Rückläufiger Markt: die logische und die vermeintlich unlogische Markenreaktion

Noch Anfang der 1990er Jahre lag der Bierkonsum in Deutschland bei rund 140 Litern pro Kopf pro Jahr. 2024 sah dies ganz anders aus. Dazu hieß es am 22. Juli dieses Jahres auf Tagesschau.de: „In Deutschland wurden 2024 noch 88 Liter Bier pro Kopf getrunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es 20 Jahre zuvor 112 Liter und vor 30 Jahren gar 133 Liter.“

Gegen den Rückgang ankämpfen

Die aus Managementsicht oft logische Reaktion darauf dürfte klar sein. Wenn die Menschen weniger Bier trinken, müssen wird diese mit mehr neuen Sorten wieder animieren. Dazu vermeldete Tagesschau.de: „Die Brauereibranche versucht gegenzusteuern. Immer mehr milde und erfrischende Sorten ergänzen die Richtungen „Export, Pils und Alt“ früherer Biertrinker-Generationen. Der Deutsche Brauerbund versucht, Bier als modernes Getränk für flotte Menschen zu verkaufen. Er wirbt mit gepflegten Städterinnen, die miteinander fröhlich Bier trinken. Biersommeliers sollen dem Getränk ein kultiviertes Image verschaffen.“

So werden die Marken aber immer breiter und breiter und damit letztendlich austauschbarer. Damit stellt sich aber eine ganz andere Frage: „Warum muss man neue Biersorten mit Kategoriepotenzial unter alten Markennamen positionieren?“ Anders ausgedrückt: Sollte man nicht bei den bestehenden Marken weiterhin auf Tradition setzen und zudem neue Bierkategorien und mit neuen Marken bauen?“

Von MiXery und Athletic Brewing lernen

Genau das tat die Karlsberg Brauerei Mitte/Ende der 1990er Jahre. So schuf man für die modernen Biermischgetränke eine neue Marke, nämlich MiXery. Heute ist MiXery in Deutschland die Nr. 1 bei Biermischgetränken, während die Marke Karlsberg eine eher regionale Marke geblieben ist. Natürlich hätte man das Ganze auch Karlsberg Mix nennen können. Nur dann hätte man nicht nur die Marke Karlsberg verwässert, es hätte bald auch sicher ein Warsteiner Mix, Bitburger Mix oder ein Jever Mix gegeben. Und jedes Mix hätte im Revier der eigenen Stammkunden gejagt.

Oder nehmen Sie den amerikanischen Biermarkt, in dem die Käufer längst den Überblick über den Biermarkt verloren haben. Hier ist auf einmal die Start-up-Marke Athletic Brewing die Nummer 1 bei alkoholfreien Bieren mit einem Marktanteil von 19 Prozent. Athletic Brewing ist keine weitere Markendehnung einer traditionellen Biermarke, sondern ein neuer Name für eine neue Generation von Biertrinkern. War noch 2023 Heineken 0.0 der Marktführer bei alkoholfreien Bieren in den USA, musste man mittlerweile diese Position an Athletic Brewing abtreten. Dahinter kommen dann noch weitere Marken wie Budweiser Zero oder Busch NA. (Dabei wurde die Athletic Brewing Company erst im Jahr 2017 von den beiden sportbegeisterten Gründern Bill Shufelt und John Walker gegründet.)

Gegen die allgemeine Logik

Aus Markensicht empfiehlt es sich immer und immer wieder, dass man zuerst die allgemein-gültigen Regeln einer Branche studiert, um dann zu überlegen, ob und wie man diese gekonnt brechen kann. So mag es für viele unlogisch erscheinen, dass man in einem rückläufigen Markt auf eine neue Marke für einen dort wachsenden Teilmarkt setzt, statt diesen mit einer weiteren Markendehnung der bekannten Traditionsmarke zu bedienen.

Aber eines ist klar: Wer erfolgreich Regeln bricht, stellt neue Regeln auf. So gesehen könnte wenigstens eine deutsche Brauerei auf eine neue jugendliche Marke für alkoholfreies Bier setzen, statt die nächste Markendehnung zu probieren, die wiederum maximal als eine weitere Markendehnung unter vielen gesehen wird.

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BYD versus Tesla oder ein Gedankenspiel aus Marken- und vor allem Positionierungssicht

Über Jahre war der Nissan Leaf das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Nur übersah man es aus Markensicht bei Nissan, dass man auch die führende Position in den Köpfen der Kunden einnahm. So wurde der Nissan Leaf maximal als Elektroautomodell von Nissan gesehen.

Die Genialität von Elon Musk

Genau diesen Fehler von Nissan nutzte Elon Musk brillant, um Tesla als das Elektroauto zu positionieren. Obwohl man weniger Elektroautos als Nissan verkaufte, eroberte man frühzeitig die Elektroauto-Position in den Köpfen der Kunden. So wurde man mit den Modellen S, X and dann auch E als der Vorreiter und Marktführer gesehen.

