Der Smartphone-Markt und die (un)besetzte Huawei-Position

Wenn man sich aktuell den globalen Smartphone-Markt ansieht, dann wird dieser auf dem Papier von drei Marken dominiert. Wenn man etwa das Jahr 2021 nimmt, führte Samsung laut Statista den Markt mit 20 Prozent Marktanteil an, gefolgt von Apple mit dem iPhone mit 16 Prozent und von Xiaomi mit 13 Prozent. Dahinter folgten dann Vivo und Oppo mit 11 bzw. 10 Prozent.

Der „Papier-Blick“ zurück

Spannend dabei ist aus Markensicht, dass die ersten beiden Plätze, wenn man 10 Jahre zurückblickt, sehr stabil waren. Wenn man etwa das vierte Quartal 2011 nimmt, dann führte damals Samsung den Markt mit 29 Prozent an, gefolgt von Apple mit dem iPhone mit 21,8 Prozent. Dahinter folgten mit großem Abstand Huawei (4,9 Prozent), Sony (4,5) und ZTE (4,3).

2013 waren die abgeschlagenen Verfolger Huawei, Lenovo und LG, 2014 waren es dann Lenovo, Huawei und Xiaomi, 2015 Huawei, Lenovo und Oppo, 2016 Huawei, Oppo und Vivo, 2017 Huawei, Oppo und Xiaomi, 2018 und 2019 waren es Huawei, Xiaomi und Oppo. 2020 war dann das Jahr mit dem brutalen Abstieg von Huawei. So sahen dann 2020 die Weltmarktanteile so aus: Samsung 20 Prozent, Apple 16 Prozent, Xiaomi 11 Prozent und Oppo und Vivo mit jeweils 9 Prozent. (Die mit Abstand stärkste „Nummer 3“ war im Jahr 2018 Huawei mit 14,4 Prozent. In diesem Jahr lag man damit sogar gleichauf mit Apple mit dem iPhone.)

Der „Positioning-Blick“ zurück

Wenn man den Smartphone-Markt aus Positioning-Sicht, also radikal aus Sicht der Kundenwahrnehmung betrachtet, dann gab es über Jahre drei führende Marken, nämlich iPhone, Samsung Galaxy und Huawei. So wurde und wird das iPhone als Original und Marktführer wahrgenommen, Samsung wird mit dem Galaxy als die erste Alternative oder als der erste Herausforderer wahrgenommen. Huawei schuf sich mental mit dem „Kamera-Fokus“ ganz klar eine eigene starke mentale Position.

Nur diese Position verlor man durch den Verlust der Google-Dienste im Jahr 2020. Damit war der Weg frei für Xiaomi, um zur neuen Nummer 3 aufzusteigen. Damit sind wir aber bei einem ganz wichtigen Punkt aus Positioning-Sicht. Huawei war nicht nur die Nummer 3 auf dem Papier, Huawei besaß mit dem Fokus „Kamera“ auch eine starke „Kamera“-Position in der Wahrnehmung der Kunden. Anders Xiaomi! Xiaomi ist aktuell auf dem Papier die neue starke Nummer 3. Aber welche Position besitzt Xiaomi in der Wahrnehmung der Kunden?

Die große Aufgabe oder auch die große Chance

Aus Positioning-Sicht steht so die Marktposition von Xiaomi auf nicht ungefährlichen Beinen. Heißt: Das verantwortliche Management sollte sich dringendst überlegen, mit welchem Wort, mit welcher Idee man die Marke aufladen sollte, um auch mental diese Nummer 3-Posiiton abzusichern und vielleicht sogar auszubauen. Das wäre die große Aufgabe. Denn wenn man dies nicht tut, entsteht für bestehende und vielleicht auch für neue Smartphone-Anbieter die große Chance eine echte starke Positionierung zu entwickeln, um mit einem klaren Fokus a  la Huawei früher Apple und Samsung wirklich herauszufordern. Dann wäre auch die aktuelle Nummer 3-Position von Xiaomi klar gefährdet. Fazit: Im Kampf um die tatsächlichen Marktanteile sollte und darf man nie auf die Kundenwahrnehmung vergessen. So einfach in der Theorie, oft so schwer in der Praxis.

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Klein gegen groß oder Mikromarke versus Megamarke

Letzten Samstag lief wieder die beliebte Unterhaltungsshow „Klein gegen Groß – Das unglaubliche Duell“ mit Kai Pflaume im Hauptabendprogramm. Dabei treten Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, die über besondere Fähigkeiten und Talente verfügen, in unterschiedlichen Duellen gegen Prominente, meist Schauspieler, Musiker oder Profisportler an.

Die neue Macht der „kleinen“ Herausforderer

Nur genau diese Art der „David gegen Goliath“-Duelle gewinnt auch in der Markenlandschaft immer mehr an Bedeutung. Ein klares Indiz dafür ist, dass speziell durch das Internet eine neue Unterart von Marke entstanden ist, nämlich die sogenannte Mikromarke.

