Im Schatten des Marktführers und der große Markenwerte-Irrglaube

In vielen Marken-Workshops mit diversen Agenturen und Beratern geht es immer und immer wieder um Attribute und Eigenschaften, um Werte und natürlich um Kundennutzen. Je nach Modell oder Herangehensweise werden dann jeweils drei, fünf oder sogar mehr Begriffe definiert und dann oft im Sinne des Markenkerns oder der Markenpositionierung wieder auf einen Begriff reduziert. Das Ergebnis ist in der Regel ein mehr oder weniger umfangreiches Markenstatement, das dann wieder in vielen Fällen auch die Basisunterlage für das Agenturbriefing ist. So weit. So gut.

Der Nächste bitte oder …

Wenn das Ganze aber dann nicht den erwünschten Erfolg erzielt, wird diese Übung mit einer anderen Agentur oder einem anderen Berater wiederholt. Ein typisches Beispiel dafür dürfte Opel sein. So hat man in den letzten 25 Jahren immer wieder verschiedene Markenwerte kommuniziert, die sich dann auch in diversen Slogans und Werbeauftritten widergespiegelt haben.

So hieß es einmal, dass Opel für Qualität, Kreativität, Vielseitigkeit, Dynamik und Partnerschaft stehe. In weiterer Folge reduzierte man dann diese fünf Werte auf die folgenden drei: bezahlbare Nutzeninnovationen, zukunftsorientiertes Design und Rolle der Mitte in unserer Gesellschaft. In der Ära von Tina Müller definierte sich Opel dann über „deutsche Ingenieurskunst“, „emotionales Design“, „digitale Vernetzung“ und „Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Daraus wurde dann, dass die Marke für deutsch, nahbar und begeisternd stehe. Aktuell fallen gemeinsam mit der Marke immer wieder folgende Werte, nämlich deutsche Markenqualität und Präzision, Offenheit und Menschlichkeit sowie jugendliche Dynamik.

Zudem hatte man in den letzten Jahrzehnten jede Menge an Slogans wie etwa „Technik, die begeistert“, „Wir haben verstanden“, „Bessere Autos für eine bessere Umwelt“, „Frisches Denken für bessere Autos“, „Entdecke Opel“, „Autos zum Leben“, „Die Zukunft gehört allen“ oder „Geboren in Deutschland. Gebaut für uns alle“. Dazu kam dann noch die „Umparken im Kopf“-Kampagne.

… der große übersehene Punkt

Was in diesem Kontext gerne übersehen wird, ist, dass es einen großen Unterschied macht, ob man diese Markenwerte-Übung mit einem starken wahrgenommenen Marktführer oder mit einem Nicht-Marktführer macht, der im Schatten eines starken wahrgenommenen Marktführers steht. Dabei lautet die einfache Kernerkenntnis: Für einen starken wahrgenommenen Marktführer funktioniert so gut wie alles. Für einen Nicht-Marktführer, der im Schatten eines starken wahrgenommenen Marktführers steht, funktioniert so gut wie fast gar nichts.

Bleiben wir bei Opel! Das Hauptproblem von Opel ist mit Sicherheit nicht, dass man die falschen Werte, Eigenschaften oder Nutzen jeweils definiert hat. So macht es aus Kundensicht wenig Unterschied, ob man einmal auf die Kernwerte Qualität, Kreativität, Vielseitigkeit, Dynamik und Partnerschaft oder auf die Kernwerte deutsch, nahbar und begeisternd oder auf die Kernwerte deutsche Markenqualität und Präzision, Offenheit und Menschlichkeit sowie jugendliche Dynamik setzt. (Im Endeffekt haben die meisten Menschen von diesen Werten nie etwas mitbekommen, geschweige denn diese Werte jemals mit Opel wirklich verbunden.)