Gleichzeitig aber positionierte man sich so aufgrund der Modelle mental auf Augenhöhe mit Mercedes, BMW, Audi, Volvo oder Lexus. Damit war aber auch klar und logisch nachvollziehbar, dass man damit Raum für potenzielle Mitbewerber macht. So kann keine Marke, speziell keine Automarke auf Dauer jeden ansprechen. Wie es aktuell aussieht, nimmt diese Massenmarktposition jetzt global BYD ein. Nur damit sollte man bei Tesla klar überlegen, wie man sich in Zukunft genau positioniert.

Ein Rückblick ins Jahr 2016 …

Dazu schrieb ich am 28. Februar 2016, also vor fast 10 Jahren an dieser Stelle: „Wenn man heute einen Blick auf den traditionellen Automarkt wirft, haben wir eine große Vielfalt an Marken, Autokategorien und auch an Antriebssystemen. So haben wir alleine europäische Marken wie Audi, BMW, Citroen, Dacia, Fiat, Mercedes-Benz, Opel, Peugeot, Porsche, Renault, Seat, VW oder Volvo. Gab es früher Limousinen, Coupes, Kombis und Geländewagen, haben wir heute zusätzlich alle Arten von Vans, SUVs und sonstigen Crossover-Varianten, die natürlich entweder mit Benzin, Diesel oder Hybrid betrieben werden.“

Und weiter: „Diese Entwicklung haben wir in jedem Markt: Im Laufe der Zeit werden Märkte durch neue divergierende Innovationen, also durch Innovationen, die von der Norm abweichen, immer vielfältiger und ausdifferenzierter. Ganz anders im Markt für Elektromobilität. Hier haben wir aktuell aus Markensicht Tesla und ein paar andere Anbieter. Nur wenn sich die Elektromobilität im Automarkt durchsetzen sollte, wird auch dort die Vielfalt Einzug halten. Dies sollte man vor allem bei Tesla bereits heute bedenken, um sich zu überlegen, welche Position man langfristig bei Elektroautos einnehmen möchte.“

… und eine Positionierungsempfehlung für Tesla

Aufgrund dieser Analyse empfahl ich damals das Folgende: „Nur damit könnte sich Tesla auch überlegen, gegen wen man sich am besten im traditionellen Automarkt positionieren sollte. Meine Wahl würde dabei auf BMW und Audi fallen, denn beide werden global jünger und sportlicher als Mercedes-Benz oder auch Lexus wahrgenommen. So könnte sich Tesla in Anlehnung an den BMW-Slogan „The ultimate driving machine“ als „The e-driving machine“ positionieren, um so eine neue elektrische Art der Fahrfreude zu schaffen.“

Das würde auf der einen Seite erfordern, dass man die Marke ganzheitlich auf diese Positionierung ausrichtet. Auf der anderen Seite müsste man auch aufpassen, wo genau man die eigene Preisgrenze nach unten setzen sollte, um nicht zu günstig für diese Positionierung zu werden. Aber eines ist klar: Tesla wird aktuell als exklusiver und sportlicher als BYD oder andere chinesische Elektroautomarken wahrgenommen. Diese Stärke sollte man unbedingt nutzen, um das eigene Markenterrain in der Wahrnehmung und am Markt klar abzustecken.

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Der strategische Feind: Was man von Sodastream, Gustavo Gusto, Dacia und Dr. Best lernen kann

Letzte Woche ist das neue Buch „The Strategic Enemy“ von Laura Ries in den USA erschienen. Darin geht es darum, wie man eine Marke baut und positioniert, für die es sich zu kämpfen lohnt. Das ist ein extrem wichtiger Gedanke, der gerne bei der Markenpositionierung vergessen wird. Es geht nicht nur darum, dass man eine Position findet. Es geht darum, dass man diese Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr wichtiger macht. Dazu vier Beispiele:

Sodastream (Der Feind „Das Schwereschleppen“)

Viele denken vielleicht spontan beim Begriff „Strategischer Feind“, dass es darum geht, einen Konkurrenten wie etwa beim „Dirty Campaigning“ in der Politik schlecht zu machen. Nur genau darum geht es bei diesem Konzept nicht. Es geht darum, einen mentalen Aufhänger zu finden, an dem die eigene Marke wachsen kann. Das kann natürlich der Mitbewerb sein, das kann aber auch eine Idee oder ein Konzept sein oder es kann auch eine Alltagstätigkeit sein.

Für Sodastream war dies etwa das schwere Kistenschleppen. Der Slogan „Einfach sprudeln, statt schwer schleppen!“ brachte diesen Ansatz nicht nur perfekt auf den Punkt, sondern positionierte Sodastream auch klar als den führenden Wassersprudler. So sollte man speziell auf drei Punkte achten, wenn man einen strategischen Feind für die eigene Marke auswählt:

(1) Der strategische Feind sollte groß sein und damit das mögliche Marktpotenzial widerspiegeln.

(2) Der strategische Feind sollte in den Augen der Kunden präsent und relevant sein.

(3) Der strategische Feind sollte sich nur schwer gegen die eigene Idee wehren können.

All diese drei Punkte treffen mit Sicherheit auf das schwere Kistenschleppen zu. Ad 1) Viele tun es. Ad 2) Viele tun es (bewusst) ungern und ärgern sich vielleicht sogar dabei. Ad 3) Die Getränkeindustrie, die in Flaschen abfüllt, kann dies auch nicht wirklich ändern.