Eine Mikromarke oder Microbrand ist in der Regel eine meist digitale Marke, die auf eine spezielle Community oder auch Interessensgemeinschaft fokussiert ist. Damit ist eine Mikromarke in der Regel auch in ihrer Zielgruppe relevanter als eine breite Massenmarke. Genau hier liegt auch die spezielle Macht oder der spezielle Wettbewerbsvorteil dieser neuen Markenart, nämlich in der „relativen Relevanz“.

Purpose als zentraler Positionierungs- und Wettbewerbsfaktor

Dazu kommt aber noch ein weiterer wichtiger Punkt, der in unserer Wettbewerbslandschaft immer entscheidender wird, nämlich das Thema Purpose. Während oft die Verantwortlichen von klassischen Marken im Nachhinein – oft sogar verzweifelt – einen Purpose suchen oder gar notdürftig „konstruieren“, werden diese Mikromarken oft sogar aus einem starken Purpose heraus gegründet. Damit bilden auch Purpose und Positionierung eine starke Einheit.

Das gilt auch in der Welt der analogen Herausforderer. Vergleichen Sie etwa die beiden Hamburger-Ketten Swing Kitchen und McDonald’s! McDonald’s ist heute unumstritten eine der wertvollsten Marken der Welt und natürlich auch die weltweit führende Hamburger- und Fastfoodkette. Aber was ist der Purpose der Marke? Die Antwort dazu auf der Website von McDonald’s: „Here at McDonald’s, our purpose is to feed and foster communities.” (Hier bei McDonald’s ist es unser Ziel, Gemeinschaften zu ernähren und zu fördern.)

Ganz anders Swing Kitchen! Im Vergleich zu McDonald’s ist Swing Kitchen aus Marken- und Unternehmenssicht ein Zwerg. Aber Swing Kitchen besitzt einen starken veganen Gründungsfokus und eine starke vegane Positionierung. Dazu heißt es auf der Website von Swing Kitchen unter „Unsere Welt“: „Wir haben uns als Ziel gesetzt, durch unser 100% veganes und umweltfreundliches Konzept die Fast Food Experience zu verändern. Wir beweisen, dass vegane Burger fantastisch schmecken und eine klimafreundlichere Alternative für den schnellen Heißhunger sind.“

Die neue Markenwelt von morgen

Aktuell mag man sich bei McDonald’s als Weltmarktführer noch sehr wohl fühlen, aber die Gefahr ist groß, dass die Marke knapp vor ihrem Zenit steht bzw. diesen bereits überschritten hat. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Menschen auch nach und nach ihre Ernährungsgewohnheiten ändern und ändern werden. Dazu kommt noch, dass McDonald’s – auch aufgrund der eigenen starken Markenhistorie – niemals einen so starken zeitgerechten Purpose definieren kann, wie neue Marken a la Swing Kitchen, die aus einem solchen starken Purpose heraus entstanden ist.

Was aber sollten dann Marken oder besser Unternehmen wie McDonald’s tun? Die Antwort ist zweigeteilt. Teil 1: Natürlich sollte man die Marke evolutionär an die Zeit anpassen, ohne aber den eigenen Markenkern zu verwässern oder gar zu verlieren. Teil 2: Neue Marken im gesunden Fastfood-Markt bauen oder kaufen. Nur speziell beim Kauf von neuen Marken oder auch Mikromarken sollte man tunlichst darauf achten, dass man deren Kern nicht nach dem Kauf durch typisches McDonald’s-Denken verwässert oder gar zerstört.

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Die „Inseraten-Affäre“ und der Fluch des Heiligenschein-Effekts

Eines der stärksten und wichtigsten psychologischen Konzepte aus Markensicht ist der sogenannte Halo- oder Heiligenschein-Effekt. Er besagt, dass eine Marke oder auch eine Person, die in einem bestimmten Bereich sehr gut eingeschätzt wird, generell sehr gut eingeschätzt wird. Genau aus diesem Grund sind auch viele erfolgreiche Markenprogramme rund um nur eine zentrale Idee wie etwa „Fahrfreude“ für BMW, „Technik“ für Audi oder „Elektro“ für Tesla aufgebaut. Man spricht in diesem Kontext auch vom Prinzip der Fokussierung.

Positiv wie auch negativ

Nur dieser Halo- oder Heiligenschein-Effekt kann nicht nur positiv wirken, sondern natürlich auch negativ. Dies zeigt sich aktuell sehr schön am politischen Geschehen in Österreich. So ist das Vertrauen in die Politik laut dem „Demokratie Monitor“ des Sora Instituts (Stand Dezember 2021) zurzeit am Boden. 90 Prozent der Befragten sind etwa überzeugt, dass die heimische Politik ein Korruptionsproblem hat.

Spannend dabei aus Sicht des oben erwähnten Halo-Effekts ist vor allem aber die Frage, für welche Partei die sogenannte „Inseraten-Affäre“ typisch sei. Wenn man sich an die Medienberichte zurückerinnert, stand vor allem das „System Kurz“ in der Kritik. Dazu vermeldete etwa das deutsche Magazin Stern am 14. Oktober 2021: „Ermittlungen gegen Kurz-Vertraute: Die Beschuldigen der Inseratenaffäre im Überblick“.