Das (weiterhin ungelöste) Hauptproblem von Opel war und ist, dass man im mentalen Schatten von VW steht, dass man nur als maximal weitere gute Automobilmarke wahrgenommen wird. (Frage an Sie: Haben Sie aufgrund dieser oben genannten häufig geänderten Werte und Eigenschaften, den diversen Slogans und Kampagnen jeweils Ihre Meinung über Opel grundlegend verändert? Weitere Fragen dazu: Haben Sie diese Werte überhaupt gekannt? Und hätten Sie überhaupt die Zeit, die vielen Markenwerte diverser Marken zu lernen, die man Ihnen gerne aufs Auge oder ins Gehirn drücken möchte?)

Die eigene Markt- und Themenführerschaft definieren

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Markenwerte sind wichtig, um Marken strategisch und operativ nach außen und innen in die Zukunft zu führen. Nur bevor man die eigenen Markenwerte definiert, sollte man zuerst sicherstellen, dass man eine eigene Führungsposition in den Köpfen der Kunden hat. Das heißt: Man sollte mit der Positionierung mit dem klaren Ziel einer eigenen Spitzenstellung starten. Erst dann gilt es die Werte zu definieren, die sicherstellen, dass die Marke im Sinne dieser Führungsposition nach außen und innen in die Zukunft geführt wird.

Nur leider läuft es in der Praxis oft genau umgekehrt ab. Zuerst werden die Markenattribute, Markenwerte und Markennutzen gemeinsam entwickelt und abgeleitet, dann versucht man diese Ansammlung an rationalen und emotionalen Begriffen (verzweifelt) in eine Positionierung zu verdichten und zu übersetzen. Nur genau das endet, wie oben erwähnten, in oft endlosen Versuchen, die eigene Marke auf den Punkt zu bringen. Schade! Viele Marken verkaufen sich so nicht nur dauerhaft unter ihrem möglichen Wert und Potenzial, sondern verschenken auch jede Menge Zeit, Energie und Geld.

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Medienrevolutionen: Wiener Zeitung und die Medien- und Markenlandschaft der Zukunft

Dieses Monat war sicher neben Threads von zwei weiteren Nachrichten aus der Medienlandschaft geprägt. Auf der einen Seite ging es um die letzte Printausgabe der Wiener Zeitung, der ältesten noch bestehenden Tageszeitung der Welt. Auf der anderen Seite präsentierte Brand Finance die 50 wertvollsten Medienmarken der Welt.

Die Werte der Zukunft

Wenn man sich diese 50 wertvollsten Medienmarken ansieht, dann stechen klar zwei Punkte ins Auge:

(1) In den Top 10 findet man nur amerikanische und chinesische Marken. Von Europa keine Spur. Angeführt wird das Ranking von Google, gefolgt von TikTok, Facebook, WeChat, Disney, Instagram, Tencent, YouTube, Netflix und LinkedIn. Das sind die Top 10. Aus europäischer Sicht findet man nur 5 Marken in diesem Ranking, nämlich Sky (Platz 13), Spotify (21), BBC (31), ITV (42) und Penguin (50).

(2) Abgesehen vom Namen Disney handelt es sich in den Top 10 rein um sogenannte Start-up-Unternehmen. Hier findet wenig Nostalgie, sondern fast nur digitale Zukunft statt.

Von der nationalen zur globalen Medienrevolution

Nur damit ergibt sich auch ein neues Bild über die Medienentwicklung generell, das auch die Markenführung der Zukunft extrem beeinflussen wird. Fanden früher Medienrevolutionen, wie etwa auch die Wiener Zeitung im Jahr 1703 regional oder national statt, finden die Medienrevolutionen der Zukunft im Internet global statt.

Egal ob man sich den Zeitungs-, Zeitschrift-, Kino-, Radio- oder Fernsehmarkt ansieht, so war dieser immer regional oder maximal national geprägt. Jedes Land hatte so seine eigene spezifische Medienlandschaft. Waren es in Österreich – übervereinfacht ausgedrückt – in der Zeitungslandschaft Krone, Kurier, Standard und Presse, waren es in Deutschland Bild, FAZ und Süddeutsche.

