Nie mit der eigenen Marke starten

Markenerfolg ist keine Einbahnstraße. Vielmehr ist der mentale Kontext aus Sicht der Kundenwahrnehmung entscheidend. Für einen Manager oder eine Managerin mag die eigene Marke ein zentraler Berufs- und damit Lebensmittelpunkt sein. Für die meisten Menschen sind Marken je nach Situation im mentalen Kontext einmal mehr oder auch weniger wichtig und relevant. Genau deshalb sollte man einen Markenprozess nie, wirklich nie mit der eigenen Marke, sondern immer mit dem mentalen Kontext aus Kundensicht starten. Dabei sollte man aber klar zwischen dem strategischen und dem operativen Kontext unterscheiden.

Der strategische mentale Kontext

Beim strategischen Kontext geht es darum, ob man aus Sicht der Kundenwahrnehmung als erste Wahl oder zweite Wahl, als nur ein weiterer Anbieter oder ob man vielleicht gar nicht wahrgenommen wird. Das heißt: Hier geht es also vor allem um das kollektive Gedächtnis. Heißt aber auch: Ein wahrgenommener Marktführer muss anders denken und handeln als ein Herausforderer, ein Mitläufer oder ein Start-up-Unternehmen.

Spannend dabei ist auch, dass es in immer mehr Märkten keine klar wahrgenommenen Marktführer, speziell auch in den jüngeren Zielgruppen mehr gibt. Die aus Markensicht fatale Folge dieser Entwicklung: Damit werden sich in Summe Marken selbst und auch Eigenmarken immer ähnlicher und der tiefe Preis immer wichtiger. (Viele Markenverantwortliche haben dazu durch unzählige Markendehnungen einen wesentlichen Beitrag geleistet. So wurde und wird etwa auch Sony, wenn man von der Playstation absieht, immer mehr von einer „Must have“-Marke zu einer „Nicht schlecht, wenn’s drauf steht“-Marke. Oder kennen Sie ein Produkt von Sony, wenn man von der Playstation absieht, dass man unbedingt auch von Sony haben muss?)

Der operative mentale Kontext

Beim operativen Kontext wiederum geht es darum, wie man die eigene Marke und vor allem auch die eigene Markengeschichte präsentiert. Hier geht es darum, dass man wirklich Teil des Lebens der Verbraucher wird. Nur wenn man sich heute ansieht, wie Marken kommunizieren, dann hat man oft den Eindruck, dass diese Marken lieber in einer eigenen hyperkreativen Werbe- oder Social-Media-Welt leben, statt aktiv den Bezug zum Leben der Verbraucher zu suchen.

Schlimmer noch: Wenn man sich heute Markenkommunikation ansieht, dann dürfte die kumulative Wirkung der Kommunikation immer weniger Rolle spielen. Oft gewinnt man den Eindruck, dass jede Kommunikation ein „Meisterwerk“ für sich alleine sein sollte, das dann auch im Sinne des Performance-Marketings isoliert bewertet wird. Nur genau so verschenkt man leider in vielen Fällen die kumulative Macht und Kraft der Kommunikation. Wie man es machen sollte, zeigt Red Bull. So ist man seit 1987 immer unverkennbar gleich der Original-Energydrink, der Flügel verleiht. (Wie viele Marken zeigen heute noch diese Konsequenz in der Markenführung, um die eigenen Kunden dauerhaft zu bestätigen und um neue Kunden zu gewinnen?)

It’s a Mindgame

So gesehen kann oder sollte man Markenführung sehr wohl als „Mindgame“ sehen und verstehen. Nur das ist in der Praxis oft alles andere als einfach, weil das Management in vielen Fällen Entscheidungen lieber alleine aufgrund der harten Zahlen, Daten und Fakten als aufgrund der Wahrnehmung der Kunden trifft. Verstärkt wird dieses Problem noch dadurch, dass viele Entscheider glauben, dass man die Wahrnehmung der Kunden einfach mit ein wenig Werbung ändern kann.