Nur das Ergebnis der oben erwähnten Studie zeigt klar ein anderes Bild: Für 41 Prozent der Befragten ist die „Inseraten-Affäre“ typisch für alle Parteien, für 21 Prozent für mehrere Parteien und nur 16 Prozent antworteten mit „einer Partei“. Für 15 Prozent wiederum waren nur einzelne Politiker verantwortlich. Das heißt: Hier wirkt sich die eine „Inseraten-Affäre“ durch den Heiligenschein-Effekt negativ auf alle Parteien aus.

Weck- oder Warnruf an die Politik

Genau diese Art von Ergebnis sollte eigentlich ein Weckruf an alle Parteien sein, um über einen neuen Stil in der Politik, vor allem auch in Bezug auf „Bad Campaigning“ und in Bezug auf „polemische Wortgefechte“ nachzudenken. Kurzfristig mag dies immer einer Partei nutzen und einer anderen Partei schaden. Nur wenn man das Ganze langfristig – vor allem auch aus dem Aspekt des Halo-Effekts betrachtet – schadet man so vor allem dem Ansehen aller etablierten Parteien, aller etablierten Politikern und damit letztendlich auch dem System in Summe.

Erschien im Original in Medianet

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Community- statt Länderdenken oder eine neue Ära der Markenführung und -kommunikation

In seinem Beitrag „Angeln Sie noch oder schleppen Sie wieder?“ schrieb Thomas Koch auf Absatzwirtschaft.de: „Medien wie TV, Print, Außenwerbung und Radio spielen ihre Stärken vorne im Marketing Funnel aus, wo sie Markenbekanntheit, Image und Vertrauen erzeugen und stärken. Die digitalen Kanäle, denen eine vergleichbare Reichweite und Öffentlichkeit fehlt, arbeiten wirksam weiter hinten im Funnel, wo es um Aktivierung, Conversion und Word-of-Mouth geht.“

Klassisches Länderdenken …

Später kommt er in diesem oben erwähnten Artikel dann zu folgendem Schluss: „Die Marke braucht Öffentlichkeit, um zu wachsen. Hierzu sind digitale Medien nicht geeignet. Diese DNA besitzen sie nicht.“ Diese Aussage mag vielleicht stimmen, wenn man wie früher vor allem in Ländern und damit nationalen Grenzen denkt. Dieser Aussage kann man nicht mehr zustimmen, wenn man in meist auch grenzüberschreitenden Communities denkt.

Um besser zu verstehen, worum es geht, sollten wir einen Blick zurück in die Vor-Internet-Ära werfen. Dabei fällt aus Mediensicht vor allem eines auf: Medien waren vor allem national, wenn oft überhaupt nur regional ausgerichtet. Das galt für Fernsehen, für Tageszeitungen, für Wochen- und Monatsmagazine, für Radio, Kino und Plakate. Dementsprechend baute man nationale Marken in nationalen Medien. Dies wiederum führte dazu, dass globale Marken in der Regel zuerst in ihrem nationalen Heimatmarkt groß wurden, um dann mit PR und Werbung Land für Land und damit Medienlandschaft für Medienlandschaft zu erobern.

… versus Community-Denken

Nur das Internet ist anders. Egal ob Sie heute auf YouTube, Facebook, Instagram oder TikTok unterwegs sind, sie bewegen sich in einem globalen Medium. Dazu kommt aus Markensicht: War früher der Aufbau von globalen Marken hauptsächlich ein Thema für große Unternehmen, erlaubt es das Internet heute auch Einzelpersonen in relativ kurzer Zeit eine relativ große Öffentlichkeit zu erreichen, um damit die Basis für eine starke Marke zu legen.

Dies zeigt sich auch in den Top 100 der wertvollsten globalen Marken laut Interbrand (Stand Oktober 2021). In zwei Jahrzehnten haben Start-up-Marken wie Amazon (Platz 2), Google (Platz 4), Tesla (Platz 14), Facebook (Platz 15), Instagram (Platz 19), YouTube (Platz 26), Netflix (Platz 36), PayPal (Platz 42), Ebay (Platz 56), Spotify (Platz 66), LinkedIn (Platz 83), Zoom (Platz 91) und Uber (Platz 99) die globale Markenlandschaft massiv verändert. Ohne das Internet und die digitale Medienlandschaft wäre dies in dieser Geschwindigkeit nicht möglich gewesen. Natürlich haben dazu auch die klassischen Medien einen wesentlichen Beitrag geleistet, aber speziell in der Startphase viel weniger durch bezahlte Werbung als durch redaktionelle Berichterstattung.

Heißt: Natürlich werden wir auch weiterhin Marken haben, die wie früher Land für Land internationalisieren. So startete Red Bull in Österreich, um dann Schritt für Schritt zur globalen Marke zu werden. Aber wir werden immer mehr Marken haben, die nicht vorrangig in Ländern denken, sondern vor allem in Communities, Zielgruppen und somit auch in spezifischen Bedürfnissen und Anforderungen.