Vom Länder- zum Communitydenken

Nur damit waren auch internationale Markenstrategien national geprägt. So erforderten auch globale Strategien nationale Medienpläne und damit auch angepasste Werbekampagnen. Im Internet sieht dies anders aus. Hier wird dieses Länderdenken immer öfter von Kanal- und Communitydenken abgelöst. Nehmen Sie etwa aktuell Shein, das vor allem via TikTok die Modewelt im Flug erobert. So gesehen war diese letzte Woche aus europäischer Sicht doppelt bedenklich. Auf der einen Seite ging ein weiteres traditionelles Medium verloren, gleichzeitig zeigen die Top 50 wie wenig Europa in der globalen Medienlandschaft der Zukunft vertreten ist.

Erschien im Original auf Leadersnet.at

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Meta, Threads und der Faktor Timing

„THREADS: Meta startet Konkurrenz zu Twitter“, „70 Millionen Nutzer: Traumstart für Twitter-Konkurrent Threads von Meta“, „Threads tötet Twitter“, „Meta startet Threads: So funktioniert der Twitter-Konkurrent“, Metas „Threads“ will Twitter Konkurrenz machen“, „Zuckerbergs neue App: Deshalb könnte Threads Twitter gefährlich werden“ oder „Musk mit Rücken an der Wand: So will Facebook Twitter ausstechen“. Das waren nur einige Headlines in der letzten Woche über das große potenzielle Duell Zuckerberg versus Musk. Nur aus Markensicht sollte man Threads aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Der Mikro-Blickwinkel

Beim Mikro-Blickwinkel geht es darum, ob es Threads wirklich schaffen kann, dass man die erste Alternative zu Twitter wird oder ob man sogar Twitter als Marktführer ablösen kann. Das ist sicher aktuell wahrscheinlich die Frage Nr. 1, wie auch die oben zitierten Schlagzeilen zeigen. Dabei kann natürlich niemand die genaue Zukunft vorhersagen. So wird der Erfolg von Threads von der eigenen Strategie und von der Strategie von Twitter abhängen.

Wenn sich Twitter als Marktführer richtig verhalten wird, dürfte es für Threads mehr als nur schwer werden. Wenn sich Threads als Herausforderer richtig verhält und Twitter strategisch und operativ weiter immer wieder schwächelt, könnte es anders aussehen. Was aber sicher ist, dass medial sowohl Elon Musk als auch Mark Zuckerberg kurzfristig profitieren werden. Damit ist für Meta alles möglich: Entweder wird Threads eine weitere erfolgreiche Marke im Mehr-Markensystem neben Facebook, Instagram und WhatsApp oder Threads wird als Flop a la Google+ sanft wieder entschlafen.

Der Makro-Blickwinkel

Viel entscheidender aus Markensicht ist aber der Makro-Blickwinkel, bei dem es in Summe um Meta und das Markensystem von Meta geht. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet, dürfte Threads, egal ob zukünftig erfolgreich oder nicht, mehr Schaden als Nutzen anrichten. Warum?

Bei starken Markensystemen geht es nicht nur darum, dass man erfolgreiche Marken besitzt, um einen spezifischen Markt mit mehreren Marken wirklich zu dominieren. Es geht vor allem auch darum, dass starke Markensysteme immer zeitlich ausbalanciert sein sollten. Starke Markensysteme sollten so immer Marken der Gegenwart und Marken der Zukunft umfassen. (Natürlich gibt es immer wieder auch Marken der Vergangenheit, die man auslaufen lassen oder verkaufen sollte.)

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Mit Threads fokussiert sich Meta mit Sicherheit mehr auf die Gegenwart oder sogar Vergangenheit als auf die Zukunft. Twitter stellte auch mit Sicherheit nie eine Bedrohung für Meta oder eine der Meta-Marken dar. Viel wichtiger wäre es heute für Meta, dass man, wenn man das eigene Markensystem erweitern möchte, eine neue Marke mit Zukunft baut, statt zu versuchen, mit einer neuen Marke einen bereits etablierten Markt vielleicht einmal zu dominieren.