Gustavo Gusto (Der Feind „herkömmliche Fertigpizza“)

Bei Gustavo Gusto wiederum wählte man die direkte Konkurrenz im Supermarkt als den einen strategischen Feind. So hieß es etwa in einem typischen Werbespot der Marke: „Wann hast Du das letzte Mal eine richtig gute Tiefkühlpizza gegessen? Von Hand geformt, auf Stein gebacken und nur mit hochwertigen Zutaten belegt. Wie? Noch nie! Dann wird’s aber Zeit. Gustavo Gusto. Die Premium-Tiefkühlpizza.“

Damit repositionierte man einmal den Mitbewerb subtil als weniger gut, bevor man dann die eigene Position als „Die Premium-Tiefkühlpizza“ etablierte. Wesentlich waren hier dann am Point of Sale drei Punkte, die das alles glaubwürdig machten: (1) Die großen Pizzaschachteln. (2) Die Botschaften auf den Pizzaschachteln wie „Eine echte Steinofenbarung“, „Wir nehmen nur Mozzarella, alles andere ist Käse“ oder „Die Salami ist vom Rind. Der Geschmack vom Feinsten“. (3) Der deutlich höhere Preis im Vergleich zum Mitbewerb.

Dacia (Der Feind „Statussymbole“)

Brillant in diesem Kontext des strategischen Feinds war auch die frühere Werbung von Dacia mit Fußballstar Mehmet Scholl. So zeigten die Spots klar auf, dass Dacia das Statussymbol für all jene war, die kein Statussymbol brauchten. Mit dieser Anti-Status- Positionierung, die so mit Scholl über 10 Jahre lief, etablierte man die Marke erfolgreich in Deutschland.

Aber auch hier der wesentliche Punkt: Man wurde so nicht als ein weiteres günstiges Auto wahrgenommen, sondern man schuf sich so eine mentale Sonderstellung unter den günstigen Automarken. Gleichzeitig zeigte man so sympathisch auf, dass nicht alle Menschen beim Thema Auto ein Statussymbol brauchen.

Dr. Best (Der erste Feind und der zweite Feind)

Dr. Best, eines meiner Lieblingsbeispiele für eine erfolgreiche Markenpositionierung, stieg mit dem strategischen Feind „starre Zahnbürste“ zum Marktführer bei Handzahnbürsten auf. Es war der perfekte Feind, um die Vorteile einer nachgebenden Zahnbürste für Zahnfleisch und Zähne zu positionieren.

Heute, als Marktführer hat man einen neuen strategischen Feind, nämlich „das zu seltene Wechseln der Zahnbürsten“. Jetzt ist also die alte Zahnbürste, die schon längst ausgewechselt werden müsste, der Feind. Das zeigt aber auch sehr schön, dass nicht nur der strategische Feind gewechselt werden kann und sollte, es zeigt vor allem auch, dass ein Marktführer anders denken und handeln sollte als ein Nicht-Marktführer. Als Herausforderer hat Dr. Best den „starren Status Quo“ erfolgreich repositioniert, jetzt als Marktführer versucht man den Markt in Summe durch häufigeres Wechseln der Zahnbürste größer zu machen.

Was Radeberger daraus lernen könnte

Wofür steht aktuell die Marke Radeberger? Wissen Sie warum, es gerade ein Radeberger Pilsener und kein anderes Bier sein sollte? Aktuell lautet der Slogan der Marke „Auf die Leidenschaft“. Aber gibt es wirklich eine „leidenschaftliche Bierposition“ in den Köpfen der Kunden? Und entsteht echte Markenemotion alleine dadurch, dass man versucht, die eigene Werbung zu emotionalisieren?

All diese Fragen sollte man sich neben einer anderen Frage bei Radeberger stellen und diese eine andere Frage lautet: „Wer könnte der eine strategische Feind von Radeberger sein?“ Meine Antwort aus Markensicht darauf: Die Vielzahl der deutschen Brauereien. So gibt es in Deutschland, auch wenn die Zahl rückläufig ist, weit über 1.000 Brauereien. Genau hier müsste man bei Radeberger ansetzen, um die eigene Pilsbier-Tradition in Relation zum Mitbewerb zu positionieren.

Fazit: Alleine die Frage nach dem strategischen Feind der eigenen Marke, kann einem in Strategiemeetings gänzlich neue Perspektiven für die eigene Marke und die eigene Markenpositionierung aufzeigen. Und genau das kann den großen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

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Wettbewerbsfähigkeit oder warum Innovation und Qualität alleine zu wenig sein können

Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse am 16. August 2025 berichtete, steht es nicht gut um die Wettbewerbsfähigkeit von Österreich, speziell wenn es um Innovation, Qualität und die Durchsetzung höherer Preise am Markt geht. So liegt man aktuell im globalen Innovationsindex 2024 nur auf Platz 17 und damit weit abgeschlagen hinter doch vergleichbaren Ländern wie der Schweiz (Platz 1), Schweden (2), Finnland (7), Niederlande (8) oder Dänemark (10).