Das gilt vor allem für Marken, die ein Problem oder ein Kundenbedürfnis lösen, das eine bestimmte Zielgruppe international oder sogar global hat. Dazu sollten wir uns einmal vier Start-up-Marken näher ansehen, nämlich die Online-Marken Net-A-Porter, Vestiaire Collective, Chronext und Glossier.

Vom Wohnzimmer in die Welt

Um die Jahrtausendwende war die Gründerin von Net-A-Porter Natalie Massenet im Internet auf der Suche nach Modeartikeln für ein Fotoshooting. Da sie mit den Suchergebnissen alles andere als zufrieden war, kam ihr die Idee, selbst Luxusmode über das Internet anzubieten. Im Juni 2000 folgte die Gründung von Net-A-Porter in ihrer Wohnung in London. (Der Name setzt sich auf den Begriffen Internet und Prêt-à-porter zusammen.)

Entscheidend für den Starterfolg war, dass sie, wie sie im Jahr 2014 in einem Interview erklärte, das richtige Netzwerk hatte: „Alle meine Freunde waren in der Modebranche tätig. Dadurch wusste ich, dass ich immer Leute erreichen konnte, die mir bei dem helfen, was ich tun möchte. Das ist einer der Tipps, die ich Menschen gebe, die ihr eigenes Business starten möchten – mache etwas in deiner Komfortzone.“ 2021 betrug der globale Umsatz  von Net-A-Porter – nach Corona-bedingten Umsatzrückgängen – knapp über 900 Millionen US-Dollar.

Nicht unähnlich lief die Gründung von Vestiaire Collective ab. In der Rezession von 2009 las Fanny Moizant in einem Artikel in der französischen Elle, dass immer mehr Mode-Bloggerinnen versuchten, ihre teuren Kollektionsteile der Vorsaison im Internet zu verkaufen. Doch zu dieser Zeit gab es keinen vertrauenswürdigen Online-Marktplatz, bei dem man wusste, dass es sich bei den Luxusteilen um Originale und nicht um Fälschungen handelt.

Dadurch inspiriert gründete Moizant gemeinsam mit Sophie Hersan, Alexandre Cognard, Christian Jorge, Henrique Fernandes und Sebastien Fabre in ihrem Apartment in Paris die Plattform und Community Vestiaire Collective. In wenigen Monaten sammelte das Gründerteam über 2.000 gebrauchte Luxusmodestücke ein, die man zu Beginn vor allem im Freundeskreis verkaufte. Von vielen als „Geheimtipp aller Fashionistas“ bezeichnet, ist Vestiaire heute mit circa 11 Millionen Mitgliedern in über 50 Ländern die weltweit führende Plattform für Second-hand-Luxusmode, deren Wert laut Medienberichten im September 2021 bereits bei 1,7 Milliarden US-Dollar lag.

Im Jahr 2013 starteten die Uhrenliebhaber Ludwig Wurlitzer und Philipp Man zwar nicht im Wohnzimmer, dafür aber in der Küche ihrer WG in Maida Vale (West London) die Marke Chronext als den ersten digitalen Marktplatz für Luxusuhren. Seitdem hat man  über 100.000 Kunden in mehr als 60 Ländern beim Kauf und Verkauf von Luxusuhren unterstützt. Im Jahr 2020 lag der Umsatz bereits über 100 Millionen Euro. Heute ist Chronext der weltführende Marktplatz für neue und gebrauchte Luxusuhren.

Oder nehmen Sie die Marke Glossier! Diese Marke stand und steht heute nicht nur global für „Beauty inspired by real life“, sondern ist für viele auch das E-Commerce-Vorbild bei Pflege- und Kosmetikprodukten. Dabei entstand diese Marke aus einem Blog heraus. Emily Weiss war Redaktionsassistentin bei der Vogue, aber ihre große Leidenschaft war ihr Blog „Into The Gloss“, mit dem sie die Schönheit demokratisieren wollte. 2010 ins Leben gerufen, hatte der Blog 2013 im Monat zwei Millionen Einzelbesuche und über 120.000 Follower in den Sozialen Medien. Ein großer Vorteil dabei war, dass Emily Weiss durch ihre Vogue-Kontakte die Blog-Beiträge durch Interviews mit prominenten Persönlichkeiten, wie etwa der Designerin Jenna Lyons oder dem Model Karlie Kloss, aufwerten konnte.

2013 begannen Weiss und ihr Team – basierend auf den Erkenntnissen aus dem Blog – eigene Kosmetikprodukte für Into The Gloss zu entwickeln. Das erste Produkt war eine Feuchtigkeitscreme, die Akne nicht verschlimmern würde. Daraus entstand dann 2014 die eigenständige Marke Glossier. Aufbauend auf der Blog-Community verzeichnete die E-Commerce-Website von Glossier schnell um die 1,5 Millionen Besucher pro Monat. Im Juli 2021 wurde der Wert des Unternehmens mit1,8 Milliarden US-Dollar beziffert.