Der vernachlässigte Zukunftsfokus

Was Mark Zuckerberg beruhigen mag, ist, dass viele etablierte Mehr-Marken-Systeme viel zu sehr auf die Gegenwart oder sogar Vergangenheit ausgerichtet sind. Das gilt etwa auch für GM, VW oder Stellantis, die mehr damit beschäftigt sind, bestehende Marken zu elektrifizieren statt neue Elektroautomarken zu bauen.

Mit Facebook, Instagram und WhatsApp setzte man bei Facebook, jetzt Meta immer auf neue Kategorien und neue Marken. Mit Threads verlässt man dieses Strategiemuster. So ist zwar auch Threads eine neue Marke, aber mit dem Fokus auf eine bereits etablierte Kategorie mit einem etablierten Marktführer. Wahrscheinlich hätte man diese Energie und diese Ressourcen besser einsetzen können und sollen. Die Zukunft wird es zeigen.

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The Only Trick in Branding Is …

„The only “trick” in branding is to try to take the facts of the problem and fit them into one of the existing strategies. Is the brand the leader or not? Is it a new brand? What is the category? Can we create a new category? If so, what would be the name of the category be? Those (and many other questions) are the ones that you need to ask yourself.”

Diese Zeilen schrieb mir Al Ries am 23. März 2001, kurz nachdem wir uns zuvor in Zürich getroffen hatten. Für Al war Branding immer ein konzeptioneller Denkprozess, der in der Wahrnehmung der Kunden begann.

Den einzig wahren Point of Sale verstehen

Wenn Al also davon sprach, ob jemand Marktführer oder Herausforderer war, dann ging es für ihn immer um den wahrgenommenen Marktführer oder den wahrgenommenen Herausforderer. Daher kritisierte er auch immer wieder große Unternehmen und deren Berater, wenn diese bei Konzepten alles außer der Wahrnehmung der Kunden berücksichtigten. Das war für ihn auch der Hauptgrund, warum große Konzerne immer und immer wieder fatale Fehlentscheidungen trafen.

Der wichtige Punkt dabei: Wir sprechen heute immer wieder von der Bedeutung des Point of Sales bei Kaufentscheidungen. Die meisten denken dabei aber spontan an konkrete Orte, an denen wir uns aufhalten bzw. an konkrete Geräte, die wir bedienen. So ist für die einen der Supermarkt der POS, für die anderen das Notebook oder das Smartphone oder auch ein Messestand oder das Kundenbüro. Nur genau das greift zu kurz. Egal ob man vor Ort bei H&M, im Internet via Smartphone bei Shein oder sonst wo eine Kaufentscheidung trifft, der wahre Ort der Entscheidung ist immer in unseren Köpfen. Genau dort müssen Marken funktionieren. Nur und nur dort wird entschieden, was, wann, wo und wie oft gekauft wird.

Die existierenden Strategien

Für Al war so immer auch entscheidend, dass ein Marktführer anders denken und handeln muss als ein Herausforderer, ein Mitläufer oder auch ein Start-up-Unternehmen. Genau das meinte er mit den „existierenden Strategien“.

Marktführer: Ein starker Marktführer sollte a) für den Markt eintreten, b) die eigene Marktführerschaft kommunizieren und c) starke Konkurrenzbewegungen rechtzeitig mental und tatsächlich blockieren.

Herausforderer: Ein Herausforderer sollte wirklich dafür sorgen, dass er als die Alternative Nr. 1 zum Marktführer gesehen wird. Der beste Weg dazu ist, dass man das positive Gegenteil des Marktführers macht.

Mitläufer oder Start-up: Der Rest des Feldes, egal ob neue oder bestehende Marke, sollte versuchen, eine neue Kategorie zu etablieren und zu besetzen, oder sich auf eine mentale Nische fokussieren.