Nur ist es in der Praxis sehr viel einfacher intern im Unternehmen etwas zu verändern, als das Weltbild der Kunden zu verändern. Denn aus Kundensicht ist das Umlernen nicht nur schwieriger als das Neulernen, sondern auch ein Extraaufwand für das Gehirn und den Körper. So gesehen lassen viele Unternehmen heute enormes Markenpotenzial liegen, weil man den mentalen Kontext sowohl strategisch als auch operativ unterschätzt. In diesem Sinne: Context Matters: Vom mentalen Kontext zum dauerhaften Marken- und Markterfolg!

PS dazu: Am 14. November werde ich zu diesem Thema einen Workshop bei der Jetzt Branding Konferenz in Wien halten.  (https://branding.jetzt-konferenz.at/programm/)

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Im Schatten des Marktführers und der große Markenwerte-Irrglaube

In vielen Marken-Workshops mit diversen Agenturen und Beratern geht es immer und immer wieder um Attribute und Eigenschaften, um Werte und natürlich um Kundennutzen. Je nach Modell oder Herangehensweise werden dann jeweils drei, fünf oder sogar mehr Begriffe definiert und dann oft im Sinne des Markenkerns oder der Markenpositionierung wieder auf einen Begriff reduziert. Das Ergebnis ist in der Regel ein mehr oder weniger umfangreiches Markenstatement, das dann wieder in vielen Fällen auch die Basisunterlage für das Agenturbriefing ist. So weit. So gut.

Der Nächste bitte oder …

Wenn das Ganze aber dann nicht den erwünschten Erfolg erzielt, wird diese Übung mit einer anderen Agentur oder einem anderen Berater wiederholt. Ein typisches Beispiel dafür dürfte Opel sein. So hat man in den letzten 25 Jahren immer wieder verschiedene Markenwerte kommuniziert, die sich dann auch in diversen Slogans und Werbeauftritten widergespiegelt haben.

So hieß es einmal, dass Opel für Qualität, Kreativität, Vielseitigkeit, Dynamik und Partnerschaft stehe. In weiterer Folge reduzierte man dann diese fünf Werte auf die folgenden drei: bezahlbare Nutzeninnovationen, zukunftsorientiertes Design und Rolle der Mitte in unserer Gesellschaft. In der Ära von Tina Müller definierte sich Opel dann über „deutsche Ingenieurskunst“, „emotionales Design“, „digitale Vernetzung“ und „Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Daraus wurde dann, dass die Marke für deutsch, nahbar und begeisternd stehe. Aktuell fallen gemeinsam mit der Marke immer wieder folgende Werte, nämlich deutsche Markenqualität und Präzision, Offenheit und Menschlichkeit sowie jugendliche Dynamik.

Zudem hatte man in den letzten Jahrzehnten jede Menge an Slogans wie etwa „Technik, die begeistert“, „Wir haben verstanden“, „Bessere Autos für eine bessere Umwelt“, „Frisches Denken für bessere Autos“, „Entdecke Opel“, „Autos zum Leben“, „Die Zukunft gehört allen“ oder „Geboren in Deutschland. Gebaut für uns alle“. Dazu kam dann noch die „Umparken im Kopf“-Kampagne.

… der große übersehene Punkt

Was in diesem Kontext gerne übersehen wird, ist, dass es einen großen Unterschied macht, ob man diese Markenwerte-Übung mit einem starken wahrgenommenen Marktführer oder mit einem Nicht-Marktführer macht, der im Schatten eines starken wahrgenommenen Marktführers steht. Dabei lautet die einfache Kernerkenntnis: Für einen starken wahrgenommenen Marktführer funktioniert so gut wie alles. Für einen Nicht-Marktführer, der im Schatten eines starken wahrgenommenen Marktführers steht, funktioniert so gut wie fast gar nichts.

Bleiben wir bei Opel! Das Hauptproblem von Opel ist mit Sicherheit nicht, dass man die falschen Werte, Eigenschaften oder Nutzen jeweils definiert hat. So macht es aus Kundensicht wenig Unterschied, ob man einmal auf die Kernwerte Qualität, Kreativität, Vielseitigkeit, Dynamik und Partnerschaft oder auf die Kernwerte deutsch, nahbar und begeisternd oder auf die Kernwerte deutsche Markenqualität und Präzision, Offenheit und Menschlichkeit sowie jugendliche Dynamik setzt. (Im Endeffekt haben die meisten Menschen von diesen Werten nie etwas mitbekommen, geschweige denn diese Werte jemals mit Opel wirklich verbunden.)