Nur seit kurzem kennt man bei Glossier auch die Kehrseite des Internets. So kann das Internet einer Marke nicht nur helfen enorm zu wachsen, es kann auch die Basis für Boykottaufrufe sein, die sich dann „virus-artig“ verbreiten. So gab es laut Medienberichten seit dem Jahr 2020 immer wieder anonyme Vorwürfe über Rassismus und eine toxische Arbeitskultur. Dies führte sogar zur Gründung des Instagram-Accounts Outta The Gloss, um dort die Beschwerden gesammelt vorzubringen.

Eine neue Marken- und Medien-Ära

In einem hat Thomas Koch mit Sicherheit recht, nämlich, dass verschiedene Medien für verschiedene Aufgaben verschieden gut geeignet sind. Das zeigt sich etwa oft auch bei globalen Internetmarken, die ab einer gewissen Größe, also einem gewissen Umsatzvolumen, dann ihre Marktposition national mit klassischer Werbung in klassischen Medien wie Fernsehen oder Radio verstärken und ausbauen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass heute Marken wie etwa Amazon, Ebay oder Netflix massiv klassisch werben.

Nur dass die digitalen Medien aufgrund ihrer DNA generell ungeeignet für massives Markenwachstum wären, dürfte mehr der Sehnsucht nach einer guten alten nationalen Medienwelt als der neuen globalen Realität entsprechen. Gerade Marken, die im Internet auf die jeweils richtigen Communities und Influencer setzen, haben ein enormes Wachstumspotenzial, das oft weit über nationale Grenzen und nationale Zielgruppendefinitionen hinausgeht.

Damit entsteht im Internet auch eine komplett neue Markenart, nämlich die Mikromarke, also eine Marke, die perfekt auf einen nationalen oder oft sogar globalen „Mikrokosmos“ im Internet fokussiert und zugeschnitten ist. Fazit: Natürlich hat Thomas Koch recht, dass klassische Medien immer noch perfekt für das Markenwachstum geeignet sind. Das heißt aber nicht, dass deshalb die digitalen Medien dafür nicht geeignet wären. Vielmehr wird das Ganze von der Zielgruppe oder Community und damit auch von der geplanten Wachstumsstrategie einer Marke abhängen, ob man dabei auf analoge und/oder digitale Medien setzt.

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The New American Way of Life und zwei Lektionen für die Markenführung

Wenn man in den 1970er Jahren – als ich ein Kind war – an den „American Way of Life“ dachte, dachten sicher viele aus Markensicht sofort an Coca-Cola und McDonald’s. So wurde Cola, Hamburger, Pommes Frites und Ketchup ganz stark mit Amerika verbunden.

Wie man heute die USA sieht

Am Samstag, den 19. Februar dieses Jahres lautete eine Überschrift in der Tageszeitung Die Presse: „Wie die Österreicher die USA sehen“. Dabei ging es auch darum, welche US-Marken oder US-Unternehmen den Österreichern und Österreicherinnen spontan einfallen. Dazu ergab eine Umfrage von Marketagent im Auftrag der Österreichisch Amerikanischen Gesellschaft folgendes Stimmungsbild:

Amazon ….. 33,3 Prozent

Apple/iPhone ….. 32,5 Prozent

Microsoft ….. 25,9 Prozent

McDonald’s ….. 19,8 Prozent

Google ….. 19,0 Prozent

Tesla ….. 16,0 Prozent

Facebook …. 11,6 Prozent

Coca-Cola ….. 9,4 Prozent

Ford …. 6,6 Prozent

Burger King 4,0 Prozent

Zwar sind Cola, Hamburger und Pommes mit McDonald’s, Coca-Cola und Burger King noch dreimal in den Top 10 vertreten, wurden aber klar von den digitalen Marken verdrängt. Heute ist Amerika Amazon, Apple iPhone, Microsoft, Google, Tesla und Facebook.

Das Prinzip der Digitalisierung

Auch dieses Stimmungsbild zeigt ganz klar, dass wir im digitalen Zeitalter angekommen sind und das Internet die Markenwelt massiv verändert hat und auch noch verändern wird. So wird – und das ist die erste Lektion oder das erste Prinzip – das Internet sowohl strategisch und auch operativ die Markenwelt nachhaltig verändern.

Nur wenn man sich das Ganze aus Positionierungssicht ansieht, dann ist klar, dass unser Gehirn Marken immer noch gleich – vor allem nach Kategorien – abspeichert. Wenn man in den 1970er Jahren an Cola dachte, dachte man an Coca-Cola und dann vielleicht noch an Pepsi-Cola oder Afri-Cola. Wenn man in den 1970er Jahren an Hamburger dachte, dachte man an McDonald’s oder an Burger King. Wenn man heute an Cola denkt, denkt man vor allem an Coca-Cola. Wenn man heute an Hamburger denkt, denkt man vor allem an McDonald’s.