In der Theorie mag das einfach klingen. In der Realität ist das oft extrem schwierig, weil es erfordert, dass man als Nicht-Marktführer zuerst einmal die marktführende Position des Marktführers erkennt, anerkennt und nachhaltig akzeptiert.

Die Strategie auf den Punkt oder besser das Wort bringen

Nur auch die beste konzeptionell richtig ausgewählte Strategie alleine ist zu wenig. Im Idealfall lässt sich diese auf ein zentrales Wort verdichten, mit dem die Marke in der Wahrnehmung der Kunden abgespeichert und abgerufen wird. Sie denken an Hamburger. Sie denken an McDonald’s und dann vielleicht an Burger King. Wenn also jetzt jemand in den Markt für Hamburger als Fastfood-Kette einsteigen möchte, braucht er ein neues Wort. Wie man es machen kann, zeigt aktuell Swing Kitchen auf. So ist Swing Kitchen drauf und dran, dass man das Wort „vegan“ bei Hamburgern besetzt. Nicht umsonst heißt es auch auf den Filialen „Real Vegan Burgers“.

Oder nehmen Sie den Markt für Videoplattformen. Sie denken an „Videos“ im Internet. Sie denken an YouTube. Das heißt: YouTube besitzt das Wort „Video“ und damit den Markt in den Köpfen der Kunden. Vimeo wiederum steht klar im Schatten von Youtube. (Oder wer von Ihnen hat spontan bei „Videos“ im Internet an Vimeo gedacht. So gesehen war es von TikTok genial, dass man die Marke auf „Kurzvideos“ fokussierte und positionierte. So besitzt man ein eigenes Wort und damit einen eigenen Markt.

Zwei Fragen dazu: Besitzt Ihre Marke die optimale Strategie passend zum mentalen Kontext? Besitzt Ihre Marke das optimale Wort, um die Strategie zum Leben zu bringen? Die Antworten auf diese beiden Fragen können den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. So einfach in der Theorie. Oft so schwer in der Praxis.

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Kika-Leiner oder der Anfang vom Neuanfang oder vom Ende

Vor 25 Jahren war Kika der alleinige Marktführer im österreichischen Möbelhandel. Lutz war zu diesem Zeitpunkt die Nummer 3. Das Jahr 1999 sollte dann zum Jahr der Entscheidung werden. In diesem Jahr verlor Kika mit der neuen Werbekampagne „Die Frau in Rot“, die die Langzeitkampagne „Wo geht’s hier zu Kika“ ablöste, den roten Faden in der Markenführung, während Lutz mit der Marke XXXLutz und der Familie Putz den Großangriff auf die Marktführerschaft startete.

Die letzten fünf Jahre

Noch im November 2018 ließ der damals neue Kika-Leiner Chef Reinhold Gütebier mit medialen Kampfansagen wie „Der Krieg wird auf der Fläche entschieden“ aufhorchen, um noch 5 Jahre später via APA-OTS zu verkünden, dass es keine Schließungen geben würde.  

Jetzt, nachdem Rene Benko Kika-Leiner verkauft hat, heißt es laut Neo-Geschäftsführer Hermann Wieser: „Wir sind angetreten, um Kika/Leiner zu retten. Und wir retten jetzt, was zu retten ist.“ So wurde zuerst am 6. Juni dieses Jahres verlautbart, dass 23 von 40 Filialen geschlossen werden, und fast 2000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entlassen werden. Am 7. Juni wurde dann zusätzlich verlautbart, dass die geplante Sanierung nicht ohne Insolvenzverfahren erfolgen würde.