Das (weiterhin ungelöste) Hauptproblem von Opel war und ist, dass man im mentalen Schatten von VW steht, dass man nur als maximal weitere gute Automobilmarke wahrgenommen wird. (Frage an Sie: Haben Sie aufgrund dieser oben genannten häufig geänderten Werte und Eigenschaften, den diversen Slogans und Kampagnen jeweils Ihre Meinung über Opel grundlegend verändert? Weitere Fragen dazu: Haben Sie diese Werte überhaupt gekannt? Und hätten Sie überhaupt die Zeit, die vielen Markenwerte diverser Marken zu lernen, die man Ihnen gerne aufs Auge oder ins Gehirn drücken möchte?)

Die eigene Markt- und Themenführerschaft definieren

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Markenwerte sind wichtig, um Marken strategisch und operativ nach außen und innen in die Zukunft zu führen. Nur bevor man die eigenen Markenwerte definiert, sollte man zuerst sicherstellen, dass man eine eigene Führungsposition in den Köpfen der Kunden hat. Das heißt: Man sollte mit der Positionierung mit dem klaren Ziel einer eigenen Spitzenstellung starten. Erst dann gilt es die Werte zu definieren, die sicherstellen, dass die Marke im Sinne dieser Führungsposition nach außen und innen in die Zukunft geführt wird.

Nur leider läuft es in der Praxis oft genau umgekehrt ab. Zuerst werden die Markenattribute, Markenwerte und Markennutzen gemeinsam entwickelt und abgeleitet, dann versucht man diese Ansammlung an rationalen und emotionalen Begriffen (verzweifelt) in eine Positionierung zu verdichten und zu übersetzen. Nur genau das endet, wie oben erwähnten, in oft endlosen Versuchen, die eigene Marke auf den Punkt zu bringen. Schade! Viele Marken verkaufen sich so nicht nur dauerhaft unter ihrem möglichen Wert und Potenzial, sondern verschenken auch jede Menge Zeit, Energie und Geld.

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Medienrevolutionen: Wiener Zeitung und die Medien- und Markenlandschaft der Zukunft

Dieses Monat war sicher neben Threads von zwei weiteren Nachrichten aus der Medienlandschaft geprägt. Auf der einen Seite ging es um die letzte Printausgabe der Wiener Zeitung, der ältesten noch bestehenden Tageszeitung der Welt. Auf der anderen Seite präsentierte Brand Finance die 50 wertvollsten Medienmarken der Welt.

Die Werte der Zukunft

Wenn man sich diese 50 wertvollsten Medienmarken ansieht, dann stechen klar zwei Punkte ins Auge:

(1) In den Top 10 findet man nur amerikanische und chinesische Marken. Von Europa keine Spur. Angeführt wird das Ranking von Google, gefolgt von TikTok, Facebook, WeChat, Disney, Instagram, Tencent, YouTube, Netflix und LinkedIn. Das sind die Top 10. Aus europäischer Sicht findet man nur 5 Marken in diesem Ranking, nämlich Sky (Platz 13), Spotify (21), BBC (31), ITV (42) und Penguin (50).

(2) Abgesehen vom Namen Disney handelt es sich in den Top 10 rein um sogenannte Start-up-Unternehmen. Hier findet wenig Nostalgie, sondern fast nur digitale Zukunft statt.

Von der nationalen zur globalen Medienrevolution

Nur damit ergibt sich auch ein neues Bild über die Medienentwicklung generell, das auch die Markenführung der Zukunft extrem beeinflussen wird. Fanden früher Medienrevolutionen, wie etwa auch die Wiener Zeitung im Jahr 1703 regional oder national statt, finden die Medienrevolutionen der Zukunft im Internet global statt.

Egal ob man sich den Zeitungs-, Zeitschrift-, Kino-, Radio- oder Fernsehmarkt ansieht, so war dieser immer regional oder maximal national geprägt. Jedes Land hatte so seine eigene spezifische Medienlandschaft. Waren es in Österreich – übervereinfacht ausgedrückt – in der Zeitungslandschaft Krone, Kurier, Standard und Presse, waren es in Deutschland Bild, FAZ und Süddeutsche.