Das Prinzip der mentalen Marktführerschaft

Genau dasselbe Prinzip gilt aber auch in der Welt der digitalen Marken. Wenn man an Einkaufen im Internet denkt, denkt man an Amazon. Wenn man an Smartphone denkt, denkt man an iPhone und vielleicht Samsung Galaxy. Wenn man Software denkt, denkt man an Microsoft. Wenn man an Suche im Internet denkt, denkt man an Google. Wenn man an Elektroauto denkt, denkt man an Tesla. Wenn man an Soziales Netzwerk denkt, denkt man an Facebook. Damit sind wir bei der zweiten Lektion. Diese lautet: Die stärksten Marken besitzen ihren Markt im wahrsten Sinne des Wortes in der Wahrnehmung der Kunden. Wo steht Ihre Marke in der Wahrnehmung der Kunden und vielleicht sollten Sie im Sinne eines Markenfrühjahrsputz einmal Ihre Marke überdenken, auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls neu ausrichten.

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SOKO Linz oder wie „Linz ist Linz“ zum Marketing-Meisterwerk wird

Fernsehserien mit Bezug zu Städten oder Regionen haben ein enormes Marken-, Marketing- und Wirtschaftspotenzial. So denken manche Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen vielleicht jetzt spontan an die Serie „Schlosshotel Orth“, die zwischen 1996 und 2004 produziert wurde.

Doppelt vertane Chance

Entscheidend dabei sind aus Markensicht zwei Faktoren: (1) Die Serie muss so gemacht sein, dass diese das Publikum anspricht und damit zum dauerhaften Erfolg wird. (2) Die Serie sollte vor allem auch Lust auf die Region oder Stadt als Ausflugs- oder Urlaubsziel machen. So gesehen dürfte die neue Serie SOKO Linz ein doppelter Fehlschlag sein, wenn man diese beiden oben genannten Ziele bereits mit dem Serienauftakt hätte erreiche wollen. Typische Medienreaktionen darauf waren: „SOKO Linz fällt beim TV-Publikum durch“ oder SOKO Linz fällt bei Sehern durch“.

Dabei gelang SOKO Linz aus Quotensicht betrachtet sogar ein absoluter Traumstart. So sahen im Schnitt 869.000 Seher und Seherinnen diesen Serienauftakt. Weniger traumhaft waren aber auch hier die Reaktionen speziell in den Sozialen Medien: „So sehen Wiener Produzenten die Provinzstadt. Peinlich. Schlechte Dialoge, farblose Schauspieler. … Und Linz? Positioniert als hässliche Stadt. Handlung? keine!“ Oder: „Schwachsinn pur, komplette Fehlbesetzung. Die scheußlichsten Plätze von Linz werden ausgestrahlt und von Handlung keine Spur, wir reden nicht so in Oberösterreich. Absetzen.“

Fortsetzung von „Linz ist Linz“

Manchen fühlten sich auch stark an das umstrittene „Linz ist Linz“-Video von letzten Jahr erinnert: „Da bietet ja das umstrittene Linz-Tourismus Video noch mehr Werbung für unsere Stadt!“ Nur damit tut man diesem Video, von dem ich kein Fan war und bin, sogar doppelt Unrecht, denn im Vergleich zu dieser Auftaktfolge von SOKO Linz, war dieses Video in jeder Beziehung (Drehbuch, Filmqualität und gezeigte Plätze) ein filmisches Meisterwerk. Bleiben zwei Hoffnungsschimmer: (1) Dieser Serienauftakt war die (doch etwas) peinliche Ausnahme. (2) Die Serie wird mangels Erfolg eingestellt. Dabei ginge es auch anders, wie bereits SOKO Donau im November 2020 mit der Folge „Der Geist in der Maschine“ die unter anderem im Ars Electronica Center Linz spielte, bewiesen hat.

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Gestern – Heute – Morgen oder warum „Impfen hilft“ genau jetzt nicht hilft

Über Inhalte, Gestaltung und Kreativität einer Kampagne lässt sich tunlichst streiten. Eines ist sicher klar: Die aktuelle „Impfen hilft“-Kampagne der deutschen Bundesregierung ist mit Sicherheit mehr Informations- als Kreativkampagne, egal ob es um Gestaltung oder Textierung geht. So waren auch so gut wie alle Kommentare, egal ob von Kreativexperten in Fachmedien oder auch von „Laien“ in den Sozialen Medien negativ. Ganz wesentlich aber für den Erfolg einer Kampagne dieser Art ist das mediale Umfeld und damit der Faktor Zeit. Dazu sollten wir einen Blick zurück, einen Blick auf das Jetzt und einen Blick in die Zukunft werfen

Der Blick auf „Gestern“

Wenn man einen Blick zurück wirft, dann wird klar, dass der ideale Zeitpunkt für diese Kampagne Oktober oder November 2021 gewesen wäre, als sich die Intensivstationen mit Delta-Patienten füllten. Das hat zwei Gründe: a) Man hätte die Stimmungslage in den Krankenhäusern für die Kampagne nutzen können, um etwa die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Intensivstationen als Testimonial einzusetzen. b) Damals im Delta-Zeitalter stand die Wirkung der Impfung sehr viel weniger in der allgemeinen und damit öffentlichen Kritik als heute im Omikron-Zeitalter.