Harte Sanierung alleine zu wenig

Gleichzeitig wird aber weiterhin davon gesprochen, dass das Unternehmen so langfristig wieder wettbewerbsfähig werden solle. Nur das alleine wird zu wenig sein. Entscheidend wird sein, dass man auch alle Kräfte auf eine Marke fokussiert, um diese nicht nur zu sanieren, sondern auch wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Dabei spricht einiges dafür, dass man alle Kräfte auf Leiner und nicht auf Kika konzentriert. So wurde einerseits die Marke Leiner in den letzten drei Jahrzehnten sehr viel konsequenter, wenn auch oft im Schatten von Kika, geführt.  Andererseits differenziert sich Leiner – nicht nur aufgrund der grünen Farbe – sehr viel mehr von XXXLutz als Kika. Der große Schönheitsfehler bei Leiner aus Markensicht ist dabei aber, dass es den Flagship-Store in der Mariahilfer Straße in Wien nicht mehr gibt. Dieser wäre gerade jetzt in der Krise eine starke Markenbasis gewesen. Fazit: Die aktuelle Sanierung, egal ob mit ohne Insolvenzverfahren, könnte ohne klare zukünftige Marken- und Wachstumsstrategie dann die letzte Sanierung gewesen sein.

Erschien im Original auf Cash.at

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Die wahre Macht der Positionierung oder was Siegermarken wirklich anders machen

Sie machen mehr Umsatz, mehr Gewinn. Sie wachsen schneller als der Mitbewerb. Sie haben mehr Marktanteil, einen höheren Markenwert. Sie sind bekannter, beliebter und werden klar bevorzugt. Was aber macht wirklich den großen Unterschied zwischen Siegermarken und dem Rest des Feldes aus?

Die Benchmark-Falle und …

Viele Unternehmen, Berater und Experten studieren natürlich diese erfolgreichen Siegermarken. Sie analysieren deren Strategien und vor allem auch deren kreative Umsetzungsmaßnahmen, egal ob analog oder digital. Das Ziel dabei ist es, dass man Benchmarks für die eigene Marke findet, um dann selbst zur Siegermarke zu werden.

Nur dabei sollte man das Folgende immer bedenken: Sie können das Geschäftsmodell einer Siegermarke kopieren. Sie können Produkte und Dienstleistungen nachahmen. Sie können dieselben Vertriebswege wählen, dieselben Zielgruppen mit den gleichen Medien ansprechen. Sie können ähnliche Wege in der Werbung gehen und zudem auch auf die teuersten Design- und Kreativagenturen setzen. 

Sie können natürlich auch auf die gleichen Marken- und Strategiemodelle setzen. Dazu gehören aktuell mit Sicherheit die Definition eines „weltrettenden“ Purposes und die Entwicklung einer klaren Markenidentität. Darauf aufbauend können Sie natürlich dann auch – wie es die aktuelle Theorie empfiehlt – ein Positioning-Statement und eine Positionierung auf dem Papier oder in der Präsentation ableiten.

… die Position in der Wahrnehmung

Aber eines können Sie nicht kopieren, ganz egal wie viel Zeit, Ressourcen und Finanzmittel Sie haben und einsetzen. Das ist die Position der Siegermarke in der Wahrnehmung der Kunden. Sie können so gut wie fast alles von Red Bull kopieren. Aber es ist unmöglich, dass man Red Bull die „Original-Energydrink-Position“ in der Wahrnehmung des Marktes wegnimmt. Diese Erfahrung mussten nicht nur unzählige Unternehmer und Start-ups machen, sondern auch der Softdrink-Gigant Coca-Cola, egal ob man es mit KMX, Burn oder selbst mit Coca-Cola Energy versuchte.

Diese Erfahrung musste auch Microsoft bei Suchmaschinen gegen Google machen, egal ob die Suchmaschine MSN Search oder Bing heißt. Die mentale Position von Google ist so stark, dass sicher viele Menschen auch auf Bing „googeln“. So gesehen ist auch der Unterschied zwischen Vimeo und TikTok klar. Vimeo wird maximal als eine Art Kopie von YouTube gesehen, TikTok wird nicht als Kopie, sondern als Original und Marktführer bei Kurzvideos wahrgenommen.