Vom Länder- zum Communitydenken

Nur damit waren auch internationale Markenstrategien national geprägt. So erforderten auch globale Strategien nationale Medienpläne und damit auch angepasste Werbekampagnen. Im Internet sieht dies anders aus. Hier wird dieses Länderdenken immer öfter von Kanal- und Communitydenken abgelöst. Nehmen Sie etwa aktuell Shein, das vor allem via TikTok die Modewelt im Flug erobert. So gesehen war diese letzte Woche aus europäischer Sicht doppelt bedenklich. Auf der einen Seite ging ein weiteres traditionelles Medium verloren, gleichzeitig zeigen die Top 50 wie wenig Europa in der globalen Medienlandschaft der Zukunft vertreten ist.

Erschien im Original auf Leadersnet.at

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Meta, Threads und der Faktor Timing

„THREADS: Meta startet Konkurrenz zu Twitter“, „70 Millionen Nutzer: Traumstart für Twitter-Konkurrent Threads von Meta“, „Threads tötet Twitter“, „Meta startet Threads: So funktioniert der Twitter-Konkurrent“, Metas „Threads“ will Twitter Konkurrenz machen“, „Zuckerbergs neue App: Deshalb könnte Threads Twitter gefährlich werden“ oder „Musk mit Rücken an der Wand: So will Facebook Twitter ausstechen“. Das waren nur einige Headlines in der letzten Woche über das große potenzielle Duell Zuckerberg versus Musk. Nur aus Markensicht sollte man Threads aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Der Mikro-Blickwinkel

Beim Mikro-Blickwinkel geht es darum, ob es Threads wirklich schaffen kann, dass man die erste Alternative zu Twitter wird oder ob man sogar Twitter als Marktführer ablösen kann. Das ist sicher aktuell wahrscheinlich die Frage Nr. 1, wie auch die oben zitierten Schlagzeilen zeigen. Dabei kann natürlich niemand die genaue Zukunft vorhersagen. So wird der Erfolg von Threads von der eigenen Strategie und von der Strategie von Twitter abhängen.

Wenn sich Twitter als Marktführer richtig verhalten wird, dürfte es für Threads mehr als nur schwer werden. Wenn sich Threads als Herausforderer richtig verhält und Twitter strategisch und operativ weiter immer wieder schwächelt, könnte es anders aussehen. Was aber sicher ist, dass medial sowohl Elon Musk als auch Mark Zuckerberg kurzfristig profitieren werden. Damit ist für Meta alles möglich: Entweder wird Threads eine weitere erfolgreiche Marke im Mehr-Markensystem neben Facebook, Instagram und WhatsApp oder Threads wird als Flop a la Google+ sanft wieder entschlafen.

Der Makro-Blickwinkel

Viel entscheidender aus Markensicht ist aber der Makro-Blickwinkel, bei dem es in Summe um Meta und das Markensystem von Meta geht. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet, dürfte Threads, egal ob zukünftig erfolgreich oder nicht, mehr Schaden als Nutzen anrichten. Warum?

Bei starken Markensystemen geht es nicht nur darum, dass man erfolgreiche Marken besitzt, um einen spezifischen Markt mit mehreren Marken wirklich zu dominieren. Es geht vor allem auch darum, dass starke Markensysteme immer zeitlich ausbalanciert sein sollten. Starke Markensysteme sollten so immer Marken der Gegenwart und Marken der Zukunft umfassen. (Natürlich gibt es immer wieder auch Marken der Vergangenheit, die man auslaufen lassen oder verkaufen sollte.)

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Mit Threads fokussiert sich Meta mit Sicherheit mehr auf die Gegenwart oder sogar Vergangenheit als auf die Zukunft. Twitter stellte auch mit Sicherheit nie eine Bedrohung für Meta oder eine der Meta-Marken dar. Viel wichtiger wäre es heute für Meta, dass man, wenn man das eigene Markensystem erweitern möchte, eine neue Marke mit Zukunft baut, statt zu versuchen, mit einer neuen Marke einen bereits etablierten Markt vielleicht einmal zu dominieren.