Der übersehene dritte Faktor

Interessant dabei ist, dass es, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit und um das Wertschöpfungspotenzial in Managementkreisen geht, vorrangig um Innovation und Qualität geht. Übersehen wird dabei gerne, dass es noch einen dritten ganz wesentlichen Faktor gibt, der für nachhaltige Wertschätzung und Wertschöpfung sorgt, nämlich der Faktor „Marke“.

Diese Wertschöpfungskraft der Marke bestätigt auch eine Studie von Biesalski & Company aus dem Jahr 2023: So haben starke Consumer-Marken ein Preis-/Mengenpremium von 20,0 Prozent, starke Business-to-Business-Marken von 10,4 Prozent. Alleine diese Zahlen sprechen klar dafür, dass es beim Thema Wettbewerbsfähigkeit nicht nur um die harten Fakten, sondern vor allem auch um die Wahrnehmung aus Kunden- bzw. Abnehmersicht geht.

Das Zusammenspiel entscheidet

Entscheidend dabei ist aber das Zusammenspiel von Innovation und Marke. Viele Innovationen gehen heute in der Menge der Innovationen unter. So geht es nicht nur darum, dass Unternehmen innovativ sind, sondern vor allem darum, dass man diese Innovation bestmöglich in der Wahrnehmung der Kunden und damit am Markt als führende Marke positioniert.

Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Amazon die erste Internetbuchhandlung dieser Welt. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war der iPod von Apple der erste MP3-Player mit Harddisc dieser Welt, auf dem 1.000 Lieder Platz hatten. Aus Kundensicht und wahrscheinlich auch aus Sicht vieler Experten, war Tesla der alleinige Vorreiter in der Elektromobilität. Das ist die allgemeine Wahrnehmung.

Nur in der Realität war Powells.com vor Amazon bereits eine Interbuchhandlung. Nur in der Realität war die Creative Nomad Jukebox der erste MP3-Player mit Harddisc, der über 1.000 Lieder speichern konnte. Nur in der Realität war der Nissan Leaf über Jahre das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Nur schafften es weder Powells.com, noch Creative Technology, noch Nissan diese Innovationen zu nutzen, um damit starke Marken zu bauen.

Was Peter Drucker bereits 1954 wusste

Das heißt: Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Durchsetzungskraft höherer Preise sind Innovation und Qualität alleine zu wenig. Entscheidend ist auch vor allem das richtige Branding und Marketing. Nicht umsonst schrieb Managementlegende Peter Drucker bereits 1954 folgende Zeilen: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: marketing and innovation. Marketing and innovation produce results; all the rest are costs.“ Heute würde er wahrscheinlich ein Wort ändern und schreiben: „Because the purpose of business is to create a customer, the business enterprise has two – and only two – basic functions: branding and innovation. Branding and innovation produce results; all the rest are costs.“

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Der Altar der Vergangenheit und ein fiktives Meeting der Kutschen- und Hufschmiedeindustrie

Das 20. Jahrhundert hat gerade begonnen und noch regiert der Kaiser in Österreich. Am Horizont taucht mit der „Motorkutsche“ eine neue Technologie auf. Aus diesem Grund treffen sich in Wien die Vertreter der österreichischen Kutschenindustrie und die Vertreter der österreichischen Hufschmiedeindustrie. Dabei kommt es dann zu folgendem fiktiven Gespräch, das so fiktiv für die Nachwelt protokolliert wurde:

Das Protokoll zu diesem Gedankenaustausch

Teilnehmer A: „Immer mehr dieser studierten Experten glauben, dass diese Motorkutschen, also diese sogenannten Automobile die Zukunft der persönlichen Mobilität werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Treffen einberufen, um über die Zukunft unserer Industrien zu diskutieren und die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Teilnehmer B: „Ich habe immer schon gesagt, dass diese Studierten keine Ahnung von der Praxis haben. Nehmen Sie so ein Automobil und versuchen Sie damit von Wien nach Linz zu kommen. Unmöglich! Mit einer Tankfüllung kommen Sie nicht weit. Zudem finden Sie keine Möglichkeit zum Nachtanken, wenn sie diese brauchen und wahrscheinlich haben Sie zudem auch einen Motorschaden. Das mag vielleicht in Städten für ein paar „Auserwählte“ funktionieren, aber nie für die Masse. Wer heute von Wien nach Linz will, muss die Eisenbahn oder eine Kutsche nehmen. Punkt!“

Teilnehmer C: „Ganz richtig. Und bedenken Sie, dass es wahrscheinlich viel zu wenig von diesem Treibstoff gibt, um wirklich damit einmal Massen zu bewegen. Das ist alles Utopie. Umso erschreckender finde ich, dass es angeblich auch in unseren Reihen „Spinner“ gibt, die auf diese Technologie setzen wollen. Es ist einfach verrückt.“