Das heißt weiter: Damals wären die Rahmenbedingungen für diese Kampagne sehr viel besser gewesen als heute. Damit wären auch die Chancen sehr viel größer gewesen, dass man vor allem die Unentschlossenen erreicht hätte. Verstärkend wäre noch hinzugekommen, falls man etwa Krankenschwestern als Testimonials genutzt hätte, dass diese, wie viele Studien zeigen, ein enormes Vertrauen und eine enorme Glaubwürdigkeit in der breiten Öffentlichkeit besitzen.

Der Blick auf „Heute“

Aktuell sieht das mediale Umfeld ganz anders aus. Dazu sollten wir uns nur einige aktuelle Headlines und Statements aus den Medien ansehen:

Ärzteblatt.de: „COVID-19: Laborstudie bestätigt geringe Schutzwirkung der Impfung gegen Omikron“

Spiegel.de: „Studie: Die Boosterimpfung wirkt auch gegen Omikron – aber nicht so stark“.

Merkur.de: „Die Corona-Impfung wirkt offenbar weniger stark gegen die Omikron-Variante, zeigt eine neue Studie. Ein Booster kann den Schutz allerdings trotzdem erhöhen.“

Tagesschau.de: „Die Impfstoffe scheinen weniger vor einer Omikron-Ansteckung zu schützen als vor anderen Virusvarianten wie Delta. Das legen immer mehr registrierte Infektionen bei Menschen mit Grundimmunisierung oder gar Auffrischungsimpfung nahe.“

Aus dieser Warte betrachtet könnte diese Kampagne ganz klar ein Millionen Euro teurer Flop werden. So zeigen auch Studien immer wieder, dass redaktionelle Medienberichte sehr viel glaubwürdiger als Werbebotschaften eingestuft werden. Bei Werbung haben Menschen immer den Eindruck, dass ihnen etwas „verkauft“ werden sollte, bei redaktionellen Medienberichten überwiegt in der Regel der Informationsgedanke. Kernfrage daher: Wem werden Impfgegner und Impfskeptikern mehr trauen? Medienberichte, die deren Meinung bestätigen oder eine Regierungskampagne, die ihnen eine andere Meinung aufs Auge drücken will. Zudem werden gerade diese Gegenmeinungen in den Sozialen Medien massiv verstärkt.

Der Blick auf „Morgen“

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, eine Impfkampagne im Spätsommer, also vor einer möglichen nächsten Welle im Herbst 2022 zu starten. Damit hätte man nicht nur mehr Vorlaufzeit gehabt, man hätte vor allem den Kardinalfehler Nr. 1 aller bisherigen Kampagnen vermeiden können, nämlich die fehlende Integration.

Bisher hatte man bei all diesen Kampagnen, egal ob in Deutschland oder auch in Österreich den Eindruck, dass diese einfach losgelöste Einzelaktionen waren, um ein wenig am Stimmungsbild zu drehen. Nur gerade bei einer Kampagne dieser Art wäre es notwendig, dass diese ganz engverknüpft mit dem tatsächlichen Impfangebot wäre. Das dürfte aber mehr als nur schwierig sein, wenn man sich das bisherige Corona-Management diverserer Länder und Regierungen ansieht. Fazit: Werbung kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn man diese perfekt in alle anderen Maßnahmen, nicht nur Kommunikationsmaßnahmen integriert. Wenn man dies nicht tut, darf man sich auch nicht wundern, wenn man viel Steuergeld einfach „zum Fenster hinaus wirft oder besser wirbt“.

PS dazu: Etwas mehr Strategie und Kreativität hätte zudem dieser Kampagne mit Sicherheit nicht geschadet.

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Der Tipping-Point und die Erfolgs-Psychologie dahinter

Im Jahr 2000 erschien erstmals der Bestseller „The Tipping Point: How Little Things Can Make a Big Difference“ von Malcom Gladwell. Dabei kann man diesen „Tipping Point“ als den einen magische Moment bezeichnen, an dem eine Idee, ein Trend, ein soziales Verhalten oder auch eine Marke eine gewisse Schwelle überschreitet, um sich dann wie eine Art „Flächenbrand“ auszubreiten.

Übernacht erfolgreich

Dieses Phänomen zeigt sich speziell auch in der Markenwelt. So haben wir immer und immer wieder den Eindruck, dass Marken quasi übernacht erfolgreich wurden: Gestern noch unbekannt, heute in aller Munde. Oft werden für diese „Übernacht-Erfolge“ auch kreative Werbekampagnen verantwortlich gemacht. Nur wenn man dann die Geschichte dieser Erfolge im Detail studiert, ergibt sich in der Regel ein ganz anderes Erfolgsmuster.