Der vernachlässigte Zukunftsfokus

Was Mark Zuckerberg beruhigen mag, ist, dass viele etablierte Mehr-Marken-Systeme viel zu sehr auf die Gegenwart oder sogar Vergangenheit ausgerichtet sind. Das gilt etwa auch für GM, VW oder Stellantis, die mehr damit beschäftigt sind, bestehende Marken zu elektrifizieren statt neue Elektroautomarken zu bauen.

Mit Facebook, Instagram und WhatsApp setzte man bei Facebook, jetzt Meta immer auf neue Kategorien und neue Marken. Mit Threads verlässt man dieses Strategiemuster. So ist zwar auch Threads eine neue Marke, aber mit dem Fokus auf eine bereits etablierte Kategorie mit einem etablierten Marktführer. Wahrscheinlich hätte man diese Energie und diese Ressourcen besser einsetzen können und sollen. Die Zukunft wird es zeigen.

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The Only Trick in Branding Is …

„The only “trick” in branding is to try to take the facts of the problem and fit them into one of the existing strategies. Is the brand the leader or not? Is it a new brand? What is the category? Can we create a new category? If so, what would be the name of the category be? Those (and many other questions) are the ones that you need to ask yourself.”

Diese Zeilen schrieb mir Al Ries am 23. März 2001, kurz nachdem wir uns zuvor in Zürich getroffen hatten. Für Al war Branding immer ein konzeptioneller Denkprozess, der in der Wahrnehmung der Kunden begann.

Den einzig wahren Point of Sale verstehen

Wenn Al also davon sprach, ob jemand Marktführer oder Herausforderer war, dann ging es für ihn immer um den wahrgenommenen Marktführer oder den wahrgenommenen Herausforderer. Daher kritisierte er auch immer wieder große Unternehmen und deren Berater, wenn diese bei Konzepten alles außer der Wahrnehmung der Kunden berücksichtigten. Das war für ihn auch der Hauptgrund, warum große Konzerne immer und immer wieder fatale Fehlentscheidungen trafen.

Der wichtige Punkt dabei: Wir sprechen heute immer wieder von der Bedeutung des Point of Sales bei Kaufentscheidungen. Die meisten denken dabei aber spontan an konkrete Orte, an denen wir uns aufhalten bzw. an konkrete Geräte, die wir bedienen. So ist für die einen der Supermarkt der POS, für die anderen das Notebook oder das Smartphone oder auch ein Messestand oder das Kundenbüro. Nur genau das greift zu kurz. Egal ob man vor Ort bei H&M, im Internet via Smartphone bei Shein oder sonst wo eine Kaufentscheidung trifft, der wahre Ort der Entscheidung ist immer in unseren Köpfen. Genau dort müssen Marken funktionieren. Nur und nur dort wird entschieden, was, wann, wo und wie oft gekauft wird.

Die existierenden Strategien

Für Al war so immer auch entscheidend, dass ein Marktführer anders denken und handeln muss als ein Herausforderer, ein Mitläufer oder auch ein Start-up-Unternehmen. Genau das meinte er mit den „existierenden Strategien“.

Marktführer: Ein starker Marktführer sollte a) für den Markt eintreten, b) die eigene Marktführerschaft kommunizieren und c) starke Konkurrenzbewegungen rechtzeitig mental und tatsächlich blockieren.

Herausforderer: Ein Herausforderer sollte wirklich dafür sorgen, dass er als die Alternative Nr. 1 zum Marktführer gesehen wird. Der beste Weg dazu ist, dass man das positive Gegenteil des Marktführers macht.

Mitläufer oder Start-up: Der Rest des Feldes, egal ob neue oder bestehende Marke, sollte versuchen, eine neue Kategorie zu etablieren und zu besetzen, oder sich auf eine mentale Nische fokussieren.

In der Theorie mag das einfach klingen. In der Realität ist das oft extrem schwierig, weil es erfordert, dass man als Nicht-Marktführer zuerst einmal die marktführende Position des Marktführers erkennt, anerkennt und nachhaltig akzeptiert.