Oder nehmen Sie Burger King! Egal ob Burger King auf „Vegan“ macht, egal ob man auf Premiumburger macht, egal ob man McDonald´s einmal mehr oder weniger kopiert, das Hauptproblem bleibt die dominante Position von McDonald’s in der Wahrnehmung. So gesehen ist auch klar, warum nicht mehr Burger King sondern Subway und Starbucks die großen Herausforderer von McDonald’s in den USA im Fastfood-Markt sind. Sowohl Subway als auch Starbucks besitzen selbst dominante Positionen in der Wahrnehmung der Kunden. Subway steht für Sandwiches, Starbucks für Kaffee.

Unpositioniert versus positioniert

Das vielleicht beste Beispiel für die Macht der Positionierung ist wahrscheinlich im deutschen Sprachraum Dr. Best. Bis 1988 war Dr. Best eine weitere Zahnbürste unter vielen, die im mentalen Schatten von Blend-a-dent und Oral-b stand. Und egal auf welche Art von Werbung man gesetzt hätte, egal ob kreativ, emotional oder rational, das hätte wenig geändert.

Was die Welt der Zahnbürsten wirklich verändert hat, war die Schaffung einer neuen Kategorie oder Schublade in der Wahrnehmung und im Gedächtnis der Kunden. So wurde aus einer weiteren Handzahnbürste die erste nachgebende Zahnbürste. Damit schuf sich Dr. Best als Marke eine eigene Führungsposition. Gleichzeitig gelang es damit, den Mitbewerb als starr und gefährlich für Zahnfleisch und Zähne zu repositionieren. Das Ergebnis: Von 1988 bis zum Jahr 2000 konnte Dr. Best nicht nur den Marktanteil von 6 Prozent auf über 40 Prozent steigern, man konnte zusätzlich auch die Preise erhöhen. Heute ist Dr. Best die meistverkaufte Handzahnbürste.

Positionierung heißt daher auch, dass man zuerst die Positionen der Mitbewerber in der Wahrnehmung der Kunden erkennt und anerkennt, um dann darauf aufbauend die eigene Position zu finden, zu besetzen und auszubauen. So gesehen kann man Markenführung auch als mentalen Kampf um die Gunst der Kunden definieren.

Zwei Fragen dazu an Sie: Besitzt Ihre Marke die stärkstmögliche Position in der Wahrnehmung der Kunden? Und wird diese Position Tag für Tag bestmöglich umgesetzt? Die Antworten auf diese beiden Fragen, können den einen großen Unterschied zwischen Siegermarke und Verlierermarke ausmachen. Stellen Sie also sicher, dass Ihre Marke zur Siegermarke wird und überlassen Sie das klassische Benchmarking getrost anderen!

Erschien im Original auf Marketing-Boerse.de

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Die Tesla-Markenlektion oder das volle PR-Potenzial nutzen

Viele Start-up-Unternehmen „killen“ ihr PR- und damit oft auch ihr Marken- und Marktpotenzial, weil man viel zu früh auf bezahlte Werbung setzt, die man sich weder leisten kann noch sollte. Wie man es aus Markensicht perfekt machen kann, zeigte und zeigt Elon Musk mit Tesla. Er nutzte und nutzt das volle PR- und damit auch Mundpropaganda-Potenzial zum Marken- und Marktaufbau.

Wertvollste globale Elektroautomarke der Welt

Tesla ist heute nicht nur laut Interbrand (Stand Oktober 2022) die wertvollste Elektroautomarke der Welt mit einem Markenwert von 48 Milliarden US-Dollar, sondern bereits auch die drittwertvollste Automarke überhaupt. Nur mehr Toyota (59,8 Mrd. US-Dollar) und Mercedes-Benz (56,1) liegen vor Tesla. Dazu kommt, dass Tesla als einzige westliche Marke bei verkauften Elektroautomodellen 2022 sowohl in Europa, in den USA als auch in China in den Top 10 zu finden war. In Europa und in den USA lag man bei den Modellen sogar auf Platz 1, in China als einzige nicht-chinesische Marke auf Platz 2 hinter BYD.

