumstößlichen Gebote im Marketing“: „Vergessen Sie die Marke; denken Sie in Kategorien. Die Kunden sehen sich in die Defensive gedrängt, wenn es um Marken geht. Jeder versucht ihnen einzuhämmern, warum sein Markenartikel besser ist.“

Zuerst Kategorie, dann Marke

Wenn Ihre Marke heute nicht die Nr. 1 oder die Nr. 2 am Markt ist, dann hilft es in der Regel wenig, wenn sie versuchen zu erklären, warum die Kunden auf die Nr. 1 oder Nr. 2 zugunsten Ihrer Marken verzichten sollten. Meist bleibt nur der tiefe Preis, um doch noch irgendwie attraktiv zu sein.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn man das eigene Markendenken durch Kategoriedenken ersetzt. Dazu schrieben Al und Jack damals: „Kunden sind jedoch aufgeschlossen, wenn neue Produktkategorien zur Sprache kommen. Jeder ist daran interessiert zu erfahren, was neu im Markt ist. Nur wenige interessieren sich für das, was besser ist.“

Zwei mögliche neue Kategorien für den Smartphone-Markt

Der Markt für Smartphones wird heute von iPhone und Samsung Galaxy in der westlichen Welt dominiert. In Europa sah es im ersten Quartal 2025 laut Canalys in den Top 5 so aus: Auf Platz 1 lag Samsung mit 38 Prozent Marktanteil, gefolgt von Apple mit 25 Prozent, dann Xiaomi (16 Prozent), Motorola (5 Prozent) und Google (3 Prozent).

Wenn hier etwa Vivo Marktanteile gewinnen möchte, würde es wenig Sinn machen, die eigene Marke penetrant zu bewerben. Viel besser wäre es, wenn Vivo a la Huawei früher eine eigene Kategorie etablieren würde. So war Huawei in der Wahrnehmung kein weiteres herkömmliches Smartphone, sondern das Kamera-Smartphone.

Für Vivo würden sich hier etwa zwei Kategorien anbieten, um gegen iPhone und Samsung Galaxy in den Ring zu steigen. Die eine Idee dazu wäre das erste Video-Smartphone, die andere Idee dazu das erste echte KI-Smartphone. So spricht zwar Vivo in Presseaussendungen über KI-Features, versäumt es aber sich dabei klar zu positionieren. So macht es mental einen großen Unterschied, ob man als KI-Smartphone oder als weiteres Smartphone mit ein paar KI-Features wahrgenommen wird.

Marke als Ergebnis sehen

Das heißt zusammenfassend: Wenn Sie heute eine starke Marke bauen möchten, sollten Sie zuerst a la Red Bull (erster Energydrink), Dyson (erster beutelloser Staubsauger) oder Ryanair (erste europäische Diskontfluglinie) in Kategorie und erst dann in Marke denken. Denn eines ist klar: Die stärksten Markennamen stehen heute in der Wahrnehmung der Kunden stellvertretend für die Kategorie.

Sie denken Cola. Sie denken Coca-Cola. Sie denken Hamburger. Sie denken McDonald’s. Sie denken Musik-Streaming. Sie denken Spotify. Damit sind aber zwei Punkte für Marken extrem wichtig. (1) Man muss akzeptieren, dass Kategorien schon von anderen Marken besetzt sind. (2) Man sollte basierend darauf eine eigene freie Kategorie finden oder erfinden, um diese dann mit dem eigenen Markennamen zu besetzen.

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Markenführung: Das Comeback der Zeit oder die (oft) übersehene kumulative Gesamtwirkung

Wie Horizont berichtete, ging der australische Markenexperte Mark Ritson am Experience Day mit den anwesenden CMOs hart ins Gericht. Dabei sprechen mir drei seiner 10 harten Wahrheiten aus der Seele: (1) Ihre Markenpositionierung ist „verkomplizierter Unsinn“, (2) Sie überinvestieren in Performance-Marketing und (3) Sie nutzen die Kraft von „Long & Short“ nicht.

Der Faktor „Zeit“

Speziell das sogenannte Performance-Marketing führt dazu, dass in der Regel die jeweilige Einzelaktion isoliert betrachtet und damit letztendlich aus langfristiger Sicht überwertet wird. Wer sich immer nur auf das kurzfristige Ergebnis fokussiert, verliert schnell den Blick für das Längerfristige. So mag Performance-Marketing zwar kurzfristig die Abverkäufe steigern, macht aber wenig oder gar nichts für die langfristige Markenbildung und damit auch Kaufpräferenz.