Nehmen Sie etwa den iPod! Im Nachhinein betrachtet ergibt sich für die meisten folgendes Bild: Im Jahr 2001 präsentierte Steve Jobs diesen neuen MP3-Player mit Harddisc und dieser war nicht nur sofort erfolgreich, sondern machte auch Apple sofort zum gefeierten Markenstar. Nur wenn man sich die Zahlen ansieht, ergibt sich klar ein anderes Bild. So verkaufte man nach der Präsentation von Steve Jobs im Winterquartal 2001 gerade einmal 125.000 Stück. (Zum Vergleich: Das erste iPhone verkaufte sich am ersten Wochenende 270.000 Mal.) Im September 2003(!) wurde dann die erste Absatzmillion erreicht. 2004 wurden dann 4,4 Millionen iPods verkauft. 2005 kam dann der große Durchbruch und als 2007 das iPhone eingeführt wurde, hatte Apple bereits über 100 Millionen iPods verkauft.

Zufall versus Planung

Beruht aber dann Markenerfolg mehr auf dem Prinzip „Zufall“ als auf dem Prinzip „Planung“? Nein! Es bedeutet viel mehr, dass man bei der Planung das zentrale Element der Tipping-Point-Theorie versteht. Es geht nämlich darum, dass man frühzeitig die richtigen Multiplikatoren oder sogar nur den einen richtigen Multiplikator findet, um die Marke dann Schritt für Schritt zu entwickeln.

Spannend dazu aus Markensicht ist der Einstieg der Hafermilch-Kultmarke Oatly in den US-Markt im Jahr 2016. Damals wurde der amerikanische Markt für „Milchersatz“ von Mandel- und Sojamilchanbietern und Marken wie Silk, Blue Diamond, Califia Farms, Earth’s Own, Native Forrest oder Living Harvest dominiert.

Die Hauptzielgruppen waren die vegane Szene beziehungsweise alle, die an Milchintoleranz litten. In dieser Situation wäre es wahrscheinlich fatal gewesen, wenn Oatly versuchte hätte, als weiterer Anbieter auf breiter Front zu punkten. Stattdessen fokussierte Oatly alle Bemühungen auf kleine lokale Coffeeshops und in diesen auf die Barista als Empfehler. Dazu kreierte Oatly eine spezielle Barista-Mischung, die dicker war als andere pflanzliche Milch. Genau das machte Oatly zur besten milchfreien Option für die Baristas, die versuchten, coole Designs in ihre Milchkaffeekreationen zu zeichnen.

Dabei ließ Oatly zu Beginn bewusst große Ketten wie Starbucks links liegen. Der erste Coffeeshop, der diese Barista-Mischung von Oatly im Angebot hatte, war im Jahr 2016 Intelligentsia, eine Art „Boutique-Hipster-Coffeeshop“, der heute sechs Filialen in den USA hat. Ein Jahr später konnte man Oatly bereits in rund 650 Coffeeshops in den USA finden. 2018 betrug der Umsatz trotzdem nur „magere“ 6 Millionen US-Dollar, aber die Basis für den weiteren Erfolg war gelegt. Mittlerweile ist Oatly als Marke in den USA natürlich auch im Handel und bei Starbucks erhältlich. Zudem wurde die Marke um weitere Hafermilchprodukte erweitert. Am 20. April 2021 hieß es auf Fooddive.com, dass Oatly im Jahr 2020 global einen Umsatz von 421,4 Millionen US-Dollar erreicht hatte, davon ca. 100 Millionen US-Dollar in den USA, wobei der Handel bereits über 70 Prozent des Umsatzes ausmachte. So ist die Marke heute laut Medienberichten in rund 7.500 Einzelhandelsgeschäften und in rund 10.000 Coffeeshops der USA vertreten.

Fokus auf die richtigen Multiplikatoren

Wenn ich eines in mehr als 25 Jahren Beratungserfahrung gelernt habe, dann das, dass die meisten deshalb scheitern, weil man zu viel auf einmal will. Statt den eigenen Markt künstlich zu verengen, will man so schnell wie möglich alle und jeden (meist mit teurer Werbung) erreichen. Keine gute Idee! Viel besser: Man setzt speziell dann, wenn man ein neues Marken- und Marketingprogramm startet, auf eine mentale Teilmarktführerschaft in einem eingeengten Markt, der im Sinne der Tipping-Point-Theorie die perfekte Basis zur Multiplikation bietet. Dabei bieten sich – neben anderen – speziell die folgenden Verengungsansätze an:

Fokus auf die richtigen Medien

Fokus auf die richtigen Influencer

Fokus auf die richtigen Communities, Zielgruppen oder Branchen

Fokus auf die richtigen Regionen oder Städte

Fokus auf eine spezielle Problemstellung

Fokus auf die richtigen Vertriebspartner

Fokus auf die richtigen Veranstaltungen

Dazu noch ein extrem wichtiger Tipp: Wenn Sie von erfolgreichen Marken wirklich lernen wollen, sollten Sie unbedingt deren Erfolgsgeschichte studieren. Denn genau dort finden Sie in der Regel immer und immer wieder das Erfolgsmuster „vom Kleinen zum Großen“. Und genau dieses Erfolgsmuster sollten auch Sie nutzen, um dann einmal als großer Übernacht-Erfolg wahrgenommen zu werden.

Erschien im Original auf Marketing-Boerse.de

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