Teilnehmer B: „Und die Umweltverschmutzung! Haben Sie schon einmal so eine Erdölbohrstation besucht. Das stinkt, verschmutzt extrem die Umgebung und ist auch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Alleine deshalb hat das alles keine Zukunft. Und auch die Autos selbst stinken furchtbar und sind zudem unangenehm laut. Hier sollte auch der Gesetzgeber klare Grenzen ziehen. Im Gegensatz dazu sind unsere Pferde eine echte Bereicherung für die Natur und den Umweltschutz. Und das bisschen Rauch aus den Schmieden kann man klar vernachlässigen.“

Teilnehmer A: „Trotzdem sollten wir die technologischen und politischen Weichen für die Zukunft unserer Industrien heute schon vorausschauend stellen. Dazu möchte ich drei Punkte in den Raum bzw. auf die Tagesordnung stellen:

(1) Wir sollten eine Pferde-Motor-Kutsche entwickeln, um beide Technologien perfekt mit einander zu verbinden. Damit bekommen unsere Pferde auch immer wieder eine Ruhepause und können hinten einfach angehängt mittrotten. Zudem kann uns niemand mehr so vorwerfen, dass wir der Technologie im Wege stehen. Ganz im Gegenteil: Wir sind die, die wirklich technologie-offen sind.

(2) Wir sollten unbedingt mit dem Kaiser sprechen, dass unsere beiden Industrien politisch und wirtschaftlich heute und in Zukunft nachhaltig unterstützt werden. Wir sind ein echtes, wichtiges und unverzichtbares Rückgrat dieser Wirtschaft. So werden wir auch in Zukunft sehr viel mehr Menschen beschäftigen als diese dubiosen Motorkutschen-Produzenten. Nur so kann sichergestellt werden, dass unsere Wirtschaft auch in den nächsten Jahrzehnten funktionieren wird.

(3) Wir sollten diese Art von Treffen unbedingt auch auf europäischer Ebene veranstalten. Europa muss ein Kutschen- und Hufschmiede-Kontinent bleiben. Das ist unsere Zukunft und die Zukunft unseres Kontinents im Welthandel.“

Peter Drucker und der Alter der Vergangenheit

Natürlich ist das Ganze rein fiktiv. So hat natürlich diese Art von Meeting weder damals noch heute – etwa in einer anderen Industrie – stattgefunden. Was weniger fiktiv ist, ist, dass immer wieder Unternehmen und auch Volkswirtschaften in disruptiven Märkten die Vergangenheit überschätzen und die Zukunft unterschätzen.

Das gilt speziell dann, wenn man eine sehr ausgereifte Technologie mit einer neuen Technologie vergleicht, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Nicht umsonst wurde Managementdenker Peter Drucker nicht müde zu erklären, dass viele Unternehmen ihre Zukunft auf dem Altar der Vergangenheit opfern.

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Pole-Positioning: Die Formel Nr. 1 zum Marken- und Markterfolg

Das beste Produkt, die beste Dienstleistung, das motivierteste Team und die kreativste Werbekampagne bringen wenig, wenn man vom Markt, also den Menschen nur als ein weiterer Marktteilnehmer unter mehreren angesehen wird. Denn genau dann befindet man sich im sogenannten unprofilierten Mittelfeld.

Ein schwerwiegender Satz

So hört man auch immer wieder folgenden Satz von Nicht-Marktführern in diesem unprofilierten Mittelfeld: „Ich verstehe das nicht. Unsere Produkte sind mindestens so gut wie die des Marktführers, wenn nicht sogar besser. Zudem sind wir auch noch günstiger. Nur die „dummen Kunden“ begreifen es einfach nicht.“

Das Interessante dabei: Wir Menschen setzen in der Regel Mittelfeld mit Mittelmaß gleich. Dazu kommt noch, dass auch der Preis nicht nur Zahlungseinheit ist, sondern auch Qualitätsmesser. Deshalb ist Lindt teurer als Milka und Milka wiederum teurer als eine Eigenmarke einer Supermarktkette. Genauso führt diese Position als weiterer Marktteilnehmer in Verbindung mit einem niedrigen Preis auch zu einer niedrigeren Qualitätseinschätzung, wenn man überhaupt wahrgenommen wird,

Die Macht der Positionierung

Genau deshalb ist es wichtig, dass man eine eigenständige Pole-Position in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden besitzt. Entscheidend dabei ist aber, dass man bei dieser Aufgabe nicht mit der eigenen Marke, sondern immer mit dem mentalen Kontext aus Kundensicht startet. Dazu sollten wir uns die Marke Dr. Best aus dieser Perspektive ansehen.

Wenn man 1985 in Deutschland oder Österreich an eine neue Zahnbürste dachte, waren die führenden Marken Blend-a-dent und Oral-b. Damals war Dr. Best, wenn man die Marke überhaupt wahrnahm oder kannte, maximal eine weitere Handzahnbürste unter vielen. Und mit einer neuen Werbelinie alleine hätte man das sicher nicht ändern können.