Dazu kommt noch, dass auch das Performance-Marketing immer nur eine wirklich kaufwillige Minderheit erreicht. In diesem Kontext spricht Ritson von „95-5“, also dass in der Regel nur 5 Prozent wirklich aktuell Kaufwilliger in der Kommunikation erreicht werden. 95 Prozent haben kein kurzfristiges Kaufinteresse. Dazu hieß es im Horizont: „Obwohl im Schnitt nur 5 Prozent der erreichten potenziellen Käufer gerade tatsächlich in der Situation sind, das Produkt kaufen zu wollen, fließen 40, 50, 60 oder mehr Prozent in Performance-Marketing.“

Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung

Noch gravierender aus Markensicht: Wer zu sehr auf kurzfristige Performance setzt, vernachlässigt ganz klar das langfristige Branding-Potenzial nicht nur in Bezug auf Positionierung, Bekanntheit und langfristige Kaufpräferenz, sondern vor allem auch in Bezug auf Wertschätzung und Wertschöpfung.

Wer sich ständig kurzfristig mit Aktionen „anbiedert“, wird mit Sicherheit keine echte Wertschätzung aufbauen. Das gilt für die digitale und die analoge Welt. Zudem zeigen Studien immer und immer wieder, dass Marken ein sogenanntes Preispremium besitzen. Simon-Kucher spricht in diesen Kontext auch von Pricing-Power, also der Kraft am Markt höhere Preise durchsetzen zu können. Das wird man mit Performance-Marketing nie erreichen, eher sogar das Gegenteil.

Performance-Marketing als Teil des Brandings

Aber der wahrscheinlich größte Fehler in der aktuellen Diskussion „Performance-Marketing versus Brand-Marketing“ ist, dass man beide Begriffe auf eine Stufe stellt. Die Marke und deren Positionierung sollten die oberste Richtlinie für das Marketing und damit auch für das Performance-Marketing sein. So gesehen muss auch das Performance-Marketing in der richtigen Gewichtung im Kommunikationsmix einen Beitrag zur Marke in Summe leisten.

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Markenpositionierung, die Regel aller Regeln und der neue Mazda 6e

Regeln, Gebote, Gesetze und Anleitungen sind für die Wirtschaft, den Sport und vor allem auch für unser Zusammenleben enorm wichtig. Sie geben uns Sicherheit, Struktur und helfen uns vor allem auch, wenn es um Planung und Entscheidungen geht.

Vom V-Stil lernen

Aber natürlich führen Regeln vor allem in der Wirtschaft und im Sport auch zu Konformität. Wer sich an dieselben geltenden Regeln hält, wird ähnliche Ergebnisse und Resultate erzielen. Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert, dass er speziell im Sport auch weniger erfolgreich ist.

Nehmen Sie das Skispringen. Als Jan Mauritz Boklöv – nach ersten Trainingserfolgen – auch bei offiziellen Wettkämpfen im V-Stil statt im bis dato üblichen Parallelstil sprang, wurde er dafür belächelt und zudem von den Punkterichtern trotz der enormen Weiten für die „schlechte Haltung“ bestraft. Heute springen alle Skispringer und Skispringerinnen im V-Stil. Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt oder bei der einen Regel aller Regeln, nämlich: „Wer erfolgreich Regeln bricht, stellt neue Regeln auf.“

Das Besondere an den 22 unumstößlichen Geboten

Interessant dazu ist aus Markensicht das Buch „Die 22 unumstößlichen Gebote des Marketing“ von Al Ries und Jack Trout, das 1993 das erste Mal erschien. Auf den ersten Blick erzeugt es den Eindruck, dass die beiden Autoren 22 Regeln aufgestellt haben, die man nie brechen sollte. So schreiben die beiden auf Seite 151: „Wenn Sie gegen diese unumstößlichen Gebote verstoßen, laufen Sie Gefahr, mit Ihrem Marketing zu scheitern. Wenn Sie sich an die unumstößlichen Gebote halten, laufen Sie Gefahr, dass man Sie verunglimpft, mit Verachtung straft oder sogar in die Verbannung schickt. Haben Sie Geduld. Die 22 unumstößlichen Gebote im Marketing werden Ihnen letztendlich zum Erfolg verhelfen.“

Damit stellt sich natürlich die Frage: „Wird es keine neuen Gebote geben, mit denen man diese Gebote erfolgreich bricht?“ Das Spannende an diesen 22 Geboten ist, dass darin drei Gebote enthalten sind, die aktiv zum Regelbruch auffordern, nämlich Gebot Nr. 2 „Machen Sie etwas Neues!“, Gebot Nr. 9 „Seien Sie anders!“ und Gebot Nr. 13 „Laufen Sie nicht jedem und allem hinterher“.

Heißt: Die Regeln und Gesetzmäßigkeiten hinter dem Konzept der Positionierung fordern auch aktiv dazu auf, dass man die eigenen Regeln im Markt hinterfragt und gegebenenfalls bricht, um damit neue Regeln im eigenen Markt aufzustellen. Speziell aus diesem Grund werden oft neue Ideen wie der erste Energydrink, der erste beutellose Staubsauger oder die erste Diskontfluglinie von den etablierten Marktteilnehmern bestenfalls belächelt, wenn nicht sogar „schlechtgemacht“.