Die Strategie auf den Punkt oder besser das Wort bringen

Nur auch die beste konzeptionell richtig ausgewählte Strategie alleine ist zu wenig. Im Idealfall lässt sich diese auf ein zentrales Wort verdichten, mit dem die Marke in der Wahrnehmung der Kunden abgespeichert und abgerufen wird. Sie denken an Hamburger. Sie denken an McDonald’s und dann vielleicht an Burger King. Wenn also jetzt jemand in den Markt für Hamburger als Fastfood-Kette einsteigen möchte, braucht er ein neues Wort. Wie man es machen kann, zeigt aktuell Swing Kitchen auf. So ist Swing Kitchen drauf und dran, dass man das Wort „vegan“ bei Hamburgern besetzt. Nicht umsonst heißt es auch auf den Filialen „Real Vegan Burgers“.

Oder nehmen Sie den Markt für Videoplattformen. Sie denken an „Videos“ im Internet. Sie denken an YouTube. Das heißt: YouTube besitzt das Wort „Video“ und damit den Markt in den Köpfen der Kunden. Vimeo wiederum steht klar im Schatten von Youtube. (Oder wer von Ihnen hat spontan bei „Videos“ im Internet an Vimeo gedacht. So gesehen war es von TikTok genial, dass man die Marke auf „Kurzvideos“ fokussierte und positionierte. So besitzt man ein eigenes Wort und damit einen eigenen Markt.

Zwei Fragen dazu: Besitzt Ihre Marke die optimale Strategie passend zum mentalen Kontext? Besitzt Ihre Marke das optimale Wort, um die Strategie zum Leben zu bringen? Die Antworten auf diese beiden Fragen können den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. So einfach in der Theorie. Oft so schwer in der Praxis.

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Kika-Leiner oder der Anfang vom Neuanfang oder vom Ende

Vor 25 Jahren war Kika der alleinige Marktführer im österreichischen Möbelhandel. Lutz war zu diesem Zeitpunkt die Nummer 3. Das Jahr 1999 sollte dann zum Jahr der Entscheidung werden. In diesem Jahr verlor Kika mit der neuen Werbekampagne „Die Frau in Rot“, die die Langzeitkampagne „Wo geht’s hier zu Kika“ ablöste, den roten Faden in der Markenführung, während Lutz mit der Marke XXXLutz und der Familie Putz den Großangriff auf die Marktführerschaft startete.

Die letzten fünf Jahre

Noch im November 2018 ließ der damals neue Kika-Leiner Chef Reinhold Gütebier mit medialen Kampfansagen wie „Der Krieg wird auf der Fläche entschieden“ aufhorchen, um noch 5 Jahre später via APA-OTS zu verkünden, dass es keine Schließungen geben würde.  

Jetzt, nachdem Rene Benko Kika-Leiner verkauft hat, heißt es laut Neo-Geschäftsführer Hermann Wieser: „Wir sind angetreten, um Kika/Leiner zu retten. Und wir retten jetzt, was zu retten ist.“ So wurde zuerst am 6. Juni dieses Jahres verlautbart, dass 23 von 40 Filialen geschlossen werden, und fast 2000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entlassen werden. Am 7. Juni wurde dann zusätzlich verlautbart, dass die geplante Sanierung nicht ohne Insolvenzverfahren erfolgen würde.

Harte Sanierung alleine zu wenig

Gleichzeitig wird aber weiterhin davon gesprochen, dass das Unternehmen so langfristig wieder wettbewerbsfähig werden solle. Nur das alleine wird zu wenig sein. Entscheidend wird sein, dass man auch alle Kräfte auf eine Marke fokussiert, um diese nicht nur zu sanieren, sondern auch wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Dabei spricht einiges dafür, dass man alle Kräfte auf Leiner und nicht auf Kika konzentriert. So wurde einerseits die Marke Leiner in den letzten drei Jahrzehnten sehr viel konsequenter, wenn auch oft im Schatten von Kika, geführt.  Andererseits differenziert sich Leiner – nicht nur aufgrund der grünen Farbe – sehr viel mehr von XXXLutz als Kika. Der große Schönheitsfehler bei Leiner aus Markensicht ist dabei aber, dass es den Flagship-Store in der Mariahilfer Straße in Wien nicht mehr gibt. Dieser wäre gerade jetzt in der Krise eine starke Markenbasis gewesen. Fazit: Die aktuelle Sanierung, egal ob mit ohne Insolvenzverfahren, könnte ohne klare zukünftige Marken- und Wachstumsstrategie dann die letzte Sanierung gewesen sein.

Erschien im Original auf Cash.at

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