Entscheidend war, dass man eine brillante Positionierung fand, die zu diesem mentalen Wettbewerbskontext passte. So wurde aus einer weiteren Handzahnbürste die erste nachgebende Zahnbürste. Damit besaß man auf einmal selbst eine eigene Pole-Position oder Führungsposition in den Köpfen der Kunden. Und je wichtiger man die Idee oder Position „nachgebende Zahnbürste“ auf Kosten der starren Zahnbürsten machte, desto wichtiger und wertvoller wurde die Marke Dr. Best. So stieg alleine im Zeitraum von 1988 bis zur Jahrtausendwende der Marktanteil von mageren 6 Prozent auf sensationelle 42 Prozent. Gleichzeitig konnte man auch den Verkaufspreis klar steigern. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer mentalen Pole-Position gegenüber der Wahrnehmung eines weiteren Anbieters unter vielen.

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JD.com, Media-Markt, Saturn und zwei potenzielle strategische Markenentscheidungen

Kürzlich vermeldete Lebensmittelzeitung.net das Folgende: „Ausgerechnet Mediamarkt soll die nächste Evolutionsstufe im deutschen und europäischen Handel einläuten. Wer hätte das gedacht? Mit dem beschlossenen Einstieg von Jingdong – international bekannt als JD.com – bei der Muttergesellschaft Ceconomy sind die Erwartungen von heute auf morgen in die Höhe geschossen. Die direkte Konkurrenz der Elektronik-Spezialisten geht in Habacht-Stellung und auch etablierte Onlinehändler beobachten derzeit jeden Schritt des kommenden Wettbewerbers. Alle sind sich einig: Der Markt wird sich verändern. Sogar von Disruption ist die Rede.“

Das Marken-Chaos beenden

Egal, was JD.com genau mit Media-Markt Saturn plant, aus Markensicht sollte man vor allem einmal das aktuelle Marken-Chaos beenden. Dazu hat man zwei grundlegende Möglichkeiten:

  • Man fokussiert alle Kräfte auf Media-Markt und stellt die Marke Saturn, wie es in Österreich bereits im Oktober 2020 passiert ist, komplett ein. Basierend darauf könnte man eine klare Positionierungs- und Standortentscheidung treffen.
  • Man führt beide Marken wieder klar getrennt. Nur dazu müsste diese Trennung anders als früher aussehen. Anbieten würde sich dabei, dass man Media-Markt als Omni-Channel-Marke mit Schwerpunkt klassischer Handel weiterführt, während man Saturn zur reinen Online-Marke macht.

Diese Art der Entscheidung sollte man zudem nicht hinauszögern, sondern so bald wie nur möglich andenken und umsetzen. Dabei sollte man aber die zwei Hauptziele eines Mehr-Marken-Systems im Auge haben.

Die zwei Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen

Das erste Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen sollte mentale und tatsächliche Marktdominanz sein. Dazu sollten sich die Marken nicht ins Gehege kommen, sondern klar ergänzen. Das heißt: Man sollte Überschneidungen möglichst vermeiden. Früher machte dies der VW-Konzern mit Audi, VW und Skoda nahezu perfekt. So war Audi klar als Premiummarke positioniert, VW der Marktführer in der Mitte und Skoda als der clevere Preiseinstieg in die Volkswagen-Welt. Heute sollte man bei VW aber aufpassen, dass sich diese Marken nicht selbst zu sehr ins Gehege kommen. Dazu kann man sehr wohl General Motors als warnendes Beispiel sehen.

Das zweite Hauptziel von Mehr-Marken-Systemen betrifft den Faktor Zeit. So sollte man unbedingt Marken der Gegenwart besitzen, dann im Falle des Falles eine oder mehrere Zukunftsmarken und natürlich darf man auch Marken der Vergangenheit haben, von denen man sich abrupt oder schleichend trennen kann. Hier hat es VW klar versäumt, dass man das eigene Markenportfolio frühzeitig um eine oder mehrere Elektroautomarken ergänzt hat. (Speziell im Bereich Nutzfahrzeuge hat man hier mit Sicherheit eine globale Chance vergeben.)

Media-Markt oder Media-Markt und Saturn

Aktuell sind Media-Markt und Saturn beide Marken der Gegenwart, die sich klar überschneiden und daher auch aktuell gemeinsam geführt werden. Damit hat man aus der obigen Perspektive eine Marke zu viel für die Gegenwart.

Wenn man aber bei Saturn die Chance sieht, dass man damit als reine Online-Marke klar punkten könnte, dann sollte man Saturn als Zukunftsmarke neben Media-Markt positionieren. Wenn man diese Chance nicht sieht, sollte man alle Kräfte auf Media-Markt fokussieren.

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Mindpoint statt Touchpoint oder der wahre Punkt der Entscheidung

Ein Begriff im Marketing und in der Markenführung, der vor allem auch im Rahmen der Customer Journey eine große Rolle spielt, ist der Begriff „Touchpoint“. Dabei geht es zum Beispiel um die Berührungs- oder Kontaktpunkte bestehender und potenzieller Kunden mit einer Marke. Dies kann natürlich vor dem möglichen Kauf sein, beim Kaufabschluss oder auch nach dem Kaufabschluss. Und natürlich sollte jeder dieser Berührungspunkte helfen, die Marke zu positionieren und zu bauen.