Die eigenen Markenregeln im Unternehmen brechen

Aber auch Unternehmen haben ihre eigenen Regeln für die Markenführung. Eine der wichtigsten dabei dürfte so lauten: „Wir müssen neue Produkte unter unserem bestehenden Markennamen einführen, um dessen Wert zu nutzen und auszubauen.“ Nur genau dabei könnte man die große Chance übersehen, eine neue Marke für die Zukunft zu bauen.

Nehmen Sie aktuell Mazda mit dem Mazda 6e! Viele bezeichnen dies als das erste wirklich ernstzunehmende Elektroauto von Mazda oder gar von einem japanischen Hersteller. Nur der Name Mazda 6e ist die Garantie, dass daraus nie mehr werden kann, als das vielleicht meistverkaufte elektrische Mazda-Modell.

Wenn Mazda nur etwas am Design gearbeitet hätte und auf den Namen Mazda verzichtet hätte, hätte man die große Chance gehabt, dass man die erste echte japanische Elektroauto-Marke gebaut hätte. Viele Auto- und Markenexperten werden jetzt gleich sagen, dass das alles viel zu teuer gewesen wäre. Vielleicht sollten diese einmal bei Seat und Cupra nachfragen!

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Start-up-Branding: Das operative Marken-3-Eck zum Erfolg

Im letzten Blog-Beitrag an dieser Stelle ging es um das strategische Marken-3-Eck zum Erfolg, bestehend aus verbaler Positionierung, visueller Positionierung und dem Markennamen. Wenn es dann um die Umsetzung geht, sollte das operative Marken-3-Eck zum Erfolg Anwendung finden, bestehend aus a) Zielgruppe oder Community, b) Vertriebsweg und c) Kommunikationskanäle.

Vom Kleinen zum Großen

So scheitern die meisten Start-ups nicht am zu kleinen Markt, sondern am zu großen Markt, in dem man sich verliert. Viel besser: Man sucht nach einer ersten kleinen Zielgruppe, die man mit gezielter Kommunikation ansprechen und mit den Produkten und Leistungen erreichen kann.

Wo wäre Takis, Amerikas Nr. 1 bei gerollten Tortilla-Chips heute, wenn man versucht hätte, über die großen Ketten wie Walmart alle zu erreichen? Wahrscheinlich nirgendwo, da man schneller ausgelistet als eingelistet gewesen wäre.

Für Takis war die erste echte Marktführerschaft in Snackautomaten an Universitäten. Damit hatte man eine enge Zielgruppe, die man über den Vertriebs- und Kommunikationsweg Snackautomat perfekt erreichte. Wäre man in einem Walmart-Snackregal in der Menge einfach untergegangen, so war man in den Snackautomaten dagegen perfekt sichtbar. Zudem hatte man aufgrund der Schärfe auch die perfekte Basis für digitale Mundpropaganda in den sozialen Netzwerken. Heute findet man Takis natürlich nicht nur in Snackautomaten, Convenience-Stores, sondern natürlich auch in den großen Ketten a la Walmart und natürlich auch in unzähligen Online-Stores.

Die eine erste Marktführerschaft zum Erfolg

Das Wichtigste dabei ist die eine erste Marktführerschaft. Die ideale Frage, so ungewöhnlich diese für viele klingen mag: „Was ist der kleinstmögliche Markt, den wir mit unserer Marke dominieren können?“ Dazu kann es auch Sinn machen, dass man ein Wachstumsmuster für die eigene Marke entwickelt, das man dann über Jahre immer und immer wieder wiederholen kann.

Dietrich Mateschitz etwa fand – nach ersten Startschwierigkeiten – ein perfektes Muster für das internationale Markenwachstum. So fokussierte er bei der Internationalisierung immer nur auf ein wichtiges Land. Wenn dieses Land sehr groß war, fokussierte er sogar alle Aktivitäten zuerst auf eine Stadt oder Region. In dieser Stadt oder Region wiederum fokussierte er zuerst alle Kräfte auf die Szenegastronomie, dann auf die Gastronomie, dann auf Convenience-Stores und Tankstellen und erst dann auf die Supermärkte. Gleichzeitig durfte die klassische Werbung von Red Bull erst starten, wenn die Marke in den Supermärkten angekommen war.

Drei Fragen zum Erfolg

So gesehen sollten sich Start-up-Unternehmen zu Beginn, nachdem man das strategische Marken-3-Eck zum Erfolg definiert hat, die folgenden drei Fragen stellen:

(1) Was ist unsere erste Zielgruppe oder Community, bei der wir eine erste echte Marktführerschaft erreichen können?

(2) Über welche fokussierten Vertriebswege können wir diese perfekt erreichen?

(3) Und wie können wir das Ganze fokussiert kommunikativ unterstützen?

Zudem sollte man im Hinterkopf immer ein weiteres Wachstumsmuster a la Dietrich Mateschitz im Kopf haben, um dann die Marke von einer ersten kleinen Marktführerschaft Schritt für Schritt zu einer echten großen Marktführerschaft zu entwickeln. So einfach in der Theorie und oft so schwer in der Praxis!

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