All dies erreichte Musk aus der Kommunikationsperspektive betrachtet alleine mit Mundpropaganda und PR. Umso mehr stieß es auch global in den Medien auf Beachtung, als er kürzlich beim letzten Aktionärsmeeting in Austin, Texas mit folgender Aussage aufhorchen ließ: „Wir werden ein bisschen Werbung ausprobieren und schauen, wie es läuft.“ Bemerkenswert auch hier: Er kündigte keine große hyperkreative Werbekampagne an, wie es bei großen Konzernen meist üblich ist. Vielmehr wird er mit dieser Art der Ankündigung dafür sorgen, dass wahrscheinlich auch „wenig Werbung“ wieder überproportional viel Medieninteresse, PR und Mundpropaganda generieren wird. (Zudem kann er so immer noch zu einem späteren Zeitpunkt die erste echte große globale Kampagne ankündigen.)

Drei zentrale Erfolgsfaktoren

Elon Musk ist nicht alleine. Dieses Muster „zuerst PR, dann Werbung“ baute unzählige Marken wie etwa auch Amazon, Dyson, Ebay, Facebook, iPhone, Netflix, Spotify, TikTok oder auch Ryanair. Erfolgsentscheidend sind dafür aber drei Punkte:

(1) Neue Kategorie: Es genügt nicht, dass man dafür ein neues Produkt oder eine neue Marke lanciert. Es muss wirklich gelingen, dass man in den Köpfen der Kunden eine neue erste Kategorie etabliert und dann besetzt. So steht etwa Amazon in der Wahrnehmung der Kunden stellvertretend für Online-Handel, Facebook für Soziales Netzwerk, Spotify für Musik-Streaming, Ryanair für Diskontfluglinie in Europa oder TikTok für Kurzvideos im Internet.

(2) Kontroverse: Medien lieben Kontroversen, vor allem lieben es die Medien, wenn jemand den Status Quo herausfordert und in Frage stellt. Genau das machte Elon Musk perfekt für die Marke Tesla. Dabei ist es auch kein Problem, wenn eine kontroverse Idee zu Anfang von Experten eher belächelt und kleingeredet wird. Ganz im Gegenteil:  Genau das kann zusätzlich die Spannung massiv erhöhen und damit die Basis für weitere PR und Mundpropaganda legen.  Perfekt machte es auch Steve Jobs bei der ersten iPhone Präsentation 2007, als er das Bild mit vier herkömmlichen Smartphones mit Tastarturen zeigte, um dann das iPhone als die Alternative ohne Tastatur, aber mit Touchscreen zu präsentieren.

(3) Sprecherfunktion: Da man weder Produkte noch Dienstleistungen interviewen kann, steht im Idealfall eine Person dahinter, die aktiv diese Sprecherrolle für die Marke und die gesamte Kategorie dahinter übernimmt. Dabei kann und darf diese Person sehr wohl auch polarisieren. Niemand fasste dies besser zusammen als Ryanair-Chef Michael O’Leary, der einmal sagte: „Wenn ich abtrete, wird sicher unser Marketing-Etat wachsen, weil wir ohne meine Sprüche weniger Aufmerksamkeit bekommen – aber das sparen wir dann an Gerichtskosten, weil uns dann weniger Leute wegen meiner Sprüche verklagen.“ Damit traf er, wenn auch sicher etwas ironisch gemeint, den Nagel auf den Kopf.

Zuerst Mundpropanda und PR, dann Werbung

Fazit: Auf den ersten Blick klingt diese Formel „zuerst analoge und digitale Mundpropaganda und PR, dann Werbung“ einfach. Nur das vermeintliche Einfache ist oft das Schwierigste. Denn diese Formel erfordert ein Umdenken bei der Entwicklung der generellen Markenstrategie. Heißt: Man sollte die gesamte grundlegende Markenstrategie, vor allem aber die grundlegende Positionierung aus PR- und Mundpropaganda-Sicht entwickeln. Der beste Weg und die beste Basis dazu: Eine neue Produkt- oder Dienstleistungskategorie, die man gegen den Status Quo positionieren kann.

Erschien im Original auf Absatzwirtwschaft.de

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