„Mind“ statt „Touch“

Nur statt Touchpoint verwenden wir seit kurzem in unserer Beratungspraxis lieber den Begriff Mindpoint. Gleichzeitig sprechen wir auch nicht von der bereits oben erwähnten Customer Journey, sondern von der Mindpoint-Journey. Damit wollen wir für unsere Klienten klar hervorheben, wo wirklich der Punkt der Entscheidung ist, nämlich nur und nur in den Köpfen der bestehenden und potenziellen Kunden.

Dazu kommt noch, dass wir finden, dass der Begriff Mindpoint sofort als umfassender wahrgenommen wird als der Begriff Touchpoint. Denn Mindpoint suggeriert sehr viel mehr als nur unsere angreifbare Welt, auch wenn natürlich in den klassischen Touchpoint Definitionen die digitale Welt in der Regel immer mitinbegriffen ist.

Die Mindpoints identifizieren und planen

Das heißt aber auch, dass man zuerst einmal die bestehenden (potenziellen) Mindpoints entlang der Mindpoint-Journey identifizieren muss. Dabei sollte man aber nicht nur in Medien denken, sondern wirklich alle Punkte inkl. etwa dem Point of Sale oder dem Produkt selbst berücksichtigen. Basierend darauf sollte man dann die optimale Mindpoint-Journey für die Zukunft planen.

Aber auch hier gilt, dass weniger sehr viel mehr sein kann. Speziell aus Sicht unserer Wahrnehmung und unseres Gedächtnis geht es um wahrgenommene Dominanz. So war es etwa für die amerikanische Tortilla-Chips-Marke Takis von großem Vorteil, dass der erste entscheidende Mindpoint nicht bei Walmart sondern in Snackautomaten an Universitäten war. Hätte man versucht, die Marke zuerst bei Walmart zu platzieren, wäre das Risiko mehr als groß gewesen, dass man aus Sicht der Wahrnehmung in der Menge der diversen Chips untergegangen wäre. In den Snackautomaten war und ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer, dass man im Umfeld als echter Player wahrgenommen wurde und wird.

Heute ist die Marke als Marktführer bei gerollten Tortilla-Chips natürlich auch dominant bei Walmart vertreten und geht mit Sicherheit nicht in der Menge sang- und klanglos unter. Das heißt aber auch bei der Planung der Mindpoint-Journey sollte man sich von einer kleinen Dominanz zu einer immer größeren Dominanz bewegen. So scheitern die meisten neuen Marken nicht am zu kleinen Markt, sondern am zu großen Markt, in dem man einfach in der Menge untergeht.

Mindpoints und visuelle Positionierung

Speziell aus Sicht der visuellen Positionierung sollte man aber immer den wichtigsten Mindpoint identifizieren und dann darauf fokussieren. Dazu sollten wir einen Ausflug zu den Olympischen Sommerspielen 2012 in London machen. Der Hauptsponsor war damals Adidas und eigentlich waren so gut wie immer und überall die Drei Streifen zu sehen. Nur wirkten diese oft einfach nur wie eine Art „Hintergrundtapete“.

Ganz anders wirkten die neon-grün-gelben Volt-Laufschuhe von Nike, die über 400 Athleten und Athletinnen trugen. 68 dieser Athleten gewannen noch dazu Medaillen, 25 davon in Gold. So waren diese Nike Volts die wahren visuellen Stars in London und stellten mental den Hauptsponsor klar in den visuellen Schatten. Hier war einerseits entscheidend, dass die Sportschuhe von Nike echter Bestandteil des Sports waren. Andererseits war natürlich ganz wesentlich, dass man sich für eine echte „Reizfarbe“ entschieden hatte, die klar aus der Masse der anderen „braven“ Schuhe herausstach.

Dazu erklärte damals ein Nike Kommunikationsverantwortlicher: „Von allen Farben des Regenbogens reagieren das menschliche Auge und das visuelle System am empfindlichsten auf den gelb-grünen Bereich. Die Stärke dieses visuellen Signals wird am besten genutzt, wenn der Hintergrund dazu einen starken Kontrast bildet, wie das bei der olympischen Laufstrecke in London der Fall ist, nämlich rötlich.  Das menschliche Auge hat eine relativ geringe Empfindlichkeit für Rot gegenüber einer sehr viel höheren Empfindlichkeit gegenüber der Farbe Volt.“

Auch wenn dieses Beispiel eher operativer Natur war, zeigt es sehr gut, warum die fokussierte visuelle Positionierung so wichtig ist. Obwohl aus klassischer Touchpoint-Sicht Adidas sehr viel stärker als Nike vertreten war, war aus Mindpoint-Sicht Nike der klare Gewinner.

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Zum Tod von Ozzy Osbourne: Was Menschen und Marken „unsterblich“ macht

„Ozzy Osbourne, Godfather of Metal und Prince of Darkness, ist tot“, „Der Fürst der Finsternis: Ozzy Osbourne ist tot“ oder „“Fürst der Finsternis“ Ozzy Osbourne stirbt mit 76“ waren nur einige Überschriften und Statements zum Tod dieser Rocklegende. Selbst die FAZ schrieb etwas eingedeutscht vom „Miterfinder tonnenschwerer Musik“.

Mehr als nur ein Name

Bei den meisten Todesanzeigen und Nachrufen geht es in der Regel um den Namen und den Lebenslauf. Nur wenige hinterlassen mehr, nämlich einen Namen, der zudem für etwas ganz Spezifisches steht. Gemeint ist damit ein Name, der in unserer Wahrnehmung, aber vor allem in unserem Gedächtnis seine ganz eigene „Schublade“ oder „Position“ besitzt.

So gesehen wird Ozzy Osbourne für immer einen mentalen Platz haben, weil er als Godfather of Metal oder „Prinz oder Fürst der Finsternis“ immer abgespeichert sein wird. Damit ist er nicht alleine. Viele lebende und auch bereits verstorbene Künstler besitzen diese Art von Schublade in unserer Wahrnehmung und in unserem Gedächtnis. Sie denken an Pop-Art. Sie denken an Andy Warhol. Sie denken an Streetart. Sie denken an Banksy. Elvis Presley wiederum hat sich im Laufe der Zeit die Position oder den Titel „King of Rock’n’Roll“ verdient.

Michael Jackson war und ist der „King of Pop“, Madonna ist die „Queen of Pop“ und Kylie Minogue wurde speziell von den europäischen Medien mit dem Titel oder der Position „Princess of Pop“ geadelt. Aretha Franklin gilt als „Queen of Soul“, Sam Cooke als „King of Soul“ und James Brown wird sogar immer wieder als „Godfather of Soul“ bezeichnet.

Das eine Wort besitzen

Übervereinfacht könnte man in diesem Zusammenhang auch von „Branding by Eselsbrücke“ sprechen. So besitzen auch die stärksten Marken der analogen und digitalen Welt ihre ureigene Schublade, die sich im Idealfall auf ein zentrales Wort fokussieren lässt.

Marke ….. Fokus

          BMW ….. Fahrfreude

          Audi ….. Technik

          Volvo ….. Sicherheit

          Tesla ….. Elektro

          Coca-Cola ….. Original-Cola

          McDonald’s …..Hamburger

          Google ….. Suche

          YouTube ….. Video

          TikTok ….. Kurzvideo

          Netflix ….. Videostreaming

          Spotify ….. Musikstreaming

          ChatGPT ….. KI-Chatbot

          H&M ….. Fast Fashion

          Shein ….. Ultrafast Fashion

          Milka ….. Zart

          Zotter ….. Handgeschöpft

          Nivea ….. Pflege

          Knoppers ….. Frühstückchen

          Würth ….. Schrauben

          Rational ….. Kombidämpfer

          Flixbus ….. Fernbus

          Engel ….. Spritzgussmaschinen

          Zoom ….. Videokonferenz

          DeepL ….. Übersetzung

Viele Markenverantwortlich, die den Wert des einen Wortes erkennen, suchen in der Regel aber oft nur nach dem zweitbesten Wort. Dafür mögen Vorbilder wie Milka mit „zart“, Nivea mit „Pflege“, BMW mit „Fahrfreude“, Audi mit „Technik“ oder auch Volvo mit „Sicherheit“ verantwortlich sein. Das heißt: Man sucht nach einem spezifischen und für die Kunden relevanten Eigenschaftswort oder auch nach einem spezifischen und für die Kunden relevanten Nutzen.

Was man von  Mariah, Darlene und Elizabeth lernen kann

Nur die stärksten Wörter dieser Welt sind weder Eigenschaftsworte noch Nutzen. Das stärkste Wort, das man als Mensch oder Marke besitzen kann, ist jeweils die Marktkategorie, in der man tätig ist. Denn genau dann wird man als Marktführer oder Original wahrgenommen. Dabei können Markenverantwortliche auch sehr viel von Musikerinnen lernen.

So gesehen ist es gar nicht verwunderlich, dass sich Mariah Carey basierend auf dem Erfolg ihres weltweiten Weihnachtshits „All I Want for Christmas Is You“ die Bezeichnung oder den Titel „Queen of Christmas“ rechtlich schützen lassen wollte. Nur genau das traf auf heftigen Widerstand der Sängerinnen Darlene Love und Elizabeth Chan, die ebenfalls bereits so von den amerikanischen Medien tituliert wurden.

Zu wenig kreativ

Interessant ist hier, dass viele kreative Künstler, kreative Künstlerinnen und vor allem auch deren Management klar die Macht dieser Art der Positionierung verstehen, während gleichzeitig viele „Markenexperten“ genau diese Art der Positionierung immer noch als „zu wenig kreativ“ gering schätzen.

So gesehen lag die wahre Kreativität von Dietrich Mateschitz weder im Markennamen Red Bull, noch im Slogan „verleiht Flügel“ und auch nicht im Design oder der Werbelinie, die beide seit 1987 so gut wie unverändert sind, sondern vor allem in der Erfindung der Kategorie Energydrink. Sie denken Energydrink. Sie denken Red Bull. Damit schuf sich Red Bull eine eigene mentale Liga. Und egal wie kreativ oder auch emotional die tausenden anderen Energydrinks dieser Welt werben, sie werden genau deshalb immer nur im mentalen Schatten des Roten Stiers stehen.

Erschien im Original auf Horizont.net

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